Tomb Raider: Underworld

Preview
Genre
Abenteuer
PS3: Tomb Raider: Underworld

PS3: Tomb Raider: Underworld

Lara, Lara, Lara. Was ist nur aus dir geworden? Es war mir ja schon immer bewusst, dass dein Körper möglichst perfekt erscheinen soll, aber scheinbar zählt das Gesicht nun gar nicht mehr. Zumindest erweckt die Verpackung (eurogamer.de)von Tomb Raider: Underworld diesen Eindruck in mir. Laras Augen, nein, ihr halbes Gesicht wurde einfach mal so weggeschnitten. Stattdessen stehen ihre üppigen Rundungen, das sexy Outfit und der durch und durch verschwitzte und ebenso verschmutzte Körper im Vordergrund. Ich weiß ja nicht, ob nur ich so denke, doch solch ein Motiv ist einer Lara Croft alles andere als würdig.

Es wäre schön, wenn ich an dieser Stelle ausschließlich über das Covermotiv meckern müsste. Leider ist das keineswegs der bislang einzige negative Aspekt des Spiels. In der vorliegenden Preview-Fassung plagt sich Lady Croft mit allerlei Kinderkrankheiten herum. Die Kamera verhält sich zuweilen relativ unruhig und könnte sich gerne ein wenig sanfter verhalten. Einige Bewegungsabläufe sowie Animationen der Archäologin wirken aktuell noch zu steif und unnatürlich. Manchmal will sie gar partout keinen Felsvorsprung ergreifen, obwohl sie direkt davor steht. Und einige Slowdowns sorgen für ein eher suboptimales Erlebnis.

Natürlich ist Laras Abenteuer noch unfertig, das haben solche Vorschau-Versionen oftmals an sich. Insofern sollte man das zum jetzigen Zeitpunkt nicht überbewerten, doch ebenso wenig gänzlich ignorieren. Trotzdem kann man davon wohl davon ausgehen, dass Crystal Dynamics angesichts der Qualität der beiden vorherigen Titel diese Fehler noch ausmerzen wird. Schließlich sind es keine groben inhaltlichen Fehler, sondern technische Schwierigkeiten, die einerseits dem Entwicklerteam bekannt sind (daran wird laut Aussage bereits gewerkelt) und die man andererseits in praktisch jedem Spiel vor dem Release (und manchmal leider auch danach) vorfindet.

Hinter dieser rauen Oberfläche versteckt sich indes ein waschechtes Tomb Raider. Wo Legend den Schwerpunkt auf Action verlagerte, widmet sich Underworld wieder verstärkt der Erfoschung. Soll heißen: Die meiste Zeit ist man mit Klettern, Springen oder Schwimmen beschäftigt. Zum Beispiel im Mittelmeer. Genau hier beginnt Laras Reise, in deren Verlauf die Ereignisse aus dem Vorgänger aufgegriffen und fortgeführt werden. Ein einsames Boot liegt auf dem Wasser, rundherum erstreckt sich kilometerweit das kühle Nass. Ein paar Vögel kreisen am blauen Himmel und in der Ferne erkennt man die Umrisse einer Insel. Die interessiert hier jedoch niemanden, denn das Objekt der Begierde – ein alter Tempel – liegt unter der Meeresoberfläche.

Die Frisur sitzt, die Pistolen stecken im Halfter, die Harpune hängt auf dem Rücken und die Taucherausrüstung ist bereit. Also ab nach unten. Der Weg dorthin erweist sich als durchaus gefährlich, denn Haie lauern in der Tiefe. Lara kann sie entweder umschwimmen oder sich auf einen Kampf einlassen. Dabei stehen verschiedene Möglichkeiten zur Wahl. Pistolen erzielen zwar auf kurze Distanz eine gute Wirkung, ihre Kugeln verlieren allerdings schnell an Geschwindigkeit und weichen von ihrem Kurs ab. Als effektiver erweist sich die Harpune. Ein Schuss und das Problem ist gelöst. Oder man verwendet die ganz fiese Methode: Den Hai nah herankommen lassen, im letzten Moment ausweichen und ihm dabei eine Haftgranate als Leckerli verabreichen. Kurze Zeit später rummst es ordentlich und aus dem hungrigen Fisch wird Hackfleisch.

Eine erste Hürde wäre somit überwunden. Die Zeit ist reif für das erste richtige Rätsel. Bevor Lara in den Tempel eindringen kann, muss sie die Tür öffnen. Da weit und breit keine Klingel zu sehen ist, vertraut sie auf ihre übliche Vorgehensweise, die da lautet: Schlüssel/Schalter suchen. In diesem Fall eine Art „Ventil“, mit der man die drei Symboltafeln am Eingang so lange dreht, bis drei Augen in der Mitte stehen. Eines der Ventile steckt praktischerweise schon direkt in der Vorrichtung, das andere liegt ein paar Meter entfernt. Und das dritte findet man wieder ganz woanders. Was hier noch relativ einfach aufzustöbern ist, erfordert im späteren Spielverlauf schon ein wenig mehr Zeit und vor allem graue Zellen. Steckt man irgendwo fest, hilft der PDA mit nützlichen Tipps weiter.

Dass Underworld dennoch der Action nicht völlig entsagt, verdeutlicht der nach dem Tempel folgende Abschnitt. Ein paar böse Jungs haben Lara ein Artefakt weggeschnappt. Das lässt sie sich keineswegs gefallen und manövriert ihr Boot neben das deutlich größere Schiff der Fieslinge. Nun noch schnell den Anker nach oben klettern und schon beginnt die Show.

Man schießt sich an den Wachen, die übrigens in der aktuellen Version alle gleich aussehen, vorbei ins Innere des Schiffes, in dem es schließlich zu einer interessanten und zugleich vertrauten Begegnung kommt. Hier fallen gleich mehrere Dinge ins Auge: Erstens macht das Kampfsystem von Uncharted im direkten Vergleich den besseren Eindruck. Lara visiert ihre Gegenspieler wie gewohnt automatisch per Knopfdruck an, wodurch anschließend nur noch eine simple Betätigung des Feuerknopfs nötig ist. Währenddessen springt oder rollt sie munter durch die Gegend. Schön und gut, aber Spannung und Dynamik kommen dabei kaum zum Vorschein. Selbst das durch Treffer gesammelte Adrenalin und die somit zuschaltbare Bullet-Time haben da keinen großen Einfluss.

Zweitens stößt man zusätzlich auf so genannte „Adrenalinsequenzen“. Eine andere Form der Quick-Time-Events, wenn man so will. Kleines Beispiel: Lara läuft einen Gang entlang. Plötzlich erschüttert eine Explosion das Schiff. Während ihr brennende Kisten entgegen fliegen, schaltet das Spiel in Zeitlupe. Mit Hilfe der normalen Tastenbelegung weicht man dieser brenzligen Situation aus, was zuweilen ganz schön knapp ausgeht. Und drittens fährt Lady Croft nun Nahkampfangriffe auf. Das macht besonders dann Sinn, wenn man direkt vor einem Gegner steht. Alternativ nimmt man ein wenig Anlauf und springt á la Bruce Lee mit einem Fuß voraus in Richtung des bedauernswerten Opfers.

Ihre Tritte haben noch einen weiteren Nutzen. In sämtlichen Abschnitten sind immer wieder uralte, kostbare und zerbrechliche Vasen verteilt. Und was macht Lara damit? Einfach durch einen gepflegten Kick in ihre Einzelteile zerlegen und den möglicherweise darin enthaltenen Schatz einsammeln. Die sehen übrigens alle gleich aus. Ein kleines, eckiges und leuchtendes „Ding“. Was das genau darstellen soll, erfährt man nicht. Laras PDA listet lediglich die Zahl der bereits eingesammelten Gegenstände und die Menge der insgesamt vorhandenen Objekte in einem Level auf. Keine detaillierte Ansicht. Keine Details. Stattdessen verschenktes Potential, denn dadurch wirkt sie allenfalls wie eine gierige Grabräuberin.

Im Anschluss an das bleihaltige Intermezzo an Bord des Schiffes verschlägt es die Dame nach Thailand. Und hier lässt Crystal Dynamics wahrlich die Muskeln spielen. Underworld verfügt über eine wirklich fantastische Optik. Die malerischen Landschaften. Der dichte, saftig grüne Dschungel. Die schönen Licht- und Schattenspiele. Die riesige Architektur. In einer der Katakomben spiegelt sich beispielsweise das Licht des glitzernden Wassers stimmungsvoll an Wand und Decke. Und wenn Lara an einem solchen Ort steht, wird auch sie vom dem sich stetig in Bewegung befindlichen Reflektionen in helle und dunkle Bereiche eingetaucht. Sollte es irgendwo mal ein wenig zu düster werden, hilft die Taschenlampe weiter. Sie erhellt zuverlässig alle finsteren Ecken. Selbst Laras Gliedmaßen werfen Schatten auf die Umgebung, sofern sie den Lichtstrahl kreuzen.

In die Kategorie „Eye Candy“ fällt der Schmutz, der sich auf der Haut der Protagonistin ansammelt. Je mehr sie sich im Dreck wälzt, desto dringender empfiehlt sich ein Bad. Es sei denn, man mag es schmutzig. Wie auch immer. Nach einem kleinen Abstecher ins Wasser glänzt ihre feuchte Haut wieder sichtlich vor sich hin und kleine Wassertropfen fallen gen Boden.

Speziell in Thailand, aber auch schon zuvor, zeigt sich, dass Lady Croft einige neue Fähigkeiten gelernt hat. An vorgegebenen Stellen klettert man nun etwa an der Wand entlang. Dazu dienen wirklich kleine Steine, die ein Stückchen aus dem Gemäuer herausragen. Mit dem Stick kann man sich, sobald sie einmal daran hängt, mehr oder weniger frei in die vorgesehene Richtung bewegen. Andernorts wirft Lara mit kleinen Steinblöcken um sich, die sie als Gewichte für Schalter auf dem Boden benötigt.

Um die schweren Würfel in einen nebenan befindlichen Raum zu schaffen, muss man das gute Stück erstmal aufnehmen, sich selbst auf einen Schalter stellen und den Brocken dann unter der dadurch geöffneten Tür hindurch schleudern. Der magnetische Greifhaken aus Legend ist ebenfalls wieder mit von der Partie. Offensichtlich hat man ihn mit etwas stabilerem Material ausgestattet. Das daran befestigte Seil lässt sich nun um Objekte herum ziehen. Nebenbei seilt man sich hier und da auf eine niedrigere Ebene ab.

Den Spielfluss erhöht Laras verbessertes Bewegungsrepertoire auf jeden Fall. In den Vorgängern führten kleine Hindernisse wie Steine oder umgekippte Felssäulen dazu, dass sie stur dagegen läuft und dumm aus der Wäsche schaut. Underworld löst das anders. Die Heldin absolviert ganz von selbst einen kleinen Sprung über diese Objekte oder vollführt gleich einen kleinen, eleganten Handstand darüber hinweg – und zumindest ersteres auch im Kampf.

Um es kurz und schmerzlos zu machen: Underworld braucht auf jeden Fall noch ordentlich Feintuning. Ich bin aber zuversichtlich, dass man diese Probleme bis zum Release in den Griff bekommt. Und eben jene Kritik sollte man lieber beherzigen, ansonsten würde es diesem Abenteuer, das im Großen und Ganzen einen sehr gelungenen Eindruck macht, nur unnötig schaden. Wem in Legend zu viel geschossen wurde, der darf hier wieder fröhlich klettern, springen, balancieren und schwimmen. Eben das, was man von Tomb Raider eigentlich erwartet. Underworld bewegt sich somit deutlich erkennbar wieder zurück zu den Wurzeln der Reihe. Inwieweit man diesen Weg tatsächlich beschreitet, wird jedoch erst der Test zeigen.

Tomb Raider: Underworld erscheint am 21. November für PC, Xbox 360, PlayStation 3, Wii, PlayStation 2 und Nintendo DS.

 

 

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