Gesamtwertung9/10 |
Eine heftige Explosion zerlegt hinter mir meine beiden Geleitschutz gebenden Kameraden in blutende Fleischstücke und lässt mich nach vorne taumeln. Schnell springe ich von der Brüstung, während neben mir eine Granate einschlägt und Schrapnell meine Lebenspunkte bis auf ein Minimum reduziert. Auch die letzten verzweifelten Plasmaschüsse gehen ins Leere und so rette ich mich mit letzter Kraft ins Hauptquartier, in dem ich den spielentscheindenden Punkt mit der erbeuteten Flagge erziele. Yieeeha!
Diese ersten Zeilen beschreiben ziemlich genau das Spielgefühl mit Unreal Tournament auf der PS3, das nun mit leichter Verzögerung zur PC-Version erscheint. Shooter spielt man nur auf dem PC? Wer diese Frage mit Ja beantwortet, ist eindeutig von gestern, denn wie schon Call of Duty 4 oder auch Halo 3 zeigen, muss man bei den Konsolenversionen praktisch keine Abstriche mehr hinnehmen.
Wie von der Unreal Tournament-Serie gewohnt, bietet auch Unreal Tournament 3 astreines Multiplayer-Shooter-Feeling mit einem enorm hohen Spieltempo und Suchtfaktor. Zeit zum Verschnaufen bleibt nicht, wer es lieber ruhiger mag, ist hier sicher an der falschen Adresse. Übrigens: Da sich Kollege Kristian die PC-Fassung bereits im Detail vorgenommen hat (eurogamer.de), gehen wir in diesem Artikel aufgrund größtenteils identischer Inhalte lediglich auf die besonderen Merkmale der PS3-Version ein.
Zunächst die schlechte Nachricht: Leider hat Epic sein Versprechen nicht eingehalten - PC-Zocker und Konsoleros können nicht gegeneinander antreten. Das könnte zwar später vielleicht noch mit einem Patch nachgeliefert werden, derzeit verbleiben beide Communitys jedoch in getrennten Online-Welten. Doch damit auch genug der negativen Vibes, denn Unreal Tournament 3 überzeugt in der PS3-Version absolut und dürfte trotz Warhawk und Call of Duty 4 im Genre der Online-Shooter momentan den Ton angeben. Das liegt allerdings nicht an möglicherweise bahnbrechenden, innovativen Ideen, die findet Ihr hier sicherlich nicht. Allerdings zeigen die Entwickler, dass es durchaus möglich ist, auch saubere PC-Portierungen für Sonys Schmuckkästchen abzuliefern.
Optisch bleibt die Konsolenversion beispielsweise nur sehr wenig hinter dem zurück, was PC-Boliden auf den Bildschirm zaubern. Eure Augen werden mit detaillierten Texturen, Spielfiguren und auch Waffen verwöhnt, zudem bestaunt Ihr gelungene Lichteffekte und einen prächtigen Schattenwurf. Gelegentlich stört ein wenig Kantenflimmern den Augenschmaus – hier hat der PC die Nase vorn.
Dumm ist, dass man bei dem mörderisch hohen Spieltempo für all diese Details kaum einen Blick verschwenden kann, wenn man nicht ständig zu Klump geschossen werden will. Doch das ist sicher ein Luxusproblem, über das wir gerne lamentieren. Das beste daran: trotz dieser Grafikpracht, die in den Zwischensequenzen der Singleplayer-Kampagne an einen indizierten Shooter aus dem gleichen Hause erinnert, treten nur sehr selten FPS-Einbrüche auf - was man dann an etwas verzögertem Waffenwechsel bemerkt. Doch diese Situationen erlebte ich glücklicherweise nur äußerst selten.
Neben einem ruckelfreien Spielablauf ist für ein makelloses Spielvergnügen bei MP-Shootern eine intuitive Steuerung von entscheidender Bedeutung. Mittlerweile muss man sich über so etwas aber kaum noch Gedanken machen und auch Epic hat die Bedienung von UT3 via Sixaxis-Controller mit Bravour gemeistert. Das Handling orientiert sich dabei an erfolgreichen Konzepten, wie man sie auch von CoD 4 oder anderen aktuellen Konsolen-Shootern kennt.
Die Gamepad-Belegung lässt sich unverständlicherweise nicht frei modifizieren, lediglich einige rudimentäre Änderungen bezüglich der Sensitivität sind möglich. Wer sich partout nicht mit der leichtgängigen Pad-Steuerung anfreunden mag, darf allerdings auch eine USB-Maus/Tastatur anschließen. Im Test hatte ich jedoch zuweilen den Eindruck, dass die Maus-Eingabe ein wenig verzögert daherkommt. Falls Ihr nun befürchtet, in den Online-Matches mit bis zu 16 Spielern (PC: 32) gegen solche Gamer benachteiligt zu sein, kann ich Euch beruhigen: In den Spielbrowser-Einstellungen schließt Ihr bei der Spielauswahl die Nutzer von Maus/Tastatur einfach aus.
Im Vergleich mit der PC-Steuerung wurde das Handling an der PS3 obendrein ein wenig simplifiziert. So duckt sich die Spielfigur in engen Tunnels automatisch und auch die Ausweichmanöver initiiert Ihr hier mit einem Sprung zur Seite, anstatt einer schnellen Doppelbewegung. Doch daran gewöhnt man sich sauschnell. Die PS3-exklusiven Goodies der Tilt-Steuerung kann man jedoch in die Tonne kloppen, für bewegungssensitive Spielchen habt Ihr bei dem intensiven Gameplay von UT3 nämlich gar keine Zeit. Die Rakete des Redeemer auf diese Weise ins Ziel zu befördern oder das Hoverboard zu steuern, geht auf herkömmliche Weise zudem deutlich einfacher.
Dem schwebenden Skateboard kommt allerdings durchaus Bedeutung zu. Wie gewohnt haben die Epic-Mannen die höchst abwechslungsreich gestalteten Maps - die Anzahl wurde auf 28 Stück herunter geschraubt- teilweise mit riesigen Ausmaßen ausgestattet. Trotz der schnellen Spielfiguren sind etwaige Fortbewegungsmittel, die Euch Laufwege ersparen und umgehend zurück in die Schlacht bringen, folglich sehr nützlich. Allerdings dürft Ihr das Hoverboard nur in den großen Arenen bei 'Capture the Flag' und dem neuen, alten UT3-Modus 'Kriegsführung' (Warfare) einsetzen und dabei keine Waffe abfeuern.
Während die Standard-Modi wie 'Deathmatch', 'Team Deathmatch' und 'Capture the Flag' auf rasante Action mit blitzschnellen Reflexen bauen, geht es bei 'Vehicle Capture the Flag' mit motorisierter Unterstützung voran und 'Warfare' bietet sogar taktische Komponenten.
Die Weiterentwicklung des 'Onslaught' -Modus früherer UT-Ausgaben stellt die beiden Teams vor die Aufgabe, die gegnerischen Zentral-Energiekerne zu zerstören. Zuvor kämpft Ihr jedoch um die Vorherrschaft auf den riesigen Schlachtfeldern, auf denen Ihr Energieknoten einnehmt und damit beispielsweise Kraftfelder deaktiviert oder Lasergeschütze und weiteres Kriegsspielzeug aktiviert.
Dazu zählen übrigens auch bis zu 16 Fahrzeuge, mit denen Ihr die Maps unsicher macht und den einen oder anderen Kill verbucht. Doch Vorsicht: Dank der bemerkenswerten Waffen-Balance kann Euch jeder feindliche Soldat vom Gleiter pusten oder im Phantom-Panzer grillen. Die Vehikel sind also keineswegs Allzweckwaffen zum leichten Sieg, bringen aber jede Menge Abwechslung und Spaß ins Spielgeschehen ein.
Die PS3-Version von UT3 kann aber nicht nur mit einem höchst intensiven Spielgenuss punkten, sie bietet Euch auch die Möglichkeit, die Spielerfahrung mit Mods zu erweitern. Was bei der Xbox 360-Konkurrenz unmöglich ist, wird hier zum großen Vorteil: Mit wenigen Handgriffen saugt Ihr Euch die von Spielern erschaffenen neuen Karten, Custom Charaktere, Mutators oder auch Spielmodi direkt über den PS3-Browser auf einen USB-Stick und importiert sie ins Spiel.
Ein für die Herstellung der Mods benötigtes Tool ist bereits seit einigen Wochen verfügbar. Auf diese Weise zockt Ihr beispielsweise sogar den sonst nur aus Ego-Perspektive spielbaren Titel in Third-Person-Sicht. Die Suche nach geeigneten Matches gestaltete sich übrigens meist problemlos, Ihr spielt auf Wunsch nicht nur auf dedizierten Servern, sondern auch gegen Amis - und das in der Regel ohne spürbare Lags, sofern ein niedriger Ping das zulässt. Wer sich im virtuellen „Schwanzvergleich" messen will, findet dafür auch die nötigen Ranglisten implementiert oder wirft sich per integriertem Voice-Chat Nettigkeiten an den Kopf. Diese löst Ihr alternativ per Knopfdruck aus, wenn Ihr Eure Gegenüber mit Kommentaren der Synchronsprecher erniedrigt, und dabei zum Beispiel die Stimme des Chefkoch (Southpark) ertönt.
Ein Wort noch zur geschnittenen deutschen Version, bei der Ihr auf Blut, herumliegende Leichen und einige weitere "Schmankerl" verzichten müsst. Das Spielvergnügen leidet darunter nicht, denn diese Details bekommt man eh meist nur am Rande mit.
Unreal Tournament 3 bietet zwar auf den ersten Blick nur eine etwas aufgehübschte Version seiner Vorgänger, doch gerade im Konsolenbereich setzt es zumindest partiell Maßstäbe. Nirgendwo ist die Action so brachial schnell, das Spielerlebnis so intensiv, dass kaum Zeit zum Denken bleibt. Mithalten kann da vielleicht noch CoD 4, doch dort muss man leider auf die Vielseitigkeit verzichten, die etwa Vehikel ins Spielgeschehen bringen. Zudem hat UT3 das große Plus, dass Ihr Mods implementieren könnt und das Spiel damit fast nach Belieben erweitert - kostenlos. Für mich – abgesehen von der überflüssigen Solokampagne – ein rundum gelungener Konsolenauftritt.
Unreal Tournament 3 ist für die PS3 erhältlich. Ein Termin für die Xbox 360-Version steht noch nicht offiziell fest.
Unreal Tournament 3 im Test.
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