Bayonetta

Preview
Vertrieb
SEGA Europe
Entwickler
PlatinumGames
Genre
Action
PS3: Platin für SEGA

PS3: Platin für SEGA

Für echte Hardcore-Gamer ist es nur schwer nachvollziehbar, wie ein recht profitabler Publisher wie Capcom ein kreatives Studio wie Clover einfach schließen kann. Ja, ihre Spiele haben nicht so viel Geld abgeworfen wie sie sollten. Und ja, es war auch ein echter Flop wie God Hand dabei.

Aber allein was Wertungen und Ansehen angeht, haben die Ausnahmetalente Großes geleistet. Doch Ihr müsst nicht traurig sein: Die kreativen Köpfe hinter Meisterwerken wie Okami und Viewtiful Joe haben schnell ein neues, eigenes Zuhause gefunden.

Im ersten Schritt als Seeds Inc. geführt, haben sich die durchgeknallten Japaner dazu entschlossen, ihrem hohem Qualitätsanspruch ein verbales Denkmal zu setzen. Unter dem neuen Namen PlatinumGames Inc. wollen sie unter der Führung von Atsushi Inaba, dem ehemaligen CEO von Clover, innovative Spielkonzepte unter das Volk bringen. Dazu haben sie eine Zusammenarbeit mit Sega angekündigt, die mit viel Aufwand, ausgerechnet an einem deutschen Feiertag und unter großer Geheimhaltung in London verkündet wurde.

Vier Spiele werden die frischen Studio-Besitzer abliefern, die mit ihren bekannten Produzenten und der geballten Ladung Branchenerfahrung Hoffnung wecken. Jeder der federführenden Entwickler kann dabei auf eine beeindruckende Anzahl von Mega-Hits zurück blicken und steht trotz der etwas seltsam anmuteten Konzepte für absolute Spitzenqualität. Ihr Softography umfasst Titel wie Resident Evil, Devil May Cry, Steel Battalion, Viewtiful Joe und Okami. Alles einmalige Konzepte, die vor allem bei den Kritikern viel Lorbeeren ernteten.

Es ist also nicht verwunderlich, dass die Entwickler sich nicht allzu weit hinaus wagen und auch bei ihren neuen Projekten auf bewährte Ideen zurückgreifen. So findet Ihr ein wenig Devil May Cry in Bayonetta, eine kleine Portion Steel Battalion in Infinite Line und zumindest die Optik von Okami in Madworld wieder. In punkto Gameplay bleiben die Entwickler dabei im Großen und Ganzen ihrer Linie treu, wollen aber mit "den richtigen Neuerungen Zeichen setzen".

Die ersten drei Titel wurden in London der Spielepresse vorgestellt. Ein vierter Titel von Resident Evil-Schöpfer Shinji Mikami bleibt erst einmal noch unter Verschluss, es wäre aber nicht verwunderlich, wenn dabei ein Survival-Horror herausspringen würde.

Für Sega könnte sich die Zusammenarbeit auf jeden Fall als ein perfektes Joint-Venture entpuppen, mit dem man die etwas innovationsarme Produkt-Palette ein wenig aufmöbeln kann. Die Frage bleibt nur, was davon in Deutschland übrig bleibt, denn nicht jeder Titel hat eine Chance hier auch veröffentlicht zu werden. Auf den nächsten Seiten gibt es also die ersten Informationen zu diesen drei ungewöhnlichen Titeln. Japano-Fans aufgepasst!

MadWorld

Den blutigen Anfang macht eine schräge Mixtur aus dem Viewtiful Joe-Grafikstil , dem Sin City-Schwar-Weiß-Rot Effekt, der Manhunt-Gewalt und der Running Man-Story. Einmal kräftig verrührt und durch das Hirn eines japanischen Spieleentwicklers gefiltert, kommt dann so etwas wie Madworld heraus, das wohl erste „Killerspiel“ der ironischen Sorte für die Wii. Zur Belustigung der Öffentlichkeit muss Jack, der Held der Geschichte, in einer blutrünstigen Fernseh-Show gegen gewaltbereite Gegner antreten – hier der besonders blutige Trailer (eurogamer.de).

Neben seinen starken Fäusten und seinem festen Griff steht ihm dabei eine in den Arm eingebaute Ketten-Säge und diverse Utensilien zur Verfügung. „Wir wissen, die Leute lieben Kettensägen, also haben wir einfach eine in den Arm eingebaut“, erzählt Shigenori Nishikawa später im Interview. Die Parallelen zu einem in Deutschland indizierten Shooter sind dabei unverkennbar.

Ein wenig Erfahrung mit Bildschirm-Gewalt konnte der Game Director schon bei seinen anderen Projekten Resident Evil 4 und Time Crisis 2 sammeln. Doch was Madworld an Brutalität auf den Bildschirm zaubert, gehört zur absoluten Genre-Spitze. Dabei legen die Japaner viel Wert darauf, dass Ihr bei den Kämpfen die Umgebung mit einbeziehen könnt. Steht Ihr zum Beispiel vor einer Wand mit Metall-Spitzen, müsst Ihr Euch nur einen Gegner krallen und ihn mit einem satten Wurf der Wiimote in sein Ende stoßen.

Ob mit Mülleimer-Deckel, Straßenschild oder Kettensäge, hier wird die Tötung zum Fetisch erhoben und nur sehr schwach durch die Comic-Grafik, die knackigen Sprüche und den ironischen Unterton gebrochen.

Das Szenario mit der Fernsehshow liefert natürlich ein wenig Gesellschaftskritik, aber ohne einen festen Magen, ist der Titel nur sehr schwer zu verdauen.

Dabei sieht der Titel außerordentlich hübsch aus und überzeugt durch sein einmaliges Design. Dank Cel-Shading fallen weder die niedrige Auflösung noch die wenigen Polygone negativ ins Auge. Auch die Wahl des Grafik-Stils kann man nur als gelungen bezeichnen, da er dem Titel eine ganz eigene, unverwechselbare Optik verpasst.

Viel mehr gab es vom Gameplay nicht zu sehen. Shigenori metzelte bei der Präsentation lieber einen Gegner nach dem anderen ab und präsentierte uns als makabere Krönung das Mini-Spiel Man-Darts. Gestartet durch das Betreten eines Gebäudes, senkt sich nach kurzer Zeit eine riesige Dartscheibe herab und eine Punktzahl erscheint.

Menschliches Kanonenfutter strömt in den Raum und Ihr müsst es per Baseballschläger in Richtung Scheibe schlagen. Trefft Ihr richtig, landet das Opfer mit zerplatztem Kopf im jeweiligen Punktebereich und hinterlässt dabei einen satten Blutfleck auf der Scheibe.

Welchen Sinn diese skurrile Freizeitbeschäftigung im fertigen Spiel macht, war noch genauso wenig aus den Entwicklern herauszukriegen wie Details zum restlichen Spielkonzept. Auf einen Release in Deutschland solltet Ihr Euch also trotz der Comic-Grafik und der ironischen Ansätze nicht verlassen. Die Gegner sind klar als Menschen zu erkennen und die Sinnhaftigkeit eher zweifelhaft. Jeder muss natürlich selbst wissen, ob er auf herausgerissene, schlagende Herzen steht, die vom Helden genüsslich zerdrückt werden. Wirklich lustig ist das aber nicht.

Bayonetta

Ähnlich skurril geht es mit Bayonetta weiter. Verantwortlich für die seltsame Mischung aus Devil May Cry und Bullet Witch: Na? Na? Ist doch nicht so schwer, oder? Genau, Devil May Cry-Erfinder Hideki Kamiya. Viel zu sehen gab es auch von diesem Next Generation Game nicht, das nur für die Xbox 360 und die PS3 erscheint.

In einem undeutlichen Trailer (eurogamer.de)vermöbelt eine zierliche Frau mit Schwert und Fußwaffen geflügelte Dämonen – die sich später als Engel herausstellen. Ein paar stylischen Moves und eine dicke Ladung Blut später ist der ganze Zauber auch schon wieder vorbei und der Zuschauer genauso schlau wie zuvor.

Als Kamiya dann die Bühne betritt, gibt es zumindest ein paar Hintergrundinformationen. Die agile Kämpferin aus dem Trailer ist eine in der heutigen Zeit wieder geborene Hexe, die gegen Engel kämpfen muss. Wieso und weshalb bleibt geheim. Sehr selbstbewusst betont Kamiya, dass sich das Genre seit dem ersten Devil May Cry, das zufälligerweise sein Werk ist, kaum weiterentwickelt hat. Bayonetta dagegen wird eine Revolution auslösen und die Action auf einen neuen Level befördern. Aha.

Mehr Informationen gab es an dieser Stelle nicht, erst im Interview gelang es uns mit extrem investigativen Fragen, zusätzliche Informationen aus dem Japaner heraus zu pressen.

Frage: „Und was sind denn nun die unglaublichen Unterschiede zu Devil May Cry?“ Antwort: „Man spielt eine Frau!“, prustet Kamiya heraus. Sehr lustig.

Ein weiteres, unglaubliches Geheimnis: „Ihre Haare führen ein Eigenleben und können Angreifer attackieren.“ Na, wenn das keine Innovation ist. Danach ein paar Marketing-Sprüche, viel Gelächter auf der japanischen Seite und das Gefühl, im Film „Lost in Translation“ gelandet zu sein.

Abschließend fällt es schwer, angesichts der mageren Informationen, ein Urteil über diesen Titel zu fällen. Mal abgesehen von dem grenzdebilen Namen, könnt Ihr hier nur auf das Können des selbstbewussten Japaners vertrauen. Der Trailer wirkte professionell und die Action scheint die Wünsche der Zielgruppe zu befriedigen.

Ob er wirklich eine Revolution auslöst und ob Kamiya seine beeindruckende Hitserie (Resident Evil 2, Devil May Cry, Viewtiful Joe und Okami) fortsetzen kann, wird sich spätestens bei den ersten Gameplay-Bildern zeigen. Momentan halten sich Skepsis und Optimismus noch die Waage, aber wir lassen uns ja gern überraschen.

Infinite Line

Der viel versprechendste Titel kommt ausgerechnet für Nintendos Klapp-Zwerg. Unter der Führung von Steel Battalion-Macher Hifumi Kouno wird das externe Studio Nude Maker ein Science-Fiction-RPG der ungewöhnlichen Art auf den Markt werfen. Statt einem einzelnen Helden führt Ihr bei Infinite Line ein mächtiges Raumschiff in die Schlacht, das sich wie seine Crew durch Kämpfe ständig weiter entwickelt. Ob neue Waffen, stärkere Schilder oder mächtige Spezialangriffe, nach und nach wird der flügelahme Pod zu einem mächtigen Schlachtkreuzer.

Screenshots gab es dazu noch nicht zu sehen, dafür konnte man aber die wunderschönen Raumschiff-Designs des Grafiker Junji Okubo bewundern, der schon bei Steel Battalion einen unverwechslbaren Look geschaffen hat. Erste Konzeptzeichnungen riefen dagegen Erinnerungen an Suikoden von Konami und der Armored Core-Serie wach, denn es gilt nicht nur bis zu 200 Crew-Mitglieder, sondern auch 200 Schiffdesigns zu managen.

Wie das Ganze auf dem kleinen DS-Schirm passen soll, konnte Kuono noch nicht erklären. Hier muss man wohl oder übel eine erste Version abwarten. Immerhin konnte man neben jeder Menge Statistiken auch Dialog-Felder und Charakter-Bilder entdecken, was die Hoffnung weckt, dass der Titel nicht in eine Zahlen-Schlacht ausartet.

Auch bei der Story gab es nur wage Andeutungen und den Verweis auf Arthur C. Clarkes, Roman „Die letzte Generation“, der schon den Starcraft-Designern die Begriffe Overmind und Overlord lieferte und noch heute als eines seiner besten Bücher gilt – obwohl es schon in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts geschrieben wurde. Grob zusammen gefasst geht es dort um die erste Begegnung der Menschheit mit einer außerirdischen Intelligenz und den nächsten Schritt der menschlichen Evolution. Eine Vision, die Kuono in sein Raumschiff-RPG einbauen möchte.

Leider wird es auch von Infinite Line keine anderen Versionen geben. Der Grund: Im Interview betonte die PlatinumGames Truppe, dass sie sich ganz auf eine Plattform konzentrieren möchten, um das beste Ergebnis zu erzielen. Von Multiplattform-Titeln halten sie nicht viel, was angesichts der ungewöhnlichen Konzepte fast ein wenig schade ist. Denn ob Madworld, Infinite Line oder Bayonetta, nicht immer hatte man das Gefühl, dass die Games auf der richtigen Konsole erscheinen – ok, ich gebs zu: Ich will eine PC-Fassung von Infinite Line. Jetzt. Sofort.

 

 

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