Tenchu Z

Review
Plattform
XBOX 360
Vertrieb
Microsoft
Entwickler
K2 Network, Inc
Genre
Action

Gesamtwertung

5/10

X360: Tenchu Z

Nach welchen Kriterien kaufen Spieler von heute eigentlich ihre Spiele? Nach den knallharten Wertungen diverser Fachmagazine oder dem Hörensagen? Oder doch nach dem Cover, das mit seinen stylischen und coolen Artworks oftmals Action und Spannnung satt verspricht. Ihr werdet lachen, aber so abwegig ist die letzte Annahme nicht – habe ich selbst erlebt und ist noch gar nicht lange her, als in einem großen Elektromarkt mit dem roten Design ein junger Spross seine kommende Konsolen-Unterhaltung nach dem actionreichsten Cover aussuchte.

Im Fall von Tenchu hat man sich beim japanischen Entwickler From Software, die traditionell seit Jahren für die Serie verantwortlich sind, richtig ins Zeug gelegt. Das wirklich coole Cover, das einen maskierten japanischen Kämpfer ziert, der im Vollmond auf einem Häuserdach seinen Feinden auflauert, vermittelt einen Hauch fernöstliches Flair und geheimnisvolle japanische Kampfkunst – bleibt nur die Frage, ob das stimmungsvolle Cover eine Mogelpackung ist oder Tenchu Z mit seinem ersten Next Generation-Auftritt, erstmals exklusiv auf der Xbox 360, auch Stealth-Freunde begeistert, denen die Tenchu-Serie bislang unbekannt war.

Und das wäre nicht verwunderlich, schließlich spielt man in den hiesigen Gefilden lieber mit Solid Snake oder Sam Fisher eine Runde Verstecken. Wer allerdings auf Verschwörungstheorien und hypermoderne Gadgets gerne verzichtet und seine Feinde lieber als maskierter Ninja dahinmeuchelt, findet in Tenchu Z eine gelungene Alternative zur Einheitschleicherei.

Wie alle Teile der berühmten Ninja-Serie spielt der Stealth-Slasher im feudalen Japan zu Beginn des 18. Jahrhunderts und steckt 360-Besitzer in die Tarnklamotten eines japanischen Kämpfers, der möglichst lautlos und im Verborgenen agiert. Vom Setting her unterscheidet sich der japanische Schmittchen-Schleicher von seinen Kollegen, die Perspektive ist allerdings identisch. Aus der Verfolgersicht geht es als einsamer Schattenkämpfer - oder per Link oder Online-Anbindung sogar im Team mit bis zu vier Kriegern - in den Kampf. In über 50 Missionen gilt es, im feudalen Japan Anfang des 18. Jahrhunderts für Gerechtigkeit zu sorgen.

Als mittelalterlicher Kampftrupp startet Ihr im Ninja-Camp und kämpft Euch durch Missionen mit solch aufregenden Namen wie „Erledige den sündigen Priester“, „Meuchele die Gesetzlosen“ oder „Bestrafe die gierigen Hände“ - wir spielen also Moralpolizei und bringen Gerechtigkeit. Was allerdings höchst abwechslungsreich klingt, entpuppt sich als simples „Schleiche von A nach B“ oder „Töte alles, was im Dorfe kreucht und fleucht“ bis hin zum konkreten „Und jetzt killen wir den Obermotz“.

Ich persönlich halte Abwechslungsreichtum bei der Missionsauswahl zwar für überbewertet, wenn das Gameplay stimmig und spannend ist, schließlich hat sich bei Sam Fisher auch noch keiner über monotones Gameplay beschwert, doch Tenchu Z langweilt schnell durch variantenarmes Gegnermeucheln.

Dabei sind die Ansätze gar nicht schlecht: Das Flair ist absolut mystisch und die Atmosphäre stimmig. Euer wahlweise weiblicher oder männlicher Ninja-Assassine schleicht im Mondschein durch dunkle Gassen, klettert über die spitzen Dächer der fernöstlichen Behausungen oder versteckt sich hinter Häuserecken – eine gewisse Spannung kommt auf, denn wer will schon die Aufmerksamkeit mehrerer Dutzend Samurai-Krieger auf sich ziehen, wenn er anfangs nur mit einem einfachen Katana-Schwert bewaffnet ist.

Um plötzliche Begegnungen mit Feinden zu vermeiden, hilft die äußerst differenzierte KI-Anzeige. Diese verrät nicht nur sofort, ob Euer Krieger eine Gefahr wittert, sondern zeigt an, ob Eure Feinde Euch riechen, sehen oder hören können. Klare Sache, wer vorher durch einen japanischen Schmoddertümpel getappt ist, braucht sich nicht zu wundern, wenn die Feinde die Nase rümpfen und sich mit Gebrüll Euch entgegen werfen.

Stets die Sinne schärfen und alles im Auge behalten ist oberstes Gebot für Ninjas – dachte ich zumindest bis zum ersten Feindkontakt. Da lasse ich mich hinterrücks an einer spärlich beleuchteten Mauer in den feindlichen Dorfgarten hinunter, erledige meinen Gegner mit einem der typischen lautlosen Morde, was auf gut deutsch bedeutet, dass Ihr hinterrücks ohne einen Murks dem Typen die Kehle aufschlitzt, als mich die restlichen Dorfbewohner entdecken. In Panik schwinge ich mich mit einem Seil auf das nächste Dach, gehe in die Hocke und hoffe darauf, dass sich die Lage wieder beruhigt. Und tatsächlich, trotz offensichtlicher Flucht auf das Dach geben meine Verfolger nach wenigen Sekunden die Jagd auf – hoppla, denke ich mir, um so blind zu sein, muss man schon eine Menge Absinth in die Kehlen kippen, da reicht einfacher Reisschnaps gar nicht mehr aus.

In Kombination mit den wenig abwechslungsreichen Szenarien, die über ein paar japanische Dörfer und eine zugegebenermaßen recht stimmige Hafenstadt nicht hinauskommen, gepaart mit den ewig monotonen Missionen, enttäuscht Tenchu Z deutlich. Dabei sind die zahlreichen Ideen aus dem Hause From Software durchaus kreativ, leider schlägt sich deren Innovation aber nicht im Gameplay wieder.

Nehmen wir unseren Ninja her – hier gibt es Individualisierungsmöglichkeiten satt, dass man meinen könnte, in Tenchu Z würde die erste japanische Fashion-Week gefeiert. Ich hätte auch ein passendes Motto: „Töten mit Stil“ und nicht in den heruntergekommen Lumpen vom Urgroßvater Hironobe über die Dächer hüpfen. Im Klartext heißt das, sich mal was Schickes gönnen, ein tolles Gewand, das nicht nur schmückt, sondern auch tarnt und so einen entscheidenden Vorteil im Kampf liefert. Ich mühe mich also ab, setze permanent auf lautlose Morde, um am Ende der Mission mit vielen Goldstücken entlohnt zu werden und dadurch Shoppen gehen zu können, aber es verhält sich ein bisschen wie mit des Kaisers neuen Kleidern – man kann daran glauben, dass die Hakama, Kimonos und Co. helfen, feststellen konnte ich das nicht.

Aber es gibt noch Hoffnung, dass wenigstens neue Spezialangriffe, für die ebenfalls jede Menge Goldstücke im Ninja-Camp den Besitzer wechseln, Pepp in das eintönige Gameplay bringen. Fehlanzeige, denn außer einem einfachen Schwert und dem lautlosen Töten ist die Notwendigkeit, neue Angriffe zu erlernen, zu fast keinem Zeitpunkt gegeben. Ein klarer Designfehler!

Spielerisch sieht es also trotz durchaus stimmiger Atmosphäre und dahinplätscherndem, japanisch angehauchten Soundtrack eher mau aus, während Tenchu-Fans vermutlich genau das bekommen, was sie erwartet haben: Ein HD-Update ihrer heißgeliebten Serie, die mit ihrem individuellen Charme nur eingefleischte Fans ansprechen dürfte. Dummerweise sieht das HD-Update mehr nach einfallslosem Update als nach HD aus, denn optisch enttäuscht die Xbox-360-Fassung mit schwachen Texturen, und klobigen Polygon-Charakteren, von den Animationen des Schattenkämpfern ganz zu Schweigen. Ich meine, wer schleicht denn die ganze Zeit mit dem Kopf nach unten durch Feindesland? Da braucht sich doch keiner wundern, dass diese Spezies der Feudalkämpfer fast ausgestorben ist. Einfach mal nach vorne gucken, dann sieht man das heran schwirrende Schwert auch besser.

Schade, schade, schade, japanische Schleicher für die Xbox 360 wirken in diesem Sommer wie gewollt und nicht gekonnt. Schon Vampire Rain lockte mit toller Atmosphäre und interessanten Ansätzen, und auch Tenchu Z hat seine Qualitäten – allerdings wirkt die Individualisierung viel zu überdimensioniert. Schließlich sollte das Spieldesign auf die Charakterentwicklung abgestimmt sein oder diese zumindest fordern und den Spieler zum Experimentieren anhalten.

Tenchu Z bettet diese Ideen in ein simples und einfallsloses Gameplay ein, das wohl nur absoluten Schleichernaturen und Tenchu-Fans gefallen dürfte. Enttäuschend, denn Tenchu hätte mit etwas Feintuning eindeutig mehr Potenzial gehabt.

Japanischer Schleicher spielen seit dem 29.Juni auf der Xbox 360 Verstecken.

 

 

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