Battlefield: Bad Company

Review
Plattform
XBOX 360
Vertrieb
Electronic Arts
Entwickler
DiCE
Genre
Shooter
X360: Battlefield: Bad Company

X360: Battlefield: Bad Company

Lange hat sich DICE dagegen gewehrt, zu ihren Multiplayer-Krachern auch einen vernünftigen Single-Player abzuliefern. Da konnte die Fangemeinde so viel jammern wie sie will, Battlefield war von Anfang an ein reines Online-Vergnügen, und wer Lust auf eine richtige Offline-Kampagne hatte, musste wohl oder übel zu einer anderen Marke greifen. Erst als eine Konsolen-Umsetzung ins Haus stand, blieb den kreativen Schweden angesichts der vielen Offline-Spieler nichts anderes übrig. So wagte sich der Multiplayer-Spezialist mit Battlefield: Modern Combat auf unbekanntes Terrain und versagte auf ganzer Linie.

Vor allem der unpersönliche Ansatz und die viel zu starken Multiplayer-Parallelen torpedierten das Gameplay. Online machte das Ding natürlich genau so viel Spaß wie seine PC-Pendanten, doch die Einzelspieler-Erfahrung blieb profillos. Der umgekehrte Weg lief bei Infinity Ward dagegen tadellos. Die Call of Duty-Reihe bot stets beide Elemente und setzte ihrer Lösung mit dem vierten Teil ein Denkmal. Neben einer erstklassigen, wenn auch recht kurzen Kampagne definierte das amerikanische Team den Multiplayer neu und brach zur Belohnung jeden Verkaufsrekord.

Ein Ziel, das DICE nun mit ihrem reinen Konsolenableger Battlefield: Bad Company erreichen möchte. Erstmals steht die Solo-Erfahrung im Zentrum der Aufmerksamkeit und soll mit liebevoll gezeichneten Charakteren und einer richtigen Story mal wieder die Herzen der Shooter-Fans im Sturm erobern. Statt taktischer Bot-Gefechte protzt Bad Company mit jeder Menge bombastischer Zwischensequenzen, einer frischen Grafik-Engine, klugen KI-Gegnern und abwechslungsreiche Szenarien. Aber kann das Endergebnis genug überzeugen, um die angesetzten Schnitte im Multiplayer-Bereich auszugleichen?

Der erste Schritt auf dem Weg zu einer gelungenen Geschichte ist der Bruch mit den Gesetzmäßigkeiten des Shooter-Genres. Normalerweise sind Action-Spiele voller Stereotypen. Die Helden sind meist wortkarg, humorlos und nahezu unbesiegbar. Titel wie Epics Gears of War zeigen muskelbepackte Testosteron-Monster, die selbst die brutalsten Feuergefechte mit einem lockeren Spruch quittieren und für das Überleben der Menschheit kämpfen. Die Hauptdarsteller von Bad Company gehen da deutlich pragmatischer zur Sache und nutzen jede Gelegenheit aus, den Kriegswirren ihren eigenen Vorteil zu ziehen.

Von Anfang an desillusioniert, möchte die seltsame Truppe vor allem ihre Dienstzeit überleben. Das Auffangbecken für Einsatz-Versager und moralisch eher fragwürdige Zeitgenossen bekommt vom Oberkommando immer die dreckigsten Aufgaben verpasst, weil ihr Hintern als entbehrlich gilt. Sie sind Kanonenfutter, das immer an die vorderste Front geworfen wird, um die „richtigen“ Einheiten zu schonen. Da ist es nicht verwunderlich, dass die Gauner, angelockt durch einen gewaltigen Gold-Schatz, gleich nach den ersten Missionen das Weite suchen. Zu viert machen sie sich auf, die Söldner-Armee des so genannten Legionärs im Alleingang aufzumischen und am Ende mit vollen Taschen nach Hause zu fahren.

Die Geschichte erinnert dabei nicht von ungefähr an den Film „Three Kings“ mit George Clooney. Mit der gleichen Portion Humor spielen sich Preston Marlowe, Haggard, Sweetwater und Sergeant Redford in die Herzen der Fans. Jeder der vier „Elite“-Soldaten ist für ein anderes Vergehen strafversetzt worden. Ob der unautorisierte Einsatz von Sprengstoff, das Betreiben eines eigenen, kleinen Schwarzmarktes oder die mutwillige Zerstörung von Militäreigentum, wer in der B-Company landet, hat richtig in die Scheiße gegriffen.

Eure "traurige" Aufgabe ist es, den Frischling Preston Marlowe in die Schlacht zu führen, der gleich nach seiner Versetzung mit dem harten Armee-Alltag konfrontiert wird. In einem nicht näher definierten, ehemaligen Warschauer Pakt Staat führt die USA mal wieder einen kleinen Privatkrieg. Leider geht jede Menge schief und durch die Unfähigkeit der Militärführung gerät die illustre Truppe immer mehr in einen Schlamassel. Statt unorganisierter Rebellen trifft der Stolz der amerikanische Armee auf gut trainierte und ausgerüstete Söldner. Nur mühsam können deswegen in den ersten Missionen Flugabwehr- und Artillerie-Stellungen ausgehoben werden. Der Krieg ist eben kein Spaziergang, sondern knallhartes Business.

Wie in anderen Titeln zieht Ihr gemeinsam mit Euren „Freunden“ von einem Missionsziel zum anderen, zerlegt feindliche Einrichtung oder säubert ein bestimmtes Zielgebiet. Herumkommandieren könnt Ihr Eure virtuellen Kollegen leider nicht. Stattdessen laufen sie Euch wie Hunde hinterher und greifen recht sporadisch ins Gefecht ein. Selbst als MG-Schütze in den Fahrzeugen taugen sie wenig und es gibt immer wieder Momente, in denen es besser ist, selbst hinter die Bleispritze zu schlüpfen. Hier vermisst man dringend einen Coop-Modus, der sich bei diesem Szenario hervorragend angeboten hätte. So bleibt Euer Team in den Kämpfen profillos und kann nur in den Zwischensequenzen seinen Charme versprühen.

Deutlich gelungener ist die Grafik. Wenn Ihr im Morgengrauen ein feindliches Dorf ausspäht und sich die ersten Soldaten aus dem Nebel schälen, ist die Schlachtfeldatmosphäre zum Greifen nah. Auch wenn die Bruchstellen der Gebäude einprogrammiert wurden, ist es beeindruckend, wenn ein Artillerieschlag ein halbes Dorf in Schutt und Asche legt und Ihr am Ende mit dem Panzer durch die Mondlandschaft fahrt.

Die Figuren sind extrem detailliert und auch die Fahrzeuge sehen ihrem Original zum Verwechseln ähnlich. Die Einrichtung der Häuser kann man dagegen nur als karg bezeichnen. Ein Tisch, ein Stuhl und eine Kiste, das war's. Auch die Texturen wirken hier durch den starken Grieselfilter a la Mass Effect alles andere als hübsch – abschalten kann man den Effekt leider nicht. Im direkten Vergleich mit Call of Duty 4 zieht Bad Company so, zumindest auf den ersten Blick, den Kürzeren. Rechnet man aber die riesigen Schlachfelder und die nahezu komplett zerstörbare Umgebung mit ein, kann sich DICEs neue Frostbite-Engine locker behaupten und würde auch auf dem PC eine erstklassige Figur machen.

Auf beiden Systemen läuft der Titel flüssig und sieht nahezu identisch aus. Auch die Installationsgröße auf der PS3 hält sich mit 466 Mbyte in Grenzen. Demzufolge bleibt nur die Wahl zwischen zwei unterschiedlichen Eingabegeräten und zwei verschiedenen Online-Service-Angeboten.

In den ersten Missionen ist das Spielfeld noch relativ linear aufgebaut. Spielend bekommt Ihr die einzelnen Elemente erklärt, lernt mit speziellen Waffen, Fahrzeugen und dem zerstörbaren Level-Inventar umzugehen. Gameplay und Story dümpeln so vor sich hin. Es fehlt ein Ziel, ein vernünftiger Gegner, eine richtige Aufgabe. Erst als klar wird, dass die Truppe lieber alleine weiter macht, gewinnt Bad Company deutlich an Fahrt.

Endlich dürft Ihr Euch in dicke Panzer bequemen, mit Artillerieeinsätzen den Gegner in Grund und Boden bomben oder Euch heftige Scharfschützengefechte liefern. Die Vorgehensweise bleibt stets Euch überlassen. Selbst in einer Hubschraubermission findet Ihr Bodenfahrzeuge, um zum Beispiel eine schwer bewachte Stellung zu Fuß einzunehmen. Vor allem dank der intelligenten Gegner erreicht der Titel hier fast die Brillanz einer durchchoreographierten Mehrspieler-Partie. Ob harte Feuergefechte, Mann gegen Mann oder intelligentes Stellungsspiel mit den Fahrzeugen, um zum Beispiel Dutzende Gegner per Bord-MG auszuschalten, Eurer Kreativität werden fast keine Grenzen gesetzt.

Um die Spielbalance nicht zu gefährden, werdet Ihr zu Beginn jeder Mission wieder mit Eurer Standardausstattung auf das Schlachtfeld geworfen. Weg mit dem genialen Maschinengewehr, dem Mörser-Zielgerät und dem Raketenwerfer. Ein Sturmgewehr mit Granatwerfer und Heilspritzen muss reichen, um die feindliche Armee aufzuhalten. Heilspritzen? Ja, Euer Charakter lädt sich nicht automatisch wieder auf und kann es sich so in der Deckung gemütlich machen. Stattdessen kann er sich alle 30 Sekunden eine Spritze in den Bauch jagen und dementsprechend vollständig genesen. In der ersten Missionen wirkt diese Frequenz noch deutlich zu kurz, doch später ist man angesichts der Feuerkraft der Söldner froh, dass man nicht alle paar Minuten ins Gras beißt.

Erfahrene Spieler sollten übrigens um den Easy-Modus einen großen Bogen machen. Dank des sehr großzügigen Respawn-Systems und dem Umstand, dass besiegte Gegner stets tot bleiben, bietet Euch der Anfänger-Modus kaum eine Herausforderung. Allein bei der Hubschrauber-Mission müsst Ihr auf die großzügig verteilten Zwischenspeicherpunkte zurückgreifen, da mit dem Absturz Eure komplette Truppe vernichtet wird.

Nach dem nebligen Wald und Wiesen-Szenario am Anfang zieht Ihr in Russland in karger Berglandschaft und im Nahen Osten in weitläufigen Wüstengebieten in den Krieg. Euer Status bei der Armee ändert sich ständig und nicht selten müsst Ihr vor den eigenen Kameraden genauso viel Angst haben wie von dem schwarzmaskierten Gegner.

Bis auf den ausgelutschten Endkampf macht also die Kampagne jede Menge Spaß und wird selbst Offline-Muffel mit einem einfachen Trick zum Durchspielen bringen. Zusätzliche Waffen schaltet Ihr im Mehrspieler zwar noch immer mit einer Beförderung frei, doch die passenden Schießprügel müssen vorher erst im Einzelspieler gefunden werden. Es lohnt sich also auch, entlegene Bauernhäuser abzusuchen und sich die Waffen vom Gegner zu schnappen. Viel besser sind die Schießprügel zwar nicht, weil sie alle ein ähnliche Gesamtbewertung besitzen, aber bei den Faktoren Genauigkeit, Magazinumfang, Feuerrate und Schusskraft unterscheiden sie sich zum Teil immens.

Das Waffen-Handling ist wie immer einmalig. Der satte Sound macht jeden Feuerstoß zu einem Ereignis, jedes Nachladen wird mit aufwändigen Animationen umgesetzt und mit dem Visier lassen sich über weite Entfernung gezielte Schüsse abgeben. Die Schusswechsel werden so nie langweilig und fordern auch bei der Hundertsten Wiederholung.

Schade nur, dass die Gebäude zerlegbar, aber nicht durchschießbar sind. Nur Holzzäune geben nach einer Weile nach, sonst könnt Ihr auch in einer Lehmhütte vor schwerem Maschinengewehr-Feuer in Deckung gehen.

So kommen wir erst zum Schluss zum früheren Herzstück der Battlefield-Reihe, dem Mehrspieler-Bereich, der erstmals zum Release nur einen Spielmodus parat hält – der Conquest-Modus soll im Herbst nachgeliefert werden. Auf sieben, sehr unterschiedlichen Karten schlagen sich wie gehabt zwei Fraktionen die Köpfe ein. Beim so genannten „Gold Rush“ müssen die Angreifer die Goldreserven der Gegner vernichten, bevor ihnen der Nachschub ausgeht. Ist eine Stellung überrannt, wird die Front wie bei Frontlines um ein paar Hundert Meter nach hinten verlegt und dort beginnt das ganze Spiel von vorne. Sind alle Goldreserven vernichtet, haben die Angreifer gewonnen und der Spieß dreht sich rum.

Besonders spannend wird dieser Modus durch die Karten-interne Dynamik. Zum einen ist jeder Level individuell konstruiert, bietet unterschiedliche Fahrzeuge und Einrichtungen. Zum anderen besitzt auch jeder Abschnitt eine ganz eigene Charakteristik. Während man als Verteidiger auf der Demo-Karte Oasis zu Beginn heftige Fahrzeuggefechte aus- und einen Dauer-Artillerie-Regen ertragen muss, werden die Abschnitte mit jedem Sprung intensiver. Erst müssen die Angreifer auf ihren Granaten-Unterstützung verzichten, dann fällt der Hubschrauber flach und am Ende gibt es nur noch leichte Panzerfahrzeuge.

Um erfolgreich zu sein, muss man diesmal also deutlich häufiger die Klasse wechseln. Das komplette Erfahrungspunkte- und Ausrüstungs-System wurde dabei fast 1zu1 von Battlefield 2142 übernommen. Die Möglichkeiten der Spezialisierungen bewegen sich dabei aber auf Battlefield 2-Niveau. Zusätzliche Mätzchen wie Selbstschussanlagen fallen flach. Stattdessen besitzt jede Klasse eine Spezialwaffe und der Support-Soldat kann zusätzlich noch Heilpakete abwerfen.

Munition muss man sich an speziellen Stationen besorgen, Squads und Commander wurden nahezu komplett gestrichen und statt einem Server-Browser liefert Bad Company nur ein Matchmaking-System a la Halo 3. DICE hat die Komplexität ganz bewusst zurückgeschraubt und so ziemlich alles automatisiert, um Einsteigern unter die Arme zu greifen. Und geht damit das Risiko ein, Veteranen auf die Füße zu treten.

Dafür fällt der Einstieg mitten im Gefecht durch den neuen Ansatz deutlich unkomplizierter aus, die Kämpfe laufen auf den Public-Servern dank gelungenem Netzwerk-Codes relativ flüssig, das Balancing sitzt und die sieben Karten halten, was sie versprechen. Jedes Szenario erfordert andere Taktiken, eine andere Herangehensweise und dürfte angesichts der gewaltigen Größe monatelangen Spielspaß garantieren. Und damit Ihr nicht ständig mit Fremden in die Schlacht ziehen müsst, könnt Ihr sogar mit Freunden gemeinsam einem Server beitreten.

Mit viel Aufwand ist es DICE wirklich gelungen, einen spannende, abwechslungsreiche Kampagne auf die Beine zu stellen, die fast alles richtig macht. Mal abgesehen von dem eher schwachen Einstieg und kleineren Macken haben sie Ihr Ziel damit erreicht. Sie haben bewiesen, dass man aus Battlefield ein Offline-Spiel machen kann, das sich auf Augenhöhe mit der Konkurrenz bewegt. Der Titel sieht erstklassig aus, bietet entspannte 8-10 Stunden Spielspaß, ein stimmiges Waffen-Handling und wird auch im Multiplayer für Begeisterung sorgen.

Trotzdem bleibt im Online-Bereich ein schaler Nachgeschmack, der vor allem den Hardcore-Fans bitter auf der Zunge liegt. Ohne Server-Browser werden Clan-Fights und das entspannte Spiel unter Freunden unnötig kompliziert. Ohne Commander und selbst wählbare Squads fällt zwar der Einstieg leichter, ein gemeinsames Vorgehen wird aber nahezu unmöglich. Während sich Anfänger also über die Zugänglichkeit freuen, werden erfahrene Spieler die Nase rümpfen.

Bad Company hat damit, zumindest für mich, im Online-Bereich die Führung an Call of Duty 4 verloren. Da auch die Einzelspieler-Kampagne nicht ganz mit der perfekten Inszenierung von Infinity Wards Kriegsspiel mithalten kann, muss sich DICE unterm Strich dem Rivalen aus den USA geschlagen geben. Für Fans von brachialen Fahrzeuggefechten und gigantischen Schlachtfeldern bleibt Bad Company zumindest auf der Konsole erste Wahl. Auch ein Emporkömmling wie Frontlines kann hier nicht mithalten. Das nächste Mal darf es ruhig aber wieder etwas anspruchsvoller sein, dann klappt es auch mit der 9.

Battlefield: Bad Company erscheint am 23. Juni für Xbox 360 und PS3.

 

 

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