Gesamtwertung9/10 |
Kaum zu glauben: Ende der Neunziger hatte ich mit Videospielen wenig am Hut. Meine PlayStation verstaubte im Schrank, mein Rechner hatte Museumswert und meinen Game Boy hatte ich an meinen Neffen verschenkt. Dabei habe ich zwar so manche Spieleperle verpasst, dafür aber auch jede Menge Spaß gehabt. Jedes Wochenende stand ich hinterm Tresen, dackelte anschließend in den Club E-Werk und arbeitete bei einer Musikzeitschrift namens TenDance (http://www.tendance.de) – später dann mit meinen ersten Spieletests. Statt Highscores und Clan-Fights interessierte ich mich für Musikproduktion, tanzen und durchgemachte Nächte. Bis auch das nach ein paar Jahren langweilig wurde. Studium, feste Freundin und Alter versetzten meiner Feier-Karriere dann den Todesstoß. Nun betrete ich Clubs nur noch alle paar Monate. Trotzdem ist meine Leidenschaft für elektronische Musik nicht vollkommen verschwunden. Immer wieder setze ich mich zu einem befreundeten DJ, sehe ihm dabei zu, wie er aus dem digitalen Nichts Emotionen zaubert. Dabei bekam ich zumindest die Grundlagen der Musikproduktion mit und wurde deshalb dazu auserkoren, Beaterator von den Rockstar-Jungs zu testen. Gemeinsam mit meinem Kollegen von crane ak (http://www.crane-ak.com/) , DJ Knigge, nahm ich ihr neuestes Meisterwerk unter die Lupe. Neben dem unsäglichen Namen, der irgendwie an eine Mischung aus Terminator und schlechter Rave-Mode erinnert, konnte mich die Wahl von Timbaland als Marken-Botschafter nicht so recht überzeugen. Mal abgesehen von der Omnipräsenz des amerikanischen Hitproduzenten, der inzwischen gleich ein halbes Dutzend amerikanischer Stars mit einem eingängigen Allerweltssound versorgt, nervt bei Beaterator sein obercooles, digitales Konterfei. Mit seinem peinlichen Auftreten verwandelt er das eigentlich erstklassige Soundtool auf den ersten Blick in eine Musikspiel-Lachnummer. Seltsam wirkt vor allem der sogenannte Live-Play-Modus, in dem ihr auf acht mögliche Tonspuren des Tools einen Sound-Loop legen und ihn auf Knopfdruck an- beziehungsweise wieder ausschalten könnt. Zu dem oft kruden Geschehen bewegt sich eine skurrile Timbaland-Karikatur und soll damit wohl Einsteiger in ihren Bann ziehen. Das Endergebnis ist leider äußerst durchwachsen und wird selbst die einfachsten Bedürfnisse nur ungenügend befriedigen. Man kann das oft wirre Endergebnis zwar aufnehmen und weiterverarbeiten, doch es ist oft einfacher, das eigentliche Tool, den Sound-Crafter, direkt zu bedienen. Denn die Struktur eines Songs und die zugrundeliegende Dynamik lässt sich nur schwer nach Bauchgefühl bestimmen. Der Sound-Crafter ist im Prinzip ein 8-Spur-Sequencer, der mit seiner einfachen grafischen Oberfläche und seinen insgesamt 3000 vorgefertigten Loops genug Material für ein halbes Dutzend LongPlayer liefert. „Ich war vollkommen überrascht, wie umfangreich die Bibliothek ist. Und auch die Einschränkung auf acht Spuren ist verschmerzbar. Es gibt von uns sogar Stücke mit nur sechs Spuren,“ erklärt mir mein Kollege nach einer halben Stunde rumprobieren. Ganz wie bei der professionellen Konkurrenz, zum Beispiel Logic, Reason oder Cubase, arrangiert ihr mit wenigen Knopfdrücken fette Beats, verdrehte Hihats und Snare-Drums auf einer Zeitleiste. Ihr bestimmt, wie lange die Spur gespielt wird, wann sie aufhört und wieder einsetzt. Durch die Einteilung der Loops in zwei beziehungsweise vier Takte und die Nutzung gängiger 3/4- und 4/4-Voreinstellungen müsst ihr euch kaum um die Synchronisierung kümmern. Und über einen Drehregler lassen sich ganz einfach die Beats per Minute und damit praktisch die entsprechende Musikrichtung bestimmen. Einziges Manko: Die Geschwindigkeit ist über das gesamte Stück festgelegt. Tempowechsel fallen damit flach. Trotzdem ist das Tool vielseitig. Hip-Hop-Songs sind genauso möglich wie satte Elektro-Stücke, schnelle Drum'n'Bass-Flächen und wilde Pop-Songs. Lasst euch also nicht vom Timbaland-Aufkleber stören, Beaterator ist für so ziemlich jede Musikrichtung geeignet. Für Neueinsteiger gibt es sogar ein Tutorial-Video und eine umfangreiche Anleitung. Mit etwas Übung könnt ihr euch so schnell von dem überflüssigen Live-Play verabschieden und mit der richtigen Musikproduktion beginnen. So weit, so bekannt. Das eigentliche Highlight von Beaterator sind aber die Export-Funktionen. Denn im Gegensatz zur direkten Konkurrenz, namentlich KORG-DS und diverse iPhone-Sequencer, lässt sich das Endergebnis als WAV-File und sogar als MIDI-Datei exportieren. Hobby- oder sogar Profi-Produzenten können also unterwegs an einem Stück schrauben, es zuhause in ihre Profi-Software übertragen und daran weiterarbeiten. Selbst in der U-Bahn kann so eine gute Idee ausprobiert oder erweitert werden. Vor allem, weil der Import eigener Loops oder die Aufnahme über ein Mikrofon möglich ist, verwandelt sich das auf den ersten Blick einfache Musikspielchen in ein hochwertiges Kreativwerkzeug. Richtig anspruchsvoll wird es dann im Melody-Crafter. Hier könnt ihr auf einem 8-Oktaven-Keyboard selbst Loops erzeugen und vorgefertigte auf eure Bedürfnisse anpassen. Die Bedienung über das Steuerkreuz und das eigene Können setzen hier die Grenzen. Während ich nur Bahnhof verstand, produzierte DJ Knigge relativ fix ansehnliche Ergebnisse. Die angekündigte iPhone-Umsetzung verfügt hier bei der Bedienung möglicherweise noch über ein paar Vorteile. Allein der Umfang der Sounddateien dürfte bei der Download-Version Probleme bereiten. Für acht Euro wird es wahrscheinlich keine 3000 Loops geben, dafür könnte eben die Touch-Bedinung echte Vorteile mit sich bringen. Neben der Generierung von Loops ist es auch möglich, noch tiefer in die Materie einzusteigen. Über den Soundeditor lassen sich sogar die Frequenzbänder der einzelnen Töne verändern, mit dem Drum Crafter Beats erzeugen oder diese über einen eingebauten Synthesizer stark verzerren. Eurer Kreativität wird so nur durch euer eigenes Können Grenzen gesetzt. Durch die Anbindung an den Rockstar Social Club bekommen Neueinsteiger sogar eine Plattform, um ihre neusten Kreationen einem Publikum zu präsentieren. Hochladen dürft ihr aber nur Stücke, die mit dem Original-Set produziert wurden, um keine Copyright-Probleme zu produzieren. Mein Kollege von crane ak bringt es auf den Punkt: Besser und vor allem mobiler geht es kaum. Auch wenn die alberne Aufmachung rund um Timbaland kräftig auf die Senkel geht und das Tool mit den Restriktionen der Plattform leben muss, gibt es für unterwegs wenig Vergleichbares. Die verschiedenen Elemente greifen hervorragend ineinander und bereiten selbst einem Amateur wie mir jede Menge Spaß. Das Endergebnis kann sich schließlich wirklich hören lassen (Wer reinhören möchte: EGKhorne im Rockstar Social Club), auch wenn mir natürlich die Erfahrung fehlt. Bis auf kleine Details, wie die Beschränkung auf acht Spuren und die nicht veränderbare Geschwindigkeit, hat Rockstar mal wieder bewiesen, dass sie auch abseits ihrer Blockbuster erstklassige Software produzieren können. Aber Vorsicht: Hinter Beaterator steckt kein Musikproduzenten-Guitar-Hero. Mit Knöpfchendrücken ist es selbst im Live-Play-Modus nicht getan. Ohne einen Sinn für Rhythmus, Klang und Melodiösität produziert auch dieses Super-Tool nur Audio-Müll. Und ganz wichtig: Beaterator hat wirklich nichts mit einem Videospiel gemeinsam. Es ist ein ernsthaftes Stück Musikproduktions-Software, das im äußersten Notfall vielleicht als Hightech-Spielzeug fungiert. Die neun Punkte gibt es trotz Timbaland und dem unsäglichen Live-Play also nicht für „Spielspaß“, sondern für technische und vor allem konzeptionelle Brillanz. Beaterator ist für PSP erhältlich. Eine iPhone-Version folgt.
Tauche ein in die Welt der Stars und bring Deine Fans auf der Bühne zum kochen. Neben Ruhm winkt einer der Megapreise im Gewinnspiel! zum Spiel...
Beaterator im Test.
Was halten Sie vom neuen Spiel von Rockstar Games?
Teilen Sie Ihre Meinung mit anderen Yahoo!-Usern.