MotorStorm Pacific Rift

Review
Plattform
PS3
Vertrieb
Sony Computer Entertainment
Entwickler
Evolution Studios
Genre
Andere
PS3: MotorStorm: Pacific Rift

Gesamtwertung

7/10

PS3: MotorStorm: Pacific Rift

Rasant brettere ich mit meinem Buggy im wahrsten Sinne des Wortes über Stock und Stein. Rechts die rauchenden Felder eines scheinbar inaktiven Vulkans, links die steilen Abhänge des Gebirges. Der Wagen liegt unruhig auf der Strecke, wird gut durchgeschüttelt. Der fetzige Soundtrack brummt aus den Lautsprechern und sorgt für einen hohen Adrenalinpegel. Und plötzlich braust ein durch die Luft fliegender Schulbus über mein vergleichsweise kleines Vehikel hinweg. Moment mal, ein Schulbus? Exakt, ein Schulbus! Ein solcher Anblick ist doch immer irgendwie faszinierend und verleitet mich für einen kurzen Augenblick dazu, die vor mir befindliche Strecke zu vergessen. Ein Fehler, wie sich alsbald herausstellt. Mein Buggy rast in eine kleine Felsformation und löst sich in seine Einzelteile auf. Räder schwirren durch die Luft. Die Verkleidung springt ab. Der Fahrer wird hinausgeschleudert.

Keineswegs ein seltener Vorfall. Nicht nur bei meiner oftmals riskanten Fahrweise, sondern ebenso bei den Kontrahenten. Speziell solche Situationen sind es nämlich, die den PS3-Launchtitel MotorStorm vor einem Jahr ausmachten. Und der Nachfolger Pacific Rift schlägt wenig überraschend in die gleiche Kerbe. Harte Zweikämpfe, fiese Schubser, eindrucksvolle Kollisionen und fliegende Schrottteile sind hier erneut an der Tagesordnung. Und doch bleibt der zweite Teil ein gutes Stück hinter seinen Möglichkeiten zurück.

Ein neuer Schauplatz hier, ein paar neue Fahrzeuge da. Und zusätzlich noch mehr Strecken. Das war es im Prinzip schon mit den Neuerungen. Leider, denn wie die Konkurrenz zeigt, ist doch mittlerweile in diesem Genre so viel mehr möglich. Warum darf ich nicht optional wie in Pure meine eigenen Vehikel zusammenschrauben? Warum gibt es keine individuellen Lackierungen wie in Forza Motorsport 2? Und warum beschränkt man sich auf eine solch kleine Auswahl an Spielmodi? Mehr Individualisierung, mehr User-Content und ein paar verrücktere Events würden perfekt in diese Thematik passen.

Die „Kampagne“ von MotorStorm: Pacific Rift beschränkt sich somit auf ein Standardrepertoire an Rennvarianten. Ganz gewöhnliche Rundkurse etwa, die zwei Durchgänge andauern. Selbige sind auch vornehmlich anzutreffen, während gelegentlich „Eliminierung“ – der Fahrer auf dem letzten Platz fliegt nach gewisser Zeit raus – und Geschwindigkeitsrennen durch mehrere Checkpoints für Abwechslung sorgen sollen. Kurzfristig mag das der Fall sein, aber letztendlich absolviert man wieder nur Rennen um Rennen auf den gleichen, mit mehreren Routen ausgestatteten Strecken. Eigentlich schade, denn mit den vielen Sprungschanzen könnte man in der Theorie allerlei lustige Dinge anstellen. Einige Anregungen dafür liefert sogar das im Hintergrund des Menüs ablaufende Renderfilmchen. Kleines Beispiel: Ein Wagen wird per Katapult beschleunigt und landet nach einem Sprung über eine Schanze im Wasser. Warum man solche Dinge im Spiel selbst vergeblich sucht, wissen wohl nur die Macher.

Was Pacific Rift noch mit seinem Vorgänger verbindet, ist der steigende Schwierigkeitsgrad. Anfangs hat man so gut wie keinerlei Probleme, den ersten Platz zu belegen. Doch schon bald werden die Strecken herausfordernder, Gegner härter, Rennen unberechenbarer. Je weiter man die Karriereleiter nach oben klettert, desto öfter wird man ein Event wiederholen müssen. Nur, wenn man die Strecken, ihre Eigenheiten und die einzelnen Wege genau kennt, kann man sich am Ende behaupten. Punkte verdient nämlich nur, wer die erste, zweite oder dritte Position belegt. Eben jene Zähler wandern auf das eigene Punktekonto und helfen dabei, den nächsten Rang zu erreichen. Und sie sind bitter nötig. Ohne Punkte kein neuer Level. Ohne neuen Level keine weiteren Strecken.

Aus den 16 zur Verfügung stehenden Strecken quetscht man dabei alles raus, was nur irgendwie möglich ist. Das Spiel teilt sich in der Kampagne auf vier verschiedene Zonen mit jeweils 24 Rennen auf. Macht insgesamt 96. Earth und Water Zone führen vorbei an malerischen Küsten, riesigen Wasserfällen, tiefen Canyons, über hohe Abgründe hinweg und durch saftige Dschungelabschnitte. In der Air Zone schickt man das Fahrerfeld in luftige Höhen. Auf waghalsige, in grauen Farbtönen gehaltene und mit gelegentlichen Rauchsäulen versehene Strecken, die kaum einen Fehler verzeihen. Sofern man mal eine Kurve verpasst, erhält man als Belohnung einen Freiflug in den Abgrund - garantiert ohne Bonusmeilen. Und die Fire Zone, letztes Areal der Welt von Pacific Rift, sorgt mit ihren rot-orange glühenden Lavaströmen, die sich durch die Landschaft ziehen, für allerhand gefährliche Situationen. Weder Vehikel noch Geschwindigkeitsboost kommen mit der Umwelt wirklich gut zurecht. Fahrzeuge verglühen in Sekundenschnelle in dem flüssigen Gestein und fangen in der Nähe bei aktiviertem Turbo schneller Feuer.

Im Hinblick auf den Vorgänger ist also zumindest die optische Abwechslung gewährleistet. Und sehr schön sehen die unterschiedlichen Szenarien definitiv aus. Zumindest, wenn man das Ganze in Bewegung betrachtet. Gerade am Start und bei Unfällen treten allerdings deutlich sichtbare Schwächen ans Tageslicht. Unscharfe Bodentexturen mag man den Entwicklern angesichts der großen Rundkurse und hohen Weitsicht noch ein wenig verzeihen. Wenn es jedoch um Blattwerk, Gebüsche oder Gräser geht, sehen flache Bitmaps einfach nur hässlich aus. Die eigentlichen Stars des Spiels – alle zwei- und vierrädrigen Vehikel – glänzen sehr zur Freude der Augen mit hoher Qualität, diversen Deteails und scharfen Texturen. Das merkt man ihnen besonders bei Unfällen an, in Folge dessen alle möglichen Teile von ihnen wegfliegen.

Und wo wir gerade beim Thema sind: Gegenüber dem Vorgänger hat man den Fuhrpark ein wenig aufgestockt. Motorräder, Quads, Buggys, Rally-Wagen, Renntrucks, Geländewagen, LKWs und Monstertrucks tummeln sich nun auf den Strecken. Selbige dienen keinesfalls nur als optisches Schmankerl, sondern steuern sich allesamt einzigartig. Das Fahrgefühl ist in jedem der motorisierten Beförderungsmittel ein wenig unterschiedlich. Motorräder lenkt man zum Beispiel sehr direkt, ist dabei rasend schnell unterwegs und hat sie dennoch relativ einfach unter Kontrolle. Ein gutes, elegantes und relativ sanftes Kurvenverhalten weist neben dem Buggy logischerweise der Rally-Wagen auf. Diese müssen schließlich auch im realen Leben gut um Abzweigungen schlittern können.

Etwas schwerfälliger rattern da schon die Trucks und natürlich LKWs durch die Landschaft. Hier ist insbesondere ein gutes Timing in den Kurven gefragt, ansonsten knutscht man frontal die Wand. Generell gilt: Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase hat man die Fahrzeuge mit Gaspedal, Turbo, Bremse und Handbremse durchaus im Griff und lenkt sie ihrer Attribute entsprechend angenehm um die Piste. Nichtsdestotrotz bleibt die Beherrschung obgleich des vielfältigen Streckendesigns und der aggressiven Gegner stets herausfordernd.

Des Weiteren verfügt der gesamte Fuhrpark über individuelle Vor- und Nachteile. Der große Schwachpunkt der Motorräder und Quads ist etwa ihre extreme Anfälligkeit gegenüber den anderen Rasern. Ein paar Schubser und der Fahrer landet im Dreck, am nächsten Felsen oder unter dem verfolgenden Monster Truck. Dafür beschleunigen sie neben den anderen normalen Fahrzeugen - also jene, die nicht zwei- oder dreimal so groß sind - recht schnell und haben daher nach Unfällen einen gewissen Trumpf in der Hand. Und zum Monster Truck lässt sich eigentlich nur eines mit Sicherheit sagen: Ist etwas im Weg, seien es nun Bikes, Autos oder Baumstämme, macht man es einfach platt. Ausgenommen sind natürlich ähnliche Vehikel vom Schlag eines LKW oder Monster Trucks.

Ein großes Manko des Vorgängers hat man mit den Ladezeiten spürbar verbessert. Statt echter 3D-Modelle wird nun anhand flacher Bilder gezeigt, wie das Design des Fahrzeugs aussieht und mit welcher Lackierung es ausgestattet ist. Auf die Finger hauen sollte man den Entwicklern derweil für ihren Fotomodus. Der funktioniert zwar prinzipiell einwandfrei, trotzdem muss anschließend jedes geschossene Motiv nochmals einzeln in die XMB der PlayStation 3 exportiert werden. Das kostet unnötig Zeit und nervt nach einer Weile. Selbst WipEout HD schafft ohne Probleme eine direkte Ablagerung der Screenshots im Systemmenü.

Ich mag das Spiel wirklich gerne. Das Feeling der wie eh und je intensiven Rennen und der verbissenen, harten Kämpfe um jede Platzierung fängt MotorStorm: Pacific Rift zwar perfekt ein, lässt im Gegenzug aber trotz seines weiterhin gelungenen Gameplay hinter dem schmucken Tapetenwechsel kaum Neues erblicken. Wenn man MotorStorm durchgespielt hat, weiß man daher im Prinzip auch, was in Pacific Rift auf dem Programm steht. Keine Innovationen. Keine „Mini-Spiele“. Keine Gimmicks.

Eigentlich schlummert das Potential deutlich spürbar unter der Oberfläche – nur durchbrechen will es nicht. Die Möglichkeiten sind, wie im Artikel dargelegt, zweifellos vorhanden. Für den dritten Teil wäre es vielleicht wünschenswert, wenn sich die Entwickler ein wenig mehr Zeit gönnen und ein paar sinnvolle Neuerungen präsentieren. Lasst die User basteln. Bietet ihnen ein paar spaßige Events und zusätzliche Rennvarianten zur Abwechslung an.

MotorStorm: Pacific Rift erscheint am 7. November exklusiv für die PlayStation 3. Viele weitere Screenshots aus dem Fotomodus findet Ihr in unserer Screenshot-Galerie zu MotorStorm: Pacific Rift (eurogamer.de)

 

 

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