Gesamtwertung7/10 |
Vor zwei Jahren konnte ich dank Codemasters Overlord mal so richtig die Sau rauslassen. Dörfer plündern, ihre Bewohner ins Jenseits befördern, Schergen herumkommandieren, den zwergischen Bierfanatikern den Garaus machen und die sieben Helden vernichten, die den herrschaftlichen Vorgänger des Overlords in seine Schranken verwiesen.
Das unterhaltsame, mit viel schwarzem britischen Humor getränkte Action-Adventure spielte regelrecht mit verschiedenen Klischees des Fantasy-Genres, verzückte dennoch mit seinem ganz eigenen Charme und bugsierte sich sogleich in meine persönliche Topriege der Spiele der letzten Jahre. Dem Wii-Ableger Dark Legend gelingt das nicht gänzlich.
Das Prequel zum ersten Teil rückt die Geschichte des jungen Overlords in den Mittelpunkt, zeigt, wie er an seinem 16. Geburtstag durch ein mysteriöses Geschenk zu einer mächtigen Rüstung und einer Horde loyaler Diener geführt wird. Schluss und vorbei mit der Kindheit. Der frühreife Herrscher reißt die Macht über das Schloss an sich, verjagt seine Geschwister und macht es sich zur Aufgabe, seine Position zu festigen und die Ländereien zu erobern.
Dark Legend orientiert sich spielerisch sehr am ersten Teil der Reihe. Und das ist gleichzeitig auch der größte Vorwurf, dem man dem Spiel machen kann. Nicht dass es nicht gut wäre, man hat aber als Overlord-Spieler einfach das Gefühl, hier wenig Neues zu erleben. In Overlord 2 können die Schergen Wölfe reiten oder Kriegsmaschinen bedienen, in Dark Legend ist ihr Bewegungsrepertoire nur auf die bekannten Aktionen beschränkt.
In punkto Gameplay bleibt man den bewährten Konzepten also generell treu. Schergen zertrümmern Vasen, Kisten und allerlei weitere Gegenstände – sie richten Chaos an, wo auch immer sie entlanglaufen. Sich selbst rüsten sie dabei mit gefundenen Waffen oder Panzerungen aus, wodurch der eine oder andere kleine Recke schon mal mit einem Kürbis oder einem Sombrero auf dem Kopf durch die Gegend marschiert. Heil-, Manatränke sowie Gold bringen sie aber natürlich umgehend zu ihrem Meister. Letzteres investiert man in den Gemäuern seiner Festung in die Verbesserung der eigenen Armee. Egal ob verschiedene Waffen, Rüstung oder Upgrades für die Schergen, mit Gold stehen euch viele Türen offen. In die Verzierung der eigenen vier Wände kann man das Kleingeld auf der Wii leider nicht stecken – ganz im Gegensatz zum ersten Teil.
Dass Overlord auf Nintendos Konsole gut funktioniert, liegt insbesondere an der gelungenen Steuerung. Während man die Recken auf anderen Systemen via Stick durch das Areal lenkt, dient der Nunchuck hier zur Bewegung des Overlord. Den kleinen Kämpfern erteilt man per Fernbedienung Befehle, lenkt sie punktgenau zu bestimmten Positionen oder schickt die gesamte Horde zum Angriff. Der Wechsel zwischen den verschiedenen Arten der Schergen geht über das analogen Steuerkreuz vonstatten. Hier schaltet man mit links beziehungsweise rechts zwischen braunen, grünen, blauen und roten Dienern durch, drückt man es nach unten, werden alle ausgewählt.
Spieler des ersten Teils wissen, dass ein geschickter Einsatz der kleinen Biester oftmals bitter nötig ist. Die braunen Kerlchen sind ganz gewöhnliche Kämpfer, die auf ihr Opfer einschlagen. Die roten Kameraden löschen Flammen und bewerfen Feinde aus der Ferne mit Feuerbällen. Blaue Diener können gefahrlos durchs Wasser marschieren und gefallene Mitstreiter wiederbeleben, während die grünen Jungs giftige und unpassierbare Gaswolken entfernen sowie auf den Rücken der Gegner springen.
Diese Umstände macht sich auch das eine oder andere Rätsel im Spiel zunutze. Bestimmte Schalter können beispielsweise nur von blauen Gefolgsleuten erreicht werden, andernorts kommt man nur mit Hilfe der grünen Chaoten weiter. Und natürlich halten die reinen Kämpfer mehr aus als die Feuerwerfer oder die Sanitäter. Eine gute Taktik ist daher ebenso wichtig wie die Mischung der Truppe.
Die Zusammenstellung der Begleitung bleibt weiterhin dem Spieler überlassen. Die gewünschte Zahl der Knechte zaubert ihr einfach aus den jeweiligen Portalen in jedem einzelnen Level herbei – für jede Sorte eines. Anfangs sind es nur fünf Mitstreiter, später führt man bis zu 25 Kämpfer in die Schlacht. Um sie herbeizurufen, benötigt man aber erstmal Seelen. Die bekommt man, indem man Feinde oder andere Kreaturen tötet, etwa herumstehende Schafe oder Käfer. Ausreichend Seelen sind jedenfalls immer vorhanden, wodurch man sich im späteren Spielverlauf keinerlei Sorgen um den Nachschub machen muss. Ausschlaggebend dafür ist eine kleine, aber feine Änderung: Seelen findet man in Dark Legend nur mehr in einer Farbe, in Overlord gab es noch für jede einzelne Schergenart eigene, farblich passende Seelen.
All das kennt man größtenteils schon aus Overlord, wirklich neue Rätsel fährt man – bis auf eine Ausnahme – nicht auf. Manchmal stößt die kleine Armee auf Hindernisse, die mit simpler Kraft nicht zu passieren sind. Die Lösung: Der Herrscher packt sich einen seiner Untergebenen und schüttelt ihn (via Wiimote) kräftig durch. Während der kleine Freund und Helfer irre vor sich hin kichert, fangen seine Augen langsam an zu glühen. Visiert man schließlich die Barriere an und lässt den nun leuchtenden Recken los, rennt er darauf zu und sprengt sich mitsamt der Blockade in die Luft.
Im Großen und Ganzen versprüht Dark Legend den gleichen Charme wie sein Quasi-Vorgänger. Entwickler Climax bedient sich allerlei Fantasy-Elemente und lässt den finsteren Anführer unter anderem Zwerge, Elfen, böse Feen oder Lebkuchenmänner verprügeln. Eine der vielen Aufgaben besteht zum Beispiel darin, Rotkäppchen durch einen finsteren Wald zu ihrer Großmutter zu begleiten. Auf dem Weg zu ihrer Hütte nimmt man es – wie sollte es anders sein – mit diversen hungrigen Wölfen auf, die die kleine Dame scheinbar gerne zum Frühstück verspeisen würden.
Unter dem Versprechen einer Belohnung bittet Rotkäppchen den Beschützer später in den Keller des Hauses, wo sich das kleine Mädchen allerdings als Wolf im Schafspelz entpuppt. Aus dem friedlichen, fröhlich durch die Gegend hüpfenden Kind ist eine Zähne fletschende „Wolf Queen“ geworden, die dem Overlord ans Leder will. Natürlich nur über dessen Leiche – oder besser gesagt über die seiner Schergen.
Technisch zählt Overlord: Dark Legend auf jeden Fall zu einem der bislang schönsten Wii-Spiele. Climax hat mit der Optik wirklich sehr gute Arbeit geleistet, allerdings erlaubt man sich bei der KI ein paar Schnitzer. Gelegentlich kommt es vor, dass ein Widersacher in der Gegend herumsteht und nichts tut, während man sich selbst wiederum in seiner Nähe aufhält oder einer seiner Mitstreiter direkt neben ihm verprügelt wird. Widmet man sich ihm dann persönlich, greift aber auch er ins Gefecht ein.
Freies Speichern ist dabei nicht möglich. Das Spiel legt regelmäßig automatische Spielstände an. Obendrein ist Dark Legend auch noch ein recht kurzes Vergnügen. Nach rund zehn Stunden und 30 Minuten flimmerte bereits der Abspann über den Bildschirm. Wer sich noch nicht mit den Feinheiten des Overlord-Gameplays auskennt, dürfte vermutlich auch nicht länger als zwölf Stunden benötigen. Außerdem ist Dark Legend eine reine Angelegenheit für Einzelspieler.
Mir persönlich tritt Dark Legend im Vergleich mit Overlord etwas zu sehr auf der Stelle. Die Neuerungen halten sich in Grenzen und auch in Sachen Humor erreicht das Spiel meiner Meinung nach nicht ganz die Klasse des ersten Abenteuers des Herrschers. Davon abgesehen hat Climax aber eine gute Wii-Version mit gelungener Steuerung und schicker Optik aus dem Hut gezaubert.
Dark Legend ist ein guter Einstiegspunkt in das Overlord-Universum, allerdings verpassen Overlord-Spieler, die nicht im Besitz einer Wii sind, auch keine wirklich wichtigen Details. Es bleibt ein Spiel, mit dem man zwischen zehn und zwölf Stunden lang seinen Spaß haben kann. Dem britischen Humor, den Fantasy-Klischees und der chaotischen Schergenhorde sei's gedankt.
Overlord: Dark Legend ist ab dem 25. Juni exklusiv für die Wii erhältlich.
Bei XBlaster ist die Welt, wie wir sie kennen, Vergangen- heit. Als Mechpilot kämpfst Du zur Belustigung der Menge und monatlich 10.000 € zum Spiel...
Overlord: Dark Legend im Test.
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