Tony Hawk: Ride

Preview
Vertrieb
Activision
Entwickler
Neversoft
Genre
Strategie
PS3: Tony Hawk: RIDE

PS3: Tony Hawk: RIDE

Tony Hawk: RIDE.

Eine Herausforderung.

Der Fehdehandschuh ins Gesicht.

Der X-Gamer - Gamertag „radicalboard007“ - starrt mürrisch auf die überdimensionierte Verpackung vor sich. Zehn Jahre oder mehr regiert er die Welt des Skateboardings. The Birdman? Nix ist. Er allein, der X-Gamer, beherrscht alle Tricks. Seit er das erste Mal ein Tony Hawks Pro Skater in seine PlayStation warf, grindet keiner wie er, niemand zieht eine Frontside Tailslide wie er und was heißt schon Varial 720 oder 900? 1080, Baby, 1080! Zumindest auf dem Screen, aber das ist ja sowieso die wahre Wirklichkeit.

Genau das ist das Argument, das ihn jetzt in Schwierigkeiten bringen könnte. Der X-Gamer nimmt das halbmeter-lange Monsterbrett das erste Mal in die Hand. Klopft damit gegen die Wand. Stabil. Wand und Brett. Zumindest an der Seite sind ja ein paar Tasten. Die kennt man ja. Steuerkreuz und Tasten geben jedenfalls ein deutlich beruhigenderes Gefühl in den Fingern des X-Gamers als die raue Oberfläche des Bretts selber. Es ist ein schweres Gefühl, fast so als würde man ein echtes Skateboard in der Hand halten.

Nicht dass der X-Gamer dies jemals getan hätte. Wozu auch? Wer ein Pad so halten kann wie er, hat dafür keine Notwendigkeit. Aber Tony Hawk: RIDE hat keine Notwendigkeit für ein Pad. Das Board liegt auf dem Boden. Es liegt dort gut, sicher und es scheint gute Vibrations auszustrahlen. Der Labrador des Hauses hat erstmal seinen Kopf draufgepackt und scheint bereits nach Minuten zu schlafen. Der X-Gamer will seinen treuen Gefährten nicht stören und nutzt die Pause, um noch mal eine Runde Tony Hawks Pro Skater zu spielen. Gute, alte und vor allem sichere Zeiten. Als er der König war und der Birdman in einer anderen, unzugänglichen Dimension.

Der Morgen nahte. Der Hund hatte seinen Kopf mittlerweile zu einer Couch bewegt und das Brett war frei für ein erstes Experiment. Der X-Gamer steigt auf und startet das Spiel. Nett, sehr schön, er wippt auf dem Board hin und her. Vier Mignon-Batterien, das sind vier mehr als der Birdman braucht. Ein Blick in das Handbuch verrät ihm, dass die Sensoren an der Seite die Fußbewegung registrieren und so Schwung holen lassen. Die vorderen Infrarotssensoren dienen den Handgrabs. Für einen Ollie hinten kicken, für einen Manual nach vorn lehnen und so bleiben. In der Halfpipe das Board parallel zum Screen stellen. Einfache Basics. Der X-Gamer hält sich, während er ungewohnt balanciert, an einem alten Playstation-Pad fest. Es beruhigt seine Nerven.

Jeder Stage in RIDE hat vier Spielvarianten. Speed Slalom, Tricks, Challenge und dann im freien Skatemodus. Trick kommt den alten Tony-Games am nächsten. Tricks bringen Punkte, Punkte bringen Selbstwert. Der X-Gamer kann das grade brauchen. Einen Mangel an virtuellen Orten gibt es nicht. Sechs Ecken der Welt mit jeweils zwei Skatelocations. Er kann eine Menge Zeit verbringen, bevor er sich dem Grundproblem der Existenz des Brettes stellen muss. Japans BoomX2 Vertical Ramp, der Frankfurter Flughafen, Venice Beach, einmal um die Welt und zurück.

Drei Schwierigkeitsgrade sind es. Casual, Normal und Hardcore. Der X-Gamer spuckt auf Casual und wählt Hardcore. Er ist schließlich Hardcore. Das Brett belehrt ihn eines Besseren. Auf Casual lenkt das Spiel und nur die Tricks wollen gerissen werden. Hardcore will alles sehen und es hilft, ein Skater zu sein.

Was der X-Gamer aber nicht ist. Mürrisch schaltet er auf Casual. Trotz dieser Demütigung muss er sich eingestehen, hier eine richtig gute Zeit zu haben. Schnell gehen die Tricks einfach von den Füßen und es sind eine Menge. Über 100 sollen es sein. Es dauert eine Weile, sie zu ergründen. Blunts, Handgrabs, Kick Flips, 360 Shove Its, Inverts, Manuals. Alles da. Falls etwas fehlt, dann ist nicht sicher, ob es wirklich gebraucht wurde.

Schnell ist der X-Gamer überzeugt von dem Spiel. Das klappt alles anständig, aber doch ist es frustrierend. Tief in seinem Innern weiß er, dass er sich nun, da er das Pad zur Seite legen musste, mit dem Birdman in der gleichen Realität befindet. Sicher, das Brett des Birdman hat Rollen drunter, aber das ist nur eine Marginalie. Der Birdman wackelt darauf nicht nur herum, er macht Dinge. Dinge, die der X-Gamer nur mit dem Pad ausführte. Es gibt nur einen Weg für den X-Gamer, seine Dominanz zu bewahren. Er muss radikal und real werden.

Nach draußen geht es nicht. Dass das Pad weg ist, ist schlimm genug, man muss ja nun nicht auch noch zum Äußersten gehen. Außerdem fällt es ihm schwer, von der Straße aus den Fernseher im Blick zu behalten. Also sägt er einfach das Kopfende seines IKEA-Eisenbettes zurecht. Auf einer Seite die Füße weg, auf der anderen Seite das Ganze hochgebockt, noch ein wenig angeschrägt, fast eine echte Rail.

Bevor die Lichter des X-Gamers ganz ausgehen und er dankbar in die Arme der Ohnmacht gleitet, erinnert er sich noch, wie er den Level startete, auf das hohe Ende seiner Selbstbau-Rail stieg und elegant nach unten zu rutschen begann. Irgendwie begann es dann schiefzugehen. Das Bein rutsche weg und die Schwerkraft schlug zu. Er hat das ja schon hundertmal auf Youtube bei anderen gesehen. Aber aus der Ego-Sicht erkennt man es halt nicht gleich wieder. Schwarz.

Einige Stunden später wacht er in einem hellen, freundlichen Raum auf, in dem ihm ein freundlicher Arzt erklärt, warum sein Kopf in freundliche Watte, umhüllt mit Seide gepackt ist. Eine Familienpackung Schmerzmittel, genug um ein kleines Flusspferd zu töten, reduziert den Schmerz zwischen seinen Beinen auf ein mildes Dröhnen. Der Arzt fährt mit einem gewissen Stolz fort und offenbart, dass immerhin noch 70 Prozent der Zeugungsfähigkeit des X-Gamers gerettet werden konnten. Eine gute Quote.

Freudig lehnte sich der X-Gamer zurück. Ein erster, wichtiger Schritt in Richtung Pro Skater war getan, die Eroberung der Domäne des Birdman hatte begonnen. Vielleicht würde es noch einmal zehn Jahre dauern, aber er würde auch hier rulen. Und Tony Hawk: RIDE würde sein Werkzeug sein. Er konnte es kaum erwarten, entlassen zu werden und sich das erste Mal ein Bein zu brechen.

Ok, Spaß beiseite. Don’t try this at home, kids. Ich habe es auch nicht getan, aber zumindest habe ich mal in Ruhe getestet, ob das Board in der Kiste von Tony Hawk: RIDE wirklich halbwegs robust ist. Ergebnis: Ja. Absolut. Kann an damit einen Rail-Grind machen? Wahrscheinlich schon. Ich werd es nicht ausprobieren. Irgendwann möchte ich doch Kinder haben.

Also halte ich mich erst einmal an das Spiel zum Board und kann hier Entwarnung für alle geben, die ein wenig zu viel Casual befürchteten. RIDE hat die Moves, es hat den Umfang und zusammen mit dem Brett alles Potential der Skaterwelt. Es macht ganz den Eindruck, als würde dem Birdman nach der Flaute ein echtes Comeback gelingen. Und irgendwie sieht dieses Geländer da drüben doch sehr verlockend aus…

Tony Hawk: RIDE erscheint am 27. November für PS3, Xbox 360 und Wii. Natürlich im Bundle mit dem Board.

 

 

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