Tom Clancy's Ghost Recon: Advanced Warfighter 2

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Ubisoft
Entwickler
Ubisoft
Genre
Shooter
PC: Ghost Recon Advanced Warfighter 2

Gesamtwertung

8/10

PC: Ghost Recon Advanced Warfighter 2

Ghost Recon Advanced Warfighter 2 für den PC – das muss geil werden! Packende Action wie in der Xbox 360-Version. Die Kugeln zischen über das staubige Schlachtfeld und verfehlen meinen Kopf nur knapp. Ich kauere in der Deckung, komme ab und zu hervor und gebe gezielte Salven auf die Heerschar von Feinden ab. Dazu hämmert im Takt des Maschinengewehrs die treibende Musik aus den Boxen. Atmosphäre pur!

So hatte ich es mir jedenfalls auch für den PC vorgestellt. Doch die unbändige Vorfreude wurde beim Starten des Spiels bald gedämpft. Denn Ghost Recon Advanced Warfighter 2 hält in diesem Fall leider, was der Verpackungstext verspricht: Es ist ganz anders als die Konsolen-Version.

Grundsätzliches wie die lose Story und einige Level-Bestandteile sind natürlich gleich geblieben. Ihr übernehmt immer noch die Rolle des wortkargen Captain Mitchell, Anführer der Ghosts – eine Spezialeinheit, die sich die Terroristenbekämpfung zum Ziel gesetzt hat. In GRAW2 sind die Terroristen in Mexico unterwegs, im Schlepptau schmutzige Bomben, die zu einer echten Bedrohung für das glorreiche Amerika werden können. Die Ghosts haben nun 72 Stunden Zeit, um die fiesen Schergen des Bösen um ihr Leben und ihre explosiven Eigentümer zu bringen.

Willkommen in Juarez!

Auf dieser Grundlage schickt Euch Euer Einsatzleiter nun von Mission zu Mission. Oft seid Ihr dabei in den großen Städten wie Juarez oder El Paso unterwegs, wo Ihr Terroristenfestungen auseinander nehmt und die mexikanische Armee unterstützt. Letztere bettelt eigentlich immer nur um Hilfe, weil wieder irgendein Hinterhalt ihre halbe Streitmacht umgenietet hat. Im Endeffekt seid Ihr also mit Eurem Team auf Euch allein gestellt. Mit bis zu vier Kameraden arbeitet Ihr Euch durch die ins Chaos gestürzten Städte oder hebelt Außenposten aus.

Und hier sind wir beim wohl größten Unterschied zwischen der PC und der Konsolen-Version angelangt. Während Konsoleros mit Finger am Abzug durch die Levels sprinten und bei rockiger Musik die Terroristen bekämpfen, geht es in der PC-Version deutlich langsamer und taktischer voran. Hier gibt es keine Medikits. Hier ist es nicht egal, ob man die Teamkollegen mal am Startpunkt vergisst. Hier herrscht gespannte Stille und kein dröhnender Rocksound. Hier überlebt man das Kreuzfeuer der Terroristen nicht lange. Ja, hier in der PC-Version muss man sogar richtig oft den letzten Speicherstand laden.

Wer also das schnelle Gameplay der Xbox 360 Version gewöhnt ist, muss sich schleunigst umgewöhnen, wenn er Captain Mitchell nicht alle zwei Minuten sterben sehen will. Nur wer diszipliniert und taktisch vorgeht, kommt unbeschadet ans Ziel.

Dafür stehen Euch verschiedene Mittel zur Verfügung. Das wichtigste ist wohl die taktische Karte, die Euch aus Satellitenansicht einen Überblick über das Einsatzgebiet verschafft. Über sie könnt Ihr Eurem Team verschiedene Befehle geben, die sie auf Knopfdruck ausüben.

Nehmen wir zum Beispiel ein kleines Camp, das in den Bergen gelegen ist. Es besitzt zwei Zugänge, einer davon wird von einem MG-Nest gesichert. Als erstes wird die Aufklärungsdrohne geschickt, um die Position der Terroristen zu erfahren. Sie erscheinen nun sowohl auf der Übersichtskarte als auch auf Eurem HUD, dargestellt durch rote Rauten. Jetzt kann die Planungsphase beginnen.

Während hinten nur zwei Wachen patrouillieren, ist der Haupteingang gleich von vier Terroristen bewacht – einer davon steht hinter dem MG. Es wäre also sinnvoll, am Haupteingang aus sicherer Deckung die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Dafür sorgt der Befehl „Deckung“, der die Gegner durch Dauerfeuer an ihren Positionen festhalten soll. Während zwei Ghosts nun aus vollen Rohren das MG-Nest und die restlichen Wachen beschäftigen, dringt Ihr und Mitchel durch den Hintereingang in das Camp ein und erledigt die Terroristen.

In manchen Missionen erhaltet Ihr zudem Luft- oder Bodenunterstützung in Form von Bombern, Mörsern oder Panzern, die das Ausschalten großer Verteidigungsanlagen erheblich erleichtern.

Das Gameplay ist also wesentlich actionarmer, was echte Taktiker erfreut, Schießgeile wie mich aber leicht frustriert. Das vorsichtige und bedächtige Vorgehen zusammen mit der langwierigen Aufklärung des Gebiets lassen unruhige Naturen schnell aus der Haut fahren. Die Folge ist der Sterbebildschirm und das resignierte Laden. Es ist eben einfach blöd, wenn man den Feind beim ersten Schuss nicht trifft, er in Deckung geht und man zwei Minuten mit Warten verbringt. Er könnte sich ja noch mal zeigen, und hochstürmen wäre eh zu gefährlich.

Trotzdem führt auch der Frontalangriff recht häufig zum Erfolg. Die Entwickler haben genug ausgebrannte Autowracks und zerstörte Häuser eingebaut, hinter denen man Schutz vor den Gewehrsalven der Terroristen suchen kann. So beginnt oftmals eine packende Hatz von Auto zu Auto, während Eure Teamkameraden nach Kräften Deckung geben. Da kommt richtig Spannung auf und man vergisst fast, dass man nach wenigen Treffern schon tot am Boden liegt. Wenn die Verteidigungsanlage des Feindes dann durchbrochen ist und Euer Commander in militärisch korrekten Worten zum Erfolg der Mission gratuliert, kommen die wenigen, aber umso stärkeren Glücksmomente des Spiels auf.

Single- oder Multiplayer?

Mit der KI des Spiels verhält es sich wie in der Konsolenversion. Manchmal erwischt der Feind Euch beim ersten Schuss aus großer Entfernung, manchmal schießt er aus zehn Metern daneben. Manchmal weiß er sofort, wo Ihr gerade positioniert seid, manchmal kann man sich ihm auf wenige Meter nähern, ohne dass er etwas bemerkt. Gleiches gilt für Euer Einsatzteam, das meistens einen festen Rückhalt bildet, hin und wieder aber für nichts zu gebrauchen ist. Wenn man ihnen nicht klare Befehle gibt, lassen sie sich einfach beschießen und schreien hilflos „Captain, ich bin getroffen!“.

Die Singleplayerkampagne ist deswegen nur für Taktiker zu empfehlen, die mit ihrem Team gut umzugehen wissen. Actionfreaks kommen mit der Xbox 360-Version

besser auf ihre Kosten.

Was der PC-Version aber einen unglaublichen Spielspaßbonus einbringt, ist der Mehrspielermodus. Dieser ist nämlich wahrlich erstklassig. Neben den auch auf der Konsole spielbaren Missionen, die speziell für den KooP-Modus erstellt wurden, kann man auch die komplette Kampagne mit seinen Freunden durchspielen. Und da kommt richtig Freude auf: Packende Atmosphäre („He, da ist einer, Vorsicht“ – „Verdammt, von hinten kommt einer!“), beste Teamplaymöglichkeiten („Du gehst von vorne drauf“ – „Ja klar, damit ich wieder verrecke“) und natürlich Kurzweil ohne Ende.

Wer sich lieber mit den anderen messen will, kann auch im Deathmatch Kugeln verteilen oder im Teammatch seine Fähigkeiten unter Beweis stellen. Der Multiplayermodus ist es auch, der diesem Spiel dann doch noch seine acht Punkte einbringt. Die hat es sich aus meiner Sicht, auch wenn ich es lieber schneller mag, verdient.

Wer bei GRAW2 auf dem PC die gleiche Action wie auf der Konsole erwartet, sollte sich den Kauf des Taktikshooters gut überlegen. Alles läuft einen Tick langsamer und realistischer ab. Wer das Einsatzgebiet ohne Verluste verlassen will, muss viel Geduld mitbringen. Für einen guten Umgang mit den Ghosts sorgen die vielen Befehle, die man ihnen erteilen kann. Für Taktiker ist GRAW2 deshalb zu empfehlen. Die anderen sollten zugreifen, wenn sie sich für den Multiplayerpart begeistern können, der kaum umfangreicher sein könnte. KooP, Deathmatch, Teammatches – alles ist dabei.

Ghost Recon Advanced Warfighter 2 für PC ist im Handel erhältlich.

 

 

Ist der Artikel hilfreich? Dann bookmarken Sie ihn bei:

Hilfe?