Silent Hill Origins

Review
Plattform
Sony PlayStation Portable
Vertrieb
Konami
Entwickler
Climax
Genre
Action
PSP: Silent Hill Origins

Gesamtwertung

7/10

PSP: Silent Hill Origins

'It's all about control.' titelte kürzlich noch ein Kollege in seinem Test zu Sega Rally. Nun, der Satz gilt auch für Silent Hill Origins auf der PSP. Aber in einem ganz anderen Sinn.

Die Welt von Silent Hill bot schon immer zwei Gesichter und wie Janus zeigte sich eines in einem sehr relativen Sinne freundlich, während das andere weinte. Hier in den meisten Fällen blutige Tränen vor Trauer und Zorn.

Die Wechsel zwischen den beiden Welten, der fast normalen Kleinstadt auf der einen und dem Hort des Wahnsinns, einen Schritt hinter dem Abgrund zur Hölle, auf der anderen, trafen den Spieler meist unvorbereitet. Er hatte nie das Gefühl, Herr seines Schicksals zu sein - dem Wechsel von furchterregend zum absolutem Horror ausgeliefert.

Bis zu Origins. Mit einem wahnsinnig guten Effekt zeigen alle Spiegel die andere Welt, nah und doch unerreichbar voneinander getrennt. Unerreichbar? Von wegen! Eine Berührung des Spiegels reicht und der Wechsel vollzieht sich. Das ist alles?

Alice musste wenigstens durch das Hasenloch, um in die Welt hinter dem Spiegel zu kommen und Teil eins lehnte sich seinerzeit auf wunderbar grausame Art an diese Geschichte an. Hier habt Ihr es in der Hand. Ihr wisst, wann Ihr wechselt. Ihr stählt vorher kurz Eure Nerven, wählt eine Waffe und los gehts. Ja, it´s all about control und hier habt Ihr sie. Leider.

Überhaupt seid Ihr in den Anfängen der Geschichte um den verwunschenen Ort noch weit mehr Herr über Euer Schicksal. Jedenfalls mehr als die getriebenen und verzweifelten Protagonisten im chronologisch späteren Silent Hill. Dies könnte aber auch an dem etwas schlichter gestrickten Charakter von Travis Grady liegen. Zu verraten, was ihn bewegt und wie er mit allem verbunden ist, würde das größte Geheimnis des Spiels spoilern. Allzu lange wird es aber nicht dauern, bis Ihr hinter seine Fassade blickt und lange vor der Auflösung – nach ca. fünf bis sechs Stunden Spielzeit –, haben die meisten von Euch sie sicher schon kommen sehen.

Dies liegt nicht zuletzt daran, dass Origins etwas zu verzweifelt versucht, eine Brücke zwischen den Filmen und den vorangehenden Spielen zu schlagen. Es muss hoch angerechnet werden, dass Konami diesen kleinen Trick sogar recht geschickt hinbekommt. Zumindest wenn es darum geht, die Zahl logischer Fehler auf ein Minimum zu reduzieren. Der Spannungsbogen leidet aber deutlich für jeden von Euch, der den Film kennt. Solltet Ihr die recht brauchbare cineastische Umsetzung noch nicht kennen: Hebt sie Euch auf! Sollte dies allerdings Euer erster Besuch im lauschigen Silent Hill sein: Löscht das Licht, kramt Eure Kopfhörer hervor und macht Euch auf einen perfiden Trip in die kranke Psyche des japanischen Horrors gefasst!

Es war sicher eine weise Entscheidung dem Climax US-Team das Spiel wieder aus der Hand zu nehmen. Dort plante man eigentlich einen Ausflug in Richtung Resident Evil 4. Der Stil sollte wechseln, weg vom Horror, hin zum Splatter. Climax UK, welche das Projekt schließlich fertig stellten, setzten wieder alle bekannten Elemente des Gruselns ein, die der Serie einfach ihren unverwechselbaren Charakter geben.

Die dunkle Parallelwelt mit ihrem Eisenboden ist zurück, die Krankenschwestern patrouillieren zusammen mit den Typen, die im wörtlichen Sinne umgekrempelt wurden. Die Statik knistert, wenn es eng wird, das Blut fließt von den Wänden. Einzig die bisher zombiehaften Gesichter der Lebenden, die sie fast noch deplatzierter auf dieser Welt als die Monster wirken ließen, tauschte man gegen fast freundliche und vor allem normale Zeitgenossen aus.

In dieser Freude an der Reminiszens an alle bekannten Elemente liegt auch für die Kenner der Reihe die größte Gefahr. Permanent wird Euch das Gefühl beschleichen, alles schon mal gespielt zu haben. Sicher, ein Silent Hill ohne ein Krankenhaus wäre kein Silent Hill. Nur muss es denn immer fast gleich aussehen? Dies ist insoweit ein echter Kritikpunkt, da gerade diese Spielergruppe den größten Teil der Story aus den anderen Teilen ziehen kann.

Für die Frischlinge unter Euch bleiben zwar nicht viele Fragen nach dem Spiel offen, einige Hinweise und Verknüpfungen werdet Ihr aber zwangsläufig einfach verpassen. Dafür bleibt Euch das Gefühl fremdartigen Horrors, das wir anderen schon so gut kennen. Ihr seht die Zwickmühle, in der sich Konami befindet und es wird spannend, wie und ob sie in Teil fünf eine angemessene Lösung für dieses Dilemma finden.

Eine echte Altlast dagegen stellt das nach wie vor sehr mäßige Kampfsystem dar. Es gibt zum Glück nur relativ wenige Momente, in denen Ihr wirklich Kämpfen müsst – wer den Film kennt: an den Krankenschwestern kommt man auch in Origins so vorbei – dann aber werdet Ihr froh sein, wenn es geschafft ist. Nach wie vor klappt die Zielaufschaltung zwar ganz ordentlich, einem gegnerischen Angriff auszuweichen wird Euch aber nach wie vor in Rage versetzen. Dass Schlagwaffen dann nur wenige Male benutzt werden können, bevor sie zerbröseln, senkt den Blutdruck nicht wirklich.

Die Wut im Bauch ob dieses, seit Teil eins bekannten, Mangels wird nicht kleiner angesichts der Tatsache, dass Konami offensichtlich die störrische Kamera zum festen Bestandteil der Serie erhob. Ja, es löst Emotionen aus, wenn das Spiel Euch das Monster vor Euch verheimlicht und statt dessen Travis rechte Augenbraue in Großaufnahme präsentiert. Nur sind es nicht die Emotionen, für die Ihr Geld bezahlt habt.

Von diesen Unzulänglichkeiten einmal abgesehen, hat Konami das wohl derzeit optisch atmophärischste Spiel überhaupt auf die kleine UMD gebannt. Die Licht- und Schatteneffekte werden Euch in den Bann ziehen und die Umgebung jenseits des kleinen Screens schnell vergessen lassen. Dazu trägt wie immer die Komposition Akira Yamaokas bei. Ihr werdet wieder einmal angesichts der beängstigenden und beklemmenden akustischen Kulisse kaum glauben, dass der Mann ansonsten fast ausschließlich Beatmania- und Dance Dance-Soundtracks bastelt. Hier lässt er mal wieder seiner dunklen Seite freien Lauf und entführt Euch in die Abgründe des Klangs.

Wie gut Euch Silent Hill Origins letztlich gefallen wird, hängt zu einem großen Teil von Eurer Erfahrung mit der Serie ab. Die Gestählten unter Euch spielen es wegen der Story, könnten sich aber an dem allzu vertrauten Gruselgefühl und der billig wirkenden ständigen Möglichkeit, die Welten jederzeit zu wechseln, stoßen. Es ist halt wieder einmal das gleiche, neu gemixt. Sollten Eure Wege aber bisher nicht durch Silent Hill geführt haben: Willkommen...in der Hölle! Es ist grausiger, subtiler und gekonnter Horror in Reinkultur, fernab des billigen Splatters, routiniert und spannend erzählt. Neben den alten Macken Kamera und Kampf bleibt aber eine Kritik, die für alle gilt: ca. 40 ¤ und fünf bis sechs Stunden Spieldauer dürfen nicht Hand in Hand gehen. Etwas weniger oder mehr muss es sein.

Eine Umsetzung der ab sofort erhältlichen PSP-Version von Silent Hill Origins ist nicht zu erwarten. Auf Sonys Kleinster hat es dafür keine Jugendfreigabe, ist ab 18 und uncut.

 

 

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