Obscure II

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Playlogic International
Entwickler
Hydravision Entertainment
Genre
Action
PC: Obscure 2

Gesamtwertung

6/10

PC: Obscure 2

Kaum ein Filmgenre erfreut sich in den letzten Jahren einer solchen Beliebtheit bei der 16-30 Jährigen wie das der Horror-Filme. Ob nun Highschool-Schocker á la „Scream“ oder subtile Grusel-Kunstwerke wie „The Ring“; es gibt eine enorme Bandbreite an Rezepten um selbst gestandene Männer kreischen zu lassen wie die erste Reihe eines Teenie-Konzerts. Da ist es kein Wunder, dass auch die Spieleindustrie schon vor Jahren diesem Trend verfiel und die Zockergemeinde trotz der „Absatzbremse Altersbeschränkung“ fleißig bedient.

Aber was macht ein waschechtes Horrorspiel eigentlich aus? Das beklemmende Gefühl des lauernden Grauens, eine zum Schneiden dichte Atmosphäre und eine Story, die einen in den Bann zieht. Kurzum: Das Gefühl nackter Angst! Egal wie oft Publisher Playlogic vehement das Gegenteil behauptet, diese Eigenschaften fehlen Obscure 2. Somit ist es vielleicht ein Action-Adventure mit Schock-Momenten, aber kein Horrorspiel. Was unterscheidet den Titel also von gestandenen Klassikern wie Silent Hill oder Resident Evil? Dunkle Gänge und groteske Monster gibt es hier und da. Eine gut dosierte Menge Blut und einen Soundtrack, der unter die Haut geht, auch.

Ob es nun an den jugendlichen Hauptcharakteren mit ihrem teils zu lässigen Auftreten oder schlicht und einfach am Spielverlauf liegt: Nie schafft es so düster und beklemmend wie die Vergleichstitel zu wirken.

An Silent Hill 2 faszinierte die Tiefe der Geschichte. Fast litt man mit James Sunderland, als er seiner eigenen Vergangenheit nachjagte. Obscure 2 kommt jedoch im völlig anderen Gewand eines Teenie-Schockers daher. Ganz wie in den Vorbildern aus der Traumfabrik Hollywood setzt man weniger auf subtilen Horror, sondern auf Action, klischeehafte Charaktere und jede Menge lässige Sprüche. Daneben hat man den Grad an Action deutlich hochgeschraubt.

Hierfür bedient man sich nicht nur einem stattlichen Waffenarsenal, in dem man vom Knüppel bis zur Schock-Kanone alles findet, was das Herz begehrt. Auch die Geschwindigkeit scheint einfach größer. Diese Dynamik macht Obscure 2 zwar spielerisch unterhaltsam, nimmt dem Titel dafür aber viel vom düsteren Flair. Statt Euch also mit zittriger Hand durch menschenleere Landschaften stapfen zu lassen, jagt Euch das Spiel von einer Actionsequenz zur nächsten. Beispiel Türen. Welcher Mutant braucht schon Türen, wenn er gleich die ganze Wand einreißen kann. Fast entsteht der Eindruck, dass die schlauen Köpfe bei Hydravision den einen oder anderen Regisseur in ihren Kellern gefangen halten. In Sache Komposition stehen einzelne Episoden des Spiels so manchem Celluloidwerk in nichts nach.

Da durchstöbert man einen Gang im Wohnheim, allein erhellt vom fahlen Mondlicht, lange, schwarze Schatten fallen durch die großen Fenster auf die zerfetzen Körper zweier Studenten. Außer dumpfen Schritten auf dem schweren Teppich ist nichts zu hören. Jeder Resident Evil-Veteran weiß: Nichts ist bedrohlicher als die Stille. Zu Recht: Ein abscheulicher Fleischberg donnert mit ohrenbetäubendem Lärm durch das Glas und bäumt sich auf.

Beim ersten Mal braucht man noch eine fachmännische Reanimation. Auch beim zweiten Mal sorgen die Gegner noch für einen gehörigen Schreck. Allerdings wiederholen sich die Schockeffekte mindestens so oft wie die Sprüche der Akteure. Zu schnell entwickelt man Routine, wenn es darum geht, den mutierten Opfern „der geheimnisvollen Blume“ den Scheitel zu ziehen.

Verstärkt wird dieses Dilemma dadurch, dass Obscure 2 nur einen einzigen Schwierigkeitsgrad aufweist. Hat die mageren 10 Stunden Spielzeit also erst einmal hinter sich, offeriert das Spiel somit keinen Wiederholungswert.

Wie auch im ersten Teil dreht sich die Geschichte um die gezüchtete Pflanze, deren Sporen Menschen zu Furcht einflößenden Monstern mutieren lässt. Die Geschehnisse setzen zwei Jahre nach dem Vorgänger an. Mittlerweile hat es einige der Helden an die Universität verschlagen, wo sie unbeschwert die Freuden des Campus-Alltags genießen. Zu eben diesem studentischen Genuss gehört auch der Konsum verschiedener exotischer Kräuter – in dem Falle handelt es sich jedoch um eben jene Pflanze, die für die tragischen Geschehnisse an der Leafmore High verantwortlich war.

Und so kommt es, wie es kommen musste. Die Umwelt verschwimmt, ein Dröhnen erfüllt den Schädel und schon wacht Held Corey zwischen Nebelbänken und abgestorbenen Bäumen auf. Nach ein Paar wackeligen Schritten findet er seine bessere Hälfte Mei wieder. Auch sie hat von dem Tee genippt. Noch bevor beide „Wo sind wir?“ aussprechen können, sind die Schemen einer Kreatur wahrnehmbar. Sie zieht scheinbar einen Leichensack hinter sich her.

Moment mal! Seit wann strampeln Leichen und schreien um Hilfe? Also nichts wie hinterher. Wenige Schritte später finden sich die beiden Studenten in den verlassenen Hallen einer Schule wieder. Das Blut rinnt von den Wänden und die entstellten Leichen von Familienmitgliedern und Freunden kommen auf die beiden zu. Kaum ist dieser Schreck überwunden, preschen auf einmal mehrere Kreaturen aus dem Nichts und stürzen auf die Beiden zu.

So abwechslungsreich und viel versprechend diese ersten Schritte auch sein mögen, den größten Teil des Spiels lauft Ihr fortan in Third-Person-Perspektive einen Schauplatz nach dem anderen ab. Auf der Suche nach Schlüssel A für Tür B nehmt Ihr es nun mit kleineren Gruppen mutierter Mitmenschen auf. Diese warten selten mitten in der Landschaft auf Euch, sondern haben in der Regel ihren cineastischen Auftritt. Auf ein wenig uninspiriertes Kanonenfutter konnte man scheinbar trotzdem nicht verzichten.

Das ist umso ärgerlicher, da die Kämpfe selbst teilweise einfach zu hektisch ablaufen. Greifen mehrere Gegner auf einmal an, hat man selten die Chance, den Kampf unbeschadet zu überstehen und wegzurennen nützt ebenfalls nichts – die Biester sind meist zu schnell. Ein richtiges Kampfsystem gibt es dabei auch nicht. Lediglich das gut getimte Zuschlagen bestimmt darüber, wie schnell sich Eure Gesundheitsanzeigen am oberen Bildschirmrand röten.

In ruhigeren Momenten stoßt Ihr immer wieder auf das eine oder andere kleinere Rätsel. Wobei „Rätsel“ vielleicht der falsche Begriff ist. Es geht viel mehr darum, einfache Aufgaben wie das Knacken eines Passwortes durch einfaches Ausschlussverfahren zu bewältigen oder verschlossene Türen zu umgehen. Dafür müsst Ihr auf die persönlichen Talente eines jeden Charakters zurückgreifen.

Während die geschickte Mei keine Probleme hat, jegliche Schlösser oder Computer zu hacken, ist Amy Eure Wahl, wenn es um das Entschlüsseln von Botschaften geht. Sollte beispielsweise der direkte Weg einmal versperrt sein, kommt Coreys Spezialfähigkeit zum Einsatz. In bester Tomb Raider-Manier schwingt man sich von Vorsprung zu Vorsprung, erklimmt den Balkon und öffnet die Tür von der Innenseite. Zunächst muss der muskelbepackte Norweger Sven allerdings ein Paar Kisten zurecht rücken, die Corey nun als Plattform nutzt. Wer sich nicht mehr sicher ist, wessen Talent er benötigt, kann diese jederzeit per Charaktermenü im Inventar aufrufen.

Während die lineare Story voranschreitet, stoßen mehr und mehr Überlebende zu Euch, so dass Ihr letztendlich aus sieben Spielern wählen könnt. Dreh- und Angelpunkt vieler Kapitel ist daher eine Art Treffpunkt, an dem Ihr Eure Spieler beliebig oft austauschen und kombinieren könnt. Gleichzeitig bietet dieses „Hauptquartier“ jeweils die Gelegenheit, den Spielstand an speziellen Speicherpunkten zu sichern.

Kein Novum, aber ein wichtiges, wenn nicht das wichtigste Feature von Obscure 2, ist der aus dem ersten Teil bekannte Mehrspielermodus. Da die Charaktere jeweils zu zweit durch die Gänge streifen, schlüpft der zweite Spieler zu jedem beliebigen Zeitpunkt einfach in die Rolle Eures Begleiters. Gerade wenn es darum geht, gemeinsam mit der Umwelt zu interagieren, ist der zweite Spieler sogar beinahe unverzichtbar. So stemmt Ihr beispielsweise schwere Kisten beiseite, während Euer Partner die lichtscheuen Monster mit Hilfe des Projektorlichts in Schach hält.

Abgesehen von diesem Vorteil liegt das Flair des Multiplayer-Modus schlicht und ergreifend darin, dass er einfach mehr Spaß macht. Und nicht zu verschweigen, weil der Einspielermodus eine starke Schwäche aufweist: Die KI der Mitspieler. Eigentlich schafft es der digitale Freund auf den Gängen des Campus ganz gut an Euren Fersen zu kleben. Müsst Ihr unterwegs jedoch solche Hindernisse wie ein zweimal zwei Meter großes Loch in der Wand überwinden, ist er hoffnungslos überfordert. Auch während der Kämpfe sorgen Eure Helfer für einiges an Frust und blauen Flecken. Anstatt sich auf die Gegner zu stürzen, laufen sie beispielsweise stur in Euch hinein und kommen somit nicht vom Fleck, während Ihr die Dresche kassiert.

Größter Stolperstein beim Überleben sind allerdings weder die Mutanten, noch die seltsamen Sporen. Es ist die Steuerung! Kaum ein Raum, in dem man nicht den Überblick verliert. Die Kamera fängt Gegenstände und Türen teilweise gar nicht ein. Besonders auffällig ist diese Schwäche, wenn man den Trumpf des Spiels, den Multiplayer-Modus, genießen will.

Ärgerlicherweise fixiert die Kamera jeweils nur einen Spieler, was bei den schnellen und direkten Bewegungen der Charaktere zu häufig dazu führt, dass einer der Akteure im wahrsten Sinne des Wortes nicht im Bilde ist. Kommen dann auch noch Mutanten ins Spiel, kann man im Prinzip schon mal darüber nachdenken, wo doch gleich die letzte Speicherblume war.

Verschenktes Potential – es gibt kaum etwas Ärgerlicheres. Nicht nur, dass der Titel selbst verhunzt ist, er ist auch meist das Todesurteil für viele, eigentlich recht kreative Ideen. Selten war diese Floskel so angebraucht wie im Falle von Obscure 2. Der Horror-Trip selbst bietet knisternde Spannung und eine filmreife Inszenierung. Doch all das nützt nun einmal nichts, wenn der Titel etappenweise kaum spielbar ist. So verkommt selbst der beste Streifen zum B-Movie. Fans von Scream & Co werden über die Schwächen hinwegsehen können. Eingefleischte Horror-Jünger warten besser auf Silent Hill 5.

Obscure 2 ist für PC und PS2 im Handel erhältlich.

 

 

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