Gesamtwertung7/10 |
Liebe Entwickler: Was ist los mit euch? Nein, ich beschwere mich nicht über die Qualität eurer Rennspiele der letzten Jahre. Ich beschwere mich darüber, dass ich seit Project Gotham Racing 4 – Kudos dafür, Bizarre Creations – über keine schneebedeckte Straßen brettern durfte. Mögt ihr keinen Schnee? Es scheint mir fast so, denn auch DiRT 2 bietet nicht diese Möglichkeit, obwohl es sich gerade bei einem Rallye-Spiel anbieten würde. Oder passt das weiße Pulver etwa nicht zum Titel des Spiels? Kombiniert Regen mit Schnee – das Ergebnis ist Matsch, unschön und dreckig.
MotorStorm: Arctic Edge hat deshalb für mich, auf den ersten Blick, eigentlich sofort gewonnen. Weg von der staubigen Wüste und den schwülen Tropen, hin zur bibbernden Kälte in Alaska. Freilich, diese Design-Entscheidung mag ein konsequenter Schritt sein, begrüßen tue ich ihn trotzdem. Einzig die Entscheidung, das Spiel ausschließlich für PSP und PS2 zu entwickeln, entzieht sich meinem Denkvermögen. Vor allem weil es kein Spin-off, sondern ein Nachfolger und damit ein eigenständiger Titel ist.
Wie es sich für eine Fortsetzung gehört, beinhaltet das PSP-MotorStorm alles, was die beiden Vorgänger auf der PlayStation 3 groß gemacht haben: Einen fetzigen Soundtrack, ein gutes Geschwindigkeitsgefühl, verwinkelte Strecken mit unterschiedlichen Routen sowie mehrere verschiedene Fahrzeugklassen. Nur dieses Mal eben auf Schnee, Eis und ab und an ein wenig Matsch. Eigentlich sollte sich das Schneekind in mir also freuen. Und ja, es macht Spaß. Ohrfeigt einen aber ständig mit exakt den gleichen Fehlern, die auch schon in der Wüste und im Pazifik für Stirnfalten sorgten.
Insgesamt 100 Events auf zwölf Strecken erwarten euch in der Karriere. Das arktische Festival erstreckt sich dabei sprichwörtlich über einen gesamten Berg. Anfangs braust ihr über Matsch und nur wenig Schnee, später hingegen über eisige Flächen und das pure Weiß. Das sorgt für ein wenig optische Vielfältigkeit bei den ansonsten recht gleich aussehenden Strecken. Manche von ihnen, wie etwa der Snowgod Canyon, mit seinem fast schon beängstigt wirkenden Sprung über eine metallische Schlucht, sorgen bei jeder Runde für Schweißperlen, brennen sich in die eigene Netzhaut ein. Andere entfalten durch ihre verwinkelten Abzweigungen erst nach mehreren Dutzend Anläufen ihr volles Potential. Dennoch wirken fast alle zwölf Kurse wie aus dem Baukasten. Eine Steilkurve hier, ein matschiges Tal da. Alles schon mal gesehen, nur eben noch nicht in weiß.
Den Entwicklern von BigBig gebührt dennoch Lob, denn Arctic Edge behält die Grundidee der Serie bei. Erkauft wird dies wiederum durch eine Optik, die, verglichen mit anderen Racern, recht enttäuschend ist. Arctic Edge ist kein Polygonmonster wie Ridge Racer, WipEout oder gar Gran Turismo PSP. Die Karosserieverformung der Vehikel wirkt im Gegensatz zu den PS3-Pendants deutlich frugaler; die Texturen der Kurse erinnern eher an PS2-Spiele der ersten Generation. Dafür stimmt die Weitsicht. Abzweigungen oder Nadelöhre lassen sich so bereits aus sicherer Entfernung inspizieren. Trotz technischer Abstriche: Das ist MotorStorm, nur eben für die Hosentasche.
Acht Fahrzeugkategorien mit jeweils drei Modellen tragen den Wettkampf im eisigen Niemandsland aus. Schneemobile sowie Schneeschieber sind dabei neu und ersetzen, der Umgebung angepasst, die Renntrucks. Alle Klassen besitzen ihre eigenen Vor- und Nachteile. Motorräder oder ATVs sollten beispielsweise den Kontakt mit den anderen Vehikeln meiden. Dafür steuern sich diese mit dem fummeligen Analogstick der PlayStation Portable am besten.
Die großen LKW-Monster weigern sich hingegen partout, durch die Kurven getragen zu werden, rasen indes am liebsten durch Schlamm und kümmern sich kein bisschen um die kreuzende Konkurrenz. Die Rallye-Autos tendieren wiederum zum Übersteuern. Dreher sind da bereits vorprogrammiert. Nichtsdestotrotz befriedigt es, über die Köpfe der Konkurrenz zu springen, den Nitro im richtigen Augenblick zu zünden und schlitternd durch die Kurve zu brettern - zumindest wenn es der Analogstock zulässt. Einen wirklichen Spielraum habt ihr nämlich nicht. Ausbrechende Fahrzeuge sind kaum einzufangen, unnötige Quersteher sorgen für einen enormen Zeitverlust.
Vermutlich geht die Konkurrenz in der Arktis gerade deshalb deutlich zurückhaltender ans Werk. Ideallinien werden konsequent eingehalten, Überholmanöver eurerseits quittiert man mit einem einfachen „Mir doch egal“. Sprich: Lackaustausch oder Blockierungen sucht man vergeblich. Habt ihr erst einmal die für euer Vehikel beste Route ausgesucht, entpuppt sich die tückische Umgebung als die wahre Herausforderung. Einmal falsch gebremst, geht es in den Abgrund oder direkt auf einen Felsen zu, der euer Gefährt nicht zerlegt, sondern eiskalt überschlagen lässt. Dann erinnert die Fahrzeugphysik eher an einen Gummiball, als an ein mehrere hundert Kilogramm schweres Gefährt.
Es hat ungelogen über 50 Prozent der Karriere gedauert, bis ich keinen der ersten drei Plätze einnehmen und somit null Punkte einstreichen konnte. Punkte, die wichtig sind, um im Rang aufzusteigen und neue Events freizuschalten. Darunter gehören auch die deutlich kniffligeren Einladungsrennen. Erst in der zweiten Hälfte des MotorStorm-Festivals stellt sich das alte Seriengefühl ein, sich mit mehreren Fahrzeugklassen zu duellieren. Der Kampf Mensch gegen Maschine, Maschine gegen Umwelt. Und dann wirkt es auch auf dem kleinen Bildschirm wieder beeindruckend, wenn Motorräder zwischen den mächtigen LKW-Monstern hindurchbrausen, ATVs durch die Luft fliegen, Rallye-Autos brennend durch Steilkurven rasen und The Prodigy oder The Hives durch die Lautsprecher rocken.
Würde es diese Momente nicht geben, die Karriere würde zur Farce mutieren. Neben normalen Rennen nehmt ihr am Time Ticker teil, der ähnlich wie die bekannten Eliminierungs-Events funktioniert, nur dass ihr hier für gute Positionen Punkte erhaltet. Ausscheiden tut keiner, gewinnen aber nur derjenige, der zuerst 999 Zähler auf seinem Konto gutschreibt. Im Speed Event gewinnt hingegen der Fahrer, der am schnellsten durch die auf der Strecke verteilten Checkpoints rast. Nicht sehr abwechslungsreich.
Selbstverständlich hat sich zusätzlich noch ein Time Trial sowie der Free Ride eingeschlichen, seineszeichens ein Trainings-Modus unter anderem Namen. Immerhin erprobt ihr dort jede Strecke mit jedem beliebigen Fahrzeug, lernt ihre Eigenheiten und sucht nach Abkürzungen. Das ist wichtig, um im Duell gegen andere Spieler zu bestehen. Neben dem lokalen Ad-Hoc-Modus bietet Arctic Edge nämlich auch Online-Rennen mit bis zu sechs Fahrern. Und da ihr erstmals mit einem rudimentären Customizing-System eure Maschinen optisch umgestalten könnt, ist zumindest hier für Abwechslung gesorgt.
MotorStorm: Arctic Edge kann man somit als gelungene Portierung der Serie auf Sonys kleinem Tragbaren betrachten. Nicht mehr und auch nicht weniger. Es ist gut zu wissen, dass für BigBig die Technik nicht alles war, man auf Kompromisse einging und somit die Essenz der Offroad-Raserei beibehielt. Aber der Drang nach Vorne, die Implementierung neuer Events, die fehlende Kreativität bei den meisten Strecken sowie die deutlich zu zaghafte KI lassen das verlockende Eis recht schnell schmelzen. Arctic Edge ist ein echtes MotorStorm und fühlt sich auch als solches an. Aber eben mit allen Ecken und Kanten.
MotorStorm: Arctic Edge ist ab dem 18. September 2009 für PS2 und PSP erhältlich. Die digitale PSN-Variante erscheint am 1. Oktober und wiegt moderate 526 MB. .
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MotorStorm: Arctic Edge im Test.
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