Wii Sports Resort

Review
Plattform
WII
Genre
Strategie
WII: Wii Sports Resort

Gesamtwertung

8/10

WII: Wii Sports Resort

Da war er wieder, der Muskelkater. Man sollte ja eigentlich meinen, nach mehr als 2 Jahren Wii-Training würden einem ein paar gepflegte Runden virtuellen Sports nicht mehr schwer fallen. Aber nach vielen spaßigen Stunden Hauen, Stechen, Radeln, Paddeln, Werfen und Zielen fühlen sich die Arme auf einmal wieder so schwer an wie weiland Ende 2006, als sich allabendlich ganze Freundeskreise im am besten ausgestatteten Zockerhaushalt trafen und die frisch ausgepackten WiiMotes zum Glühen brachten.

Wii Sports, das mittlerweile meistverkaufte Videospiel der Welt war – trotz lautstarker Kritik so manches Hardcore-Spielers – der perfekte Pack-in-Titel für Nintendos innovative Konsole und hat zweifelsohne maßgeblich zum durchaus überraschenden Erfolg der kleinen, weißen Hardware beigetragen. Und eine ähnlich große Verantwortung lastet jetzt auch auf dem Resort-Nachfolger. Nicht nur wird Wii Sports Resort an seinem mächtigen Vorgänger gemessen, dem Spiel wird vor allem die Aufgabe zuteil, den Spielern die WiiMotion Plus-Erweiterung schmackhaft zu machen und dafür zu sorgen, dass das Add-on in Kürze auch wirklich in jedem Wii-Haushalt zu finden sein wird.

Eine der cleversten Entscheidungen der Designer wurde bereits in der jüngsten Vorschau zu Wii Sports Resort (eurogamer.de)angesprochen. Da Nintendo auf prominente Charaktere á la Mario und Luigi verzichtet und stattdessen auf die Miis setzt, sollte man meinen, es wäre schwer, einem solchen Spiel Persönlichkeit einzuhauchen. Aber genau das ist dem Team gelungen.

Nicht die Figuren, sondern die Umgebung gibt dem Spiel seinen Charme. Wii-Fit-Veteranen erleben im Fallschirm-Absprung, mit dem das Spiel beginnt, ein Déjà Vu: Wuhu Island ist die leicht erweiterte Insel, über die bereits bei Wii Fit fleißig gejoggt wurde. Zu den Wasserfällen, Häusern, Tunnel und Brücken kommen nun Bowlingbahnen, Kendo-Arenen, und ein paar Nachbarinseln mit Golfplätzen und viele andere Erweiterungen hinzu. Shigeru Miyamotos Plan, Wuhu Island zu einem Charakter mit Wiedererkennungswert aufzubauen, scheint ein Stück weit aufzugehen.

Und diese kleinen, aber feinen Querverbindungen zu anderen Titeln sind nicht einfach nur ein schmückendes Beiwerk, sie sind genau der Faktor, der ein klassisches Nintendo-Spiel von der zweifelsohne ebenfalls kompetenten, aber in letzter Instanz eben meist nicht ganz so durchdachten, nicht ganz so ausgearbeiteten und nicht ganz so vorbildlichen Konkurrenz abhebt.

Natürlich sind Anzahl und Qualität der verschiedenen Disziplinen der für den Spielspaß entscheidende Faktor, aber das stilsichere und sympathische Drumherum ist es, das ein Spiel wie Wii Sports und Wii Sports Resort bei der großen Masse der Spieler so beliebt macht. Aber genug der Äußerlichkeiten... schmeißt euch in eure Sportklamotten und macht euch bereit zum großen Rundgang über Wuhu Island!

Erste Station: Die Schwertkampf-Arena. Eigentlich ist der Name etwas irreführend. Keine Angst, auch wenn sich die erste Disziplin etwas martialisch anhört, geht es hier nicht sonderlich rau zur Sache. Ziel ist es, den Gegner mit wohlgezielten Schlägen von der Plattform ins kühle Nass zu stoßen. Und um es gleich zu sagen: Schwertkampf ist die Vorzeigedisziplin von Wii Sports Resort. Keine der anderen Sportarten zeigt so schnell und eingängig Möglichkeiten und Mehrwert der WiiMotion Plus-Erweiterung.

Jede kleine Bewegung wird direkt auf dem Bildschirm umgesetzt. Jedes Zucken im Handgelenk wird registriert und gibt dem Schwertkampf ein wunderbar direktes Spielgefühl, das in dieser Art ohne WiiMotion Plus nicht möglich wäre. Noch deutlicher wird das in der zweiten Schwertkampf-Disziplin: Der Schiedsrichter wirft euch übergroße Eier, Melonen, Kerzen, Sushirollen und andere Objekte zu, die ihr dann vor eurem Gegner in der gewünschten Richtung mit dem Schwert entzwei schlagen sollt. Hier kommt es nicht nur auf Genauigkeit an, vor allem das Reaktionsvermögen ist gefragt. Diese Disziplin lebt von ihrer direkten, unmittelbaren und sauberen Bewegungserkennung, und dank satter Soundeffekte und hübschen Spalt-Effekten ist das Spielgefühl beim fröhlichen Schnippeln einfach herrlich.

Eher zum gepflegten Abreagieren lädt die letzte Schwertkampfdisziplin ein. Alleine tretet ihr gegen etwa 70 Gegner an. Die meisten sind schnelles Kanonenfutter, aber manche sind auch wehrhafter und nach dem dritten Treffer seid ihr raus. Anfangs ist das nicht allzu schwer, aber in den späteren Levels zieht der Härtegrad und damit auch die Herausforderung an. Welche Technik ihr hier anwendet, ist eure Sache.

Während manch teutonischer Barbar mit weiten Schwing-Bewegungen die Reihen der Gegner lichtet, nimmt sich der erfahrene Kendoka den Widersachern lieber einzeln an und macht sie mit schnellen, genauen Bewegungen aus dem Handgelenk unschädlich. Obwohl wenn man hier nur alleine antreten kann, ist die große Massenkeilerei auch in großer Runde ein veritabler Spaß und dazu noch die ideale Einstiegsdroge für kleine Skeptiker.

Gleich drei Disziplinen finden auf dem Wasser statt. Beim Wakeboarding haltet ihr die WiiMote quer, legt es auf hohe Sprünge an und sammelt ähnlich wie bei Tony Hawk und Konsorten Punkte für sauber abgeschlossene Stunts. Für ein paar Minuten habt ihr auch auf dem Wakeboard euren Spaß und habt ihr erst einmal verstanden, wie man eine saubere Landung hinlegt, ist die Jagd nach Stunts eine nette Sache. Trotzdem fühlt sich die Steuerung hier – wohl auch bedingt durch die Natur des Originalsports – oft ein wenig bockig an. Auf lange Sicht ist Wakeboarding zumindest für mich eher eine der schwächeren Disziplinen.

Freier geht’s da schon beim Jetski-Rennen zu. WiiMote und Nunchuk werden ähnlich wie ein Motorradlenker neben einander gehalten, per A und B-Knopf gebt ihr Gas und eine schnelle Bewegung nach vorne löst den Turbo aus. Auch wenn Umfang und Spieltiefe eines Waverace hierbei natürlich nicht erreicht werden, fühlt es sich einfach gut an, übers Wasser zu brettern. Dank feinfühliger Steuerung nehmt ihr nach kurzer Zeit bereits souverän jede Kurve und fahrt auch souverän durch die engen Punktetore.

Wollt ihr ordentlich etwas für den Bizeps tun, dann ist Paddeln die erste Wahl. Mit ausladenden Ruderbewegungen nach links oder rechts bewegt ihr euer Kanu durch abgesteckte Kurse. Und wenn die erst einmal länger und länger werden, dann werden auch langsam, aber sicher die Arme schwerer und schwerer. Aber auch hier macht das satte Platschen des Wassers und das nachvollziehbare Verhalten, wenn ihr in die Kurve geht, einen guten Teil des Spaßes aus.

Von den fünf Disziplinen des Erstlings haben es zwei auch wieder nach Wuhu Island geschafft. Golf ist ebenso wie Bowling mit von der Partie. Ersteres wurde um neun neue Kurse erweitert, beim Bowling sind zwei neue Spielmodi dazu gekommen: Beim ersten erwarten euch 100 statt der üblichen 10 Pins, beim zweiten müsst ihr nicht nur souverän die Pins abräumen, sondern dabei auch noch Hindernisse auf der Bahn umgehen – nett, aber nicht weltbewegend.

Viel entscheidender ist nun die verfeinerte Steuerung. Beim Golf ist das zunächst durchaus ein Hindernis, schnell ist es passiert, dass ihr den Schläger verreißt und den Ball irgendwo in die Pampas drescht. Eine kurze Umgewöhnungsphase ist definitiv von Nöten. Wenn es dagegen dann ans Putten geht, seid ihr für die feinere Bewegungserkennung mehr als dankbar. Ebenso profitiert ihr beim Bowling: Mit einer kleinen Bewegung des Handgelenks beim Wurf gebt ihr der Kugel einen ordentlich Drall, das Gefühl der Kontrolle ist weit größer als beim bereits guten Erstling.

Leider wurde mit Tennis einer der beliebtesten Spielmodi des Originals gestrichen, zum Glück bietet aber das neue Tischtennis einen mehr als adäquaten Ersatz. Weniger Lauferei und direktere Ballkontrolle überzeugen von der ersten Partie an – nach dem Schwertkampf ist Tischtennis spielerisch zweifelsohne eine der besten Disziplinen auf Wuhu Island.

Ein Fall für Könner ist dagegen der Frisbee-Wurf, der eigenwilligen Physik der Frisbee-Scheibe sei dank. Egal ob ihr Frisbee-Golf spielt oder ob ihr die Plastikscheibe von eurem niedlichen kleinen Hund apportieren lasst, ohne Erfahrung ist es anfangs ziemlich schwer, den Frisbee unter Kontrolle zu halten und gezielt zu werfen. Übung macht bekanntlich den Meister und mit zunehmender Spielerfahrung stellt sich Routine ein.

Unter die Kategorie „recht nett“ fallen Radfahren und Basketball. Bei ersterem strampelt ihr mit WiiMote und Nunchuk gegen 29 Mitfahrer quer über Insel, geht bei Steigungen ordentlich in die Pedale und lasst das Rad bei Gefällen auch mal einfach rollen, um Kräfte zu regenerieren. Dazu müsst ihr in den Kurven lenken und solltet obendrein die Windschatten der anderen Fahrer nutzen. Beim Basketball versucht ihr euch indes entweder aus verschiedenen Positionen an Dreipunktewürfen oder wagt eine kleine Partie gegen eine andere Mannschaft. Die Kontrolle ist allerdings recht eingeschränkt und oftmals fühlen sich die Matches ein wenig nach Glückssache an.

Volle Konzentration verlangt das Bogenschießen. Haltet die WiiMote in der linken Hand gerade nach vorne und zieht gefühlvoll den Nunchuk zurück, um die Scheibe anzuvisieren – per Z-Knopf lasst ihr dann den Pfeil fliegen. Eine ruhige Hand ist hier ebenso gefragt wie ein cleverer Kopf. Denn nicht nur die Windverhältnisse, auch die Flugbahn des Pfeils gilt es sorgfältig einzukalkulieren. Und wenn der Pfeil über eine Entfernung von zehn Meter noch recht gerade fliegt, sieht das bei 35 Metern gleich ganz anders aus. Eine gelungene Abwechslung zu den schweißtreibenderen Sportarten.

Abgerundet wird das Paket dann mit drei Luftsportarten. Im Fallschirmsprung gilt es, Anschluss an andere Springer zu finden und dann ordentlich für Fotos zu posieren. Gesteuert wird euer Mii dabei über Neigung des Controllers, was sich nach kurzer Einspielzeit ziemlich gut anfühlt. Ist euch das zu nervenaufreibend, wagt ihr einfach einen kleinen Rundflug über Wuhu Island und die Nachbarinseln. Hier könnt ihr endlich einmal in Ruhe die Geographie der Insel erkunden und euch daran machen, verschiedene Hotspots anzufliegen, um mehr über Wuhu zu erfahren.

Letzte Disziplin sind Dogfights um Luftballons, die stehen aber leider nur im Zweispieler-Modus zur Verfügung. Unverständlich, dass Nintendo nicht ein paar KI-Gegner zur Verfügung stellt, in den anderen Disziplinen funktioniert das schließlich auch. Aber trotz solcher kleinen Mäkel ist Wii Sports Resort spielerisch eine runde Sache. Die Disziplinen sind nicht nur zahlreicher als im Original, viele machen auch spielerisch einiges mehr her als die manchmal etwas arg simplen Sportarten des Erstlings. Selbst die schwächeren Spielvarianten werdet ihr immer mal wieder für eine kurze Session anwerfen oder für eine launige Mehrspielerrunde rauskramen.

Unverständlich nur, dass Nintendo an der Optionsfront etwas geizig war. Warum kann man beim Schwertkampf beispielsweise nur drei Runden bestreiten? Und warum ist es nicht möglich, selbst ein Turnier mit einem festen Ablauf zu planen? Überhaupt ist es etwas schade, dass Nintendo aus dem sympathischen Wuhu Island nicht noch mehr rausholt hat.

Lediglich im Flugzeug könnt ihr die Insel frei erkunden, die einzelnen Disziplinen wählt ihr aber auch hier wieder über Menüs an. Eine kleine Kamerafahrt auf den Ort des Geschehens oder irgendeine andere Einleitung, die das gewählte Spiel etwas mehr in den Gesamtkontext der Insel verorten, hätten den gewünschten Effekt, die Insel als eigenständigen Charakter wahrzunehmen, noch dramatisch verstärkt. Schade, dass diese Chance verpasst wurde.

Aber das sind letzten Endes Nebensächlichkeiten. Nintendo hat es geschafft, WiiSports im zweiten Teil nicht nur auszubauen, sondern so ziemlich in jeder Hinsicht zu verbessern und der Reihe vor allem den im Original noch leicht spürbaren Flair des Tech-Demos zu nehmen. Die Präsentation ist, auch wenn ich sie immer noch nicht als optimal bezeichnen kann, weitaus runder und sympathischer als früher und unter den zwölf Disziplinen wird jeder Spieler seinen Favoriten finden. Alleine schon Schwertkampf, Tischtennis und Bogenschießen sind den vollen Kaufpreis wert. Grobe Ausfälle gibt es keine, jede Sportart hat ihren Reiz und wird auch ihre Freunde finden.

Dank nahezu durchgehend exzellenter Kontrolle, viel spielerischer Abwechslung und einem Herausforderungsspektrum das alle Grade zwischen schweißtreibend und entspannend abdeckt, spreche ich Wii-Fans, insbesondere denen, die regelmäßig die Bude voller motivierter Mitspieler haben, hiermit die große Kaufempfehlung aus. Natürlich werdet ihr nicht tagtäglich zwei oder mehr Stunden Spielzeit auf Wuhu Island verbringen, trotzdem wird sich Wii Sports Resort immer wieder für eine flotte, spaßige Session in eurem Laufwerk einfinden, ob ihr jetzt gegen einen Freund im Tischtennis antretet, in der Kendo-Massenkeilerei überschüssige Energie abbaut, oder einfach nur wieder mal auf ein paar Highscores aus seid. Muskelkater nach ausgiebigen Sessions kann aber nicht ausgeschlossen werden – sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt!

Wii Sports Resort ist ab dem 24. Juli 2009 logischerweise für Wii im Handel erhältlich.

 

 

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