Brothers in Arms

Review
Plattform
Nintendo DS
Vertrieb
Ubisoft
Entwickler
Gearbox Software

Gesamtwertung

6/10

DS: Brothers in Arms

Ich habe lange überlegt, wie eine witzige und unterhaltsame Einleitung zu einem Spiel aussehen könnte, das doch ein sehr ernstes Kapitel in der Weltgeschichte thematisiert. Schließlich geht es in Brothers in Arms DS für Nintendos innovativen Taschenspieler um den Zweiten Weltkrieg. Aber so wirklich ist mir dazu nichts eingefallen, Krieg ist nun mal eine sensible Angelegenheit. Außerdem hat Deutschland dabei bis jetzt immer den Kürzeren gezogen, und über Niederlagen macht man zudem keine Witze!

Daher komme ich also ohne weitere Umschweife zum ersten WWII-Shooter der DS-Geschichte. Da der Ausgang aufgrund des historischen Hintergrundes sowieso festgelegt ist, schlagt Ihr Euch genretypisch auf die Seite der Alliierten, um gegen die „Krauts“, wie die Deutschen in dem Spiel historisch korrekt genannt werden, in den Kampf zu ziehen. Das waren sie dann auch schon, die Gemeinsamkeiten, die sich Brothers in Arms DS mit seinen Namensvettern auf den TV-Konsolen teilt, denn alle allzu komplexen Spielmechanismen wurden kurzerhand wegrationalisiert.

Erwartet daher von der Taschenversion keinerlei taktischen Einschlag oder zu komplexes Teamwork, insgesamt ähnelt das Spiel eher einer kleinen Version eines Call of Duty-Teils. Weltkriegsshooter-Experten könnten trotzdem irritiert sein: Statt wie Call of Duty oder die "großen" Brothers in Arms-Teile auf die Ego-Perspektive zu setzen, wählten die Entwickler bei der Handheld-Variante die Verfolger-Perspektive.

Allerdings punktet die DS-Version wie die TV-Konsolen-Konkurrenz vor allem in Sachen Atmosphäre. Kaum seid Ihr zum x-ten Mal in der Normandie gelandet, seid Ihr mit Sicherheit wie ich von Brothers in Arms DS gewaltig überrascht. Eine eindrucksvolle Grafikkulisse umschmeichelt Eure Augen und für den Hauch eines Momentes glaubt Ihr nicht, ein DS-Spiel vor Euch zu haben. Die Grafik überzeugt in bestem 3D mit der typisch dreckigen und düsteren Atmosphäre dank seines Rauch-vernebelten Settings und jeder Menge Action.

Die Begeisterung über die grafische Qualität ist jedoch in dem Moment verflogen, in dem Ihr zum ersten Mal mit dem Rücken zur Wand steht oder neben Euch eine Granate hochgeht. Genau dann offenbart die Hardware schonungslos ihre Schwächen: Texturen besitzen bei entsprechend kurzem Abstand riesige Pixel, Pop-Ups ploppen in nicht nicht allzu weiter Ferne vor Euch auf und Clipping-Fehler konnten kaum ausgemerzt werden. Scheißegal, der Spielspaß stimmt, die Soundeffekte sind fett und das Missionsdesign ist wirklich abwechslungsreich.

Die Spannung auf dem Schlachtfeld ist zum Greifen nahe, die nächsten Deutschen, die auftauchen, pumpen einen weiteren Schuss Adrenalin in den bereits angespannten Körper, auch ohne 5.1-Unterstützung und HD-Grafik kommt sogar unterwegs bedrohliche Kriegsatmosphäre auf. Wer hätte gedacht, dass Nintendos Kleiner schon so auf dicke Hose machen kann? Nachdem Ihr den ersten Abschnitt aus der obligatorischen Normandie-Eröffnungsmission abgeschlossen habt, dürfte Euch die Steuerung sicherlich bereits begeistern. Dazu haben die Entwickler fast komplett das Interface von Metroid Prime kopiert, naja, oder sagen wir besser, sie haben sich von einem hervorragend funktionierenden Steuerungsschema stark inspirieren lassen.

Wie beim Nintendo-Vorbild steuert sich Euer Pixel-Alter Ego fast wie mit Maus und Tastatur, was tadellos von Statten geht - zumindest so lange Ihr das Fahren jeglicher Vehikel vermeidet. Aber nach einer kurzen Eingewöhnungszeit kommt Ihr auch damit ganz passabel zurecht.

Das erste „Häh?“-Erlebnis relativiert den vormals positiven Eindruck, doch um Euch das eingängig zu erklären, muss ich ein wenig ausholen. Normalerweise zeichnen kleine grüne Kreise und Pfeile, die Euch zu diesen Markierungen hinführen, den Weg so genau vor, dass selbst Pazifisten im Schlaf durch die Schlachtfelder navigieren - aber eben nicht immer. Plötzlich steht Ihr auf einem Feld und habt keine Markierung und somit auch nicht die geringste Ahnung, was als nächstes zu tun ist. Selbstverständlich gibt es immer mehr oder weniger ausführliche Missionsbeschreibungen, allerdings fehlen die Details im Spiel meist dann, wenn man sie am nötigsten braucht.

Das lästige Ausprobieren lässt Euch obendrein öfter ins Gras beißen als im gesamten restlichen Spiel. Und ich denke, ich muss niemandem von Euch erklären, wie frustrierend es auf Dauer ist, immer an der gleichen Stelle das virtuelle Soldatenleben zu verlieren, nur weil man einen falschen Schritt gemacht hat.

Dabei ist es gerade auf der niedrigsten Schwierigkeitsstufe kaum zu schaffen, dass man drauf geht, denn das Health-System gleicht dem von Halo. Sprich: Eure Gesundheit regeneriert sich nach und nach, wenn man Sperrfeuer aus dem Weg geht oder eine der zahlreichen Deckungsmöglichkeiten sucht. Wer sich gleich als „Veteran“ meldet, dürfte allerdings größere Schwierigkeiten haben - ob sich dann die kurze Spieldauer von etwa vier Stunden (plus/minus zwei Fruststunden voller Verwirrung und Ratlosigkeit) verlängert, liegt an Euren Fähigkeiten.

Brothers in Arms DS hat mich an einer Stelle aber richtiggehend verärgert. Wieder einmal saß ich in einem riesigen Terrain fest und wusste nicht, was ich machen sollte. Die offensichtlichste Möglichkeit zerriss meinen Pixel-Soldaten in sämtliche Stücke und eine Explosion aus dem Nirgendwo machte meiner Mission ein schnelles Ende. Entsprechende Hinweise oder Hilfestellungen sind Fehlanzeige.

In meiner Verzweiflung hätte ich mir auch wegweisende Schilder gewünscht, frei nach dem Motto „Zur Front dritte Tür links – und jeder nur ein Gewehr“ - aber das zerstört dann auch irgendwie den Realismus. Also habe ich mich Explosion für Explosion vorgetastet, bis ich endlich die Mission überlebt hatte, stets den Tod vor Augen, aber den Optimismus im Gepäck.

Bevor jetzt die Meinung aufkommt, Brothers in Arms DS spielt sich wie ein Rohrkrepierer, kann ich nach meinem Einsatz an der Front glücklicherweise Entwarnung geben. In seinem stark begrenzten Rahmen funktioniert der Shooter durchaus gut. Die in Kurzstrecken-taugliche Happen unterteilten 18 Missionen eignen sich hervorragend auch für zwischendurch, die Steuerung klappt über weite Teile wirklich gut, und die Atmosphäre ist außergewöhnlich dicht. Wer hingegen einen ausgewachsenen Ego-Shooter erwartet, wie er ihn von den großen Heimkonsolen kennt, wird auf alle Fälle enttäuscht sein.

Der schwache Umfang und die Designmängel (sowohl technisch als auch spielerisch) lassen schlicht und ergreifend darauf schließen, dass dem Spiel einige Monate Entwicklungszeit fehlen. Scheinbar hat Gearbox lediglich Lizenz und Leveldesign beigesteuert, während sich Handyspielhersteller Gameloft um die Umsetzung des Projekts gekümmert hat. Möglicherweise ist der Rahmen des Spiels deshalb dermaßen eng gesteckt, dass man an einigen Stellen glaubt, die Luft zum Atmen zu verlieren.

Obwohl ich ein persönliches Problem mit 3D-Grafiken auf dem DS habe, muss ich zugeben, dass mich die ersten Schritte auf den virtuellen Schlachtfeldern des Zweiten Weltkrieges visuell vom Hocker gehauen haben - auch wenn die Ernüchterung auf dem Fuß folgte. Trotzdem funktioniert das Spiel zumindest über weite Strecken ganz gut. Nach der kurzen Durchspielzeit muss sich Ubisoft allerdings die Frage gefallen lassen, warum man Brothers in Arms DS nicht mehr Umfang gönnte. Auch ein großer Mehrspielermodus über die WiFi-Connection hätte sich angeboten. So reicht es nur für gutes Mittelmaß.

Mit Brothers in Arms DS dürft Ihr seit dem 7. Juni in den Krieg ziehen.

 

 

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