Cipher Complex

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Edge of Reality
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PS3: Cipher Complex

PS3: Cipher Complex

John Sullivan, Agent im Einsatz für die Regierung auf geheimer Mission, gilt als der Härteste der Harten. Er wird geschickt, wenn es richtig grob wird. Im Vergleich zu ihm wirkt Sam Fisher wie ein „Bei-Gefahr-in-den-Ecken-Kauerer“, Solid Snake höchstens als Meister des schnellen Rückzugs, wenn mehr als zwei Feinde in Sicht sind und Chuck Norris…nein, Chuck Norris ist wahrscheinlich dann doch noch ein weniger härter als John Sullivan. John wer?

Sollte Euch der Name nichts sagen, braucht Ihr Euch nicht zu wundern. Bisher hielt sich Edge of Reality, mäßig bekannt durch die Umsetzungen von Ab durch die Hecke und Pitfall, zu ihrer erste Eigenentwicklung noch etwas bedeckt, aber so langsam nähert sich Cipher Complex der Fertigstellung. Für das Projekt hat man sich einiges vorgenommen und es soll nicht weniger als die nächste Evolutionsstufe des Stealth-Genres werden. Ihre Strategie dafür beruht auf zwei Worten: Aggressive Infiltration.

Was darunter zu verstehen ist, lässt sich am besten als Splinter Cell mit mehr Tempo, unmittelbarer Gewalt und Cojones umschreiben. Sam Fisher & Co. eruieren erst einmal gemütlich die Lage, bevor sie gut geplant in Aktion treten und sich auf Zehenspitzen voranschleichen. Das erste und meist auch letzte, was die Wache dann vernimmt, ist das leise Klicken der Waffe aus nächster Nähe.

Im Falle von John Sullivan beginnen die letzten Töne für die Unglücklichen, die ihm im Weg stehen, Sekundenbruchteile vorher und zwar mit dem unglaublich schnellen Klacken der Stiefel auf dem Untergrund. Ein schnelles, mehrfaches Blitzen einer Klinge und das Geräusch lebloser Körper, die zu Boden sinken. Wer dann genau lauscht, wird den etwas schneller gehenden Atem Sullivans vernehmen, der sich am anderen Ende des Raumes sammelt. Statt langer Observationen, um die Wachen einzeln zu umgehen oder eliminieren, setzt Sullivan auf Geschwindigkeit.

Er verfügt dabei keineswegs über Superkräfte, jedenfalls nicht im Marvel - Sinne, sondern kann nur über kurze Zeit einen Adrenalinstoß nutzen, der es ihm ermöglicht, ein wenig schneller als alle anderen zu sein. Es spielt dabei keine Rolle, ob drei Wachen den Weg versperren, es einen Gang so schnell zu durchqueren gilt, dass Sullivan nur als Schatten wahrgenommen wird oder der Typ am Ende des Raumes einfach nicht diesen Schalter drücken sollte, auf dem in großen, roten Lettern Alarm steht. Er hat den Arm schon ausgestreckt und doch ist er zu langsam...

Diese Möglichkeiten gibt es natürlich nicht in unbegrenzter Form und das Management der wertvollen Ressource Adrenalin steht im taktischen Mittelpunkt von Cipher Complex. Es wäre ein wenig peinlich für einen Superagenten, wenn er ungesehen das Ende eines langen Korridors erreicht, nur um völlig außer Puste einem frischen Wachtrupp gegenüberzustehen. Ohne den nötigen Schub aus der Nebennierenregion ist es dann genauso schnell um Sullivan geschehen, wie um die meisten Menschen.

Wer jetzt dezent anmerkt, dass dieses Konzept ja wohl gar nicht so neu sei, hat absolut recht. F.E.A.R., Max Payne und das demnächst erscheinende TimeShift warten alle mit ihrer eigenen Erklärung auf, warum der angeblich ganz normale Held geradezu übermenschlich reagieren darf. Bei den Genannten spielt es allerdings kaum eine Rolle, ob nahe Feinde etwas mitbekommen, meist weiß sowieso schon jeder im Umkreis mehrerer Meilen, dass der Held angekommen ist.

Zu sehr darf Sullivan der Hybris des Adrenalins dann auch nicht erliegen. Die Schauplätze, an denen er sich herumtreiben muss, bieten vielfältige Möglichkeiten für das Wachpersonal vor Ort und ein zu früh ausgelöster Alarm bedeutet auch für den schnellsten Agenten das vorzeitige Ende. Damit hebt sich dann Cipher Complex auch von den genannten Shootern ab und schleicht eindeutig auf den Pfaden des Stealth-Genres, nur halt sehr viel zügiger.

Große Entfernungen zum Gegner gilt es dabei eher selten zu überwinden und so wählte man für Sullivan als Waffe der Wahl das Messer. Leise und auf kurze Distanz ebenso effektiv wie Schusswaffen, soll es den Spieler in Verbindungen mit der Schnelligkeit des Agenten so selten wie möglich zu den natürlich auch vorhandenen Pistolen und MGs greifen lassen.

Wichtig war dabei für Edge of Reality ein flüssiger und leicht zu beherrschender Ablauf der Kurzdistanzkämpfe. Je nachdem in welchem Winkel sich Sullivan einem Feind nähert, wird er ihn auf eine zu der Ausgangssituation passende Weise attackieren und sich dann innerhalb von Sekundenbruchteilen dem nächsten zuwenden. Die explizite Darstellung dieser Aktionen weckt schon jetzt Sorgen, ob und in welcher Form das Spiel seinen Weg nach Deutschland finden wird…

Diese Angriffe bezeichnet Edge of Reality treffend als „Execution“. Sollte der Feind aber gewarnt sein und Sullivan ausgepowert ihm gegenübertreten müssen, geht es zum „Melee“, dem klassischen Mano-a-mano. Von den ersten Ausführungen her könnt Ihr Euch das ein wenig wie Streetfighter in 3D mit Messern vorstellen. Leichte und schwere Angriffe, Tritte, Decken und Ducken, alles was Sullivan aus der CIA-Killersportgruppe mitgebracht hat, findet hier Einsatz.

Gänzlich auf dem Präsentierteller bieten sich die Feinde in Cipher Complex allerdings nur selten und besonderes Augenmerk will Edge of Reality auf die Verhaltensmuster richten. Mittels neuartiger Routinen soll dem Spieler, wieder einmal, ein glaubwürdiges Reagieren auf die Umgebung vorgegaukelt werden. Die KI ist relativ frei in der Wahl ihrer Handlungen und Patroillienrouten, so dass es für Sullivan kaum möglich sein wird, langfristig vorherzusehen, wo er genau auf einen Feind trifft und wie dieser reagiert. Hier wird dann spontane Improvisation gefragt sein.

Unterstützen sollen den Spieler dabei die leicht abgewandelten Möglichkeiten zur Wahrnehmung der Umgebung. Statt der inzwischen zur festen Größe aufgestiegenen Anzeige, ob die Spielfigur im Schatten kauert oder in Licht badet, bietet Cipher Complex den „Wahrnehmungsbalken“. Die Lichtverhältnisse eines Ortes spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle, das Maß der Dinge wird es sein, ob Sullivan sich unbemerkt nähert oder einfach in ein offenes Sichtfeld spaziert.

Klingt zunächst ähnlich, könnte sich aber insoweit anders spielen, als dass es keine Probleme bereitet, sich in einem hellen Raum im Rücken von jemandem heranzuschleichen, solange dieser nichts merkt. Schwierig wird es dann, wenn der Feind vorgewarnt wurde und der Wahrnehmungsbalken nach oben schießt. Dann kann auch die Dunkelheit nur noch bedingten Schutz bieten.

Und dann gibt es da noch die Minikarte, die alle Feinde mit Ihrem gegenwärtigen Status markiert. Rote Punkte jagen Sullivan, gelbe wissen, dass etwas im Busche ist und grüne ahnen nichts Böses. Unnötig zu sagen, welchen Wert diese Anzeige für die „Execution“-Kills oder einen strategischen Rückzug besitzt. Für den Realismusfanatiker lässt sich diese Anzeige auch abschalten, allerdings betont Edge of Reality diese Anzeige als wichtigen Faktor im Umbau des Stealth-Konzepts. Das Wissen gibt dem Spieler mehr Zuvertrauen schneller einen Raum zu betreten, durch einen Korridor zu flitzen oder eine herumlungernde Gruppe von Wachen anzugehen, ohne erst langwierig die Lage auszukundschaften zu müssen.

Und darum geht es bei dem ganzen Spiel: Eindringen, Missionsziele erfüllen und wieder lebendig raus in kürzester Zeit, weniger Kauern in den Schatten, mehr Dynamik und Action. Wer bisher das Genre mied, weil ihm einfach die Geduld für lange Observationen und Schleichereien fehlte, könnte hier einen echten Kompromiss finden. Cipher Complex erfindet nicht alles neu, bringt aber genau den Schuss harter und vor allem schneller Action mit ein, der den Splinter Cells dieser Welt abgeht. Die Ansätze klingen gut und wenn Edge of Reality in den Bereichen Spielbarkeit und der derzeit praktisch unbekannten Story alles liefern kann, was sie versprechen, könnte für Ende des Jahres ein interessanter Titel ins Haus stehen.

Einen festen Releasetermin gibt es bisher weder für die Xbox 360 noch die PS3. Eigentlich soll es noch in 2007 erscheinen. Abwarten.

 

 

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