Das Erfolgsrezept von LEGO lässt sich in Steinform zwar auf alles übertragen, was sich in Plastikform pressen lässt, als Computerspiel ist es aber nicht so einfach, sich ein Thema herauszupicken, das die gleiche Magie versprüht wie zuvor bei Star Wars und Indiana Jones. Während es dort ein klar definiertes Vorbild gab, jeweils drei Filme, jeder davon gespickt mit ikonenhaften Bildern und Szenen, blickt Batman auf fast 70 sehr unterschiedliche Jahre und eine Fülle an Material zurück.
Für den niedlichen LEGO-Look kamen natürlich nicht die dunkelsten Seiten des 'Dunklen Rächers' in Frage. Weder Frank Millers Dark Knight noch die aktuellen Christian Bale-Verfilmungen passten als Grundlage. Am anderen Ende des Spektrums haben wir den einzigartigen, den unvergesslichen, den unglaublichen Adam West! Die Kultserie Ende der 60er kann man allerdings heute so nicht mehr ganz verkaufen. „Vorsicht, Robin, schau immer rechts und links, bevor Du über die Straße gehst.“ Schauder. Auch hier lehnt LEGO Batman dankend und dankenswerter Weise ab.
Selbst an Stellen, an denen es vielleicht gepasst hätte, an denen LEGO-Batman und LEGO-Robin Rücken an Rücken eine sie umzingelnde Horde von bunt gewandeten Schurken vermöbeln, seht Ihr nicht die „Paff“ und „Zongo“-Sprechblasen. Bedeutungsschwere Ausflüge in das teilweise komplizierte und tiefenpsychologisch angehauchte Universum der Comics um den Rächer von Gotham sparte man sich ebenfalls. Bleiben noch die Burton/Schumacher Filme. Und hier findet die LEGO-Fledermaus endlich ein paar Anleihen, baut sie Stein für Stein ins Design, ohne aber Zugang zu Passagen zu finden, die sich wirklich parodieren ließen.
Man setzt auf Slapstick, ohne Sinn und Bezug zu den Figuren, presst sie in die unbeschwerte Leichtigkeit des Steins. Sicher, Ihr werdet schmunzeln, wenn Albert eine winzige Rakete für Robins Hubschrauber bringt, die dieser dankend ablehnt. Als nächstes karrt Alfred etwas heran, was wie eine geschrumpfte Interkontinental-Rakete wirkt, aber auch diese genügt Master Robin nicht. Schließlich beginnt der Butler aus großen Steinen die Mutter aller Bomben zusammenzusetzen, die natürlich zu groß für den Heli gerät. Folgende Handlungsabläufe sind absehbar, aber wenn es so drollig präsentiert wird wie hier, dann kann man ein schwaches Skript leicht entschuldigen. Aber nicht über die ganze Laufzeit.
Batman ist sowieso schon nicht die dankbarste Figur für eine Parodie in dänischem Plastik, was Ihr schnell daran merkt, dass der Titelheld der unscheinbarste der Spielcharaktere bleibt. Robin übernimmt die Rolle des tollpatschigen Laurel und Batman mimt einen unlustigen, grimmigen und nichtssagenden Hardy, während sie ihren tapsigen Weg vom Riddler zum Joker nehmen. Es hilft dem Caped Avenger wenig, dass er nicht einmal seine berühmte „Ich bin Batman“ - Zeile grummeln darf. Wie in LEGO üblich, bedienen sich alle Figuren nicht entschlüsselbarer emotionaler Laute und Gesten, um sich verständlich zu machen. Es reichte bei Star Wars und Indy, weil wir hier die Zeilen der jeweiligen Szenen sowieso schon partiell mit in unsere DNA verbaut haben. Aber Batman?
Das bedeutet keinesfalls, dass das Spiel auf der rein visuellen oder, nicht zuletzt dank Danny Elfmans fantastischer Kompositionen, akustischen Ebene nicht funktionieren würde. Travellers Tales und LEGO haben ein unglaubliches Talent dafür, die zahllosen bekannten Gesichter – inklusive Batgirl, Bruce Wayne im Anzug und rarer Robin-Kostüme als Bonus – in einfache Formen zu pressen, und auch wenn es sich sonst auf dünnem Eis bei der Handlungen bewegt, sieht LEGO Batman vom Design her stimmig aus. Solange Ihr bei den Helden und Fieslingen bleibt. Gotham City schwankt wild zwischen mittlerem PS2-Niveau bei den Fahrzeugleveln und solider Leistung, wenn es um Poison Ivys Vorgarten oder die Kathedrale des Jokers geht.
Und wieder macht es sich bemerkbar, dass der Unterschlupf des Pinguin, Mr. Freeze oder die Bat-Höhle so oft schon neu erfunden und inszeniert wurde, dass hier kaum etwas anders übrig blieb, als es ein weiteres Mal zu tun. Die Lokalitäten sind schön gestaltet und erkennbar, nur halt ohne großen Bezug. Und ohne einen solchen fällt Hommage und Parodie weg. Es bleibt der Charme einer LEGO-Bathöhle, der nicht zu unterschätzen ist, vor allem wenn sie von drolligen Bat-Gestalten bevölkert wird. Das, was aber viele Erwachsene zu den eigentlich vom Spieldesign für Kinder ausgelegten LEGO–Games hinzog, vermisst man hier. Nicht zu schmerzlich, denn niedlich bleibt es. Witz und Charisma der anderen Spiele dürft Ihr hier aber nicht erwarten.
Genauso wenig, wie Ihr mit großartigen Umwälzungen im Spielkonzept rechnen solltet. Die Art von LEGO, die Travellers Tales erfunden hat, etablierte sich so sehr zur Marke, dass komplette, revolutionäre Veränderungen an der Substanz kaum denkbar scheinen. Durch ein Dutzend in drei Kapitel unterteilte Missionen hastet das dynamische Duo und befreit Gotham von einer ebensolchen Anzahl an frisch aus Arkham ausgebrochenen Superschurken.
Zwei oder drei Abschnitte, in denen Ihr per Buttonsmashing Bösewichter verprügelt, LEGO-Steine als Punkte einsammelt und jede Menge Maschinen, Fahrzeuge und Leitern aus LEGO-Haufen zusammensetzt. Anschließend noch ein Bosskampf, der ein Minimum an Taktik erfordert, und fertig ist der Level. Der Anspruch und Schwierigkeitsgrad machen eines ganz deutlich: Hier sind Kinderhände gefragt, bevorzugt solche, die nicht im Blindflug auf Experte geschickt durch Ego-Shooter manövrieren.
Die Action bringt Euch nie in Gefahr zu sterben. Ober vielmehr: Sie tut das ständig, aber es hat keine echten Konsequenzen. Bei Eurem Ableben bezahlt Ihr einfach ein paar der überreichlich einzusammelnden LEGO-Punkte und schon heißt es Respawn an gleicher Stelle mit voller Energie. Falls es möglich ist, in diesem Spiel endgültig zu sterben und den Level wiederholen zu müssen, habe ich nicht herausgefunden wie das geht. Bei den Rätseln sieht es minimal anspruchsvoller aus, selbst wenn an den meisten Stellen sinnloses Herumrennen und LEGOs kaputtschlagen zu den gewünschten Antworten führt.
Abwechslung in dieser Routine bieten die Fahrzeuglevel, in denen Ihr mit Batwing, Batcar oder Batboat herumheizt, wild ballert und ebenfalls wiederum einen Bosskampf bestreitet. Tod oder Versagen sind hier ebenfalls keine Optionen, aber was soll's, wenn ich nur mit dem Hubschrauber des Jokers für ordentliches Chaos in Gotham sorgen kann. Richtig, endlich wird die Geschichte auch mal aus der anderen Sicht erzählt und Ihr schlüpft in ebenfalls einem Dutzend Missionen in die Rolle Riddlers, Catwomans, Jokers oder Scarecrows.
Die Superschurken haben alle ihre eigenen Kräfte und können teilweise gut springen, andere Figuren kontrollieren – mit dem Riddler Leute in den Tod laufen zu lassen, hat was -, Feinde mit dem unschuldigen Elektroschocker in der Hand rösten und vieles mehr. Diese Abwechslung macht die böse Story auch interessanter als die des dynamischen Duos, die sich auf ihre eher unspektakulären Anzüge verlassen müssen. An Schlüsselstellen findet Ihr Outfits, mit denen Robin besondere Wände erklimmen oder Batman Bomben legen kann. Großes Rätselpotential ergibt sich hier nicht, da Euch das Spiel immer den richtigen Anzug zur richtigen Situation schenkt. Hmm, Robins Unterwasseranzug und daneben ein Teich mit einem Schalter. Was ist hier wohl zu tun…?
Nur sobald es darum geht, auch den letzten Punkt an versteckten Ecken zu ergattern, wird es minimal schwieriger. Aber auch hier hätte sich viel mehr CoOp - Potential angeboten, als letztlich genutzt wird. Die einzigen Aktivitäten, die es unisono zu erledigen gilt, betreffen zwei Plattformen oder zwei Schalter, die gleichzeitig zu betätigen sind. Andere Interaktionen oder gar ausgetüftelte Rätsel zwischen dem immer aktiven Duett zweier Helden oder Schurken – ausgestattet mit solider KI im Solomodus – finden nicht statt.
Zumindest bis zum letzten Abschnitt. Mit dem Joker als Hauptfigur zieht es endlich etwas an und echte Kooperation zwischen den beiden Figuren ist dringend nötig, um zu bestehen. Es zeigt, dass LEGO Batman mehr als nur ein schickes Spiel zu einem schicken Spielzeug hätte sein können. Kurz vor dem Ende enthüllt es den Hauch von Brillanz. Endlich.
Aber zu wenig und vor allem zu spät. LEGO Batman bringt auf der spielerischen Seite nichts Neues mit, aber das war angesichts des erfolgreichen Selbstläuferkonzepts nicht zu erwarten. An sich braucht das auch kein Vorwurf zu sein, denn Spaß macht das Abwandern des LEGO-Gothams trotz der nicht vorhandenen Herausforderung. Das Gefühl, das alles schon vorher gespielt zu haben, nur mit anderen Farben und Figuren eben, lässt sich jedoch nicht abschütteln.
Außerdem reduziert die Wahl des Helden die Zielgruppe des Spiels diesmal auf das jüngere Publikum, das sich zum Spiel noch ganz sehnlich die LEGO Batcave dazu wünscht. Als Ergänzung zum umfangreichem Steinchen-Bat-Sortiment im Spielzeugladen passt und funktioniert LEGO Batman perfekt. Kindertauglich, freundlich, ein sichere Sache für Eltern. Nur dass die Eltern diesmal weniger Grund haben, selbst zum Pad zu greifen. Die Nostalgie und Freude über die Hommage an geliebte Szenen und Charaktere fehlt diesmal einfach. Einfach nur Batman als LEGO-Figur darzustellen reicht nicht. Selbst er muss mehr bringen als nur da zu sein.
LEGO Batman gibt es derzeit für alles, was Spiele abspielt, angefangen bei der PS2. Sogar für Handys.
Du bist Gladiator, der Held der Spiele im Kolosseum. Besiege Deine Gegner und erkämpfe Dir die Cance auf 10.000 €. zum Spiel...
Batman Begins im Test.
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