NecroVisioN

Review
Plattform
PC
Vertrieb
505 Games
Genre
Shooter
PC: NecroVision

Gesamtwertung

5/10

PC: NecroVision

Wir sind in Frankreich. Es ist 1916. Das Wetter lässt zu wünschen übrig. Ach, und es ist übrigens Weltkrieg. "Eine tödliche Waffe in einem tödlichen Land. Ich darf nicht darüber nachdenken," unsinniert unser Soldat, als er mitten im tiefsten Ego-Grabenkampf an der Somme auf ein montiertes MG stößt. "Schmeckt die Gerechtigkeit, ihr Bratwürste", wird er später die deutschen Feinde auffordern, klingt dabei aber wie ein Saturn-Angestellter, der den 'Krauts' einen Plasma-TV verkaufen will. Er verkauft ihnen aber keinen Plasma TV, sondern kochendes Blei, pfundweise. Und eigentlich verkauft er es auch nicht, er durchlöchert sie damit.

Wenig später erledigt unser Frontshakespeare einen deutschen Scharfschützen: "Der Schütze. Erschossen. Gerechtigkeit", fällt ihm dazu der nächste Eintrag für das Gedichtband ein, an dem er zweifellos schon so lange arbeitet. Wann immer einem NecroVision stocksteif vorgetragene Plattitüden dieser Marke mit beiden Daumen ins Ohr drückt, weiß man oft nicht, wie es das Spiel nun meint.

In diesen Momenten scheint es sich selbst sehr ernst zu nehmen und verkneift sich jedes Augenzwinkern. Nur um freilich im nächsten Gefecht mit vollkommen geradem Gesicht Ohnmachts-erzeugende Oneliner rauszuhauen, die Entwickler The Farm 51 irgendwann um 1996 aus dem Papierkorb des Duke Nukem Forever-Entwicklerteams geklaut haben muss. Vielleicht vergisst unser amerikanischer Vorzeige-Soldat auch hin und wieder einfach nur, dass er sich in einem vollkommen überdrehten Trash-Shooter befindet.

Es dauert nämlich nicht ganz eineinhalb Level, bevor aus diesem vermeintlichen "Call of Duty 1916" von ehemaligen People Can Fly-Mitarbeitern (Painkiller) eher eine Art Wolfenstein oder eben Painkiller wird. Mit Vampiren, Zombies, Dämonen und all dem übersinnlichen Schabernack, der Jungs im Normalfall so viel Spaß macht. Von diesem Normalfall kann man bei NecroVision aber trotz einiger guter Ideen und ordentlicher Technik nicht so richtig sprechen. Es ist fast so, als hätte The Farm 51 einfach alle Elemente, die das Team cool fand, etwas arglos in einen Eimer gesteckt, einen Deckel drauf gepappt und diesen in einen Wäschetrockner gesteckt, in der Hoffnung, es möge ein stimmiges Spiel dabei herauskommen.

Um sich überhaupt in dem wilden Regen aus John Sinclair-Schundroman-Konfetti ein bisschen amüsieren zu können, muss man zu allererst einmal begreifen, dass NecroVision ein bisschen, nun ja, anders gespielt werden will. Spielt man es wie den handelsüblichen Weltkriegs-Shooter nach dem es aussieht, beißt man selbst auf dem normalen Schwierigkeitsgrad schon so oft ins Gras wie auf den höheren Schwierigkeitsgraden etwa eines Call of Duty. Das Spiel sieht es nämlich lieber, dass man mit dem Kopf zuerst in den Nahkampf rennt, anstatt sich hinter sicherer Deckung zu verschanzen und die Feinde nacheinander auszuknipsen.

Die (logische) Duckertaktik ist in NecroVision demzufolge unglaublich ineffizient. Nicht weil die Deckung übermäßig selten wäre, sondern weil NecroVision bei der Platzierung und dem Spawnen der Gegner keine Rücksicht auf den Spieler nimmt. Wie man das Spiel zocken soll, wird dummerweise nicht im laufenden Betrieb oder in einem Einführungslevel erklärt, sondern – wenn man Glück hat – als Tutorial-Diashow während einer der langen Ladezeiten: "Wer sprintet, ist schwieriger zu treffen, als wenn er in Deckung ist", verrät ein Hilfe-Text (sinngemäß). Also auf ins Getümmel! Wem das noch nicht genug hanebüchener Stallone-Film-Logik ist, der darf seinen aufgeladenen Adrenalin-Balken noch per Alt-Taste gegen eine Zeitlupe eintauschen.

Das Spiel liebt die Tuchfühlung mit dem Feind so sehr, weil sich The Farm 51 ein theoretisch cleveres Kombo-System ausgedacht hat. Ein etwas umständliches Dual-Wield System und eine Reihe von Nahkampf-Angriffen soll dazu animieren, zahllose Angriffskombinationen an den Gegnern auszuprobieren. Im Optimalfall wütet man etwa mit Vampir-Maschinenpistole in der einen und der Schaufel in der anderen Hand in den Reihen der Feinde, tritt einen Gegner nach hinten, holt anschließend mit dem Spaten aus und gibt ihm mit einem abschließenden Kopfschuss den Rest.

Mit jeder Kombo-Stufe erzeugt man zusätzlichen Schaden, der sich in höheren Sphären schließlich in Blitzform von einem Feind zum nächsten frisst. Daneben erhält man weitere Zeitlupenschübe und Lebensenergie, die ein offensives Vorgehen fordern und fördern. Weil das Spiel verschiedene Waffen- und Angriffskombinationen erkennt und im weiteren Spielverlauf sogar Bonus-Herausforderungen neben der Story freigibt, kommt man nicht umhin, das Kombo-System als einen der besseren Einfälle von The Farm 51 zu loben.

Regelmäßig jedoch gehen im allgemeinen Hand- und Klauengemenge des schnellen Höllenkrieges derartige Details

unter. Der Nahkampf wird inmitten eines halben Dutzends hungriger Zombies, schießender und schlagender Soldaten und einigen noch weit abstrakteren Feindkreationen sehr wuselig und unübersichtlich. Das führt dazu, dass man fleißig die je nach Waffe bis zu drei verschiedenen Melee-Tasten spammt, anstatt sich zu überlegen, welchem Feind man welche Kombo angedeihen lässt.

Dennoch ist dies die erfolgversprechendste Taktik. Man stellt sich bald darauf ein, dass sich fast jede Auseinandersetzung wie die letzte spielt und wundert sich auch nicht weiter, dass sich dieses Augen-zu-und-durch-Verfahren schon bald stark abnutzt. Trotzdem bleibt es natürlich spielbar, wenngleich auch im Lauf der Kampagne recht schnell eine gewisse Gleichgültigkeit aufkommt. Das liegt nicht zuletzt an der wirren Story, die in den Standbild-Zwischensequenzen teilweise sogar bereits Erlebtes noch einmal umdichtet und dafür sorgt, dass man irgendwann nicht mehr weiß, was das Ganze eigentlich soll.

Und dann wäre da noch die schwache Synchro, die man in der Form eigentlich schon ausgestorben wähnte. Der ist es nämlich zu verdanken, dass Amerikaner und Franzosen lupenreines Deutsch sprechen, alle "Engländer" aber mit zwei Walnüssen im Mund den miesesten britischen Akzent geben, den ich seit den Achtzigern gehört habe.

Die Hauptschuld an der wachsenden Mir-doch-egal-Haltung des Spielers liegt aber beim Level-Design. Das scrollt nämlich technisch solide, aber größtenteils einfallslos und frei von Höhepunkten an unserem G.I. vorbei – auf diesem Quad Core mit 8800er GTS übrigens recht flüssig – und zieht sich immer wieder gerne elend in die Länge. Anstatt die schnelle Action in kurzen Schüben zu verabreichen, zermürbt das stumpfe Zombie-Karate in halbstündigen oder längeren Maps, die außer einer Handvoll okay platzierter Secrets und etwas dilettantischer Skript-Ereignisse wenig mehr zu bieten haben als Kämpfe und noch mehr Kämpfe nach Schema N – selbst nachdem es in der, gefühlte zwei Stunden zu späten, Mitte des Spiels mit der S-Bahn sogar in die Unterwelt geht. Spoiler übrigens.

Vom Designstandpunkt aus gesehen, bewegen sich die NecroVision-Level mal eben zwei ganze Köpfe unterhalb des zweiten Doom. Immer und immer wieder jagt man lieber planlos der idiotensicheren Kompassnadel nach, anstatt den Horizont nach den wenigen Orientierungspunkten abzusuchen.

Aufgaben wie "Gelange aus der Gaskammer" beinhalten einen 8 Quadratmeter kleinen Raum mit einem Tisch in der Mitte. Jetzt ratet mal, wo der Schlüssel liegt! In einem Glockenturm fand ich dagegen ein Scharfschützengewehr, dessen offenkundige Einladung, die davorliegende Brücke zu säubern, ich auch erleichtert annahm. Dumm nur, dass mich bei meiner Ankunft dort wieder eine Horde Feinde begrüßte.

Letzten Endes ist The Farm 51s Idee von einer Shooter-Geisterbahn die Sorte Spiel, durch die man sich im Godmode durchochst, ohne so wirklich zu wissen warum. Eine fahrige, chaotische Monster-Klamotte, deren Brot und Blutwurst die derben Splattereffekte waren, die sich für die deutsche Version buchstäblich und rückstandslos in Rauch aufgelöst haben. Das im direkten Vergleich so bewundernswert gradlinige und niemals langweilige Painkiller, das so offensichtlich Pate stand, erreicht NecroVision jedenfalls nicht ansatzweise.

Also: Tief durchatmen! Ich weiß, dass diese Sorte Quatsch einen unglaublichen Schnappreflex bei uns Jungs auslöst. Aber das liegt eher daran, dass das nächste Wolfenstein lange, lange überfällig ist – und nicht etwa an dem bisschen zweifelhafter Qualität von NecroVision.

NecroVision erscheint am 28. Mai und wird nur knapp 30 Euro kosten.

 

 

Ist der Artikel hilfreich? Dann bookmarken Sie ihn bei:

Hilfe?

3D Multiplayer-Games: Seafight

In Seafight erforschst Du die abenteuerliche Karibik auf der Suche nach versteckten Schätzen und leicher Beute. 10.000 € auf den besten Spieler! zum Spiel...

Yahoo! Spiele-Forum

NecroVisioN im Test. Was halten Sie vom neuen Spiel von 505 Games?

Teilen Sie Ihre Meinung mit anderen Yahoo!-Usern.

Link zum Forum

Zum Games Guide-Forum · Zum Online-Spiele-Forum

 

 

 

Yahoo! Highlights:

Filmblog
Spiele Highlights
Video Suche
DFB Pokal
Autonews
Reiseplaner
Mehr...

 

Aktuelle Videospiele News:

GTA IV: Episodes from Liberty City
Brink-Entwickler
GREED: Black Border
X360: Händler-Infomaterial zu Mass Effec...
X360: Stranglehold: Ex-Produzent kritisi...
PC: Dragon Age: Erster Patch ist da
PC: Civilization Network für Facebook
X360: Neues Alien Breed in drei Episoden
God of War Collection
PC: Auch Rage wohl ohne dedizierte Serve...
PS3: FIFA 10: Details zum neuen Patch
PC: GREED: Bekannte Synchronsprecher
Call of Duty 4: Modern Warfare
BF: Bad Company 2
Call of Duty: Modern Warfare Reflex

Weitere Spiele Reviews:

PC: Virtua Tennis 2009
WII: Overlord: Dark Legend
Overlord 2
Damnation
WII: New Play Control! Donkey Kong Jungl...
PS3: inFamous
PS3: Mini Ninjas
Hearts of Iron 3
PC: Divinity 2: Ego Draconis
PC: Fussball Manager 10
Trials HD
Monkey Island SE & Mass Effect
GearGrinder
PSP: Monster Hunter Freedom Unite
WII: LostWinds: Winter of the Melodias

Vorschau auf neue Spiele:

Resident Evil: The Darkside Chronicles
PS3: Brink
PC: FUEL
GC09: Die Vieh Chroniken - First Facts
Final Fantasy XIV
PS3: Final Fantasy XIV Online
Call of Juarez: Bound in Blood
PC: Mini Ninjas
PS3: gamescom Highlights: Action/Adventu...
X360: Prototype
GC09: Dark Void
X360: Resident Evil 5
PSP: Dissidia: Final Fantasy
Borderlands
PC: Aliens vs. Predator