Grand Theft Auto IV

Preview
Vertrieb
Rockstar Games
Entwickler
Rockstar North
Genre
Action
PC: Grand Theft Auto IV

PC: Grand Theft Auto IV

Nach vier Vorschau-Artikeln, 50 Stunden Gameplay und einer gigantischen Komplettlösung ist es nicht verwunderlich, dass mich ein Lokaltermin bei Rockstar Games samt Besichtigung des aktuellen GTA-IV-PC-Codes nicht unbedingt in Hochstimmung versetzte. Selbst die Liebe zu einem solchen Meisterwerk kennt Grenzen. Deshalb reiste ich ohne große Erwartungen an. Mein Ziel: Nur kurz die Änderungen notieren, eine halbe Stunde zocken und dann so schnell wie möglich abhauen. Vielleicht noch ein wenig über Steuerungsdetails philosophieren, brav die hübsche Grafik loben und ein paar Fragen zum Download-Content stellen. Falsch gedacht. Anderthalb Stunden später saß ich vor einem einfachen Tool, das mich die ordentlich aufgebohrte Grafik, die präzise Steuerung und die vielen kleinen Verbesserungen vergessen ließ, mich immer weiter in seinen Bann zog. Unter dem einfachen Handy-Menüpunkt „Video-Editor“ haben die kongenialen Entwickler ein Werkzeug für echte Machinima-Fans (de.wikipedia.org) versteckt, das mit wenigen Handgriffen erstaunliche Ergebnisse liefert. Rockstar Games nutzte die Zeit dafür, das spannende Gangster-Drama nicht nur technisch auf die Höhe der Zeit zu befördern, sondern der neuen Plattform Tribut zu zollen. Über das eigentliche Spiel muss man theoretisch keine Worte verlieren. Die Geschichte des serbischen Veteranen und Kleinkriminellen Niko Bellic, der in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten auswandert, um dort das große Glück zu finden, ist innerhalb kürzester Zeit ein Teil der Videospiel-Historie geworden. Mehr noch als seine Vorgänger hat das vierte Grand Theft Auto eine Lebenssimulation auf die Beine gestellt, in der die fiktive Variante von New York durch eine prächtige Grafik und Hunderte NPCs zum Leben erweckt wird. Allein die mitreißende Story mit ihren ebenso hervorragenden Zwischensequenzen und echten Charakterköpfen fesselt für 30 Stunden. Geht Ihr den vielen Nebenaktivitäten nach oder wagt Euch in den ausufernden Multiplayer-Modus, können es locker 50 werden. Mehr gibt es auch in der PC-Fassung nicht. Die zusätzlichen Download-Inhalte bleiben vorerst Xbox-exklusiv. Doch nicht nur bei der Story hat der vierte Teil Zeichen gesetzt. Dank brillanter Animationen und glaubwürdigen Lichteffekten stellt der Titel auch optisch ein absolutes Konsolenhighlight dar. Einmalige Momente, zum Beispiel auf einem wackeligen Boot der untergehenden Sonne entgegen zu schippern, werden am laufenden Band geliefert. Kein Wunder, dass die PC-Fassung da nicht hinten anstehen soll. Auf den ersten Blick hat sich wenig verändert. Schatten wirken etwas klarer, Kanten dank höherer Auflösung sauberer und Werbeplakate lassen sich nun auch schon aus weiter Entfernung lesen. Erst, wenn Ihr Euch ein Auto schnappt, in den Verkehr eintaucht oder einen Hubschrauberausflug wagt, wird der Unterschied deutlich. Anstatt sich selbst in der Rush-Hour mit 100 km/h durch den Verkehr zu schlängeln, sorgt die dichte Blechlawine auf dem PC für ein ungewöhnliches Hindernis. Bei der Konsolenvariante stand der entsprechende Regler auf 33 Prozent, nun könnt Ihr ihn voll aufdrehen und so jede Verfolgungsjagd in eine gewaltige Massenkarambolage verwandeln. Außerdem wurde die Sichtweite stark erhöht. Von einem Hochhaus aus betrachtet, breitet sich das prächtige, detaillierte Häusermeer unter Euch aus und Ihr bekommt einen noch besseren Ausblick auf diese lebende, pulsierende Stadt - immer vorausgesetzt, Ihr besitzt einen flotten PC (Testrechner: Intel Core 2 Duo E6750, Nvidia 280GTX). Damit Ihr Euch auf der neuen Plattform gleich wie Zuhause fühlt, wird das Pad der Xbox 360 unterstützt. Einfach nur einstöpseln und loslegen, die Steuerung entspricht eins zu eins dem Konsolen-Vorbild. Alternativ lässt sich der Sandbox-Knaller aber auch mit Tastatur und Maus steuern. In diesem Fall entfällt das Autoaiming, dafür zielt Ihr sehr genau und landet schon nach kurzer Zeit einen Kopfschuss nach dem anderen. So weit, so bekannt. Neu ist der fliegende Wechsel der Steuerungstechniken. Während Ihr Euch also in den Feuergefechten auf die Maus verlasst, dürft ihr die Fahrzeuge mit dem Controller steuern. So bekommt Ihr ohne viel Nachdenken das Beste aus beiden Welten serviert. An der Multiplayer-Front sorgt das gerade aufgefrischte Windows Live für den hoffentlich reibungslosen Ablauf. Ihr sammelt für Euren Xbox-Account Gamerscore-Punkte, tretet wie gehabt direkt aus dem Spiel heraus online gegen andere Spieler an und tobt Euch in den in den verschiedenen Spielmodi aus. Die Zahl der Kontrahenten wird dabei deutlich erhöht. Momentan sieht es nach 24 bis 32 Spieler aus, es wird also auf jeden Fall deutlich enger auf den Servern. Begeisterungsstürme ruft die Nutzung des auf dem PC bisher erfolglosen Service trotzdem nicht aus. Aber mal abwarten. Von den anderen Qualitäten konnten wir uns wenig später in der Mission „Three Spades“ überzeugen. Der Bankraub gehört nicht umsonst zu einem der Höhepunkte des Originals und begeistert auch nach dem zehnten Durchlauf. Schnell den passenden Spielstand geladen, nach einem kurzen Plausch mit den Komplizen ein Fahrzeug geklaut und mit dem Controller in Richtung Bank aufgemacht. Zäh kämpft sich die illustre Truppe durch den dichten Verkehr. Allein der Gedanke an eine Verfolgungsjagd unter diesen Bedingungen erzeugt Schweißperlen auf der Stirn. Doch bevor es an die Flucht geht, muss erst einmal das Geld „abgehoben“ werden. Nach einer weiteren Zwischensequenz, die beweist, dass Bankräuber nicht immer clever sind, folgt der Wechsel zu Tastatur und Maus. Die ersten Feuergefechte mit der Polizei, die nicht umsonst an den Klassiker „Heat“ erinnern, verlangen Fingerspitzengefühl und eine dicke Portion Zielwasser. Fast wie in einem Taktik-Shooter mäht Niko die Gesetzeshüter nieder. Wenige Momente später flüchten die drei Gangster in die U-Bahn. Weitere, immer härtere Auseinandersetzungen folgen, bis die Gang an der Oberfläche einen Raketenwerfer auspackt. Bevor sich Nico auf den Weg zum Fluchtauto macht, schickt er dem Polizeihubschrauber ein paar explosive Grüße entgegen. Fast schon elegant rast das Geschoss mit einer Drehbewegung auf das Luftfahrzeug zu und jagt es mit einer beeindruckenden Explosion in die Luft. In der Xbox-Fassung hat man leider kaum Zeit, solche prächtigen Momente zu genießen. Hier würde man anschließend gehetzt zum Fahrzeug rennen und verschwinden. In der PC-Fassung genügt ein einfacher Druck auf die F2-Taste, um den Augenblick festzuhalten und für die Nachwelt zu sichern. Einfach den Video-Editor im Handy-Menü auswählen und wenige Sekunden später sitzt man vor einem Schneidetisch. 30-60 Sekunden Action wurden eingefangen und warten nun auf die Weiterverarbeitung. Die Sequenzen werden automatisch abgespeichert. Wann Ihr sie bearbeitet, spielt erstmal keine Rolle. Wenn Ihr es tut, schiebt Ihr sie einfach per Drag&Drop in die Zeitleiste und beginnt Eure Karriere als Regisseur. Trotz einiger kleinerer Macken bei der Steuerung funktioniert das eigentliche Arbeiten intuitiv. Zumindest dann, wenn Ihr schon etwas Erfahrung mit Videoschnitt-Software gesammelt habt. Einzelne Clips werden zusammengefügt und Perspektivwechsel über ein Drop-Down-System integriert. Wie bei Counter-Strike und Konsorten zeichnet das Spiel so genannte Demos auf. Das bedeutet, dass Ihr Blickwinkel, Geschwindigkeit und Kameraführung jederzeit verändern könnt. Es ist also ohne Probleme möglich, die Kamera um die Rakete drehen zu lassen, während sie in Zeitlupe auf den Hubschrauber zuschießt. Auch die Explosionen bekommen fast etwas Erhabenes, wenn sich die einzelnen Trümmerteile, Glasfragmente und Explosionsgase in einem Tanz der Pixeleffekte voneinander entfernen. So könnt Ihr ohne viel Einsatz aufregende Kurzfilme zusammenschneiden, sie mit einem Soundtrack aus Grand Theft Auto IV untermalen, Filter darüberlegen, Texte einfügen und mit wenigen Handgriffen in ein YouTube-kompatibles oder sogar HD-Videoformat verwandeln. Alternativ ladet Ihr Eure Meisterwerke mit einem weiteren Knopfdruck direkt auf die Social-Club-Seite (Community-Bereich unter socialclub.rockstargames.com (http://socialclub.rockstargames.com) ) hoch. Nach wenigen Augenblicken erscheinen Eure Clips auf dem Account und werden von den anderen Mitgliedern bestaunt und bewertet. Endlich mal ein Team, das mit der Mission PC-Umsetzung kreativ umgeht. Anstatt ein paar fadenscheinige Zusatzmissionen zu liefern, nutzt man die Stärken der Plattform und macht aus einem „normalen“ Spiel ein ansprechendes Werkzeug. Die Möglichkeiten sind quasi unendlich. Was schon nach kurzer Zeit annehmbar aussah, dürfte sich mit etwas Übung in ideenreiche Kleinkunst verwandeln lassen. Allein die recht kurze Aufnahmezeit und das aus Copyright-Gründen sehr eingeschränkte Sound-Angebot verhageln am Ende den eitlen Sonnenschein. Ja, die Daten im Hintergrund sind bei GTA IV bestimmt größer als beim Shooter-Veteranen Counter-Strike, trotzdem sind 30 Sekunden ein wenig zu kurz. Das Spiel selbst wurde routiniert umgesetzt und dürfte PC-Spieler begeistern. Noch nie sah Liberty City so sexy aus und ließ sich so wunderbar präzise durchqueren. Der Windows Live-Modus muss zwar erst noch beweisen, dass er das Aufkommen bei einem solchen Titel bewältigen kann, aber dennoch macht die Aussicht auf größere Gefechte schon jetzt Lust auf mehr. Ob sich der Kauf dagegen auch für Besitzer der Konsolen-Variante lohnt, steht auf einem ganz anderen Blatt. Hardcore-Fans der Serie und angehende Machinima-Spezialisten werden auf jeden Fall einen Heidenspaß mit dem Video-Editor haben. Ein wirklich erstklassiges Tool mit viel Zukunft. Grand Theft Auto IV erscheint am 3. Dezember für den PC. Die Xbox 360 und PS3-Versionen sind seit April erhältlich.

 

 

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