LittleBigPlanet

Review
Plattform
PS3
Genre
Andere
PS3: LittleBigPlanet

Gesamtwertung

10/10

PS3: LittleBigPlanet

Es hat schon etwas Ironisches an sich. Noch vor zwei, drei Monaten hätte ich die Frage, ob ich auch „unbedingt LittleBigPlanet zum Release spielen will“, folglich „ebenso dem großen Hype erlegen bin“, mit einem regulären Kopfschütteln beantwortet. Sicher, es sah bei den Präsentationen immer ungemein niedlich aus, verzückte mit den drolligen Avataren, offenbarte einen gewissen Reiz. Aber abseits der optischen Gestaltung und der kleinen Spielereien tangierte mich LittleBigPlanet eher weniger.

Hauptsächlich, weil ich mir nie so recht vorstellen konnte, wo in meinem Fall die Motivation fußen sollte. Lustig durch die Gegend hüpfen, hier und da wild an Ästen, Wolken und Rädern pendeln? Bestimmt ganz nett. Für ein paar Minuten. Die Zentrale mit etwaigen Dekorationen ausstaffieren, anderen Sackboys an den Armen durch die Karte ziehen, sie mit Stickern bekleben? Mehr was für jüngere Semester. Einem kompletten Schauplatz mittels Editor Leben einhauchen? Gott bewahre, absolut nicht das, was ich persönlich unter Spaß verstehe.

Nun, ich habe mich geirrt.....

In so ziemlich jeder Hinsicht.

LittleBigPlanet ist nicht einfach nur ein Jump'n'Run-Vertreter, verpackt in einem farbenfrohen, plastischem Gewand. Und LittleBigPlanet ist auch nicht nur ein durch und durch komplexer Editor, mit dem sich jegliche Art von Szenario, Vehikel oder Maschinerie stricken lässt. LittleBigPlanet ist eine riesige Spielwiese der Möglichkeiten. Ein Erlebnis, bestehend aus so vielen liebevoll miteinander verwobenen Details, dass einem erst nach einem Blick über den Tellerrand bewusst wird, in welchem Muster die Fäden zusammenlaufen. Wozu dieses und jenes schlussendlich dient.

Beispielsweise die „Geschichte“, in deren Verlauf man so genannte Objektblasen ergattert, die das Pop-It-Menü um neue Kostüme, Dekorationen und Baumaterialien bereichern. Zu Beginn wirkt dieser Bestandteil wie das eigentliche Spiel und der Editor bekleidet lediglich die Funktion als schmucke Dreingabe. Bei anderen Titeln mag das der Tatsache entsprechen, aber nicht hier.

Denn je mehr man mit dem Sackboy durch das kindlich anmutende Abenteuer trollt und je mehr man seiner Kreativität im Editor freien Lauf gewährt, umso schneller wird einem ersichtlich, dass all die beigefügten Karten und Gimmicks im Grunde ein Mittel zum Zweck sind. Ein unterhaltsames und belohnendes Schaubild des Potentials, das in den Tiefen des Editors schlummert. Das darauf wartet, von Euch entdeckt und benutzt zu werden. Das in jedem Aspekt als Inspiration fungieren soll.

So wie man Kindern spielend die Welt vermittelt, ihnen mit Spaß an der Sache Zusammenhänge erläutert, so nimmt Euch Media Molecule an die Hand, öffnet nach und nach ihre Box der wundersamen Schöpfungen und führt Euch vor, was sich mit Klötzchen, Farben, Stickern und Bauteilen umsetzen lässt. Sowohl im Editor, in dem sich für beinahe jede Komponente ein spielbares Tutorial oder eine in Videoform aufgezeichnete Erklärung findet, als eben auch in den Facetten des Jump'n'Run-Parts selbst.

Die ersten Anlaufstellen der Reise, die „Gärten“, sind dabei ungemein simpel gehalten, beschränken sich vornehmlich auf einfache Formen. Einige Hügel, ein paar Hindernisse, Kästen, die man hin und her schieben kann, Griffe zum Schwingen. Nichts, was Euch vor allzu große Herausforderungen stellen sollte und auch nichts, was mit etwas Geduld nicht leicht nachzuahmen wäre.

In dieser Etappe ist LittleBigPlanet wahrlich ein Plattformer für die „ganze Familie“, bei dem nicht nur wir großen Kinder, sondern auch Knirpse im Alter von fünf Jahren ihren Anteil haben dürfen. Quasi ein Begrüßungsakt, der obendrein den „Mond“ freischaltet, auf dem Ihr basteln und bauen dürft. Zieht Ihr dann einen Schritt weiter, tappst mit Eurem Sackboy über die sandigen Böden der afrikanischen „Savanne“, steigt der Schwierigkeitsgrad merklich an und die Konstruktionen geben sich phantasievoller, ideenreicher, sind in ihrer Zusammensetzung komplexer.

Ihr überwindet feurige Fallen, pendelt Euch von einer Lianen-Rolle zur nächsten, entgeht den hungrigen Mäulern von zig Krokodilen. Stolpert über die buckeligen Rücken einer Bison-Herde, nutzt Euer Gewicht, um Wippen in die richtige Position zu bringen und erklimmt neue Höhen mittels langer Giraffenhälse. Anschließend erwarten Euch die schaurig-schönen Kulissen der „Hochzeit“, die in ihrer Ausarbeitung an Tim Burtons Corpse Bride erinnern. Skurrile Skelette noch und nöcher, bedrohliche Geister an allen Ecken und Enden. Die mexikanisch angehauchten Areale der „Canyons“, in denen Ihr erstmals mit explosivem Material hantiert und Euch der Zerstörung der Umgebung widmet. Eine fein ausgearbeitete Stadt, namentlich die „Metropole“, die Ihr via hopsenden Karossen, etwaigen Schaltern und Druckplatten meistert. Mit russischen Einflüssen bedachte „Inseln“, die Euch mitunter ein Wettrennen auf einem Hundeschlitten liefern und über eisige Berge hetzen. Und zu guter Letzt die mit viel Elektrizität, unzähligen Mechanismen und Gegnern vollgepropften „Tempel“-Plätze, bei denen Geschick und Joypad-Fertigkeit so groß geschrieben werden, dass Euch nach jedem erreichten Speichertor ein Seufzer der Erleichterung über die Lippen wandert.

Und obwohl all das Gehüpfe, Geschwinge, Geziehe und Gedrücke schon ausreicht, Euch Stunden, Tage, vermutlich sogar Wochen lächelnd vor den Fernseher zu fesseln, Euch dazu animiert, immer und immer wieder die Areale nach noch nicht entdeckten Objektblasen zu durchsuchen, mit zwei, drei Freunden die Mehrspieler-Wege freizulegen sowie die Schlüssel einzusammeln, die zusätzliche Mini-Herausforderungen auf der Karte platzieren - sei es diverse Wettrennen, eine Art Seilspringen, zeitlich festgesetzte Hindernisläufe -, verlieren Media Molecules Werke doch nie ihr eigentliches Ziel aus den Augen. Nämlich Euch, wie angesprochen, in jedem Abschnitt mit neuen Impulsen zu versorgen, Euch dazu anzuregen, es den Entwicklern gleichzutun. Ihren Beispielen Taten folgen zu lassen.

Es wird Euch nicht immer sofort gelingen, zu erkennen, mit welcher Besonderheit ein Level aufwartet, was es ausdrücken will. Weil Ihr zu sehr damit beschäftigt sein werdet, um Euer stoffiges Leben zu rennen, das Punktekonto zu nähren, den nächsten Rücksetzpunkt zu passieren. Aber wenn Ihr es zwischen den Hindernissen, Fallen und Puzzeln schafft, einfach eine kurze Zeit zu verweilen, Euch die Umgebung näher anzusehen, dann geht Euch mit einem Mal ein Licht auf.

Ihr bemerkt, dass der durch ein Labyrinth führende Parcours, in dem Euch Dutzende Schlangen-Gebilde rasant auf den putzigen Leibe rücken, in Wirklichkeit eine übergroße Variante des Arcade-Titels Zuma ist. In abgeänderter Form, versteht sich. Und Ihr findet heraus, dass ein riesiges Laufrand, gefüllt mit elektrischen Blockaden, demonstrieren soll, zu welch technischen Mechanismen der Editor imstande ist. Dass es mit Hilfe von Raketendüsen und Schwebematerial möglich ist, einen Heißluftballon zu kreieren, der Euch in den Himmel trägt. Oder mit Rädern und Schrauben ein Motorrad, ein Auto, eine Draisine, was auch immer.

Natürlich braucht es Geduld und Spucke, bis man ähnliche Kreationen zustande bringt, wie jene, die in der Beta in aller Munde waren. Das Space Invaders (youtube.com)-Level etwa, das man als Antwort auf den Zuma-Lauf verstehen kann. Die unglaubliche Rechenmaschine namens Little Big Computer (youtube.com). Die von Kratos brachialen Erlebnissen geprägte God of War (youtube.com)-Nachahmung.

Und es wäre eine Lüge, zu behaupten, dass es auf Anhieb einem Kinderspiel gleichkäme, den Editor zu bedienen. Bis man versteht, wie alles funktioniert, wie sich Materialien und Bauteile zueinander verhalten und wie man auf drei Tiefen-Ebenen werkelt, können einige Stunden ins Land ziehen. Müssen nicht zwangsläufig, können aber. Zu viele Bauteile buhlen um Einsatz, zu viele technische Kniffe wollen berücksichtigt werden.

Doch selbst, wenn es Euch keine Freude bereiten sollte, mit Holz, Glas, Schaltern, Blumen und Co. Euren Ideen Ausdruck zu verleihen, die online bewertet, kommentiert und miteinander gespielt werden können, stoßt Ihr in LittleBigPlanet auf eine Reihe von Motivationen, die Euch mit einem dümmlichen Grinsen auf dem Gesicht brandmarken. Und die ebenso dazu genutzt werden können, kreativ zu sein. Was spricht gegen die Aufzeichnung eines Musik-Videos, in dem Ihr mit den Bewegungssensoren des Controllers Körper und Kopf, per Steuerungskreuz die Emotionen (traurig, ängstlich, fröhlich, zorning - in drei Abstufungen) und via Schultertasten sowie Analogsticks die Arme in Wallung bringt? Siehe LittleBigDance (uk.youtube.com). Was hindert Euch daran, einen ganz eigenen Kleidungsstil zu erfinden? Mit Accessoires, Stickern, einem Teil der vorhandenen Kostüme? Warum nicht die EyeToy-Kamera dazu nutzen, eigene Aufkleber und Hintergründe zu erschaffen?

Es gibt einfach so vieles, was Euch LittleBigPlanet ans Herz legt. Manches davon recht offensichtlich. Angefangen bei der Verspieltheit der Sackboys über die wunderbare Musikuntermalung, die sich ebenso einfallsreich und umgarnend äußert wie die Jump'n'Run-Einlagen, bis hin zur steten Hatz nach Punkten und Multiplikatoren, mit denen Ihr Euch eine Top 3-Position in den Online-Ranglisten sichern könnt. Anderes wiederum schleicht eher langsam ins Bild. Wird erkennbar durch das Zusammenspiel mit Freunden beziehungsweise durch pure Neugier und Ausprobieren. LittleBigPlanet ist schlicht ein Titel, der so gekonnt mit bekannten Elementen und frischen Ideen hantiert, der Physik, Interaktivität und Spielantrieb verbindet, dass er Euch sprichwörtlich gefangen nimmt. Euch begeistert, in Verzückung versetzt, bei dem Stunden wie Minuten verstreichen. Ein Titel, der nicht nur den Anspruch auf die Bezeichnung „Game 3.0“ erhebt, sondern sie auch wirklich bewahrheitet.

Tanja: Lange habe ich gesucht. Nach Fehlern, Ungereimtheiten, irgendetwas, das an der Begeisterung kratzen könnte, die mich seit zwei Wochen jeden Abend umgibt. Und bis dato konnte ich nichts finden. Probleme mit der Z-Achse? Nach einer mickrigen Eingewöhnung nicht mehr vorhanden. Winzige Slowdowns? Viel zu selten, als dass sie das freudige Zusammenspiel trüben würden. Die Kameraperspektive, die bei Partien zu zweit, dritt oder viert manchmal etwas ungünstig platziert wirkt, zu stark rauszoomt? Meines Erachtens pure Absicht, um das taktische Miteinander zu fördern. Schließlich soll man gemeinsam spielen und nicht jeder für sich.

Und auch wenn es so gewesen wäre, dass das eine oder andere davon die fröhliche Stimmung marginal beeinträchtigt hätte, könnte es dennoch nicht den Blick auf das verschleiern, was LittleBigPlanet ist. Ein Apell an die Kreativität. Motivierend. Inspirierend. Umgarnend. Ein wegweisender Meilenstein. Kurz: Ein Spiel, das nicht, wie man so schön sagt, durch die Summe dessen glänzt, was es mit sich bringt. Sondern durch jedes Detail leuchtet.

Benjamin: LittleBigPlanet ist also endlich da. Ein Spiel, das im Vorfeld praktisch überall hochgelobt wurde. Lange Zeit hat sich mir nicht erschlossen, warum das so ist. Wahrscheinlich musste ich es einfach nur selbst erleben. Es fasziniert mich schlicht und ergreifend von vorne bis hinten. Ansprechendes Gameplay. Niedliche Sackboys. Eine wunderschöne Optik. Und der geniale Level-Editor, der im Nachhinein Dutzende, nein, eher Hunderte Stunden zusätzlichen Spielspaßes verspricht. Was mit Spore oder den individuellen Lackierungen in Forza Motorsport 2 im Hinblick auf User-Content schon angeschnitten wurde, führt Media Molecule in LittleBigPlanet nahe an die Perfektion heran. Ein traumhaftes Spiel für Jung und Alt.

LittleBigPlanet ist ab dem 22. Oktober für die PlayStation 3 im Handel erhältlich.

 

 

Ist der Artikel hilfreich? Dann bookmarken Sie ihn bei:

Hilfe?

3D Multiplayer-Games: Seafight

In Seafight erforschst Du die abenteuerliche Karibik auf der Suche nach versteckten Schätzen und leicher Beute. 10.000 € auf den besten Spieler! zum Spiel...

Yahoo! Spiele-Forum

LittleBigPlanet im Test.

Teilen Sie Ihre Meinung mit anderen Yahoo!-Usern.

Link zum Forum

Zum Games Guide-Forum · Zum Online-Spiele-Forum

 

 

 

Yahoo! Highlights:

Filmblog
Spiele Highlights
Video Suche
DFB Pokal
Autonews
Reiseplaner
Mehr...

 

Aktuelle Videospiele News:

X360: Gerücht: Rockstar macht zweites "B...
X360: SC: Conviction mit In-Game-Werbung
Overlord-Reihe
PC: Infinity Ward lehnte "lächerlich" ho...
Minesweeper
PS3: Borderlands: Bug löscht Skills
Alarmstufe Rot fürs iPhone erhältlich
Allods Online: Wir verlosen 100 Beta-Key...
PC: Painkiller: Resurrection erhältlich
X360: Gerücht: EA schließt heute Pandemi...
PC: Auch Rage wohl ohne dedizierte Serve...
Project Natal
PC: Modern Warfare 2: Kein Verkaufsverbo...
PC: StarCraft 2: Dieses Jahr keine Beta
Sony PSP

Weitere Spiele Reviews:

PC: The Void
Marvel vs. Capcom 2
Big Family Games
MotoGP
Laufrhythmus DS [DS , Mag64]
WII: Need for Speed: Nitro
PS3: Battlefield 1943
PC: King's Bounty: The Armored Princess
Overlord 2
Punch Out!!
PSP: Soul Calibur: Broken Destiny
PC: FUEL
PC: Divinity 2: Ego Draconis
Guitar Hero 5
DS: The Dark Spire

Vorschau auf neue Spiele:

WII: 428
PC: Command & Conquer: Alarmstufe Ro...
PS3: Silent Hill: Homecoming
PS3: Uncharted 2: Among Thieves
PlayStation 3: Das kommt 2009
PC: Alpha Protocol
PC: gamescom Highlights: Strategie
Street Fighter IV
Uncharted 2: Unter Dieben - First Facts
X360: Eat Lead: The Return of Matt Hazar...
PC: Tom Clancy's H.A.W.X.
PS3: The Agency
PC: gamescom Highlights: MMOs
PS3: Killzone 2
DS: Final Fantasy Legend 2