Leisure Suit Larry: Box Office Bust

Review
Plattform
Sony Playstation 2
Vertrieb
Sierra Entertainment
Genre
Andere
PS2: Leisure Suit Larry: Box Office Bust

Gesamtwertung

1/10

PS2: Leisure Suit Larry: Box Office Bust

Seid Ihr schon einmal frühzeitig aus dem Kino geflüchtet, da Ihr den grausamen Leinwandhorror nicht mehr ertragen konntet? Ich für meinen Teil musste nach knapp 15 Minuten von Meet the Spartans einfach aufstehen und den Saal verlassen, da ich diesen Müll nicht mehr hinnehmen wollte und habe im Anschluss mein Geld zurück verlangt.

Was hat dieser kleine Einblick in meine Geschichte falscher Filmentscheidungen an der Kinokasse mit dem neusten Leisure Suit Larry-Teil zu tun? Eine ganze Menge, denn nachdem ich nicht einmal eine halbe Stunde gespielt hatte, wollte ich meine arme Xbox nur noch von diesem Machwerk befreien und die Disk an die Wand klatschen, zertreten, verbrennen und zurück an die Entwickler schicken. Vielleicht würden sie dann erkennen, was sie für eine programmierte Grütze abgeliefert haben.

Und nein, ich übertreibe nicht. Box Office Bust macht so ziemlich alles falsch, was man nur falsch machen kann und eine Auflistung sämtlicher Fehler würde jede Exceltabelle überfordern. Aber fangen wir doch ganz von vorne an. Genau wie in Magna Cum Laude spielt Ihr nicht Serien Uhrgestein Larry Laffer, sondern schlüpft in die Rolle seines Neffen Larry Lovage, der in dem Filmstudio seines Onkels einen Maulwurf ausfindig machen soll. Das Ganze spielt sich wie ein miserabler GTA-Klon und Ihr erledigt neben Botengängen einige Miniaufträge in drei kurzen Traumländern, die allesamt Filmparodien darstellen.

Leider haben die Entwickler dabei vergessen, den Spaß einzubauen und treiben Euch lieber mit der miesen Kamera sowie einer schrecklichen Steuerung an den Rand der Verzweiflung. Anscheinend müssen alle Spiele heutzutage unbedingt Fahr-, Sprung- und Schleichsequenzen aufweisen. Natürlich dient es im besten Fall der Abwechslung, doch bei Box Office Bust bringt jede Einlage lediglich drei Dinge mit sich: Langeweile, Frustration und Hass.

Ich garantiere Euch, dass Eure Glotze vom vielen Anschreien voller Speicheltropfen befleckt sein wird. Das liegt jedoch nicht etwa an einem zu hohen Schwierigkeitsgrad oder herausfordernden Kletterpassagen. An sich sind alle Aufgaben sehr simpel gestrickt, aber trotzdem brennt sich der Game Over-Bildschirm in Eure Netzhaut ein. Larry steuert sich wie eine betrunkene Ziege in einem M. C. Escher Gemälde. Stellt es Euch in etwa so vor: Ihr versucht nur mit Euren Füßen zu spielen. Und zwar mit Schuhen. Und Ihr könnt nichts sehen. Und die Schwerkraft wurde außer Kraft gesetzt!

Das mag vielleicht ein wenig übertrieben klingen, doch wird mir sicherlich jedes Opfer dieses Titels zustimmen. Ich bin unzählige Male von Klippen oder Kanten gestürzt, nur weil Larry sich mal wieder nicht festhalten wollte oder er seltsamerweise beim Sprung durch ein Seil gefallen ist. Dazu kommt die teils festgefrorene Kamera, die ihre Einstellungen öfter wechselt als im letzten Bond Streifen. Und selbst wenn man sie frei manövrieren kann, ist es ein Spiel mit meiner Geduld, da man dennoch des Öfteren in eine nicht einsehbare Richtung springt.

Das gleiche Dilemma bieten die Fahreinlagen. Euch stehen lediglich ein paar Golfwagen in verschiedenen Ausführungen zur Verfügung, die alle ihren eigenen Willen zu haben scheinen. An kleinen Bordsteinkanten bleibt die Kiste hängen, fährt dafür aber prima einen senkrechten Hügel hinauf oder führt einen Wallride a la Tony Hawk aus. Von den fantastischen Kunststücken, die sich einem bieten, sobald man auf Gegenverkehr stößt, möchte ich gar nicht erst anfangen.

Das kurioseste Ereignis bietet sich Euch, sobald Ihr als Beifahrer einen der Wagen kapert. Larry bleibt nämlich ganz brav auf dem rechten Sitz und alle Eure Eingaben werden von dem NPC-Fahrer ausgeführt. Zudem können sich die kleinen Flitzer recht schnell festfahren. So hing mein Auto mehrmals halb in der Wand oder im Boden fest und Larry konnte nicht aussteigen, obwohl er bloß durch Luft blockiert wurde. Da hilft nur fleißiges Drücken auf die Analog-Sticks, um sich zu befreien. Jedoch steht diese Technik nirgendwo beschrieben, so dass ich die ersten Male meinen alten Speicherstand laden musste.

Wo wir gerade beim Thema Speichern sind. Auch hier hat Team 17 volle Arbeit geleistet und alles verbockt. Die Checkpoints in den Missionen sind fragwürdig und teilweise viel zu weit auseinander gesetzt, so dass Ihr öfters mehrere Sequenzen erneut wegdrücken und minutenlange Kletterpassagen über Euch ergehen lassen müsst. Auch speichert nur ein Autosave eingesammelte Fundobjekte richtig. Nach dem Laden eines manuell gesetzten Speicherstandes können Euch zuvor gefundene Trophäen schon einmal abhanden kommen.

Aber auch ohne diese Fehler wäre Box Office Bust eine Katastrophe, da sich die Missionen ständig wiederholen, die Minispiele langweilig und die Kämpfe anspruchslos sind. Mehr als drei Attacken hat Larry nicht zu bieten und so führt Ihr immer und immer wieder die gleiche Aktion aus, bis alle Feinde vom Bildschirm verschwunden sind. Man hat versucht, sich mehr an GTA und Bully zu orientieren, ohne dabei ansatzweise an deren Fußsohlen lecken zu können.

Ich könnte noch ganze Seiten mit Bugs und Programmierfehlern füllen, doch kommen wir nun zu einem Punkt, der mich wirklich an dem geistigen Zustand des Entwicklerteams zweifeln lässt. Ich habe zwar nicht mitgezählt, doch fast jeder zweite Gegenstand sieht aus wie ein Penis. Das mag vielleicht noch beim ersten Mal lustig wirken, doch ist es bei dieser Häufigkeit einfach bloß peinlich und nervtötend. Ihr besucht den Wilden Westen: „Oh, ein Penisfels und zwei Kakteen in Schwengelform“. Ihr lauft auf dem Studiogelände herum: „Schon wieder Penisgraffiti“. Und Ihr erlebt den Untergang der Titanic: „Hey, ein Eisberg in….ach ****!“.

Genauso ergeht es Euch bei den Dialogen. Zwar ist die englische Synchronisation mit einigen Stars als einziger Pluspunkt zu betrachten, allerdings hilft das den schlechten Witzen und der schlechten deutschen Übersetzung mit Schreibfehlern auch nicht mehr. Da wird „Air between her teeth“ schon mal zu „Luft in ihren Brüsten“ umgewandelt.

Das Niveau der eigentlichen Texte ist kaum besser. Nicht ein einziger Satz kommt ohne Obszönitäten oder sexuelle Anspielungen aus, die sogar noch unter dem Niveau des von mir oben verteufelten Films liegen. Besonders bei Verführungsmissionen, in denen Ihr dämliche Busenwunder zuquasseln sollt, hört jegliche Logik auf. Dort warten Antworten wie „Ich **** alles“ auf Euch und meistens haben diese kurzen Ausrufe wenig mit dem eigentlichen Text zu tun, den Larry von sich gibt. Damit wären wir an dem größten Frevel des ganzen Spiels angelangt. Die Entwickler haben den kompletten Charakter umstrukturiert und augenscheinlich bloß auf dickbrüstige Frauen – die im Übrigen nur unterschiedliche Klamotten und Haare haben – sowie Genitalwitze gesetzt.

Larry hat bis auf den Namen nichts mehr mit seinem Onkel zu tun. Mein Gott, selbst der Anzug, der dem Titel erst seinen Namen gibt, fehlt. Larry Laffer war zwar auch immer auf das andere Geschlecht fixiert, hat dies aber nie so dummdreist getan und ist durch die vielen Fettnäpfchen sowie lustigen Situationen zum liebevollen Loser geworden. Sein Neffe hat so viel Persönlichkeit wie ein DSDS Kandidat und bis auf peinliche Aussagen bleibt er auch von Ausrutschern verschont.

Angesichts der Bilder im Artikel könnt Ihr Euch sicherlich selbst ausmalen, dass Box Office Bust keine Grafikpracht vorweist. Doch was Ihr neben den miesen Charaktermodellen und der langweiligen Umgebung nicht sehen könnt, sind Grafikfehler, die ich in solchen Ausmaß noch nie erlebt habe. Mit langsam aufpoppenden Objekten kann ich ja noch leben. Wenn aber ganze Häuserfassaden noch auf zehn Meter Entfernung aussehen wie in Doom, dem ersten wohlgemerkt, kann man bloß noch kopfschüttelnd seinen Fernsehen erschlagen.

Ich habe nach dem mittelmäßigen Magna Cum Laude und ohne Einwirkung von Serienvater Al Lowe ja schon gar nicht mehr auf ein gutes Spiel gehofft. Doch Leisure Suit Larry: Box Office Bust schafft es, jede noch so niedrige Erwartung zu enttäuschen. Ich kann diesen Schund wirklich keinem empfehlen und selbst arme, durch ihre Pubertät angeregte Zwölfjährige sollten sich die 30 Euro sparen und lieber kurz googeln. Wenn Ihr es nur wegen den Erfolgen holen wollt, lasst es im Händlerregal und leiht es Euch aus der Videothek, damit wir nicht Gefahr laufen, einen weiteren Teil ertragen zu müssen. So etwas möchte ich meiner Xbox und meinen Nerven nie wieder antun.

Zugegeben, angesichts meiner Gamescore Sammelwut habe auch ich in den letzten Jahren einige „Perlen“ wie Jumper oder My Horse and Me 2 gespielt, doch Larry Lovage gelingt es mit seinem neusten Auftritt, die Poleposition in meiner Hitliste der schlechtesten Spiele für die 360 mühelos zu ergattern. Glückwunsch Team 17, somit habt Ihr wenigstens einen Preis abgeräumt.

Leisure Suit Larry: Box Office Bust ist im Handel erhältlich und sollte tunlichst von allen gemieden werden.

 

 

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