Shaun White Snowboarding

Review
Plattform
PS3
Genre
Sport
PS3: Shaun White Snowboarding

Gesamtwertung

5/10

PS3: Shaun White Snowboarding

Als ich vor gut einem halben Jahr zum ersten Mal auf dem Balance Board von Wii Fit stand, war mein erster Gedanke: "Na, das ist doch wie geschaffen für ein Snowboard-Spiel." Heute, eben sechs Monate später, stehe ich wieder auf dem Balance Board, halte dieses Snowboard-Spiel in den Händen, es hört auf den Namen Shaun White Snowboarding: Road Trip - und es zeigt, dass das Balance Board tatsächlich wie geschaffen für ein Snowboard-Spiel ist. Wie geschaffen, mit ganz leichten Abstrichen.

Was das kleine, weiße Brett bestens kann, dürfte offensichtlich sein. Es erlaubt Euch, allein mit Euren Füßen und Beinen sowie der entsprechenden Gewichtsverlagerung und Balance durch den virtuellen Schnee zu brettern. Lehnt Ihr Euch in Richtung des Abhangs, fahrt Ihr schneller, bewegt Ihr Euren Körper zum Berg hin, vermindert sich die Geschwindigkeit.

Durch Verlagerung des Gewichts nach vorne oder hinten beeinflusst Ihr die Richtung, während Euch ein plötzliches Strecken der Knie in die Luft katapultiert. Im Sprung dreht Ihr Euch, indem Ihr die Fersen oder Zehenspitzen hebt, durch das Drücken von A, B oder A plus B vollführt Ihr zusätzliche Tricks. So einfach ist das.

Vor dem Aufsteigen muss das Balance Board lediglich kalibriert werden, dabei dürft Ihr zudem wählen, wie sensibel das Gerät auf Eure Bewegungen reagieren soll. Welche Einstellung Ihr auch wählt, die Steuerung funktioniert durchweg außerordentlich gut und nach kurzer Eingewöhnungszeit mit erstaunlicher Präzision. Das einzige, was der Snowboard-Ersatz natürlich nicht simulieren kann, sind die physikalischen Kräfte, die bei einer echten Abfahrt auf Euch wirken - insbesondere Fliehkraft und Reibung. Was das bedeutet? Nun, einfach formuliert: Ihr verliert anfangs bei allzu ausladenden Bewegungen schnell mal das Gleichgewicht und legt Euch im schlimmsten Fall auf die Schnauze.

Es ist wie in der Realität eben eine Portion Feingefühl gefragt, obwohl sich Road Trip ansonsten eher arcadig anfühlt und mehr Parallelen zu SSX als zu etwa Amped aufweist. Ihr reist im Zuge der Geschichte mit mehreren Freunden um die Welt, absolviert allerlei Herausforderungen und beweist Eure Fähigkeiten in diversen Disziplinen. Mal ist ein Wettrennen gegen andere Snowboarder oder die Zeit angesagt, mal müsst Ihr eine bestimmte Anzahl Trickpunkte erreichen, mal über die Piste verteilte Symbole aufsammeln.

Nichts Außergewöhnliches, aber der Umfang ist ordentlich, der Schwierigkeitsgrad ausgewogen und die Ministory ganz nett präsentiert. Die Strecken sind weitgehend linear, sehen dafür jedoch recht nett aus und an dem Geschwindigkeitsgefühl gibt es nichts auszusetzen.

Road Trip macht im Grunde nichts falsch, allerdings liegt das auch daran, dass es keine Experimente wagt, nichts Neues versucht. Das fällt besonders auf, wenn Ihr kein Balance Board besitzt und auf die Steuerung per Wiimote angewiesen seid. Die setzt zwar ebenfalls auf Drehen und Kippen, funktioniert ähnlich gut, aber das Spiel verliert viel von seinem Reiz, wenn das Ich-steh-ja-fast-auf-einem-Snowboard-Gefühl abhanden kommt. Dann ist es nur noch ein simpler Snowboard-Titel, von denen es in der Vergangenheit vielleicht schlichtweg ein paar zuviele gab. Darüber täuscht nicht einmal der gelungene Multiplayerpart inklusive Co-Op hinweg.

Im Ergebnis kann ich meine Eindrücke daher eigentlich nur so zusammenfassen: Wenn Ihr seinerzeit Wii Fit gekauft habt und seitdem das Balance Board bei Euch rumsteht, kauft Euch Road Trip! Es macht Spaß, es fühlt sich toll an und es ist vielleicht das Beste, was für den zusätzlichen Controller jemals erscheinen wird. Müsstet Ihr hingegen allein auf die Wiimote zurückgreifen, fällt die Entscheidung schwerer, weil es unter den Umständen nur ein Snowboard-Spiel von vielen ist. Immerhin ist die Wii-Version selbst dann ein ganzes Stück besser als ihr 360/PS3-Pendant. Mehr dazu auf der folgenden Seite.

Wii:

Auf Xbox 360 und PlayStation 3 soll Shaun White Snowboarding ein bisschen wie skate sein, habe ich gehört. Ein wenig wie Amped und wie Burnout Paradise übrigens auch. Es soll voll und ganz auf Realismus setzen, Euch allein entscheiden lassen, was Ihr wann machen wollt. Und es soll Freiheit bieten. Viel Freiheit. Außerdem verwendet es das Beste von Assassin's Creed: Die Engine.

Tatsächlich ist der erste Eindruck überwältigend. Vor Euch, neben Euch, hinter Euch hunderte Meter Schnee. Schnee, der nur darauf wartet, von Euch erkundet, von Euch befahren zu werden. Mein selbst erstellter Charakter steht nahe eines Gipfels und ich kann den Schnee förmlichen riechen. Ich habe den Eindruck, die kalte Luft des Berges zu spüren, sie ein- und auszuatmen. Die Freiheit - sie gehört mir.

Nachdem ich dieses Gefühl auf mich habe wirken lassen, steige ich auf's Board, schnalle meine Stiefel fest und fahre los. Langsam, man will sich ja nicht gleich blamieren, dann schneller, immer schneller. Ein erster Sprung, gleich mal gemault, egal, aufstehen, weiter. Es sieht so gut aus, es klingt so gut, es fühlt sich so gut an.

Der nächste Sprung gelingt, ich wage mich an einen Trick, auch der glückt. In der Ferne erkenne ich einen Baumstamm, ich steuere gefühlvoll auf ihn zu, setze zum Sprung an, will über ihn grinden. Ich springe, hebe ab und... nein, wirklich, ich hebe ab. Nicht einen halben Meter, nicht einen ganzen, sondern sicher fünf, sechs, acht. Senkrecht in die Luft.

Zu diesem Zeitpunkt wird mir klar: Irgendetwas stimmt hier nicht. Hinter der tollen Fassade verbirgt sich ein weitaus weniger tolles Spiel und das ist keine Enttäuschung, sondern eine Katastrophe. Denn Shaun White Snowboarding hätte DER Snowboard-Titel schlechthin werden können. Allein, er ist es nicht.

Das liegt an einer Vielzahl von Gründen und einer dieser Gründe ist die Steuerung, die eigentlich so simpel klingt und schnell erlernt ist. Der linke Analogstick zum Lenken, der rechte für Grabs, der rechte Trigger zum Springen - das war's schon fast. Für ein Spiel, das sich so betont dem Realismus verschrieben hat, ist die Steuerung beinahe zu simpel, resultieren die einzigen Tücken und Stolpersteine doch anscheinend aus Programmfehlern oder seltsamen Reaktionen, die Ihr nicht vorausahnen könnt. Das Geschwindigkeitsgefühl lässt ebenfalls zu Wünschen übrig.

Auch die vier wahrlich riesigen Berge des Spiels, die Ihr komplett frei erkunden könnt, halten nicht vollkommen das, was sie versprechen. Ja, die Freiheit ist beeindruckend. Ja, die Integration von Multiplayer-Herausforderungen in das Singleplayerspiel ist im Prinzip gelungen.

Aber auf der anderen Seite verbringt Ihr mehr Zeit damit, Euch den Weg zur nächsten Challenge zu bahnen, als wirklich Eure Snowboard-Künste unter Beweis zu stellen. Das Erkunden wirkt forciert, der Schwierigkeitsgrad künstlich in die Höhe getrieben und die Bewertung Eurer Leistung ist nicht immer verständlich.

Ich könnte noch lange so weitermachen, ich könnte ebensogut die vermeintlichen Stärken preisen, aber letztendlich ist es das einfach nicht wert. Denn wo ich darüber nachdenke, hat Shaun White Snowboarding vielleicht mehr mit Assassin's Creed gemein als nur die Engine. Es baut auf eine spannende Idee, ein faszinierendes Gesamtkonzept, stolpert dabei jedoch über seine eigenen Ambitionen. Möglicherweise hätte ein halbes Jahr mehr Entwicklungszeit dem Titel gut getan, aber das werden wir wohl frühstens beim Nachfolger erfahren. In dieser Form jedenfalls sind es vor allem Steuerung, Fahrgefühl, Leerlauf und kleine Bugs, die das großartige Potential im Schnee versinken lassen.

Xbox 360/PlayStation 3:

Shaun White Snowboarding ist im Handel für Wii, PS3, Xbox 360, PSP, DS und PC erhältlich.

 

 

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