Naruto: Rise of a Ninja

Review
Plattform
XBOX 360
Vertrieb
Ubisoft
Entwickler
Ubisoft
Genre
Andere
X360: Naruto: Rise of the Ninja

Gesamtwertung

7/10

X360: Naruto: Rise of the Ninja

Neulich am Ramen-Stand:

Sasuke: „Und was willst Du dann tun?“

Naruto: „ Tja...genau darüber habe ich die ganze Zeit nachgedacht. Ich werd einfach über die Erde spazieren.“

Sasuke: „Was soll das schon wieder heißen?“

Naruto: „Du weißt schon, wie Caine in Kung Fu. Von Ort zu Ort gehen, Menschen treffen, Abenteuer erleben.“

Sasuke: „Und wie lange willst Du über die Erde spazieren?“

Naruto: „ Wenn es ewig dauert, werde ich ewig spazieren.“

Sasuke; (seufzt) „Dann hast Du Dich also entschlossen, Penner zu werden?“

Naruto: „Ich werde einfach Naruto sein, Sasuke. Nicht mehr und nicht weniger.“

Ihr werdet Euch an diesen Dialog erinnert fühlen, wenn Ihr mit Naruto über die Erde spaziert, Menschen trefft, Abenteuer erlebt und in Mülltonnen nach Geld sucht.

Ubisofts erstes Abenteuer zum offensichtlich hochgradig beliebten Anime Naruto – grob geschätzt derzeit 400 Folgen, still counting – stellt nicht nur den ersten Versuch eines westlichen Studios mit der Serie dar, es geht auch einen anderen Weg als alle vorigen. Die bisherigen Spiele, bevorzugt zur Sicherung des japanischen und amerikanischen Massenmarkts auf PS2 erschienen, appellierten fast ausschließlich an die kämpferische Seite des kleinen Ninjas. Ubisoft bietet Euch statt dessen eine Art familienfreundliches Ninja-GTA.

Man beginnt dabei die Story ganz vom Anfang an aufzurollen. Mir kam das sehr entgegen, schließlich kam ich vorher noch nie mit der Serie in Kontakt. Solltet Ihr dagegen aber zu den harten Naruto-Fans zählen, könnte Euch das ganze schon ein wenig zu vertraut vorkommen. Alle bekannten Charaktere werden der Reihe nach vorgestellt, sie zeigen die aus der Serie vertrauten Spleens und sogar die Euch wohl dann bestens vertrauten Animeszenen dürft Ihr hier noch einmal bewundern. Andererseits, möglicherweise wisst Ihr ja schon nicht mehr so genau, wie alles vor so langer Zeit begann und freut Euch über diese Reminiszens.

Am Anfang beginnen bedeutet hier aber auch, dass der Held Naruto in seinem Städtchen voller Ninjas – die nette, meist hilfreiche Sorte – noch als kompletter Aussenseiter sein Dasein fristet und auch im ortsüblichen Beruf nicht viel reißt. Eure erste Aufgabe besteht darin, wenigstens einen kleinen Teil der Bevölkerung davon zu überzeugen, dass Ihr nicht nur ein Freak, sondern ein nützlicher Freak seid. Diese erste Stufe der sozialen Leiter lässt sich erklimmen, indem Ihr für lokale Händler in der Stadt ein paar Münzen sammelt. Jede Menge Münzen. Ihr werdet die erste Stunde wenig mehr machen als durch Mülltonnen wühlen oder von Regendächern Kleingeld angeln.

Einen ungünstigeren und demotivierenden Einstieg in die Geschichte der Werdung eines Ninjas hätte man wohl kaum wählen können. Eine gute Sache hat die monotone Sammelei allerdings: Ihr könnt einen ersten ausgiebigen Blick auf Leaf-Village werfen und Ubisoft leistete hier wundervolle Arbeit. Es kommt selten vor, dass man beim Anblick seiner Spielumgebung spontan gute Laune bekommt, aber die farbenfrohe, sonnendurchflutete, detaillierte und mit Leben erfüllte Umgebung wird Euch sofort in Ihren Bann ziehen.

Die Bewohner können Euch vielleicht zu Beginn nicht leiden, trotzdem ist es ein Vergnügen zu betrachten, wie sie an den Straßenecken einen Schnack halten, ein Buch in der Sonne lesen oder Ihren alltäglichen Geschäften nachgehen. Wenn es zu Euren Kindheitsträumen gehört, Leaf Village zu besuchen, bitteschön: Näher als hier werdet Ihr nicht herankommen. Mit der Zeit und wachsenden Beweglichkeit Narutos turnt Ihr voller Forscherdrang über die Dächer und genießt die gleiche suchterzeugende Mischung aus Sammeln und Erkunden wie schon in Crackdown. Nur hier halt etwas kindgerechter.

Nach dem Ihr die Phase der Mülltrennung und des Münzensammelns überstanden habt, beginnt endlich das harte Ninja-Leben. Von den üblichen Verdächtigen der Serie werdet Ihr mit verschiedenen Questen bedacht, deren Ablauf sich stets ähnelt. Zuerst einmal müsst Ihr einen Zielpunkt erreichen und die Welt außerhalb des geschützten Städtchens machte es Euch nicht einfach.

Auf den Pfaden lauern zahlreiche Pendel, Spikes und Fallgruben, welche alle bei Kontakt an Narutos Lebensenergie zehren. Gutes Sprungtiming heißt das Gebot der Stunde, nur leider macht die Steuerung es nicht immer einfach oder auch nur fair. Im späteren Verlauf werden Euch einige äußerst präzise Folgen abverlangt, nur bekommt Ihr zum Arbeiten ein alles andere als feinfühliges Sprungverhalten. Mit ein wenig Übung lässt sich das alles überstehen, nur halt selten ohne Energieverlust.

Und diesen werdet Ihr schmerzlich spüren, wenn dann der erste Gegner Euren Weg kreuzt. Die normale Umgebungsansicht wechselt in eine begrenzte 3D-Arena, aus der es kein Entkommen gibt. Die Basics sind einfach: Schlag, hoher Schlag, Deckung und Sprung. Über Sieg und Niederlage entscheiden letztlich aber die zahlreichen Feinheiten. Die Computergegner werden Euch das Leben nie leicht machen und so müsst Ihr Euch als erstes die Kombos lernen.

Nach und nach kommen immer mehr dieser größtenteils schlichten Buttonkombinationen dazu und sie verschaffen Euch die nötige Luft, um Jutsu anwenden zu können. Dieses Äquivalent zu den Specialmoves in handelsüblichen Prüglern sieht hier, wie alles andere auch, phantastisch aus. Aufwendige Animesequenzen illustrieren die teilweise ins angenehm lächerliche gezogenen Ninja-Techniken. Die Ausführung bietet aber ein paar Haken.

Zunächst einmal müsst Ihr Euch mit einer Kombo Raum geben, dann den linken Trigger halten, mit beiden Analogsticks eine Bewegungsfolge ausführen und anschließend auch noch das Aufladen des Moves in Sekundenbruchteilen abpassen. Das klingt nicht nur hart, das ist es auch! Selbst wenn Ihr den Move ohne Störung von außen ausführt, gelingt er gelegentlich nicht sofort. Wenn dann noch eine etwas primitive KI mit Buttonsmasher-Angriffen auf Euch eindringt: Viel Glück!

Zwei Sachen retten die Anwendung der Jutsu dann doch noch: Zum einen könnt Ihr die des Computers genauso leicht stören, zum anderen laufen die Sequenzen nicht passiv ab. Die meisten Angriffstechniken lassen sich aktiv erschweren, so dass eine Verteidigung fast unmöglich wird. Solltet Ihr dagegen einen Angriff abbekommen, dürft Ihr versuchen, ihm zu entgehen. Bei jeder Technik läuft dies ein wenig anders ab, Spaß macht es fast immer.

Aufhören tut der Spaß allerdings bei dem wild variierendem Schwierigkeitsgrad. Die meisten Kämpfe zu Beginn werden kaum eine Herausforderung bieten. Mit Ausnahme des allerersten, wo Euch sofort und dank Eurer zu diesem Zeitpunkt zwangsläufig noch nicht vorhandenen Kenntnisse eine Lektion erteilt wird. Es scheint fast so als wollte Ubisoft jeden testen und nur wer die erste frustrierende Stunde übersteht, erweist sich der weiteren Ausbildung als würdig.

Danach geht es eine Weile fair weiter, bis in der zweiten Mission ein Typ mit einem riesigen Schwert aufkreuzt und Naruto zurechtstutzt. Der Kampf ist schlicht und ergreifend unfair, es gibt kein anderes Wort dafür. Ihr werdet ihn nicht sofort überstehen. Damit es in solchen Fällen trotzdem weitergeht, sammelt Naruto Mementos der definierenden Momente seines Lebens. Nachdem er zu Boden ging kann er sich ein solches ins Gedächtnis rufen, neue Kraft schöpfen und weiter geht es. Der Effekt passt perfekt in das Animesetting, wo die Helden ständig noch einmal aufstehen, sich an die Worte des Meisters erinnern und das Böse doch noch bezwingen. Spielerisch fühlt es sich billig an, fast ein wenig wie cheaten.

Im Zweispieler- bzw. Onlinemodus fällt dies zum Glück nicht ganz so sehr ins Gewicht, auch wenn man sich hier keine großen Innovationen einfallen lies. Die Onlinewelt zeigt Euch leider kein Leaf Village, sondern einen großen Turm, in dem man sich in Rankingmatches gegen Spieler aus aller Welt immer weiter nach oben drischt, bis der eigene Naruto wirklich zum größten Ninja der ganzen Welt aufstieg. Gemeinsame Missionen oder ähnliches werdet Ihr vergeblich suchen.

Ihr mögt Ninjas, seid richtig harte Kerle und spielt Ninja Gaiden blind durch, so wie es jeder echte Ninja tun sollte? Dann bekommt Ihr hier einen Urlaub in der Sonne: Story und Szenario nehmen sich entsprechend der Serie nie zu ernst, es gibt vieles zu entdecken und dank der phantastisch gut aussehenden Präsentation lohnt es sich auch stets. Bei der Kampf-KI solltet Ihr allerdings mit mehr als nur einem Moment des schlichten Frustes rechnen. Der Computer liebt billiges und schnelles Buttonsmashing und wird Euch anfangs häufig unfair auf die Bretter schicken. Solltet Ihr die etwas missglückte Anfangsphase aber überstehen, eröffnet sich Euch eine witzige Mischung aus Action, Adventure und RPG. Und falls Ihr Euch nicht trauen solltet, weil Ihr die Serie nicht kennt: Das ging mir bis zu dem Test auch so und trotzdem verbrachte ich viele angenehme Stunden im Leaf Village.

Die Reise von Naruto kann ab sofort auf der Xbox 360 angetreten werden. Planungen für Umsetzungen sind bisher nicht bekannt.

 

 

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