Armed Assault 2

Preview
Vertrieb
Peter Games
Entwickler
Bohemia Interactive
Genre
Shooter
PC: ArmA 2

PC: ArmA 2

Kürzlich stritten (eurogamer.de)sich Codemasters und Bohemia Interactive über die Bezeichnung von Operation Flashpoint 2 als „offiziellen Nachfolger“ zu OFP. Wenn Ihr mich fragt, interessiert das sowieso niemanden. Die Zielgruppe, für die solch realistische Shooter gedacht sind, weiß vermutlich längst genauestens über jedes Detail der Titel Bescheid. Und den Spontankäufern dürfte es relativ egal sein, welches Spiel sich nun als Nachfolger zu „Titel XYZ“ bezeichnet. Fakt ist, dass ArmA 2 verdammt viele Ähnlichkeiten zu seinem Quasi-Vor-Vorgänger hat.

Zugegeben, ich habe nur die Demo von Operation Flashpoint eine ganze Weile gespielt. Sobald man aber ArmA 2 anwirft, erwecken Interface, Dialogfenster, Kommunikation und dergleichen einen vertrauten Eindruck. Auch im Hinblick auf das Gameplay bleibt Bohemia seinen Wurzeln treu: „Realismus“ heißt das Zauberwort. Wer unbedacht vorgeht, betrachtet die Radieschen ganz schnell von unten.

ArmA 2 ist demzufolge kein Kinderspiel, das man mal schnell durchgezockt hat. Mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden will man zwar die einzelnen Spielergruppen zufrieden stellen, selbst auf dem einfachsten davon kann ein falscher Schritt aber schon den Tod bedeuten. Zum Beispiel dann, wenn man unüberlegt aus seiner Deckung kriecht und sofort von einem gegnerischen Fahrzeug durchsiebt wird. Viel Reaktionszeit bleibt da nicht mehr.

Vielleicht man hat jedoch Glück und ist lediglich verwundet. Hier springt eine neue Spielmechanik von ArmA 2 ein. Sofern man nicht gerade ein ganzes Magazin einstecken muss, geht man verwundet zu Boden und kann zu einer schützenden Position kriechen. Ist dann auch noch ein Kamerad in der Nähe, bringt er einen wieder auf die Beine. Natürlich kann man sich selbst ebenfalls als Sani betätigen, seine Mitstreiter aus der Gefahrenzone zerren und sie dann verarzten. Speziell in dem für vier Spieler gedachten CoOp-Modus soll das für wenige Frustmomente sorgen. Geht einer der Teilnehmer zu Boden, bedeutet das nicht automatisch das Ende für die Mission.

Beim ersten Feindkontakt in der Preview-Version zeigt sich derweil, dass Bohemia viel Arbeit in die künstliche Intelligenz gesteckt hat. Das „Micro AI“ getaufte System sorgt noch mehr dafür, dass sich die Gefechte realistisch anfühlen. Gegner vermeiden im Normalfall offene Flächen, bewegen sich von Haus zu Haus und nutzen konsequent die zur Verfügung stehende Deckung für ihre Zwecke.

Die Zeiten, in denen sie als bequeme Zielscheibe einfach mitten auf der Straße liegen, sind vorbei. In ausweglosen Situation nehmen sie auch gerne mal die Beine in die Hand und verabschieden sich aus dem Scharmützel. Speichern kann man dabei übrigens zu jeder Zeit, nebenbei legt das Spiel selbst automatisch Sicherungen an.

Je nach Mission beziehungsweise Fortschritt erhält man das Kommando über mehrere Infanterie-Squads und Fahrzeuge. Die Befehlserteilung geht recht locker von der Hand. Via Karte legt man Wegpunkte an und plant die strategische Vorgehensweise. Die einzelnen Teams melden wiederum Feindkontakte und geben an, wenn ein Gegner das Zeitliche gesegnet hat.

Selbst ohne die Karte teilt man seinen Mitstreitern relativ zügig neue Befehle zu. Entsprechende Einheiten per Tastendruck auswählen, Ziel via Fadenkreuz anvisieren und ab geht die Post. Auf diese Art und Weise befördert man die Jungs zu neuen Positionen oder lässt sie in ein Fahrzeug klettern. Theoretisch ist es sogar möglich, als Nicht-Kommandant einfach in der Wildnis zu verweilen, während der Rest des Teams der eigentlichen Aufgabe nachgeht. Ob das aber jemand macht, ist eher fraglich.

Ein nicht zu unterschätzender Faktor in ArmA 2 ist die Gesinnung der Bevölkerung des fiktiven, postsowjetischen Staates Chernarus. Sehen sie den Spieler als freundlich an, verraten sie im Gespräch mitunter wichtige Informationen, zum Beispiel über die Position feindlicher Stellungen. Ohne Dolmetscher kommt man dabei jedoch nicht weit. Im schlimmsten Fall erheben sie sogar ihre Waffen und gehen gegen einen vor. Davon abgesehen folgen sie ihren „normalen“ Beschäftigungen. Zivilisten marschieren fröhlich über die Straßen oder joggen durch die Städte.

Missionstechnisch wird man unter anderem Dörfer und Gefangene befreien müssen, wobei in fast jedem Auftrag nochmal optionale Aufgaben zur Verfügung stehen, die die Erfüllung des Primärziels manchmal vereinfachen können. Wirklich viel Auswahl bot die Preview-Fassung diesbezüglich noch nicht. Im Einsatz „Trial by Fire“ beginnt die Reise etwa auf einem Flugzeugträger.

Nach einem kleinen Rundflug per Helikopter werden die Soldaten am Strand absetzt und sollen ein kleines Küstendorf besetzen. Kleines Detail am Rande: Bohemia achtet sehr auf die Soundkulisse, wodurch sich der Hubschrauber logischerweise von innen anders anhört als von außen. Selbst die Kameraperspektive in der Third-Person-Sicht resultiert je nach Position in einem unterschiedlichen Klang der Rotoren.

Auffällig ist, dass die Animationen zur Zeit teilweise noch einen etwas hölzernen Eindruck hinterlassen. Sinnvolle und überfällige Neuerung: Man kann mittlerweile im Laufen sein Schießeisen nachladen. Generell wurden insbesondere die Vehikel in ArmA 2 bis ins letzte Detail modelliert und hinterlassen einen fantastischen Eindruck.

Im Zusammenspiel mit den verwendeten Filtern und den scharfen Texturen sieht der Titel sehr ansprechend aus, braucht momentan aber auf höchsten Einstellungen noch einen starken Rechner. Inwiefern Bohemia in diesem Punkt noch für eine gute Optimierung sorgen kann, wird sich zeigen.

Operation Flashpoint und Armed Assault haben sich nicht zuletzt auch dank der Mod-Community über Jahre hinweg auf den Rechnern der Spieler gehalten. Dementsprechend fährt ArmA 2 wieder einen 2D-Missioneditor auf, mit dem man eigene Szenarien austüftelt und sich somit selbst Nachschub verschafft. Prinzipiell funktioniert das ganz einfach: Einheit auswählen, platzieren und schon lässt sie sich verwenden. Zusätzlich gibt es verschiedene Module, mit denen sich die Tierwelt oder die Haltung der Zivilisten festlegen lässt. Wer also still und heimlich durch eine Kuhherde an den Feind heranrobben will, muss nur ein wenig mit dem Editor rumspielen. Weitere Mod-Tools stehen erst später auf dem Programm, da sich Bohemia derzeit voll auf die Fertigstellung des Spiels konzentriert.

Man könnte sich nun natürlich ausführlich darüber streiten, ob jetzt Operation Flashpoint 2 oder ArmA 2 die Bezeichnung „Nachfolger“ zum ersten OFP verdient. Ich selbst kann über Codemasters' Spiel nicht urteilen, da ich bislang kaum Material davon gesehen habe. Würde man jedoch ArmA 2 den Namen Operation Flashpoint 2 verpassen, gäbe es vermutlich keinerlei Beschwerden von den Fans. Spielerisch geht ArmA 2 glatt als Fortsetzung durch – angesichts des gleichen Entwicklers keine große Überraschung.

ArmA 2 sieht toll aus, glänzt mit dem von Bohemia gewohnten Realismus und wird die Besitzer des Vorgängers und von Operation Flashpoint aller Wahrscheinlichkeit nach einmal mehr für lange Zeit vor den Bildschirm fesseln. Zumindest für letzteres wird die Community dank Missionseditor und Mod-Tools garantiert selbst sorgen.

ArmA 2 erscheint voraussichtlich im Mai für den PC.

 

 

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