Army of Two

Preview
Vertrieb
Electronic Arts
Entwickler
Electronic Arts
Genre
Shooter
PS3: Army of Two

PS3: Army of Two

Ein Shooter ohne Coop-Modus ist wie Sex ohne Partner. Er erfordert deutlich weniger Arbeit, befriedigt ausreichend und ist vollkommen risikofrei. Lasst Ihr Euch aber auf einen Mitspieler ein, benötigt Ihr zwar wesentlich mehr Einfühlungsvermögen, bekommt im Gegenzug aber auch das deutlich bessere und vor allem längere (Spiel-)Vergnügen serviert.

Deshalb gehört für mich seit dem ersten Mal – Halo hat mich entjungfert – zu Sex ein weiblicher Partner und zu einem perfekten Shooter ein Coop-Modus einfach dazu. Denn der gemeinsame Kampf für die gute Sache und die frischen taktischen Möglichkeiten sorgen für spannende Gefechte und können im Idealfall den Wiederspielwert in ungeahnte Höhen katapultieren.

Da ist es seltsam, dass bisher noch kein Titel als reines Coop-Spiel konzipiert wurde. Selbst bei Epics Schlachtbank fiel die Entscheidung für das kooperative Online-Spiel erst relativ kurz vor Schluss. Kein Wunder also, dass die Entwickler von Army of Two schon zur letztjährigen GC-Präsentation klarstellten: „Army of Two ist der erste Shooter, der von Anfang an als Coop-Spiel konzipiert wurde und dank der gemeinsamen Vorgehensweise – egal ob mit einem menschlichen Mitspieler oder einer KI – für ein einmaliges Spielgefühl sorgt.“

Ihr schlüpft in dem ungewöhnlichen Taktik-Shooter in die Rolle der U.S. Army Ranger Salem und Rios, die gleich nach ihrer ersten Mission dem Ruf des Geldes folgen und sich lieber als Söldner verdingen. Ein wirklich ungewöhnliches Paar, das im Laufe der besagten Vorführung mit seinen fast homoerotischen Freundschaftsbekundungen für einige ungewollte Lacher sorgte.

Überhaupt kommt der Titel extrem „männlich“ daher. Waffenfetischismus, martialische Sprüche und die zweifelhafte Moral präsentieren sich herrlich stumpf und erinnern an knackige Action-Streifen a la 'The Last Boy Scout'. Besonderes Augenmerk hat EA Montreal dabei auf den Gun-Porno gelegt. Im Laufe der Kampagne könnt Ihr Eure Lieblingsschießeisen aus der reichhaltigen Palette von über 30 Waffen nicht nur durch bis zu 10 Upgrades ständig aufwerten, sondern die guten Stücke auch mit Chrom, Gold-Applikationen und anderem Bling Bling versehen.

Die Upgrades versorgen die Waffen mit zusätzlichen Fähigkeiten und verändern ihre Charakteristik. So gibt Euch ein integrierter Granatwerfer zwar die Möglichkeit, gleich mehrere Bösewichter auf einmal zu erledigen, gleichzeitig wird aber durch das höhere Gewicht auch die Treffgenauigkeit der Waffe reduziert und das Aggro erhöht. Fast wie bei einem Rollenspiel könnt Ihr so Euer Prachtstück perfekt auf die nächste Mission vorbereiten und je nach Anforderungen zusätzliche Feuerkraft addieren.

Pro Mission könnt Ihr nur drei unterschiedliche Waffen mitnehmen, diese im Notfall aber auch mit Eurem Partner austauschen. Laut den Entwicklern soll diese Vorgehensweise nicht nur der Optik dienen, sondern auch die besondere Beziehung eines Soldaten mit seiner Waffe verdeutlichen. Das Aufnehmen feindlicher Waffen fällt deshalb übrigens vollkommen flach.

Die Begründung von EA Montreal: „Kein Soldat würde eine feindliche Waffe aufnehmen und einsetzen, da er ihre Besonderheiten nicht kennt. Und bei uns kommt noch dazu, dass Ihr die teuren Schmuckstücke wohl kaum liegen lassen könnt. Gerade Charaktere wie Salem und Rios würden ihre Gegner eher mit dem Gewehrkolben erschlagen, als ihre Babys zu verlieren.“ Damit wird nicht nur die Beziehung zwischen den beiden Waffen-Buddys, sondern auch die zu ihren Schießprügeln erotisiert. Ein Bild, bei dem sich allerlei merkwürdige Analogien geradezu aufdrängen.

Deutlich weniger sexy ist da die Story. Das Studio hat sich dabei wohl etwas zu sehr an vergleichbaren Filmen orientiert. Die beiden Haudegen schlagen sich nach ihrem Auftakt fürs Vaterland als Söldner durch und müssen vor allem Terroristen und Drogenbosse ausschalten. Auf den ersten Blick wirkt das Szenario durch den schnöden Mammon als Motivationsmittel und den brisanten Realitätsbezug zwar deutlich erfrischender als die Weltrettungssoße eines Call of Duty 4, trotzdem sollte man hier keinen Shakespeare erwarten.

Immerhin nimmt sich der Titel ständig selbst auf die Schippe. Brechreiz produzierende Ansprachen und nationalistische Soldaten-Romantik bleiben uns somit glücklicherweise erspart. Stattdessen schlagen sich zwei abgebrühte Kotzbrocken durch die Weltgeschichte und verdienen durch das Leid der anderen.

Doch zurück zum eigentlichen Kernstück des Spiels: Dem Coop-Modus. Die erste Besonderheit erinnert ein wenig an World of Warcraft. Ganz wie bei der Online-Monsterhatz baut immer derjenige Spieler die meiste Aggro beim Gegner auf, der gerade den meisten Schaden und Lärm produziert. Die Gegner beginnen dann nach und nach sich auf diesen Spieler einzuschießen. Der Partner gerät dabei immer mehr in Vergessenheit und kann im Idealfall den Turbanträgern direkt in den Rücken fallen.

Auf dem Bildschirm beginnt das aggressive Teammitglied dabei rot zu leuchten, während die defensive Figur leicht durchsichtig wird. Es entsteht somit ein ständiges Ausbalancieren der Aufmerksamkeit und der taktischen Positionen, um die intelligenten Gegner aus ihren Verstecken zu locken. Aus der Schulter-Perspektive schießen, per Knopfdruck Deckung suchen und in eine bessere Schussposition schleichen, verwandeln sich in ein makaberes Ballett aus Tod und Zerstörung, bei dem es erstmals von Vorteil ist, auch mal eine Feuerpause einzulegen.

Aber selbst die beste Taktik geht manchmal in die Hose und einer der beiden wird niedergeschossen. Dann heißt es, schnell den Verwundeten am Kragen packen und aus dem Kampfgebiet ziehen. Als interessante Variante kann der Getroffene dabei nach hinten feuern und dem Duo so etwas Luft verschaffen. Alternativ könnt Ihr versuchen, Euren Kumpel direkt an der Front zu verarzten, geht aber dabei das Risiko ein, selbst getroffen zu werden.

Das eigentliche Abbinden, Blutung stillen und Schmerzmittel verabreichen erfolgt mit einem Minispiel. Geht es daneben, seid Ihr wieder dem feindlichen Kugelhagel ausgesetzt. Wird Euer Partner mehr als dreimal verletzt, müsst Ihr den Level wohl oder übel von vorne beginnen. Army of Two ist also trotz der martialischen Aufmachung kein hirnloses Ballergame.

Insbesondere die vielen Coop-Aktionen dürften das Gehirn eines durchschnittlichen Shooter-Fans gehörig zum Glühen bringen. Denn neben dem allseits präsenten Aggro-System können sich die beiden Supersoldaten durch allerlei Spezialangriffe einen dicken Vorteil verschaffen.

Schnappt sich einer der beiden Söldner zum Beispiel eine gepanzerte Autotür, kann sein Kollege per Knopfdruck hinter ihm in Deckung gehen und sie rücken gemeinsam als eine Art menschlicher Panzer vor. Ein Spieler übernimmt dabei die Bewegung und lenkt das Schutzschild, der zweite Spieler feuert gleichzeitig über die Deckung hinweg und versorgt entschieden sture Gegner mit scharfen Granaten.

Improvisation ist das Zauberwort: So kann sich Rios zum Beispiel hinter das Steuer eines Gabelstaplers und Salem hinter das Maschinengewehr auf der transportierten Palette setzen. Auch hier gelingt es nur mit viel Teamwork, dieser ungewöhnlichen Konstruktion zum Sieg zu verhelfen. Die Liste der möglichen Teamaktionen wächst dabei von Level zu Level und präsentiert sich stets abwechslungsreich.

Ob im Tandemsprung unter Feindbeschuss oder bei gemeinsamen Scharfschützenattacken – bei denen beide Fadenkreuze zu sehen sind – um Minen und Maschinengewehrnester auszuschalten, die gesamte Spielmechanik dreht sich um die gemeinsame Vorgehensweise. Das Durchziehen von schwächeren Spielern wird dadurch nahezu unmöglich. Nur gleichwertige Teams haben eine echte Chance.

Aus diesem Grund haben die Entwickler im Single-Player-Modus so viel Wert auf die KI Eures Partners gelegt. Ihr sollt nie das Gefühl haben, dass hier nur der Computer agiert. Ob Wunden heilen, Fahrzeuge steuern oder Deckung geben, der Computer soll genau so reagieren wie ein menschlicher Mitspieler. Fest steht, dass die Qualität des Single-Player mit der Intelligenz Eures Partners steht und fällt. Geht diese in die Hose, könnte das Spiel zu einem reinen Multiplayer-Vergnügen ausarten.

Da es bisher so viel zum erfrischenden Gameplay zu erzählen gab, konnten wir noch keinen Ton zur Grafik und den unterschiedlichen Levels verlieren. Dank der Unreal Engine 3 wird auch Army of Two fantastisch aussehen. Der Hauptaugenmerk liegt dabei ganz bewusst auf den Spielerfiguren. Die Entwickler haben gerade den Detailgrad der beiden Hauptdarsteller kräftig nach oben geschraubt, um Euch die Identifikation zu erleichtern.

Auf ihrer massiven Panzerung erkennt man wirklich jede zugefügte Schramme und bei den Animationen hat EA Montreal Erstaunliches geleistet. Um für Stimmung zu sorgen, gibt es in Feuerpausen knackige Sprüche und zweideutige Freundschaftsbekundungen. Ein ursprünglich eingeplanter Klaps auf den Hintern wurde angeblich wieder entfernt. Trotzdem bleibt noch genug Gegrabsche übrig, um den Beiden auch eine gemeinsame Dusche abzunehmen.

Die ersten Level entsprechen leider dem üblichen Cliche eines arabischen Kriegsgebiets. Sand, heruntergekommene Autos und Moscheen bieten hier den Hintergrund für die taktischen Feuergefechte. Jüngere Screenshots und frische Videos zeigten aber auch einen Flugzeugträger, ein überflutetes Stadtgebiet und die Sümpfe von Florida. Dort gibt es dann übrigens auch richtige Kampffahrzeuge, wie etwa ein bewaffnetes Hovercraft. Allein über Qualität und Abwechslungsreichtum der unterschiedlichen Missionstypen lässt sich noch keine Aussage treffen, wir halten Euch aber auf dem Laufenden.

Army of Two wird sowohl thematisch als auch spielerisch für einiges Aufsehen sorgen und dabei ein paar entscheidende Fragen aufwerfen. Erstmals ist der Coop-Modus nicht ein lieblos produziertes Addon, sondern ein integraler Bestandteil des Spiels. Dieser Ansatz birgt jede Menge Chancen, hat aber auch ein paar entscheidende Nachteile. Ohne eine gute KI wird Army of Two nur Online zu ertragen sein und ohne einen vernünftigen menschlichen Mitspieler wird auch das Coop-Gameplay zu einer Katastrophe.

Bis zum Release bleiben also noch zwei Sachen zu tun: Die Entwickler müssen die KI auf nahezu menschliches Niveau bringen und Ihr solltet Euch schon mal einen passenden Partner suchen. Gelingt beides, wird im März für Euch ein deftiges Shooter-Zeitalter beginnen, das die versammelte Konkurrenz wie Oldtimer aussehen lassen könnte.

Army of Two erscheint voraussichtlich am 7. März 2008 für die Xbox 360 und die PS3.

 

 

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