Driver: Parallel Lines

Review
Plattform
WII
Vertrieb
Ubisoft
Entwickler
Ubisoft
Genre
Andere

Gesamtwertung

5/10

WII: Driver Parallel Lines

Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaalt, möchte man angesichts der Veröffentlichung von Driver Parallel Lines für die Wii laut rufen. Stimmt, Reflections leicht psychedelisch anmutender GTA-Klon für Bleifuß-Junkies ist keine taufrische Nummer und zumindest für PS2, Xbox und den PC ein alter Hut. Doch was tun, wenn sich eine Konsole überraschenderweise besser verkauft als die konservativen Schätzungen vermuten ließen. Natürlich, die Publisher kommen in Zugzwang!

Zwar hat sich Ubisoft mit dem exklusiven Red Steel schon von Beginn an zu Nintendos kleinem Schmuckkästchen bekannt, doch vom ehemaligen innovativen Anspruch ist wenig geblieben – stattdessen setzt man auf die allseits beliebte Multiplattform-Strategie und jagt die gesamte Palette des hauseigenen Line-ups durch die lieblose Konvertierungsmaschine: Blazing Angels: Squadrons of WWII, Prince of Persia: Rival Swords und nun Driver Parallel Lines.

Dabei ist Driver gar kein schlechtes Spiel – war es damals nicht und ist es auch nach knapp 16 Monaten nicht. Parallel Lines spielt in New York, und Fans der Serie dürfen sich über die Rückkehr von Land-Ei T.K. freuen, der die siebziger Jahre auskostet, um vom Kleinkriminellen zur ganz großen Nummer der Unterwelt aufzusteigen – Scarface hat uns gelehrt, dass dieser Aufstieg am schnellsten mit Drogenhandel und konsequenter Ausradierung der Konkurrenz gelingt. Driver streut aber eine gehörige Portion aus dem Film „Transporter“ in das offene Spielkonzept.

Mit einem satten Fuhrpark von 80 Boliden inklusive Motorräder transportiert T.K. in den überall in der City verteilten Hauptmissionen Drogen, rast durch Radarfallen oder schleppt für seine Kunden kurzerhand fremde Fahrzeuge ab und demonstriert damit seine Flexibilität, die im abwechslungsreichen Missionsdesign Ausdruck findet. Unterbrochen wird der Trip in die Siebziger von stimmungsvollen Videosequenzen, die auch auf der Wii gelungen aussehen und die Geschichte voran treiben. Richtiges Hippie-Flair schafft aber erst der exzellente Soundtrack, der mit „Low Rider“ oder „Papa was a Rolling Stone“ chillig aus den Boxen dröhnt, während Ihr lässig mit dem Cabrio durch die Stadtteile Brooklyn, Queens und Manhattan cruised.

So stellt man sich das New York der Siebziger Jahre vor. In den etwas trist und farblos wirkenden Straßen der Stadt zuckelt der Verkehr, und an jeder Ecke gibt es (meist illegale) Möglichkeiten, ein paar Scheine extra zu verdienen. In diesen Nebenmissionen spielt Ihr für berüchtigte Gangster den Fluchtfahrer oder rast in Wettrennen im Idealfall der Konkurrenz davon.

Vorsicht ist in den Straßen von New York jederzeit geboten, denn die aufmerksame Polizei ahndet jegliche Verkehrsdelikte und es kommt permanent zu Konfrontationen bei denen Ihr – auch gerne während der Fahrt - zur Waffe greift. Prima, jetzt habt Ihr zwar Euer Ansehen in der Stadt gesteigert und jede Menge Kohle gescheffelt, aber oben drauf auch noch die hiesige Polizei am Arsch, aber dafür gibt es doch Freunde.

Und Euer Freund heißt Ray! Ray ist eine absolut coole Type – so was wie der Mann für alle Fälle. Diese Art von Leuten, denen man schon in seiner Jugend immer vertraute und selbst schwierigste Probleme mit einem Fingerschnipp aus der Welt schaffen, denn in Rays Garage gibt es fast alles. Dort befindet sich ein kleines Waffenlager, eine komplette Werkstatt inklusive Spritzanlage und Zubehörshop, die selbst den D&W-Katalog in den Schatten stellt und obendrauf die Möglichkeit, alle Delikte im Straßenverkehr ungeschehen zu machen. Wenn das doch immer so einfach wäre!

Die Garage ist also Euer Dreh- und Angelpunkt in New York und gleichzeitig Heimat des ständig wachsenden Fuhrparks, der sich sich im späteren Verlauf ändert, wenn das gesamte Geschehen auf Grund einer Storywendung plötzlich ins Jahr 2006 verfrachtet wird - inklusive moderner Stadtkulisse, zeitgemäßem Soundtrack und neuen Aufgaben, in denen Ihr Rache für die Vergangenheit übt – mehr wird nicht verraten.

Grundsätzlich wäre Driver Parallel Lines also ein solider GTA-Verschnitt, wenn sich Reflections beim Design der Steuerung doch nur mehr Mühe gegeben hätte. Die Schusswechsel während des Fahrens mit der Polizei oder Flüchtigen funktionieren dank Nutzung der Fernbedienung als Lightgun hervorragend. Das Problem ist, dass permanente Schusswechsel selten sind, hauptsächlich steht das Pendeln zwischen Missionspunkten an der Tagesordnung. Gesteuert wird allerdings ausschließlich mit dem Nunchuk, und mit Z und C wird gebremst und Gas gegeben. Das allein sorgt auf Dauer schon für Krämpfe in den Fingern, allerdings reagiert dämlicherweise auch der Neigungssensor, um besonders scharfe Bremsmanöver zu ermöglichen. Wer sich aber auf die Straße konzentriert und unabsichtlich den Nunchuk neigt, rast unwillkürlich in den Gegenverkehr. Um die Mängelliste abzuschließen sei noch der teilweise lahmarschige Verkehr erwähnt, der Euch permanent bremst und die Scheußlichkeit mit Namen New York, die mit zahlreichen Popups und lieblos dahin geklatschten Texturen, die Fähigkeiten der Wii beschämt.

Ich konnte jetzt einige Tage den Härtetest machen und für mich steht fest: Wer auf GTA steht, hält sich lieber an Scarface, denn die Steuerung ermüdet jeden noch so hartgesottenen Driver. Denn trotz Bleifuß am Steuer kann Driver in Punkto Tempo und Action nicht mit dem Narbengesicht mithalten. Letztlich muss sich aber jeder GTA-Fan selbst die Frage stellen, ob er lieber Ballern oder Rasen möchte – denn danach richtet sich letztendlich Eure (Kauf)-Entscheidung.

GTA-Fans mit Benzin im Blut können schon durch New York cruisen.

 

 

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