The Chronicles of Riddick: Assault on Dark Athena

Review
Plattform
XBOX 360
Vertrieb
Atari
Entwickler
Starbreeze
Genre
Action
X360: The Chronicles of Riddick: Assault on Dark Athena

Gesamtwertung

8/10

X360: The Chronicles of Riddick: Assault on Dark Athena

Mir fallen ja bei jedem neuen Spiel ein Dutzend gute Ratschläge ein, wie man es besser machen kann. Als echter Klugscheisser äh Kritiker erkennt man recht schnell, wo der Programmcode drückt und kann recht genaue Prognosen über die finale Qualität abgeben. Deshalb liegt eigentlich der Gedanke nah, dass zumindest theoretisch auch die Entwickler die Fehler und Probleme erkennen müssten. Wieso kommen also so viele halbfertige Spiele mit seltsamen Designentscheidungen auf den Markt?

Aus eigener, sehr bescheidener Erfahrung – Programmierung zweier mäßiger Handy-Spiele -, weiß ich, dass es eben nicht ganz so einfach ist, wie man es sich vorstellt. Eine Spiele-Produktion hängt von so vielen Faktoren ab, dass man eben nicht noch ein paar Extra-Monate Entwicklung in einen Titel steckt oder ein paar Funktionen umbaut und mit einem Schlag aus einem Mittelklasse-Spiel ein Blockbuster macht. Im Spannungsfeld zwischen optimaler Qualität, komplexer Programmstruktur und lohnender Investition müssen leider viel zu oft Kompromisse gemacht werden.

Selbst bei einem Titel wie The Chronicles of Riddick: Assault on Dark Athena von erstklassigen Entwicklern der Marke Starbreeze, die Extra-Zeit bekommen, gelingt es oft nicht, die hohen Standards zu erfüllen. Zwar wurde durch den Wechsel des Publishers von Vivendi zu Atari aus dem Addon zu ihrem 2004er Klassiker Escape from Butcher Bay ein richtiges Spiel gestrickt, doch das Endergebnis erreicht nicht ganz die einmalige Qualität des Vorgängers.

Man merkt, dass die letzten 4 Stunden der Science-Fiction-Saga nachträglich eingefügt wurden – sie wirken aufgesetzt. Ein Spiel, das vor allem von seinen Schleich- und Nahkampf-Taktiken lebt, wird zu einem Shooter bei Tageslicht. Nicht die beste Entscheidung. Doch reicht es in Kombination mit dem technisch aufgemotzten Alltime-Klassiker Escape from Butcher Bay trotzdem für eine klare Kaufempfehlung oder zieht das eher schwache Ende das Gesamtpaket nach unten?

Hinter Riddick und seinen Chroniken steckt ein ganzes Universum, das auf einem australischen Independent-Science-Fiction-Film basiert, der 2000 die Genre-Fans begeisterte. In der Hauptrolle gab es den damals noch unbekannten Vin Diesel zu sehen, der sich als eiskalter, aber gerechter Verbrecher einen Namen machte. Der B-Movie hatte Erfolg an den Kassen, deshalb wurde für 2004 eine Fortsetzung angekündigt, die natürlich auch eine Computer- und Videospielfassung verpasst bekam.

Statt aber den üblichen Umsetzungs-Mist auf die Fangemeinde loszulassen, wurde von Vin Diesels Produktionsfirma Tigon und dem damals noch unbekannten, schwedischen Starbreeze Studio ein erstklassiges Prequel in Auftrag gegeben, das noch heute als einer der besten Shooter für die erste Xbox gilt. Gerade was Atmosphäre, Nahkampf-Spielmechanik und Immersion anging, haben die Schweden damals Zeichen gesetzt und das Genre neu definiert.

Da der Titel sehr spät im Xbox-Lebenszyklus erschien, wollten die Entwickler eine HD-Version für die Next Generation-Konsolen veröffentlichen und gleich auch noch ein kurzes Addon mitliefern, um den Besitzern des Erstlings einen Anreiz zu geben, noch einmal in die Tasche zu greifen. Leider passte Franchise und Produkt nicht mehr zum Mega-Publisher Activision-Blizzard und so wurde der Titel an Atari abgegeben, die Starbreeze mehr Zeit einräumten, um Assault on Dark Athena aufzumöbeln. Heißt: Ihr findet auf dem Datenträger gleich zwei, ca. 8 Stunden lange Kampagnen, um den sympathischen Psychopathen und seine düstere, brutale Welt.

Storytechnisch setzt die Fortsetzung direkt nach dem Ende von Escape from Butcher Bay an und führt Euch auf das Söldner- beziehungsweise Sklaven-Schiff Athena. Erneut muss Riddick aus der Gefangenschaft entfliehen. Denn an Bord des Molochs droht ihm ein schreckliches Schicksal.

Die eiskalten Auftragsmörder kidnappen zivile Raumschiffe und machen aus den Passagieren eiskalte Kampf-Droiden, die über ein Interface ferngesteuert werden. Unbestechliche Gegner, auf die Ihr auf der Flucht gleich Dutzendweise trefft und deren Feuerkraft Ihr gerade am Anfang besser ausweicht.

Am Gameplay wurde hingegen kaum etwas verändert. Wie im hochgelobten Escape from Butcher Bay – satte 88 Prozent bei Gamerankings für die Xbox-Version und 91 Prozent für die PC-Variante – müsst Ihr den Furianer Richard B. Riddick in der First Person-Perspektive durch dunkle Gänge und Belüftungsschächte steuern.

Ängstlich hetzt Ihr von Schatten zu Schatten, jagt Eure Opfer, versteckt Euch vor starken Spezialtruppen. In den ersten Stunden des Addons entfaltet sich, unterstützt durch aufreibenden Sound-Arrangements, das gleiche, packende Katz-und-Maus-Spiel, das schon den Vorgänger so einmalig machte.

Erst durch seine kybernetischen Nachtsicht, seine erstklassigen Nahkampffähigkeiten und sein für Ego-Shooter umfangreiches Bewegungsrepertoire, wird Riddick zu solch einer unaufhaltsamen Killermaschine. Ihr könnt Euch aus Lüftungsschächten auf Eure Gegner fallen lassen, sie von hinten mit einem Schlag erledigen oder sie in harten, direkten Nahkampfauseinandersetzungen in Stücke reißen. Aber Vorsicht, setzt Ihr Euch dem Beschuss der Gegner aus, wird selbst der brutale Anti-Held schnell zu Fischfutter verarbeitet.

Außerdem finden sich immer wieder Adventure-Elemente ein. Ihr müsst mit anderen Gefangenen agieren, kleine Aufträge erledigen und so Eure Ausrüstung für den Ausbruch zusammen kratzen. Das Spiel setzt dabei ganz auf die alte Schule. Orientierungshilfen sind sehr spärlich gestreut. Ihr bekommt zwar Euer Missionsziel per Text dargestellt, müsst Euch aber die Namen der Personen merken, sonst beginnt die große Suche. Das Lebensenergie-System erlaubt partielle Erholung. Ist einer der fünf kleinen Balken ganz verschwunden, ist es an Euch, an entsprechenden Stationen für Auffrischung zu sorgen.

Während also spielerisch alles beim Alten bleibt, spendierte Starbreeze der Optik eine Generalüberholung. Dem Vorgänger wurden neue Texturen und eine höhere Auflösung gegönnt, der Nachfolger punktet mit schicken Effekten und mehr Detailreichtum. Trotz den umfangreichen Umbauarbeiten dürft Ihr aber keine Wunder erwarten. Insbesondere Escape from Butcher Bay sieht man sein Alter deutlich an. Die Objekte bestehen aus wenigen Polygonen und einige Texturen scheinen direkt aus Urversion zu stammen.

Auch Assault on Dark Athena muss sich gemäß dem Alter der Grafikengine etwas geschlagen geben. Detaillierte Gesichter, hervorragender Schattenwurf und stimmiges Design stehen Detail- und Farbarmut gegenüber. Leider gibt der Titel zur Hälfte seine starken Licht- und Schattenspiele auf und zerrt das Gameplay ins Tageslicht. Ein paar nette Effekt, wie ein aufgewühltes Meer, können die Defizite aber nicht mehr ausgleichen. Zudem präsentiert sich die Physik inkonsistent. Eure Umwelt reagiert nur auf eine Waffe, die sich Gameplay-technisch als großes Problem entpuppt. Aber dazu später mehr.

Die PC-Version sieht sogar noch einen Tick besser aus, wurde aber schlecht optimiert. Dafür bietet sie seit dem neusten Patch sogar SSAO Rendering, das viele aus Titeln wie Crysis, Call of Duty 4 oder Unreal Tournament 3 kennen. Zur Erklärung: Dabei werden die Ränder der Polygone mit Highlights versehen.

Unglücklicherweise sorgte dieser nette Effekt bei einigen unserer Test-Rechner für einen Komplettabsturz. Immerhin konnte der erste Patch auch die Performance auf unserem Intel Core 2 Duo E8400 mit 3 Ghz verbessern. Ohne einen starken Rechner solltet Ihr aber lieber auf eine Konsolen-Version zurückgreifen. Die Versionen sehen ähnlich gut aus und laufen flüssig. Weitere Informationen gibt es morgen im Face-Off.

Abseits kleinerer optischer Mängel bereitet gerade der Einsatz von Schusswaffen Sorgen. Gab es diese im ersten Teil nur sehr selten – am Anfang waren die Waffen Gen-verschlüsselt -, könnt Ihr Euch nach den ersten beiden Stunden auf der Dark Athena kaum noch vor Nachschub und Munition retten.

Spannende Schleicheinlagen fallen damit fast vollkommen flach. Aus einer unverwechselbaren First Person-Erfahrung wird folglich ein eher „normaler“ Ego-Shooter mit harten, aber spannenden Feuergefechten. Darüber hinaus nicht so gelungen: die Waffenpalette enttäuscht auf nahezu ganzer Linie. Sturmgewehr, Schrotflinte und Maschinenpistole ohne jede Zweitfunktion wirken eben schlicht langweilig.

Auf Euren ersten Schritten außerhalb der Dark Athena gibt es dann Abwechslung in Form der SCAR Gun. Dieses ungewöhnliche Prachtstück verschießt angeblich Luftdruck-Pakete, die bei der Aktivierung die Wucht einer Granate erreichen. Mit ihr lassen sich Holztüren einreißen, die später auftauchenden Alpha-Drohnen für den Quick-Time-Kill in die Knie zwingen, und leider auch über Hunderte Meter hinweg Gegner ausschalten.

Statt dem mächtigen Schießprügel eine bogenförmige Schussbahn zu verpassen, könnt Ihr damit dem Gegner aus Zweihundert Meter Entfernung einen Kopfschuss verpassen und ihn anschließend per Knopfdruck in die Luft jagen. Der Schwierigkeitsgrad sinkt damit schlagartig. Eine Designentscheidung, die die Kritikerseele in mir wütend macht.

Auch die Grafik der Außenareale kann nicht mit der atmosphärischen Enge der Dark Athena mithalten. Ausgiebige Plattform-Sequenzen machen aus unserem Profi-Killer einen Zirkus-Akrobaten. Zum Glück wird Euch auch hier kaum langweilig, weil Euch Vin Diesel die ganze Zeit mit satten One-Linern versorgt. Besonders weil sich viele Abschnitte noch immer im Nahkampf lösen lassen, versinkt Assault on Dark Athena nie in der Bedeutungslosigkeit, sondern transportiert mit Gameplay und Design immer noch eine gelungene, brachiale Message.

Durch die zusätzliche Entwicklungszeit wurde dem Paket außerdem ein Multiplayer-Modus spendiert. Neben recht klassischen Deathmatch-Spielmodi taucht ein spezieller Riddick-Modus auf, in dem bis zu 15 Spieler den namensgebenden Super-Verbrecher jagen, der von einem Spieler übernommen wird. Nett, aber nicht großartig. Ohne Besonderheiten kann man bei der Online-Gemeinde kaum noch punkten. Deshalb wird auch dieser Multiplayer-Modus im Meer der Mittelmäßigkeit versinken.

Ja, die zweite Hälfte von Assault on Dark Athena ist nur mittelmäßig, die PC-Performance ist auch nach dem ersten Patch eher schwach und der Grafik von Butcher Bay sieht man ihr Alter deutlich an. Trotzdem bietet das Gesamtpaket über 16 Stunden brachiale Single Player-Action, die über weite Strecken ihrem Ruf gerecht wird. Speziell Escape from Butcher Bay begeistert noch heute und lässt seinen Nachfolger alt aussehen. Einige Fehlentscheidungen beim Spieldesign, wie die Treffsicherheit der SCAR-Gun oder der Schritt ins Licht, trüben hier zwar das Gesamtbild, trotzdem bietet auch Assault on Dark Athena genug, um Action-Fans die nächsten Tage und Wochen an diese einmalige Spielerfahrung zu fesseln. Und beim nächsten Mal einfach mich fragen, ich weis es bestimmt besser.

Achtung PC-Besitzer: Ohne schnellen Rechner, neuste Treiber und Patch werden Euch Slow-Downs, Abstürze und Grafikfehler plagen. Die Konsolenversionen sehen dagegen fast ebenso gut aus und laufen flüssig. Deswegen würde ich persönlich ausnahmsweise zu PS3 oder Xbox 360 greifen.

Chronicles of Riddick: Assault on Dark Athena erscheint am 24. April für Xbox 360, PS3 und PC. Laut Atari ist die Retailversion bereits mit dem ersten Patch versehen.

 

 

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