Ace Combat 6: Fires of Liberation

Review
Plattform
XBOX 360
Vertrieb
Atari
Entwickler
Namco Bandai
Genre
Kampf
X360: Ace Combat 6: Fires of Liberation

Gesamtwertung

8/10

X360: Ace Combat 6: Fires of Liberation

Tango, Zulu, Delta für Base: SAM in Target-Vector. Versuche Approach von Südost. Altitude 12.000. HARM-Missile in Lock On. Feuerfreigabe erbeten. Tango, Zulu, Delta out. +++ Hier Base für Tango, Zulu, Delta: Fire on Range. Alert for appoaching Boogie. Use Wingman to cover Operation. Base out. +++ Tango, Zulu, Delta für Base: Fire, Fire, Fire. Direct Hit. Wingman in Dogfight. Second Boogie in Chase, Tango, Zulu, Delta out. +++ Base für Tango, Zulu, Delta: Abbrechen, Abbrechen, Abbrechen. Verlassen Sie den Kampf, zurück zur Base! Base Out. +++ Tango, Zulu, Delta für Base: Kann ihn nicht abschütteln. Lock on. Appoaching Missile. Gegenmaßnahmen eingeleitet. Scheisse....

Und wieder muss ein Flieger ins Gras beißen. Gleich in der ersten Mission erreicht man ohne große Mühen sein zweites Dutzend. Unterstützt durch einen unrealistischen Raketen-Nachschub und moderne Spezialwaffen liefert Ace Combat 6 in einer Mission mehr Action als der Klassiker Falcon 4.0 in einer gesamten Kampagne. Entdecken, in Schussposition bringen und abschießen erfolgt im Minutentakt.

Wie bei vielen japanischen Spielen hat dies natürlich nichts mehr mit der Realität zu tun. Bunt werden Flugzeuge aus den unterschiedlichsten Epochen gemixt, der Abschuss dauert oft nur Sekunden und als Gegner halten auch mal gewaltige Flugzeugträger her. Ace Combat ist eine fast schon perverse Variante des ehrwürdigen Flugsimulator-Genres und macht dazu auch noch jede Menge Spaß.

Während die behäbigen Simulations-Entwickler die Zeichen der Zeit verkannt haben und deren Niveau nach dem Höhepunkt Falcon 4.0 stetig in Richtung Talsohle sank, behauptet sich die Ace Combat-Reihe wie ein Relikt aus einer besseren Vergangenheit. Unterlegt mit einer mehr oder weniger belanglosen und sehr theatralisch inszenierten Geschichte wird das Tontaubenschiessen auf millionenteure Kampf-Jets transportiert.

Auch der sechste Teil macht hier keine Ausnahme. Mit neuen Gameplay-Ideen, der Kraft einer Next-Generation-Konsole und dem ersten Online-Modus der Seriengeschichte, sollen Flugzeugfans auf der ganzen Welt an dieses einmalige Thema herangeführt werden. Dabei wird die Grundstruktur kaum angefasst. Als Mitglied einer Flugstaffel müsst Ihr Euer fiktives Land vor den noch fiktiveren Feinden schützen. Als Maschinen fungieren reale Modelle, die aus allen Ländern zusammen geklaut wurden und auch noch mit mächtigen Spezialwaffen aufwarten können.

Mehrfach-Raketen, Bombenteppiche, Cruise Missiles und Geschosscontainer machen aus Ace Combat 6 ein wahres Schlachtfest. Sowohl am Boden als auch in der Luft vernichtet Ihr im Alleingang ganze Armeen und braucht Eure Kameraden nur zum Aufräumen. Wie schon in den anderen Teilen besitzt jede Maschine eine enorm große Waffenzuladung mit unendlicher Munition für das Bord-MG und bis zu 120 Standard-Infrarot-Raketen. Außerdem besitzt jede Maschine ganz eigene Charakteristiken in punkto Panzerung, Beschleunigung, Geschwindigkeit und Manövrierbarkeit.

Nach einer gut erklärten Missionsbeschreibung müsst Ihr Euch nur noch das richtige Arbeitswerkzeug heraussuchen und schon geht es in den Luftraum. Dort erwarten Euch dann die üblichen Mission bei der ihr Begleitschutz geben, Bomberstaffeln abfangen oder Bodeneinrichtungen vernichten müsst. Gesteuert wird das ganze bequem per Analogstick – respektive dem ab Frühjahr erhältlichen, sündhaften teuren Flightstick von Hori. Steuerung und Flugphysik wurden dabei bis zur Unkenntlichkeit vereinfacht. Strömungsabriss ist ebenso ein Fremdwort wie Blackout. Mit wenigen Knopfdrücken justiert Ihr Euren Radar, visiert das erste Ziel an und begebt Euch auf die Jagd.

In engen Kehren umkreist Ihr die Ziele, liefert Euch Verfolgungsjagden mit schnellen Jets und holt Bomber gleich Dutzendfach vom Himmel. Nur selten gibt es eine Möglichkeit, die schöne Landschaft zu bestaunen, statt dessen pumpt das Adrenalin, während Ihr verzweifelt versucht, eine feindliche Maschine ins Visier zu bekommen. Relativ neu ist hingegen die Möglichkeit, Eurem Flügelkameraden Befehle zu erteilen, die er auch recht zuverlässig ausführt.

Leider kann er mit den Flieger-Assen der Feinde nicht mithalten und braucht Stunden, um auch nur einen davon herunter zu holen. Eine weitere Überraschung sind die dynamischen Schlachtfelder, auf denen sich fröhlich die beiden Feindparteien die Köpfe einschlagen. Ihr rast deshalb von einem Brennpunkt zum nächsten und spielt Feuerwehr.

Rein spielerisch fällt der Unterschied nicht dramatisch aus, aber statt einem flinken Abschussfinger ist nun auch etwas Köpfchen nötig. Die Dogfights sind anfangs wenig anspruchsvoll. Wie Tontauben warten die Gegner nur darauf, abgeschossen zu werden, aber mit jeder Mission ist der Feind besser ausgerüstet. Gerade die feindlichen Elite-Staffeln sind ein hartes Stück Arbeit, das ein gutes Auge und sogar etwas taktische Planung erfordert. Noch härter sind die gewaltigen Endgegner, die nicht nur mit Dutzenden Flakgeschützen, sondern auch mit einer starken Begleitstaffel ausgestattet sind. Hier offenbart Ace Combat 6 seine ganze Stärke und erfordert viel Durchhaltevermögen.

Einen Großteil seiner Motivation zieht der Titel aus der schnellen Action. Ein weiterer Faktor, warum man diesmal besonders begeistert in die Schlacht zieht, ist die fast fotorealistische Grafik. Zusammen mit einer Spezialfirma für Satelliten-Fotos wurde eine hochdetaillierte Landschaft erzeugt, die nur noch von den fantastischen Flugzeugen übertroffen wird. Auch die Zwischensequenzen sind wunderschön präsentiert, doch die Dramatik erschließt sich einem Europäer nur begrenzt. Neben den eigentlichen Fliegern wird auch die Geschichte einer Zivilistin erzählt, die mitten im Krieg, auf der Suche nach Friede und Freiheit ist. Schnulzig, langatmig präsentiert und reichlich verworren, ist dies wohl nur etwas für eingefleischte Japanophile.

Als krönender Abschluss noch ein paar Takte zu dem nagelneuen Online-Modus. Ich konnte zwar bisher nur ganz wenige Partien im Schattennetzwerk bestreiten, doch was ich gesehen habe, hat mich restlos begeistert. Neben simplem Deathmatch gibt es auch einen Armee-Modus, in dem man zusammen mit Bodentruppen eine feindliche Festung zerstören muss und natürlich den genialen Coop-Modus, in dem man gemeinsam mit einem Freund gegen die KI antreten kann. Leider ist nicht die gesamte Kampagne so spielbar, sondern bisher nur zwei Spezialmissionen. Aber wenn Namco mit der gleichen Geschwindigkeit, wie jetzt schon die ersten Spezialflugzeuge aufgetaucht sind, sich auch an die neuen Karten macht, können sich begeisterte Flieger auf ein spannendes Weihnachtsfest freuen.

Ace Combat ist sich auch mit dem sechsten Teil treu geblieben. Trotz einiger zaghafter Versuche, die Serie auch für eine größere Zielgruppe interessant zu machen, bleibt Ace Combat echter Freak-Kram. Freak-Kram, der aber so genial gemacht wurde, dass Flugzeug-Fans unbedingt zuschlagen müssen. Es werden zwar nicht die realistischsten Gefechte der Computer- und Videospielgeschichte geliefert, aber die mit Abstand intensivsten. Alles in allem ist Ace Combat ein erstklassiges Action-Spiel und zudem ein wirklich fantastischer Deal, der Euch die nächsten Wochen und Monate mit vielen spannenden Luftgefechten versüßen wird.

Ace Combat 6: Fires of Liberation hebt am 23. November für die Xbox 360 ab. Den Flightstick gibt es laut Atari irgendwann im Frühjahr. Weitere Screenshots gibt es hier

.

 

 

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