Aquanaut's Holiday

Review
Plattform
PS3
Genre
Andere
PS3: J! - Aquanaut's Holiday: Hidden Memories

Gesamtwertung

6/10

PS3: J! - Aquanaut's Holiday: Hidden Memories

In unserer neuen Rubrik „J!“ stellen wir Euch ab sofort Importe aus dem Land der unbegrenzten Videospielmöglichkeiten vor. Neben dem normalen Test prüfen wir, ob Ihr als sprachunkundiger Durchschnittseuropäer überhaupt eine Chance habt, den getesteten Titel zu spielen und was Euch vielleicht dabei helfen könnte.

Vor fast 10 Jahren tauchte Artdink in den Ozean ab und lieferte auf der PS1 den perfekten Chill-Out Bildschirmschoner. Schwimmt mit Eurem U-Boot herum, dreht Pink Floyd und andere Sachen und genießt das Leben. In solchen ätherischen Sphären schwebend störte es auch nicht, dass böse Zungen behaupteten, dass dies kein echtes Spiel, sondern nur ein interaktiver Bildschirmschoner sei. Warum widersprechen, wenn sie recht haben. Eine großartige Abweichung vom üblichen Blast-Schema war es trotzdem.

Und hätte es eigentlich bleiben sollen. Im PS3–Nachfolger Aquanaut's Holiday: Hidden Memories folgt Ihr nämlich einer echten Storyline und noch dazu einer, die sich mitunter aufgabelt. Zu viel kann man hier nicht verraten, ohne die immer noch an sich ziemlich kurze Geschichte zu spoilern. Aber im Prinzip beginnt Eure Queste mit der Suche nach einem Mann namens Bill und warum er mit seinem U-Boot nicht mehr zurückkam. Und führt Euch weiter, als Ihr dachtet. Ausgangspunkt für die Ergründung dieses Geheimnisses ist eine Basis im Südpazifik, in der eine lebenslustige junge Forscherin und ein konservativer alter Prof den Dingen nachgehen, die Ozeanologen halt so tun.

Sobald Ihr unter Wasser etwas Interessantes - eine alte Statue beispielsweise - findet, geben Euch die beiden Forscher Erklärungsmodelle für Euren Fund, die kaum unterschiedlicher sein könnten.

Während „sie“ jung und naiv an Atlantis und Außerirdische glaubt, besinnt sich „er“ auf die Wissenschaft und sucht nach rationalen Erklärungen. Ihr kümmert Euch um keines von beiden, sondern folgt einfach dem Mantra des Japano-Adventures: Drückt die Weiter-Taste, bis nix neues mehr kommt und vergeudet nicht zu viele Gedanken an den belanglosen Plot. Konzentriert Euch lieber auf die große, weite, unbekannte Unterwasserwelt. Das mit dem Unbekannten im örtlichen Sinne dürft Ihr ruhig wörtlich nehmen. Zu Beginn streckt sich der Ozean zwar endlos, Euer Echo-Bereich kann da aber nicht ganz mithalten.

Ohne das Echo bleiben große Teile der Karte schwarz und unzugänglich, bis Ihr treibende Bojen mit Energie versorgt und diese Euch im Gegenzug mit einem größeren Bewegungsradius belohnen. Das kann sich als eine mitunter etwas nervige Aufgabe herausstellen, da Ihr erst einmal nur eine Extra-Batterie mitführen könnt und diese auch noch für wertvolle Kredits kaufen müsst.

An Geld kommt Ihr wiederum durch das Erkundung der Ozeane. Ihr peilt einen Euch unbekannten Fisch oder eines der zahlreichen interessanten Objekte wie ein Schiffswrack an und taggt es auf Knopfdruck. Der Blick folgt dem Ziel, Credits wandern auf das Konto und ein Häkchen erscheint hinter dem passenden Bild im großen Unterwasseratlas, der alles auflistet, was Euren Weg kreuzte.

Schon nach kurzer Zeit hört Ihr im Wasser wirklich enervierende Tonfolgen. Geht Ihr diesen nach, werdet Ihr auf kleine Sängerfische stoßen, die fröhlich Melodien trällern. Ich weiß, es sind Fische, sie singen trotzdem, fragt mich nicht, ich kann nichts dafür. Peilt Ihr einen der Sängerfische an, dürft Ihr mit ihm und Eurem Sonar, verteilt auf die Schultertasten für verschiedene Töne, eine Runde Unterwasser-Senso spielen. Der Härtegrad dieses Minigames startet wirklich simpel, doch schon bald sind Spieler mit ausgeprägtem Erinnerungsvermögen gefragt.

Solltet Ihr Erfolg haben, besprenkelt Euch der Fisch mit roter Magie. Oder irgendwas in einer Richtung, die nicht mehr viel mit seriöser Unterseesforschung zu tun haben dürfte. Sammelt Ihr genug von dem Zeug, dürft Ihr Euer Tauchboot mit mal mehr, mal weniger sinnvollen Upgrades in Form besserer Fahrwerte oder zusätzlichen Halterungen für Sonarbatterien ausrüsten. An sich ist das eine sinnvolle Sache, nur gehen einem mit der Zeit die unentwegt zirpenden Fische gewaltig auf den Keks. Eigentlich wolltet Ihr ja nur eine kleine Spritztour machen, den Ozean an Euch vorbeifließen lassen und Wasser gucken. Stattdessen ringt eine Horde musikalischer Unterwasserbewohner immer wiederkehrend um Eure Aufmerksamkeit und nimmt dem Spiel ein wenig von der angenehmen Chilligkeit des Vorgängers.

Die Aufgaben selbst arten mitunter auch ein wenig in Arbeit aus, da sie in erster Linie keine wirklich kunstvolle Handhabe des Bootes oder ausgefeilte Gehirnakrobatik erfordern, sondern lediglich die Geduld eines sehr großen, trägen und gutmütigen Elefanten. Grast den Ozean ab. Jeden einzelnen Winkel. Klickt alles an, was kommt. Irgendwas wird schon das richtige sein. Oder, sofern Ihr wirklich mal erfahrt, was genau Ihr sucht, haltet die Augen offen und nehmt jede Nische mit, in die das Boot passen könnte.

Weite Strecken werdet Ihr zurücklegen und alles in einem wendigen, aber nicht schnellem Boot. Für Erleichterung sorgt die Möglichkeit, eine Boje zu platzieren, zu der Euch der Autopilot in Sekunden hinmanövriert. Das, in Verbindung mit der Möglichkeit, jederzeit zur Basis per Klick auf die Karte zurückkehren zu können, nimmt den Missionen ein wenig die Schärfe. Angesichts der Größe des Ozeans und einiger wirklich nicht ganz leicht erreichbarer Orte wären gezielt verteilte Navpunkte oder wenigsten mehr Bojen sinnvoll gewesen.

So kommt Ihr aber wenigstens häufig in den Genuss der weitestgehend blau-schönen Optik, noch mehr aber des grandiosen Blubbersounds. Ihr solltet sofort die anfangs noch minimal atmosphärische, später reichlich düdelige Ambiente-Musikuntermalung abschalten und Euch auf die reinen Unterwassereffekte konzentrieren. Ob nun der Motor mit einem rumpelnden Gurgeln das Gefährt aus dem Stillstand in Bewegung versetzt oder Ihr durch einen tausendfachen Makrelenschwarm hindurchtaucht, die Anschaffung der 5.1 Anlage macht plötzlich an den unvermutetsten Stellen Sinn und versetzt Euch gekonnt unter die Meeresoberfläche. Wenn nur nicht ständig diese Singefische vor sich hin tirilieren würden…

Mit kompletter Abwesenheit glänzt übrigens jegliche KI der Wasserbewohner. Stoisch ziehen Hai, Delphin und Rochen ihre Runden, rempeln Euch weg und kommen sicher nicht auf den Gedanken, der Nahrungskette einen Gedanken zu widmen. Solltet Ihr wegen der Hai-Feeding-Frenzy hier sein, könnt Ihr gleich wieder umdrehen.

J! – Allgemeine Hinweise zu Aquanaut's Holiday

Es gibt von Aquanaut's Holiday eine japanische Version komplett in dieser hierzulande nicht so weit verbreiteten Sprache, eine erste Asia-Version, die ebenfalls vollständig japanisch blieb, und eine neuere mit englischen Untertiteln. Achtet also genau darauf, dass der Händler wirklich letztere verkauft, wenn Ihr eine Asia ergattert. Normalerweise lässt es sich schon ein wenig daran erkennen, dass die ersten beiden im Import deutlich günstiger zu haben sind. Englisch ist übrigens auch bei der Übersetzten ein weiter Begriff, Engrish - auch bekannt als Korea-Toaster-Anleitung - trifft es besser. Um zu verstehen, was einem das Spiel erzählt, reicht es aber mit solidem Schulenglisch allemal. Denkt einfach um die Grammatikfehler drumherum.

Solltet Ihr sparen wollen oder wie ich blind die falsche Version gekauft haben, könnt Ihr ebenfalls, wenn auch mit ein wenig mehr Mühe, zum Abschluss kommen. Als sehr wertvoll stellte sich dieser Mini-Walkthrough des Gamefaqs-Forums (gamefaqs.com)heraus, auch wenn er alles andere als detailliert oder bis ins Letzte spezifisch ist.

Als erstes großes Starthindernis für mich stellte sich die Rückkehr zur Basis heraus. Es dauerte ein Weilchen, bis ich begriff, dass man nicht zurückfahren und wie auch immer docken muss, sondern einfach nur auf die Karte per Start-Knopf geht und dort nach links drückt, um Navigationspunkte anwählen zu können. Die Batterien für die Bojen verkauft Euch der Prof, indem Ihr den ersten Punkt in seiner Gesprächsliste anklickt. Sobald Ihr die vier Steine mit den Sonar-Tönen gefunden habt, müsst Ihr mit dem ersten Sängerfisch kommunizieren, um weiterzukommen.

In meinem Falle pfiff er in der Nähe der ersten Boje herum. Es reicht nicht, ihn zu sehen, Ihr müsst ihn fest anpeilen und dann einen der Sonartöne auslösen. Jetzt kommt er zu Euch und das Spiel geht weiter. Sollte es gleich zu Beginn bei einem der Sonarton-Steine nicht weitergehen, drückt einfach alle vier Schultertasten, es wird von Euch erwartet, einen Ton auszustoßen.

Insgesamt muss man leider sagen, dass Aquanaut's Holiday: Hidden Memories die Einbindung einer Story und das Upgraden des Bootes mittels permanent herumsurrender Singefische eher geschadet hat. Im Ergebnis habt Ihr immer noch eine wirklich schicke und sehenswerte Unterwasserwelt, nur das einfache Herumgondeln, Gucken und Staunen wird permanent ausgebremst oder gestört. Gäbe es wenigstens eine gute Story mit genug Umfang, um das Spiel als solches tragen zu können, wäre das weniger dramatisch und würde den Schwerpunkt halt einfach anders legen.

So aber hängt man irgendwo im Limbo zwischen echtem Spiel und Chill-Out-Experience, ohne dass eines von beiden wirklich befriedigend wäre. Hobby-Taucher und Tiefseebegeisterte können trotzdem ruhig eine Runde wagen, denn in gefährliche Untiefen driftet Artdink qualitativ zum Glück dann doch nie ab und einmalig bleibt es am Ende sicher.

Eine englische Asia-Version von Aquanaut's Holiday: Hidden Memories existiert, ein Veröffentlichungsdatum für die USA oder Europa gibt es dagegen leider nicht.

 

 

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