Gran Turismo 5 Prologue

Review
Plattform
PS3
Vertrieb
Sony Computer Entertainment Europe
Entwickler
Polyphony Digital
Genre
Andere
PS3: Gran Turismo 5 Prologue

Gesamtwertung

8/10

PS3: Gran Turismo 5 Prologue

Das Wettrennen um die Rennsimulations-Krone hat eine neue Dimension erreicht. Nach zehn erfolgreichen Jahren muss sich die ehrwürdige Gran Turismo-Serie beim fünften Teil einem potenten Herausforderer stellen. Mit Forza Motosport 2 gelang es den Turn 10 Studios, ein beeindruckendes Stück Simulation auf die Beine zu stellen, das neben den üblichen Features auch ein einigermaßen glaubhaftes Schadenssystem integrierte. Trotz der Einschränkungen durch die Hersteller wird damit der Realismus auf eine neue Stufe gestellt.

Umso dramatischer für Polyphony Digital, dass sie auch bei Gran Turismo 5 auf ein solches Feature verzichten müssen. Doch Lead Designer Kazunori Yamauchi gibt die Pole Position nicht so schnell auf und will mit Gran Turismo 5 Prologue vorab beweisen, dass es sich lohnt, dem Platzhirsch die Treue zu halten.

Wie schon beim vierten Teil der Serie, fungiert Gran Turismo 5 Prologue als eine Art Sneak Peek, die neben sechs Strecken und ihren unterschiedlichen Varianten immerhin 71 Fahrzeuge zu bieten hat. Verglichen mit dem Vorgänger und der Konkurrenz ist dies natürlich recht dünn, aber im Gegenzug wird der Titel auch zu einem günstigeren Preis verkauft. Leider ist der Umfang nicht die einzige Einschränkung, die auf den Rennspielfan wartet.

Angenehm ist der Verzicht auf die umstrittenen Fahrschulevents. Wie es schon Forza Motorsport bewiesen hat, gibt es keine bessere Methode um Fahren zu lernen, als eine Anzeige der Ideallinie mit den passenden Bremspunkten. Polyphony Digital hat sich diese Innovation geschnappt und bei Prologue eingebaut. Ihr könnt also gleich in den Rennbetrieb starten, der mit bis zu 16 Fahrzeugen pro Lauf deutlich umfangreicher als beim Vorgänger ausfällt.

Erstmal auf der Strecke, dürft Ihr Euch auf eine neue Perspektive freuen, die optisch brillant umgesetzt wurde. Endlich nehmt Ihr selbst hinter dem Steuer Platz und bewundert neben detaillierten Armaturen auch einen hoch aufgelösten Fahrer. Echtzeitschaden, spiegelnde Oberflächen und sehr glaubwürdige Animationen machen die Innenansicht vielleicht nicht zur schnellsten Variante, aber auf jeden Fall zur atmosphärischsten.

Allein bei der Steuerung mit dem SIXAXIS-Joypad gibt es gleich mehrere Probleme. Erstens müsst Ihr mit den hier erhältlichen Varianten auf Rumble-Funktionen verzichten. Zweitens sorgt der rutschige Gasknopf immer wieder für Krämpfe in den Händen, wenn man länger als ein paar Stunden seine Runden dreht.

Gerade die Konkurrenz ist hier deutlich besser aufgestellt und kann nur von dem Logitech Gran Turismo-Lenkrad G 25 getoppt werden. Falls Ihr solch ein edles Steuergerät Euer Eigen nennt, bekommt Ihr eine nahezu perfekte Simulation geliefert, die bei Handhabung und Fahrgefühl Zeichen setzt.

Deutlich weniger perfekt ist der Preis: Mit 250.- EUR wird so ziemlich jeder Geldbeutel gesprengt, auch wenn das Prachtstück wirklich jeden Euro wert ist. Wer es etwas günstiger möchte, kann sich im April den Dual Shock 3 zulegen. Die passenden Einstellungen gibt es auf jeden Fall schon im Optionsmenü, über die Qualität können wir aber noch keine Aussage machen.

Doch zurück zum Hauptmenü, das um die My Page herum aufgebaut ist. Dort erwartet Euch neben einem Kalender auch verschiedene Menüpunkte, wie einem Video Channel, der Replayverwaltung oder verschiedenen Renn-Modi. Die „Kampagne“ ist unter dem Menüpunkt Event versteckt und umfasst im ersten Schritt drei Rennserien mit Dutzenden von unterschiedlichen Herausforderungen. Mal müsst Ihr schlicht unter die ersten Drei kommen oder die beste Rundenzeit einfahren.

Bei anderen Events gilt es dagegen, alle Fahrzeuge zu überholen oder ein so genanntes Penalty Rennen zu bestreiten. Hier wird das fehlende Schadensmodell mit einer harschen Strafe kompensiert, die jede Bandenberührung und jeden Ausflug ins Gras mit einem heftigen Leistungsverlust quittiert. Leider könnt Ihr den daraus entstehenden Zeitverlust bei späteren Rennen kaum noch herausfahren. Ein Fehlverhalten reicht also und Ihr müsst von vorne beginnen.

Für manche Events benötigt Ihr spezielle Fahrzeuge, zum Beispiel mit Vorderradantrieb. Leistungseinschränkungen gibt es dagegen recht selten. Wenn Ihr also dazu bereit seid, auch mal ein paar Rennen zu wiederholen, könnt Ihr so mit genügend Geld und dem richtigen Fahrzeug die meisten Herausforderungen zu einem Kinderspiel machen.

Die ersten beiden Rennserien ließen sich ohne große Probleme in einem Rutsch durchspielen. Der Schwierigkeitsgrad zieht erst in der A-Klasse richtig an und fordert auch erfahrene Rennprofis. Wirklich anspruchsvoll wird es aber erst in der S-Klasse und in den Hersteller-Herausforderungen.

Hier wird das Penalty-System verstärkt eingesetzt und Ihr braucht einen der ganz schnellen Renner, um noch Punkte zu sammeln. Auf einen richtigen Tuning-Modus müsst Ihr verzichten. Stattdessen wird nach erfolgreichem Durchspielen eine Billig-Variante aktiviert, in der Ihr ohne großen Aufwand Motorleistung, Gewicht, Bremsen und Übersetzung anpasst.

Die Fahrzeuge wurden für die europäische Version auf den hiesigen Geschmack angepasst. Natürlich gibt es wieder jede Menge Reiskocher, doch Ihr könnt Euch auch bei echten Traditionsherstellern wie Ferrari, Mercedes Benz und Aston Martin bedienen.

Lediglich auf Porsche müsst Ihr auch diesmal verzichten, ein Umstand der echten Porsche-Fans – zum Beispiel mir – negativ aufstoßen dürfte. Immerhin gibt es für sehr viel Geld – 2 Millionen Credits – einen echten Formel 1 Flitzer, genauer gesagt den Ferrari F1 2007. Leider werden die Rahmendaten der Fahrzeuge nur in einem schlecht lesbaren Laufband präsentiert, was zu einigen Fehlkäufen führt. Außerdem ist es schwer, ihre Leistung auf der Rennstrecke einzuschätzen, ein einfaches System wie bei Forza Motorsport würde hier Wunder wirken.

Neben dem simplen Shopping bekommt Ihr auch ein paar Fahrzeuge für den Sieg in einer Serie verliehen. Dummerweise besitzen die dort erspielten Rennhobel höchstens Seltenheitswert. Siege fahrt Ihr mit den Exoten eher nicht ein. Ach ja, es gibt auch Geld für Online-Platzierungen. Ihr müsst Euch also nicht wochenlang durch den Einzelspieler kämpfen, um Euer Konto auf Vordermann zu bringen.

Da die europäischen Server zur Zeit noch nicht zum Rennen einladen, griffen wir für den Online-Modus auf unsere japanische Version zurück. Aufgrund der Sprachbarriere ließen sich in dieser Fassung jedoch nicht alle Details entziffern. Wenn Polyphony Digital hierzulande aber keinen Bockmist baut, braucht Ihr Euch zumindest bei der Stabilität keine Sorgen zu machen. Selbst gegen japanische und amerikanische Fahrer lief der Titel mit bis zu 8 Gegnern vollkommen lagfrei. Entzifferbar war bei der Japan-Fassung aber zumindest der Umstand, dass Gran Turismo 5 Prologue die Fahrer nach Erfahrungspunkten sortiert.

Je nach Online-Platzierung bekommt Ihr also ähnlich gute Fahrer zugewiesen. Welche Einstellungen sonst noch vorgenommen werden können, blieb im Dschungel der japanischen Sprache verborgen. Es sieht aber danach aus, dass Ihr neben der Strecke auch die Rennart und die erlaubten Fahrzeuge einstellen könnt. Das Matchmaking dauerte mehrere Minuten, hoffen wir, dass die Entwickler hier nochmal Hand angelegt haben oder dass es an den überlasteten japanischen Servern lag.

Bei den Strecken gibt es wenig Überraschungen: Neben Klassikern wie Daytona International Speeday und Suzuka warten auf Euch Fantasy-Parcours. Die Eiger Nordwand kennen Fans schon aus Gran Tursimo HD Concept, wirklich beeindruckend war aber vor allem der London Stadtkurs. Details und Beleuchtung sind fantastisch und kommen fast an die einmaligen Fahrzeugmodelle heran.

Klasse auch: Polyphony Digital hat die Zuschauer-Pappmodelle aus HD Concept durch echte Polygon-Figuren ersetzt. Im Gegenzug müsst Ihr Euch bei dichten Fahrzeugpulks auf Slowdowns und Tearing einstellen. Unter Strich zieht Gran Turismo 5 Prologue aber locker an der Konkurrenz vorbei und präsentiert sich trotz des etwas sterilem Looks als Grafikreferenz.

Die KI der Gegner wirkt auf den ersten Blick noch immer zu passiv. Zu selten lassen sich die Computer-Fahrer auf harte Positionskämpfe ein, das Klassement entspricht am Ende des Rennens meistens auch der Startaufstellung. Immerhin ziehen sie nicht mehr wie auf Schienen ihre Runden, sondern leisten sich auch mal einen Fahrfehler.

Die Fahrphysik zeigt sich nun in verschiedenen Ausführungen: Große Unterschiede zwischen dem normalen Modus und der Profi-Variante waren nicht spürbar, stattdessen scheinen die CPU-Fahrer im Profi-Modus etwas geschickter vorzugehen. Auswirkungen auf das Ranking oder das verdiente Geld gibt es leider nicht.

Hier hätte sich Gran Turismo ruhig eine Scheibe vom Konkurrenten Forza Motorsport abschneiden können, dort wurde ein höherer Schwierigkeitsgrad auch mit einem dickeren Bankkonto belohnt. Dieses könnt Ihr übrigens genau wie Eure Garage auch in der Vollversion weiter verwenden, die investierte Zeit ist also nicht ganz verloren.

Ohne Schadensmodell und Tuning-Modus muss sich zumindest der Prologue klar Forza Motorsport 2 geschlagen geben. Der preisliche Unterschied ist nicht groß genug, um den eher schmalen Umfang zu rechtfertigen. Gran Turismo 5 Prologue ist damit mehr als eine schlichte Demo, aber noch lange kein Vollprodukt. Natürlich bietet selbst diese beschnittene Fassung wochenlangen Spielspaß, aber ohne den hervorragenden Online-Modus wäre der Preis nicht gerechtfertigt.

Auch inhaltlich präsentiert sich der Titel äußerst konservativ. Viele Elemente, wie etwa der eingebaute TV-Channel, wirken im Vergleich zu einem Gotham TV mit Zuschauerfunktion richtig altmodisch. Auch die Streichung des Photo-Modus und der Verzicht auf personalisierte Webseiten lassen Prologue noch stärker wie ein Gran Turismo Light Extreme wirken. Selbst die wirklich einmalige Grafik, das tolle Fahrgefühl und die beeindruckende Inboard-Kamera können diese Einschränkungen nicht aufwiegen.

Zum Glück hat Polyphony Digital einen Online-Modus integriert, der zumindest bei der japanischen Version prächtig funktioniert. Die angestrebten 16 Spieler wurden bei unseren Partien zwar nie erreicht, aber auch mit sechs bis acht Fahrern macht das Renngeschehen einen Heidenspaß. Selbst im Splitscreen funktioniert die Hatz nach Bestzeiten prächtig und entschädigt für die langweiligen KI-Gegner. Wer sich also ins Online-Vergnügen stürzt, bekommt trotz des stattlichen Preises ein schmackhaftes Gesamtpaket geliefert. Nur strikte Solo-Racer sollten lieber vorher nochmal reinschnuppern.

Gran Turismo 5 Prologue erscheint am 27. März auf PSN und am 26. März auf Blu-ray.

 

 

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