50 Cent: Blood on the Sand

Review
Plattform
PS3
Vertrieb
THQ
Genre
Shooter
PS3: 50 Cent: Blood on the Sand

Gesamtwertung

7/10

PS3: 50 Cent: Blood on the Sand

Schnell hechte ich an den rauchenden Trümmern auf der Straße vorbei und suche mir eine geeignete Deckung. Es liegt Blei in der Luft. Reihenweise Kugeln zischen durch das Areal, während ich meinen Schädel einziehe. Mörsergeschosse schlagen immer wieder in unmittelbarer Nähe ein, donnern in den Ohren. Und plötzlich tauchen auch noch Kampfjets am Himmel auf, die über meinen Kopf hinweg rauschen und ihre tödliche Fracht abwerfen. Klingt nach dem üblichen Kriegsgeschehen. Ich bin aber weder Matt Baker noch irgendein anderer namenloser Soldat der Marke Call of Duty, der sich an den Frontlinien eines modernen Konflikts tummelt. Ich bin 50 Cent und führe einen kleinen Privatkrieg.

Schaut Ihr nun ungläubig? Denkt Ihr, ich will Euch auf den Arm nehmen? Würde ich diese Zeilen ohne irgendwelche Vorkenntnisse über 50 Cent: Blood on the Sand lesen, ginge es mir vermutlich ähnlich. Es hilft aber ungemein, wenn man bei diesem Spiel etwaige Vorurteile über Rapper beziehungsweise 50 Cent im Speziellen beiseite schiebt - und vielleicht auch sein Gehirn in den Standby-Modus versetzt. Den unterdurchschnittlichen Vorgänger sollte man mittlerweile sowieso aus seinem Gedächtnis verdrängt haben.

Die Hintergrundgeschichte von Blood on The Sand ist schon darauf ausgelegt, nicht für voll genommen zu werden. 50 Cent und seine Kumpels beenden zu Beginn des Spiels gerade ein fettes Konzert in einer fiktiven Wüstenstadt. Für so einen Auftritt muss man natürlich einen Haufen Geld locker machen. Verständlich, dass die G-Unit wenig begeistert ist, wenn jemand die dafür vorgesehene Kasse ausraubt.

Der Veranstalter bietet zwar einen mit Diamanten besetzten, unbezahlbaren Schädel als Ersatz an, doch auch der wird ihnen auf dem Weg durch die Stadt geklaut. Das bringt das Fass endgültig zum überlaufen. Der Gangsta-Rapper schnappt sich Maschinengewehr, Schrotflinte und Raketenwerfer, um seine Entlohnung persönlich zurückzuholen. Spätestens hier wird endgültig klar, dass man einen Fehler macht, wenn man dieses Spiel allzu ernst nimmt.

Und man mag es kaum glauben: Das Gameplay überzeugt! Angesichts der offensichtlichen Vorbilder ist das aber auch kein großes Kunststück. In der Third-Person-Perspektive von Deckung zu Deckung hechten und zwischendurch immer wieder Feinde unter Beschuss nehmen? Das ist ganz klar Gears of War. Gemeinsam mit einem Homie (auch via CoOp-Modus) auf die Jagd nach bösen Buben gehen und mit ihm gemeinsam verschiedene Aktionen ausführen? Wer jetzt an Army of Two denkt, liegt richtig. Schlussendlich gibt es da noch die Möglichkeit, wie in The Club Punkte zu sammeln. Erledigt man seine Widersacher mit Hilfe von Sprengstoff, explosiven Fässern oder Kopfschüssen, hagelt es ordentlich Bonuspunkte.

Scheinbar hat man also alle drei Spiele in den Mixer geworfen und als Resultat 50 Cent: Blood on the Sand erhalten. Dass alle drei Vorbilder indiziert sind, dürfte den meisten von Euch bekannt sein. Und auch THQs Actionspiel befindet sich auf dem besten Wege dahin, hat es doch keine Kennzeichnung erhalten. Kein Wunder, zimperlich geht es nämlich keineswegs zur Sache. So unrealistisch das Spiel im Grunde genommen auch sein mag, es richtet sich doch deutlich an Erwachsene. Spezielle Geschosse haften sich zum Beispiel an Gegner und sprengen sie in die Luft (ohne Splatter-Effekte), andere Arten von Munition oder Molotow-Cocktails verbrennen die Schergen bei lebendigem Leibe. Der regelmäßige Gebrauch des Wörtchens „fuck“ in verschiedenen Varianten gehört sowieso dazu.

Manch unlogische Situation setzen die Macher gar zu ihrem Vorteil ein und unterstreichen damit den leicht ironischen, mitunter gar parodistischen Unterton, der ständig zum Vorschein kommt. Auf seinem Feldzug verdient man sich zum Beispiel einen ganzen Batzen Bares, indem man diverse Kisten in ihre Einzelteile zerlegt. An Telefonen wird diese Knete dann wiederum in ein umfangreiches Arsenal neuer Schießprügel investiert. Fifty und sein Gefolge sind zuweilen sogar besser ausgerüstet als eine Spezialeinheit.

Insbesondere in einem brennenden, in sich zusammenfallenden Haus fällt so eine Waffenlieferung aber irgendwie schwer, was auch Fiftys Begleiter anmerkt: „Da ist ein Telefon, aber wie soll er hierher liefern?“ Man macht sich gar nicht erst die Mühe, eine halbwegs sinnvolle Erklärung zu finden. „Mir egal. Ich ruf jetzt an“, lautet die Antwort. Und das nimmt man einfach so hin, weil generell alles total überdreht ist.

Frei von Kritikpunkten ist Blood on the Sand neben all den Absurditäten leider nicht. Insbesondere die KI der Gegner sticht negativ hervor. In ihren wenigen hellen Momenten gehen die Widersacher in Deckung und arbeiten sich nach vorne. Wesentlich häufiger reagieren sie jedoch alles andere als intelligent. Ihr Verhalten ist letztendlich zu berechenbar. Man erahnt, an welcher Stelle sie immer wieder aus ihrer Deckung hervorschauen und muss nur auf den richtigen Moment warten. Flankenmanöver und sinnvolle Positionswechsel sind eine Seltenheit. Gefahr verbreiten sie nur dann wirklich, wenn sie in größerer Zahl auftreten. Insofern stellt das Spiel einen nicht vor allzu große Herausforderungen.

Auch der CoOp-Part kommt nur in begrenztem Umfang zur Geltung. Man hat Unterstützung im Gefecht, öffnet gemeinsam Garagentore und klettert Mauern hoch. Es erweckt den Eindruck, als hätte man hier insgesamt nur an der Oberfläche dessen gekratzt, was theoretisch mit diesem Mix aus verschiedenen Spielen möglich wäre. Komplexere, kombinierte Aktionen zur Lösung von Rätseln oder Herausforderungen werden nicht verlangt – verschenktes Potential. Außerdem unverständlich: Der kooperative Modus kann mangels Splitscreen-Option nur online gespielt werden. Gewöhnliche Spielvarianten wie Deathmatch, Capture the Flag und dergleichen fehlen gar komplett.

Was Blood on the Sand dennoch spielenswert macht, ist eben dieser Arcade-Charme, den der Titel versprüht und der sich durch das gesamte Spiel zieht. Neben dem bereits angesprochenen Punktezähler machen sich aufmarschierende Gegnergruppen zum Beispiel mit einer Alarmsirene und roten „GEFAHR“-Markierungen auf dem Bildschirm deutlich bemerkbar.

Für kurzweilige Abwechslung sorgen die so genannten „Szenarios“. Regelmäßig wird man vor Mini-Aufgaben gestellt und muss beispielsweise zwei Scharfschützen in vorgegebener Zeit ausschalten oder die Verstärkungen ebenso schnell eliminieren. Bei einem Erfolg vergrößert sich das Punktekonto, ein Misserfolg hat außer den entgangenen Zählern keine großen Auswirkungen.

Wenn Fifty und sein Wegbegleiter nicht gerade zu Fuß unterwegs sind, machen sie die Gegend im Jeep oder im Helikopter unsicher. Spielt man alleine mit der KI, kann man leider nur den Wagen lenken, während der Kollege das aufmontierte Maschinengewehr bedient.

An Bord des Hubschraubers sitzen hingegen beide Gangsta-Rapper an der Minigun und decken Panzer, Trucks und Soldaten mit einem Hagel aus Kugeln ein. Explodierende Fässer oder Gebäude sind natürlich ebenfalls mit dabei. In brenzligen Situationen hilft stets das "Gangsta-Feuer" weiter. Die Welt um 50 Cent herum bewegt sich nach Aktivierung nur noch in Zeitlupe, wodurch man gegebenenfalls schnell auf neue Geschehnisse reagieren kann. Und wenn man schon das Gameplay aus Gears of War größtenteils übernommen hat, darf auch die passende Engine nicht fehlen. Epics Grafikgrundgerüst erweckt 50 Cent: Blood on the Sand recht ordentlich zum Leben. Speziell die Charaktere sind wirklich gut gelungen, die Umgebungen sind meist ihn einem hellen Ton gehalten – schließlich geht es im Mittleren Osten zur Sache.

Der gute Gesamteindruck wird an einigen Stellen durch die zum Teil etwas matschigen Texturen gemindert. Insgesamt kann man sich über die Qualität kaum beschweren, besser als Shellshock 2 sieht es allemal aus. Zwischen Blood on the Sand und der epic'schen 360-Grafikreferenz klafft nichtsdestotrotz noch eine größere Lücke, speziell in Bezug auf die Geschmeidigkeit der Animationen oder die Detailverliebteit.

Fans des Gangsta-Rappers können sich zudem auf einen mehr als 40 Tracks umfassenden Soundtrack freuen, der das actionreiche Geschehen untermalt. Bei Nichtgefallen hilft nur eine Deaktivierung der Musik, Alternativen sind nicht inbegriffen.

Normalerweise kann ich mit Rapmusik recht wenig anfangen. Auch Blood on the Sand erweckte im Vorfeld nicht wirklich Interesse bei mir. Ich kannte keine Videos, nur ein paar Screenshots. Ich beschäftigte mich also relativ wenig damit. Zu unrecht! Mein vorläufiger Eindruck nach den ersten beiden Levels sah ungefähr so aus: „Genial!“. Blood on the Sand ist so herrlich absurd, dass es einfach nur Spaß macht, sich durch die Areale zu schießen. Eben jener Spaßfaktor, das gelungene Gameplay mitsamt unkomplizierter Balleraction und eine – wenn man sich darauf einlässt – geniale, unterhaltsame Trash-Story verhelfen dem Spiel zu dieser guten Wertung.

Eigentlich steckt aber noch viel mehr Potential in Blood on the Sand. Der CoOp-Modus hätte deutlich umfangreicher ausfallen müssen. Auch vermisse ich hier ein intensiveres Zusammenspiel der beiden Kämpfer im Gefecht, mehr gemeinsame Aktionen. Wenn man Garagentore hebt und Wände erklimmt, ist das durchaus nett. Alleine dafür hätte man ehrlich gesagt jedoch keine kooperative Variante gebraucht.

Die größtenteils stumpfsinnigen Feinde rauben derweil jeden Ansatz einer echten Herausforderung. Wenn ich mir nur aufgrund der Gegneranzahl wirklich Sorgen machen muss, stimmt irgendwas nicht. Es muss ja nicht gleich so taktisch ausfallen wie in Brothers in Arms, ein bisschen anspruchsvoller darf es aber dennoch sein.

Letztendlich fällt Blood on the Sand in die Kategorie „Hirn aus und genießen“. Man könnte es mit einem guten Action-Popcorn-Film vergleichen: Es hat seine Makel, ist aber leicht zu verdauende Unterhaltung und macht über die gesamte Spielzeit hinweg einfach Spaß.

50 Cent: Blood on the Sand ist im europäischen Umland bereits erhältlich. In Deutschland wird das Spiel mangels USK-Freigabe nicht veröffentlicht.

 

 

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