WII: Wii Sports Resort
Eigentlich kann es Nintendo weitestgehend egal sein, wie gut Wii Sports Resort am Ende wird. Der Nachfolger des derzeit wohl weltweit erfolgreichsten Spiels – für jede Wii ja schließlich eines – wird nämlich im Bundle mit einem kleinen weißen Plastikwürfel verkauft. Und ohne den werdet Ihr in Zukunft nicht mehr die Wii anmachen wollen.
Wii MotionPlus nennt Nintendo den kleinen Aufsatz, der Platz am unteren Ende der Mote findet. Das Ergebnis des Anbaus ist so simpel wie überzeugend. Bisher war sich jeder der Ungenauigkeiten der Mote bewusst. Leichte Verzögerungen bei den Bewegungen, keine absolute Präzision und bei Titeln wie Okami und Dragon Quest merkte man schnell, dass nicht unbedingt jede Bewegung, die Ihr schmerzhaft genau ausführt, so auch von der Wii erkannt wurde. Schluss damit, dank MotionPlus.
Was genau an Sensoren und Verbesserungen jetzt auf technischer Ebene in dem kleinen Knubbel steckt, behält Nintendo in der Essenz natürlich für sich. Zumal die Konkurrenz ja auch mit dem Gedanken der Bewegungssteuerung liebäugelt. Aber was auch immer den Würfel ticken lässt, es funktioniert. Alle Bewegungen werden nahezu 1:1 umgesetzt, mit einer Präzision, die Ihr so noch nicht auf der Wii hattet.
Keine Verzögerungen, oder zumindest so wenig, dass man wirklich danach suchen muss. Mit Lasermessgeräten oder so was. Und die Genauigkeit überzeugte zwar schon früher, wenn es um das Zeigen ging, jetzt werden auch die Bewegungen wesentlich präziser erkannt. Und sollte sich Nintendo dagegen entscheiden, in die kommende Generation der Motes diese Technik nicht gleich einzubauen, wäre das vollkommen unverständlich.
So hätte sich die Wii vom ersten Tag an steuern sollen, so muss es sein. Nie wieder will ich meine Mote-Bewegungen anders umgesetzt haben. Was auch immer in dem Würfel drin ist, die Entwicklung hat sich gelohnt, ich zieh den Hut, Big N.
Und damit kommt Ihr auch praktisch nicht mehr um Wii Sports Resort herum. So wie Ihr ja auch beim Kauf der zweiten Mote in den meisten Fällen dann plötzlich Wii Play zuhause hattet. Nur gibt es einen entscheidenden Unterschied: Selbst wenn Wii Sports Resort nur die drei Mini-Events beinhalten würde, die bisher gezeigt wurden, würde es weit häufiger in meinem Wii-Laufwerk landen als Play.
Als erstes geht es spielehistorisch weit zurück bis zu Epyx California Games. Die Nintendo Variante des Frisbeewerfens findet an einem hübschen Strand statt, beruhigendes Wellenplätschern im Hintergrund, Entspannung und Wohlfühl-Gefühl wie im Wellness-Katalog. Euer Mii wirft per Mote-Bewegung mit ganz neuer Präzision einen Frisbee auf ein vorgegebenes Ziel und Euer kleiner Begleiter, ein knuddeliger Hund undefinierbarer Abstammung, saust los, um die Scheibe zu fangen.
Disc Dog nennt sich das Ganze und bedarf keines einzigen Button-Drucks, nicht einmal, um den Frisbee loszulassen. Einfach nur in der richtigen Geschwindigkeit den Arm bewegen und vorher geschickt ausholen, schon segelt die Scheibe. Die Ziele verschieben sich nach den Würfen und je näher Ihr herankommt, desto schnuffiger hüpft Euer vierbeiniger Begleiter nach der Scheibe. Es macht einfach Spaß. Ich wage nicht zu prophezeien wie lange, aber es dürfte eines der Vergnügen sein, die Ihr vielleicht nicht den ganzen langen Tag spielt. Dafür aber immer mal wieder.
Beim zweiten Spiel habe ich ein wenig die Sorge, dass dies vielleicht statt eines neuen Wave Race erscheinen könnte. Nein, Nintendo, Power Cruising ist nett, aber wir wollen immer noch ein echtes Wave Race. Aber fürs erste liefert Power Cruising einen netten Jet Ski–Spaß ab, der lediglich ein wenig darunter leidet, dass er die neue Präzision nicht ganz so deutlich macht wie die extrem genauen Würfe der Plastikscheiben.
Das liegt ein wenig an dem der Natur der Sache geschuldeten Gewackel der Welle, auch wenn der Seegang im Vergleich zu Blue Storm deutlich nachließ. Ihr lenkt, indem Ihr die Mote und den Chuck wie den Steuergriff des Jetskis haltet, drückt B fürs Gas und dreht die beiden für einen Boost. Das macht richtig Laune, auch wenn es bisher nur ein recht simples Checkpoint-Rennen zu bewundern gab. Die offensichtliche Variante für Vierer-Spaß wäre natürlich ein Splitscreen, aber in dieser Richtung hält sich Nintendo noch bedeckt.
Aber auch so, selbst wenn es solche Steuerungsvarianten für die Wii schon gab und MotionPlus hier nicht viel Besserung in ein sowieso recht solides Konzept bringt, macht Power Cruising einfach Laune.
er dritte im Bunde ist das, woraus wir immer gewartet haben und endlich, dank MotionPlus bekommen wir es: Guten Schwertkampf! Zugegeben, eigentlich wollten wir Ninjas, Jedi-Ritter und böse Jungs mit einem Schwert angehen und nicht Holzpflöcke wie hier in Sword Play. Dass aber selbst diese kleine Aufwärmrunde Euch schon deutlich befriedigter zurücklässt, als alles, was es bisher in der Richtung für die Wii gab, spricht Bände.
Es ist keine hundertprozentige Präzision, ein klein wenig scheint selbst MotionPlus damit überfordert zu sein. Aber auf 75 % richtig erkannte und präzise ausgeführte Schläge bringt es Sword Play dann schon und jeder Schlag, der genau wie geführt umgesetzt wird, hinterlässt ein warmes und glückliches Gefühl. Und das noch weit mehr, wenn Ihr dann gegen einen echten Gegner antretet.
Leider ist dies nicht der Moment, in dem die Miis das erste Mal in kleine blutige Fetzen zerteilt werden, denn Nintendo-gemäß werden hier die Holzschwerter vorgeholt. In drei Runden findet ein Schlagabtausch statt, der weit gewandter und taktischer daherkommt als es das doch stellenweise recht glücksabhängige Boxen jemals war. Nicht nur, weil Ihr dank MotionPlus die Schläge präzise setzen könnt, sondern per B-Taste dann blockt, wenn Ihr es möchtet. Und nicht nur dann, wenn die Wii der Meinung ist, dass Ihr jetzt die Controller wirklich richtig haltet.
Es geht übrigens nicht darum, Eurem Gegenüber das Schwert so kräftig wie möglich drüberzuziehen, sondern ihn mit geschickten Schlagfolgen aus dem Ring zu drängen. Die Ringe gerieten recht groß, so dass es nach drei Runden in den Sudden Death ging. Die Fläche verkleinert sich drastisch und wenige Treffer reichten aus, um den Mii über die Kante zu schicken. Wildes Draufprügeln brachte nicht viele Punkte, es geht um gutes Decken und den richtigen Moment für den richtigen Schlag abzuwarten. Es macht Spaß und vor allem gibt Sword Play schon einen schönen Ausblick darauf, wie cool es um ein Red Steel 2 oder das kommende Jedi-Gemetzel bestellt sein könnte.
Wii Sports Resort dürfte ganz gelassen und zuversichtlich in den Fußstapfen des erfolgreichen Vorgängers wandeln. Wie auch schon bei diesem geht es nicht um die große Spieltiefe, sondern die Erfahrung an sich. Und die geriet beim ersten Ausprobieren dank des unscheinbaren, aber unglaublich effektiven MotionPlus–Würfels ausgesprochen lohnend. Die Bewegungen werden realistisch genug umgesetzt, um immer wieder Spaß daran zu haben.
Sei es nun einfach eine Runde zur Entspannung, zur Aufbesserung der eigenen Punkte oder in trauter Runde mit – hoffentlich und oh, bitte, bitte, Nintendo! – bis zu vier Spielern in allen Disziplinen. Nintendo hätte irgendwas mit MotionPlus im Bundle verkaufen können, aber glücklicherweise machten sie das nicht. Sports Resort wird nicht irgendwas, sondern einer der Gründe, warum Wii soviel Spaß bringt.
Bis zum Frühjahr 2009 müssen wir uns noch gedulden.




