Need for Speed Undercover

Preview
Vertrieb
Electronic Arts
Entwickler
Electronic Arts
PS3: Need for Speed Undercover

PS3: Need for Speed Undercover

Es ist immer eine Frage der Kausalität und der Rechtfertigung. Wenn ein Mann aus Leidenschaft tötet, ist er ein Mörder. Aber tötet er auf dem Schlachtfeld, dann wird er ein Held. Klaut Ihr ein Auto des Autos und des persönlichen Gewinns halber, seid Ihr ein Dieb. Klaut Ihr es, um einen Mafiaboss zu beeindrucken, seine Organisation zu infiltrieren und Eurem Job als Undercoveragent nachzugehen, dann... nun vielleicht kein Held, aber zumindest ein guter Cop.

EA versprach Euch eine ganz besondere Erklärung, warum Ihr Dinge mit Autos und Gesetzen tut, an die Ihr im richtigen Leben niemals denken würdet. Seien wir ehrlich: Sicher ist diese Ausrede plausibel und funktioniert moralisch gut bei einem Spiel, das Euch ohne Rücksicht auf Verluste mit 200 Stundenkilometern und mehr durch den Nachmittagsverkehr schickt. Aber wirklich spektakulär ist der Gedanke nun aber auch nicht so wirklich...

Ihr arbeitet also verdeckt für die Ordnungsmacht, wie auch schon der Untertitel Need for Speed Undercover subtil andeutet. Die Einsatzbefehle nehmt Ihr von prominenter Stelle entgegen: EA scheute keine Kosten und Mühen und engagierte Maggie Q, mehr oder weniger bekannt aus Mission Impossible III und Balls of Fury, informiert Euch zumindest in Grundrissen darüber, warum es für die Polizeiarbeit so wichtig ist, einen Typen mit einem schnellen Auto auf dem Highway zu versenken.

Die neue Rennvariante Highway-Battle führt Euch nach einer kurzen Abfolge von knackigen Soundeffekten und einer Ladung in kurzen Einstellungen abgepacktem Sekundenadrenalin direkt auf die Autobahn. Der Nachmittagsverkehr rollt zügig und ohne Staugefahr. Mütter auf dem Weg zum Einkaufen in ihren SUVS, eine Limousine steuert verdunkelt ihrem unbekanntem Ziel entgegen, Autos aller Größen und Arten wechseln die Spuren. Ein friedliches Bild, das Ihr und Euer Gegner empfindlich stören werden.

EA betont, dass der Verkehr keineswegs nur zum Ausweichen da ist, sondern Ihr ihn aktiv für Euren Vorteil nutzen müsst. Ihr könnt leicht Terror auf dem Highway verursachen, da eine eigene KI aller Fahrer auf der Autobahn ein Gefühl der Unvorhersehbarkeit erzeugen soll. Manche erschrecken sich und bremsen drastisch ab, andere versuchen die Spur zu wechseln und Euch den Weg freizuräumen. Natürlich wolltet Ihr längst durch die Lücke, die sich eben dadurch schloss.

Spannend wird es in den Momenten, sobald Ihr und der Gegner auf einer Höhe seid und beide Wagen kurzentschlossen versuchen, den anderen durch Schubsen und Drängeln in zeitraubende Unfälle zu verwickeln. Die Wagen halten viel Strafe aus, das Schadensmodell wird schnell Euren ehemals stolzen RS4 in ein hässliches Stück verbeultes, aber immer noch fahrbares Blech verwandeln.

In dem Modus dreht es sich nur an zweiter Stelle um das eigentliche Autorennen. Hollywood inszenierte in Filmen wie Bad Boys 2 das rasende Annähern an den Vordermann, das zur Seite reißen und mit heulendem Motor weiter beschleunigen. Brachial, tief am Boden, schnell. Es ist offensichtlich, wo man sich die Inspiration für den Highway-Battle holte. Und um diesem Versuch gegenüber gerecht zu sein: Die Jungs von EA haben dieses Gefühl und diese Optik gut eingefangen.

Um Euch aber noch eine gewisse Edge zu geben, warf man einen Blick in Richtung Shooterwelt und siehe da, jetzt gibt es Bullet-Time auch in einem Rennspiel. Auf Knopfdruck verlangsamt sich alles, die Welt verliert ihre Geschwindigkeitsschlieren und wird klarer. Sie scheint einzufrieren und es mag nur mein persönlicher Eindruck sein, aber das Fahrverhalten scheint sich ein wenig zu verbessern. Ihr könnt die Situation erfassen, entscheidet Euch und hebt den Finger nach dem eigentlich nur Sekundenbruchteile dauernden Manöver wieder an. Weiter im brachial-normalen Tempo.

Diese Highway-Rennen machen Spaß, keine Frage. Das Geschwindigkeitsgefühl stimmt, Ihr habt den Wagen unter Kontrolle, die nur sehr begrenzt verfügbare Zeitlupe holt Euch aus brenzligen Situationen. Aber auch wenn EA für spätere Phasen und Rennen mehr Verkehr und wirklich hinderliche Fahrzeuge verspricht, lässt sich nur schwer abschätzen, wie lange der Reiz anhält. Ihr rast geradeaus und versucht auszuweichen. Nach Möglichkeit noch zu gewinnen. Zum Glück spielen die Highway-Battles nur die Rolle der Würze in einem weit größeren Game.

Sobald Ihr ein Rennen verlasst, findet Ihr Euch in der fiktiven Welt der Tri-City-Area wieder, die Ihr frei und ohne Zwänge auf der Suche nach neuen Rennen und Missionen durchstreifen könnt. Ihr müsst keineswegs zwanghaft der Handlung folgen, sondern labt Euch an freien Rennen oder lenkt einfach so die Polizei auf Euer Fährte, nur um zu sehen, wie schnell Ihr sie wieder loswerdet.

Dabei geht es fair zu, denn auch die Computer-KI nutzt EAs nicht gerade bescheiden betitelte Heroic Driving Engine. Die Physik der Fahrzeuge setzt sich aus ungefähr 400 Komponenten zusammen, die das Gefühl der spezifischen Wagen auf die Straße bringt und dabei doch nicht zu sehr in Realismus, sondern ganz klar auf Arcade setzt. Hier finden sich Teile des weniger erfolgreichen Vorgängers Pro Street wieder aber auch Erfahrungen aus Vorgängern und eine ganze Menge Neugestaltung.

Das Ergebnis muss man jetzt nicht unbedingt heroisch nennen. Euch erwartet ein sauberes, gut steuerbares und homogenes Action-Fahrfeeling, dessen Wurzeln bis zu den allerersten Teilen der Serie zurückreichen und es Euch gerade bei den Highway-Rennen wissen lässt. Es mag nicht die Offenbarung und das endgültige Maß aller Dinge sein, als Fundament für einen Arcade-Simulationshybriden mit klarem Hang zu Erstgenanntem erfüllt es sehr gut seine Aufgabe und das für ein wie üblich reichhaltigen Angebot an fahrbaren Untersätzen.

Welche und wie viele Autos im finalen Produkt zu finden sein werden, wird sich zeigen. Bisher dreht man Runden im RS4, einem 60s Muscle Car und einen in bester Gone in 60 Seconds–Manier eigens entwendeten Porsche. Tuning-Packages, einzelnen Komponenten und vielleicht auch mal wieder irgendwelchen Tribals erlauben Euch, die Wagen nach Euren Vorstellungen anzupassen. Wie man es von Need for Speed halt erwartet.

Wie sich die Heroic Engine auf unterschiedlichen Böden anfühlt, findet Ihr in den vier verschiedenen Stadtbezirke heraus. Downtown und Industriehafen bieten hoch aufragende Kulissen, Kräne und Lagerkomplexe. Mögt Ihr die Vorstädte oder das freie Land voller Canyons, findet Ihr auf der Ostseite der Tri-City-Area mehr als genug Betätigung. Asphalt, Pflaster oder lose Böden vermitteln ihre speziellen Fahrverhältnisse fühlbar.

Dummerweise sehen sie noch nicht ganz so gut aus. Um es gleich vorwegzunehmen: Es handelte sich um eine Alpha-Version . Viel kann und muss sich noch an den aufpoppenden Gebäuden, dem eher geringen Detailgrad der Umgebung oder merklichen Rucklern gerade bei höheren Geschwindigkeiten ändern. Große offene Areale stellen auch andere Spiele mit hohem Tempo gut dar, eine unlösbare Aufgabe sollte die Verwandlung vom nicht ganz so hübschen Entlein in den strahlenden Schwan des Asphalts also auf keinen Fall sein.

Musikalisch liegt man dabei gut. Die Sounds stimmen, die Motoren heulen und der EA-Trax-Soundtrack in den Menüs und einigen Szenen bietet die obligatorische Auswahl. Während des Fahrens verlässt sich EA auf einen elektronischen, treibenden Beat, der sich der Situation anpasst, aber bisher fehlt hier einfach die Abwechslung. In allen Rennszenen, sei es nun auf dem Highway oder während einer ungeplanten Verfolgungsjagd, klingt es noch zu einheitlich, zu gleich. Nicht, dass Ihr so sehr Zeit hättet, während der Aufregung darauf zu achten.

Need for Speed Undercover entfernt sich ganz klar und mit Nachdruck vom Experiment Pro Street. Es geht zurück zu vielen Wurzeln und bedient sich aus Underground und den Urgesteinen. Der helle Look des im Gezeigten vorherrschenden Tageslichtes steht NFS gut – für meinen Geschmack besser als die nächtlichen Undergrounds –, nur zeigt es auch recht deutlich, dass man mit der Alpha optisch noch nicht dort ist, wo man mit einem solchen Titel heutzutage hin muss. Hoffen wir also, dass man hier noch ordentlich Hand anlegt, denn beim Fahrgefühl, den spannenden Highway-Jagden und der offenen Spielwelt gelang schon jetzt alles weit stimmiger als es sich Pro Street erhoffen könnte. Underground bietet viel Potential. Also los, EA, nutzt es, denn ich für meinen Teil freue mich dann auf die ersten Fahrten Ende des Jahres.

Need for Speed Undercover wird am 21.11.2008 für alles erscheinen, was eine DVD, Blu-Ray, UMD oder Modul abspielt.

 

 

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