Tales of Vesperia

Preview
Vertrieb
Namco Bandai
Genre
Andere
X360: Tales of Vesperia

X360: Tales of Vesperia

Es gibt Abkürzungen, die gibt es eigentlich gar nicht.

Da wollte ich nur mal kurz mein Wissen über Namcos, seit Super Nintendo-Tagen aktive Tales-Reihe auffrischen und stieß auf eine Reihe von Kürzeln, die so nur wahre Fans oder sehr, sehr seltsame PR-Abteilungen entwerfen. Hinter FR-LMBS verbirgt sich keinesfalls ein Waffensystem für U-Boote, sondern das Flex Range Linear Motion Battle System aus Tales of the Abyss. Tales of Legendia hingegen verlässt sich auf ein X-LMBS (Crossover Linear Motion Battle System). Und Tales of Destiny 2 wiederum setzte auf TT-LMBS, wobei TT nicht für Tourist Trophy, sondern Trust and Tactics steht.

Und ich dachte immer, es würde reichen zu sagen, dass sich ein Tales wie das andere kämpft: alle großartig, wie Street Fighter mit Lebenspunkten und mehr Magie…

In der Grundsache gilt dies auch für das kommende Tales of Vesperia, dem in direkter, linearer Folge gezählten elften Teil. Der Könner und Kenner übersetzt es jetzt allerdings mit EFR-LMBS. Extended Flex Range LMBS. Genug der seltsamen Abkürzungen.

Sobald Eure wie gehabt knuffig bunte Heldenschar im Angesicht des Feindes steht, geht Ihr nicht direkt in Kampfrunden vor. Ihr bewegt Euch auf einer 3D-Ebene, nicht unähnlich der in Eternal Sonata. Eigentlich ziemlich ähnlich. So nah dran, dass der Verdacht nahe liegt, dass hier die Engine noch einmal aufgewärmt wurde. Vier Charaktere aus einem Pool von insgesamt acht verharren auf dem Feld, Ihr steuert aber erst einmal nur einen einzigen. Den Restlichen und ihrer KI könnt Ihr sehr dedizierte Anweisungen geben oder überlasst sie den Händen von drei Freunden.

Bis zu vier Spieler können erneut Tales spielen, was die Serie nach wie vor zu den wenigen Ausnahmen in dem eher einsamen Wölfen überlassenen Genre macht. Einen Online-Modus wird es zwar auch geben, dieser beschränkt sich jedoch leider auf kleine Minigames und Rankinglisten. Einen vollwertigen CoOp-Modus hebt sich Namco wohl noch für die Zeit nach Vesperia auf.

Die Figuren bewegen sich normalerweise auf einer Linie zu dem gerade fokussierten Feind, so wie Ihr es von Tales seit Ewigkeiten gewohnt seid. Das Extended steht wohl für die Möglichkeit, den linken Stick gedrückt zu halten. Jetzt befindet Ihr Euch im Free Run und dürft die gesamte Ebene ablaufen, um einen besseren Angriffswinkel zu suchen. Gewöhnungsbedürftig, aber schon die Abyss-Variante zeigte, dass man sich damit anfreunden kann.

Eine schöne Idee ist die Möglichkeit, Fertigkeiten von Waffen und Rüstungen zu „lernen“. Benutzt Ihr solche Gegenstände lange genug, übertragen sich irgendwann deren Eigenschaften auf Euren Charakter, selbst wenn er die Waffe danach ablegt. Magie kommt erneut in Form von Artes. Nennt es einfach Magie und verteilt bis zu acht Sprüche für den schnellen Zugang über den A-Button, lenkt die Richtung und Spruchart über die Sticks. Neu dabei sind die Burst Artes, oder, wie ich es einfacher übersetze, kräftige Varianten der normalen Sprüche.

Dafür muss der Overlimit-Balken gut gefüllt sein, etwas, das ebenfalls aus anderen Tales-Spielen und einer Vielzahl von Beat´em´Ups bekannt ist. Und ein Blick auf das nach wie vor recht hektische und aktive Geschehen reicht, um zu sehen, dass ich diesen Vergleich nicht umsonst ziehe.

Zählt Ihr Euch zu den Schachspielern der Rollenspielwelt und wollt in Runden denken und ziehen, hat Euch auch die neue Generation von Tales nicht viel zu bieten. Spieltiefe ist dabei sicher mehr als genug vorhanden, nur will sie schnell eingesetzt sein.

Beim Kampf blieb also bis auf einige Details alles beim Alten, wie steht es mit dem Rest? Ein persönliches Hemmnis der Freude an den PS2-Tales waren die endlosen Ladezeiten und partiell potthässlichen Oberwelten. Namco sah dies wohl ähnlich und verwendete viel Liebe auf die Welt außerhalb des Konflikts.

Grüne Wälder, satte Wiesen, schicke Berge und das alles nach nur wenigen Sekunden des Wechsels zwischen Kampf und Karte. Sollte sich hier nicht viel ändern, dürfte dies wohl das am flüssigsten zu spielende Tales seit den Modul-Varianten werden.

So erkundet sich die, in sicher nicht von allen geliebten Cell-Shading-Look gehaltene, Welt wesentlich leichter und zügiger. Ich zähle nicht zu den Cell-Shading-Hassern und denke stattdessen, dass Namco hier einen traumhaften Job abliefert.

Kräftige Farben für satten Look, klare und nicht zu experimentelle Charakterkonzepte und wunderschöne Städte und Landschaften, in die man praktisch sofort einziehen oder zumindest campieren möchte. Selbst die Dungeons würde ich nicht sofort von der Hand weisen, so behaglich gerieten sie. Fast schon zu viel des Guten, um Bedrohung und Gefahr auszustrahlen.

Praktischerweise dürft Ihr auch wieder eine ganze Reihe von Dingen anstellen, um Euch in der Tales-Welt noch heimischer zu fühlen. Ihr findet Rezepte, um leckere und Lebenspunkte spendende Sandwichs zuzubereiten oder sammelt Berge von Monsterüberbleibseln ein, um sie zu neuen praktischen Gebrauchsgegenständen zu formen. Damit dies nicht zu einem Glücksspiel ausartet, geben Euch freundliche Händler Tipps, was Ihr braucht, was Ihr dafür bekommt und vor allem auch, wen oder was Ihr dafür töten müsst. Wenn doch alles in der Welt so einfach wäre.

Bleibt zum Schluss noch ein Blick auf das große „warum“ eines Rollenspiels. Fassen wir es kurz. Held ist unzufrieden mit faschistoidem Staatswesen und kämpft mit Freuden auf beiden Seiten des Systems gegen übermächtige Feinde. Werft noch die obligatorisch umkämpfte Magiesubstanz, diesmal „Blastia“ dazu – ein gutes Beispiel, dass in Rollenspielen ALLES als Name durchgeht – und Ihr dürftet im Großen und Ganzen da sein. Außer Namco hat noch einiges in petto. Wovon auszugehen sein dürfte.

Und damit war, ist und wird Tales einfach Tales. Eine Serie, die sich in den Kopf gesetzt hat, ohne Revolutionen und großartige Umbrüche Selbstperfektionierung anzustreben. Und was soll ich sagen, allem Anschein nach geht es mit Tales of Vesperia einen weiteren Schritt auf diesem Weg. Sollte es Namco gelingen, die kleineren Macken von Abyss auszubügeln und eine lohnende Geschichte um das bekannte Gerüst zu schmieden, wird man fast am Ziel angekommen sein. Das Extended im langen Namen des Kampfsystems macht selbiges vielleicht sogar noch dynamischer und etwas taktischer, die Optik überzeugt jetzt schon, Japan-Rolli, wie Ihr es von der fernen Insel kennt. Ob Ihr es auch liebt, bleibt Euch überlassen, ich für meinen Teil habe große Hoffnungen für die elfte Saga.

In den USA und Japan wird Tales of Vesperia bereits im August erscheinen, bei uns verschiebt sich der Start bis Anfang 2009. Die Ankündigung für PS3 wurde in inzwischen von Namco dementiert, somit dürfte die exklusive 360-Version in Japan für ein paar mehr Xbox-Umsätze sorgen.

 

 

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