BlackSite

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Midway
Entwickler
Midway
Genre
Shooter
PC: BlackSite

Gesamtwertung

6/10

PC: BlackSite

Eigentlich soll man sich ja über Videospiele nicht aufregen. Doch wie es den Entwicklern von BlackSite gelungen ist, trotz fantastischer Voraussetzungen nur Durchschnitt zu produzieren, ist mir ein Rätsel. Star-Designer Harvey Smith, die Unreal Engine 3, die genialen Physikroutinen von Stranglehold und ein erfahrenes Entwickler-Studio allein machen eben noch keinen Hit. BlackSite ist ein Paradebeispiel für eine verpasste Chance und wird viele Fans schwer enttäuschen. Gerade im hart umkämpften Weihnachtsgeschäft reicht es nicht, Standardware abzuliefern. Dabei hatte alles so wunderbar begonnen...

Pünktlich zum Midway Gamers Day 2007 wurde ein Shooter angekündigt, der auf dem Papier schon mal recht viel versprechend klang. Die Macher des schwer unterschätzten Alien-Shooters Area 51 wollten gemeinsam mit der Game Designer-Legende Harvey Smith (Deus Ex, System Shock, Thief) einen „politischen“ Nachfolger produzieren, der in bester Verschwörungstheorie die amerikanische Außenpolitik an den Pranger stellt. Garniert mit einer schicken Grafik-Engine und einem gefälligen Gegner-Design galt der Titel lange als echter Geheimtipp und wurde bei den Fans des Szenarios ganz hoch gehandelt.

Auch die erste Demo im Mai diesen Jahres sah fantastisch aus. In einer verregneten Nacht musste sich eine amerikanische Spezialeinheit durch das verschlafene Örtchen Rachel kämpfen und es mit genetisch manipulierten Supersoldaten und waschechten Aliens aufnehmen. Dank gelungener KI, zerstörbarer Umgebung und nahezu perfekter Präsentation schien da eigentlich nichts mehr schief gehen zu können. Doch es kam, wie so oft, ganz anders als man denkt und der Titel glitt den Entwicklern aus den Händen.

Als bei der nächsten Präsentation erste Schwierigkeiten auftauchten, schob man es zuerst auf die unfertige Version. Doch einige der grundlegenden Gameplay-Elemente, wie die deutlich zu stumpfsinnigen Rail-Shooter-Sequenzen, funktionierten einfach nicht. Trotzdem gibt man als echter Fan die Hoffnung nicht auf. Schließlich sitzt da ein hervorragender Game Designer dran. So viel kann da ja nicht schief gehen. Wieder falsch gedacht!

Nun steht das Endergebnis im Laden und es entspricht leider nicht den Erwartungen. Dabei ist die Story eigentlich noch ganz ansehnlich. Die politische Komponente ist zwar irrelevant, doch der Rest ist herrlich verquasteter Trash, den man so viel zu selten zu sehen bekommt. Gleich der erste Twist im Irak, wo man erst auf der Jagd nach Massenvernichtungswaffen ist und dann in einem Bunker ein außerirdisches Artefakt findet, ist durchaus gelungen. Doch leider zeigt dieser Level auch schon eklatante Mängel, die sich im Laufe der Zeit kaum bessern.

Die extrem schwankende Grafik-Qualität ist von Anfang an ein Dorn im Auge. In einem Moment reißt Ihr noch vor Begeisterung den Mund auf, um die satten Farben und Effekte zu bewundern, nur um ihn im nächsten Moment wieder enttäuscht zu schließen. Ihr werdet nicht glauben, welch platte Texturen und langweiligen Modelle mit der mächtigen Unreal Engine 3 möglich sind.

Das Waffenhandling ist dagegen gar nicht mal so schlecht. Das Sturmgewehr besitzt zwar keinen nennenswerten Rückstoß, doch dank der leichten Streuung wird es nicht zur Überwaffe. Auch das Scharfschützengewehr, der Raketenwerfer und die Pistole gehören zur netten Standardausrüstung, die durch ein paar interessante Alien-Kreationen ergänzt wird. Eine Schrotflinte, die auch um die Ecke schießt und eine mächtige Plasma-Gun trösten über einige Unzulänglichkeiten hinweg.

Hässliche Straßen, kahle Landschaften und ständig wiederkehrende Felsformationen, verwandeln einige Abschnitte in ein Gruselkabinett. Die später auftauchenden Reborn-Soldaten liefern sich mit Euch zwar ein paar heiße Gefechte, doch die Umgebung kann mit der Action nur selten mithalten. Erst zum Ende hin, fängt sich der Titel und wird optisch deutlich runder. Wenn Ihr dann Euer erstes Riesen-Alien erledigt, kommt sogar wieder so etwas wie Stimmung auf. Trotzdem müsst Ihr auch hier mit schlecht umgesetzten Animationen und kleinen Stimmungskillern leben.

Rein spielerisch bleibt BlackSite ein Shooter der alten Schule. Unbeirrbar lauft Ihr in Richtung Level-Ausgang und stellt Euch alle paar Meter einer neuen Gegnerformation. Salven zwingen Euch immer wieder in Deckung, Ihr bringt hektisch das Team in Stellung und sorgt mit Granaten für eine Verschnaufpause. Neben dumpfen Berserkern verwickeln Euch die Reborn-Soldaten in harte Stellungsgefechte, die bis aufs letzte Blut ausgetragen werden. Dazwischen warten gewaltige Aliens auf ihre Vernichtung und Ihr müsst Euch in recht offenen Fahrzeugleveln gleich gegen Dutzende Sandwürmer verteidigen.

Der Verzicht auf jede Form von Orientierung wird durch die meist recht engen Levels abgemildert. Habt Ihr dann aber mal ausnahmsweise etwas mehr Platz, seid Ihr ständig auf der Suche. Immerhin gibt es ein recht hilfreiches Squad, das mit der einzigen Innovation des Spiels aufwarten kann. Kämpft Ihr mutig und immer an vorderster Front, ist die Truppenmoral gut und Eure Mannschaft wird mit der Zeit immer effektiver. Versteckt Ihr Euch und lasst sie alles allein machen, nimmt sie stetig ab und Euer Team geht schnell zu Boden.

Leider funktioniert das System nicht immer einwandfrei und kann bei Anfängern für Frust sorgen. Schon auf dem zweiten Schwierigkeitsgrad müssen immer wieder Zwangspausen eingelegt werden, um Energie zu tanken. So entstehen fordernde, aber auch recht anstrengende Gefechte, denen die Dynamik anderer Shooter abgeht

Angesichts des ungewöhnlichen Szenarios wäre das alles noch kein Beinbruch, wenn BlackSite nicht an vielen Stellen so unfertig wirken würde. Skript-Fehler, „teleportierende“ Gegner, hölzerne Animationen und die stocksteifen Zwischensequenzen gehen mit der schlechten deutschen Sprachausgabe eine unheilige Hochzeit ein. Gerade in den ruhigeren Abschnitten, müsst Ihr wirklich beide Augen zudrücken, um nicht im Reflex die Konsole auszuschalten.

Zwischendrin blitzt immer mal wieder Genialität auf, die aber von den halbgaren Elementen in den Hintergrund gedrängt wird. In Kombination mit der schicken Beleuchtung werden Euch zwar einige Bilder positiv in Erinnerung bleiben und gerade im letzten Level wirken auch die Texturen wie aus einen Guss. Trotzdem fehlt dem Titel einfach das Balancing, die Liebe zum Detail und die Perfektion, die andere Shooter zu bieten haben. Bei einem Call of Duty 4 stört der enge Level-Schlauch kaum, weil die Gefechte zu packend präsentiert werden. Die Halo 3-Fahrzeuglevel sind zwar auch nicht jedermanns Sache, doch da gibt es wesentlich mehr Abwechslung und vor allem auch unterschiedliche Fahrzeuge.

Ähnlich lieblos bzw. unfertig wirkt auch der Multiplayer. Ohne Physik und irgendwelche anderen Besonderheiten, kann sich der Titel einfach nicht in dem starken Konkurrenzfeld halten. Stört man sich in der Kampagne kaum an der langsamen Gehgeschwindigkeit, vermisst man im Multiplayer definitiv eine Sprint-Funktion. Allein die stimmigen Karten könnten zu einer kurzen Partie einladen, wenn man denn einen Gegner findet. Momentan ist noch recht wenig los, doch da das Spiel bisher nur in den USA erschienen ist, besteht noch eine zarte Hoffnung. Für mehr als ein paar witzige Runden ist der Multiplayer aber auch mit Gegnern nicht gut.

Blacksite hatte die besten Voraussetzungen, um ein sehr guter Titel zu werden. Doch irgendwo auf dem Weg vom Konzept über die Demo zum Endprodukt sind die Entwickler samt ihrem Star Harvey Smith ins Straucheln geraten. In diesem Zustand kann man den Titel nur absoluten Genre-Fans empfehlen, die sich für das Szenario begeistern und über die Fehler gnädig hinweg sehen.

Im Haifischbecken des Weihnachtsgeschäfts hat BlackSite aber wirklich nichts verloren. Vielleicht wäre es besser gewesen, den Entwicklern noch ein paar Wochen Zeit zu geben und es wie die PS3-Fassung im Frühjahr zu versuchen. Ich bin auf jeden Fall gespannt, ob die Zeit genutzt wird, um zumindest die gröbsten Fehler auszubessern. Ich befürchte aber, dass aus dem hässlichen Entlein, am Ende doch kein Schwan wird.

BlackSite erscheint am 23. November für die Xbox 360 und den PC. Für die PS3 erscheint es im Frühjahr.

 

 

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