Valkyrie Profile: Covenant of the Plume

Review
Plattform
Nintendo DS
Vertrieb
Square Enix
Entwickler
Tri-Ace
Genre
Andere
DS: Valkyrie Profile: Covenant of the Plume

Gesamtwertung

8/10

DS: Valkyrie Profile: Covenant of the Plume

Die Japaner kriegen es einfach nie ganz richtig hin. Da basteln die Entwickler doch glatt ein wundervolles, mystisches und durchdachtes Szenario zusammen, das dunkel und böse daherkommt, und setzen dann einen Helden hinein, der die meiste Zeit das übliche, schlechtlaunige Emo-Kind im Stile von Cloud und Co. mimt. Dabei hätte die Story um unersättlichen Rachedurst doch zu einem so richtigen Fiesling eingeladen.

Des Helden einziger Wunsch ist es, die Walküre zu vernichten. Schließlich war sie es, die seinen auf dem Schlachtfeld verschiedenen Vater holte – was eigentlich per Definition ihr Job ist – und im Anschluss an den Tod des Vaters das Familienleben den Bach runterging. In Armut geendet, schließt er sich einer Söldnergruppe an und es dauert nicht lange, bis es auch ihn erwischt. Die Göttin der Unterwelt Hel spürt aber seinen Zorn auf die Welt im Allgemeinen und die Walküre im Besonderen und bietet ihm einen Deal an. Er wird leben und nimmt die Feder der Walküre an und sieht zu, dass diese so viel Blut aufsaugt, bis sie den Farbumschlag ins Schwarze schafft. Dann wird er die Walküre töten können. Sollte ihm dies jedoch nicht gelingen, drohen schlimmste Höllenqualen. Ein Standardvertrag mit dem Teufel halt.

Von seiner Gier nach Vergeltung getrieben, schlägt Wylfred in das Geschäft ein und Ihr brecht zum blutigsten aller Feldzüge auf. Was hätte dies für einen Finsterling als Helden ergeben können, einen echten dunklen Ritter, der nichts und niemanden außer den Kampf selbst huldigt und durch ein Meer der roten Rache watet. Stattdessen scheint sich Wylfred in keiner Rolle so richtig wohlzufühlen.

In den etwa 20 Stunden von Valkyrie Chronicles: Covenant of the Plume lebt er wechselhaft zwischen nörgelig, missgelaunt, mal etwas dümmlich und sonst recht normal. Zu einem glaubwürdigen Zwiespalt findet er leider viel zu selten. Nur gut, dass der restliche Cast diese Kastanien aus dem Feuer holt und Ihr mit einer ganzen Gruppe von stimmiger Begleitern aller Geschmacksrichtungen weit entspannter durch die Gegend zieht, als es allein mit dem recht belanglosen Wylfred der Fall wäre.

Und dass Ihr Eure Weggefährten ins Herz schließen könnt, macht den Abschied nur um so schwerer. Tri Ace baute für das DS die Valkyrie-Serie komplett in ein rundenbasiertes Felder-Strategie-Spiel um, ganz im Stile von Final Fantasy Tactics. Neben allen Randzielen, die die Handlung Euch vorgibt, bleibt es Eure Hauptaufgabe, die Feder zu schwärzen. Und dafür müsst Ihr in den Kämpfen Sündenpunkte sammeln. Der effektivste Weg ist der härteste und will bei jedem Einsatz wohlüberlegt sein. Denn einmal angewendet gibt es kein Zurück mehr.

Ihr könnt mit der göttlichen Macht der Feder einen Eurer Mitstreiter auswählen und diesen in eine fast unbezwingbare Kampfmaschine verwandeln, die auch einen fast schon verloren geglaubten Kampf noch einmal herumreißen kann. Wo vorher ein Schwert für 100 Punkte traf, schlägt es nun mit 500 zu. Ein Spruch lässt statt einer leicht angeschwärzten Rüstung nur noch die rauchenden Stiefel des Feindes zurück und Pfeile treffen wie von Diane persönlich geschossen.

Der Preis könnte allerdings nicht höher sein. Nach dem Kampf stirbt Euer Begleiter unrettbar. Und um es noch abzurunden: Einfach nur mal schnell einen Gast-Streiter aufrauchen, zählt nicht. Es muss jemand sein, der Euch vertraut und dauerhaft folgt, nur dann befindet Hel die Tat als böse genug und belohnt Euch mit so viel Sünde, wie Ihr nur tragen könnt.

Der übliche Weg, die wertvollen Sündenpunkte zu ergattern, besteht im Hollywood-Sadisten-Tod. Das ist das Ende, in dem es nicht reicht, dass der Held den Fiesling einfach nur erschießt. Der Böse muss auch noch aus dem vierten Stock fallen und als Abschluss zudem eine Ladung Stahlträgern auf ihm landen. Und natürlich öffnet er noch ein letztes Mal entsetzt die Augen, bevor diese aufschlagen. Erst dann ist er gestraft und tot genug. Und genau das sollt Ihr hier eigentlich jedem Feind zuteil werden lassen. Es nennt sich Overkill und je mehr Trefferpunkte über tot Ihr landet, desto mehr Sündenpunkte sammelt Ihr. Also haltet immer drauf, hackt noch mal nach und werft einen Feuerball auf die schon längst gefallenen Krieger. Es lohnt sich für Euch und Hel, die Euch in jeder Schlacht ein Sündenziel setzt, das bei Erfolg mit kleinen Items belohnt wird.

Ein einzelner Charakter wird es aber kaum schaffen, so richtig viel Overkill zu erreichen. In Valkyrie Profile zählt deshalb in erster Linie die Stärke der Gruppe, die Ihr in Reichweite eines Gegners postiert. Ihr steht mit maximal vier Figuren auf dem Feld, von der jede ihren eigenen Zug und Aktion hat, genau wie man es aus zig anderen Spielen dieser Art kennt. Sobald Ihr aber mit Eurem Krieger zum Angriff übergeht, wird geprüft, welche Eurer Helden sich noch in Reichweite befinden. Alle, die entweder direkt herumstehen oder mit ihren Bögen und Zaubern freie Sicht haben, werden jetzt den Angriff unterstützen. Sogar wenn sie vorher schon bewegt wurden, womit ein Kämpfer auf bis zu vier Kampfaktionen pro Runde kommen kann.

Auf dem Kampfscreen tauchen neben dem Attackierten so bis zu vier Eurer Charaktere auf, jeder mit seiner eigenen Angriffstaste markiert. Es steht Euch nun völlig frei, in welcher Reihenfolge oder welche Taste gleichzeitig Ihr für die Angriffe und Kombos drückt. Ihr werdet immer neue Weg finden, die Attacken zu kombinieren und auf absolut vernichtende Varianten stoßen wie auch auf solche, die sich nicht lohnen.

Es rechnet sich einfach nicht, mit dem Schwertkämpfer dem Gegner durch einen Hieb in die Luft zu befördern, nur damit der Bogenschütze seinen Pfeil dann unter ihm durchschießt und vergeudet. Eine Kombination aus Blitzzauber und Giftzauber, mit der Euch gerade zu Anfang ein paar Gegner piesacken, stellt sich als absoluter Vernichter heraus, der die beiden für sich genommen eher milden Angriffe potenzieren.

Sollte der Angegriffene dieses Mobbing überstanden haben, darf er, sofern er nicht kurzzeitig benommen sein sollte, noch einen Konter landen. Da er diesen grundsätzlich allein ausführt, dürfte das im Vergleich zur Gruppenattacke allerdings mehr als ein Trostpflaster zu verstehen sein. Nicht nur Ihr genießt die Vorteile der Gruppe, der Computer ist sich dessen auch bewusst und setzt es ziemlich rücksichtslos gegen Euch ein. Aus der Tatsache, dass der Einzelne nicht viel, die Gruppe aber alles wert ist, ergibt sich ein durchaus neuer Blick auf das eigentlich so vertraute Schlachtfeld. Nicht nur dürft Ihr noch weniger als in anderen Genrevertretern Alleingänge wagen, die Gefahr, die von ein paar geschickt positionierten Feinden ausgeht, wächst enorm und damit auch die Anforderung an Eure Planung.

Die KI scheint allerdings unter leichter Schizophrenie zu leiden. Seid Ihr erst einmal in der Reichweite der Figuren, weiß sie recht gut, wie sie Euch wirklich schmerzhaft trifft und nutzt jede Schwäche in Eurer Positionierung hemmungslos aus. Sobald die Feindfiguren jedoch ein wenig abseits stehen, rühren sie sich keinen Millimeter und sehen aus sicherer Entfernung zu, wie Ihr ihre Kameraden in Ruhe abserviert. Auf diese Weise lässt sich eine Vielzahl der nie zu großen Schlachten bequem bestreiten.

Wagt Euch nicht zu weit vor, kümmert Euch um alles, was in direkter Nähe steht, und guckt erst einmal, wer überhaupt von der Gegenseite vorrückt. Meist ergibt sich der Rest und mit Ausnahme einiger sehr aggressiver Schlachten, in der die KI wirklich zu Euch möchte, habt Ihr bald eine gesunde Routine entwickelt. Das dies nicht zum größeren Problem ausartet, liegt daran, dass Euch auch schon so manche Dreiergruppe für sich mächtig in die Zange nimmt und Ihr froh seid, dass ihre Freunde für den Moment Abstand halten.

Der Härtegrad insgesamt liegt damit irgendwo zwischen den beiden Final Fantasy Tactics in einem recht gesunden Mittelfeld. Ein komplexes Jobsystem sucht Ihr hier übrigens vergeblich, was jetzt für manchen Spieler, der sich lieber auf die Schlachten als das Mikromanagement konzentriert, nicht unbedingt von Nachteil sein muss. Normalerweise würde ich auch nichts gegen den praktisch obligatorisch fehlenden Multiplayermodus mäkeln. Jedoch machte im Dezember das Remake des ersten Fire Emblem vor, dass so etwas wohl doch ganz gut möglich ist.

Bedenkt Ihr, dass nicht nur die Serie, sondern auch Tri Ace das erste Mal einen Vorstoß in das Genre der Taktik-Rollis wagt, erstaunt es, wie nah sich Valkyrie Profile: Covenant of the Plume an die PSP-Schwergewichten Jeanne D´Arc und FF Tactics heranwagt. Gerade Spieler, die ein etwas erwachseneres Szenario bevorzugen, werden hier trotz des in seiner Mittelprächtigkeit schwelgenden Helden fündig. Handlung und Szenario bleiben immer noch düster genug und die Geschichte um Schuld und Sühne reizt bis zum bittersüßen Ende.

Spielerisch wandelt man zwar nicht abseits aller bekannten Pfade, die Gruppenattacken mit ihren schier endlosen Möglichkeiten an Angriffskombination werden aber auch alten Veteranen schnell über die nicht immer so entschlossene KI hinweghelfen und für 15-20 Stunden sicher und fest an das kleine Modul binden. Außerdem lädt Valkyrie Profile: Covenant of the Plume Euch dazu ein, herzhaft zu sündigen. Und wer kann schon einer solchen Aufforderung widerstehen.

Valkyrie Profile: Covenant of the Plume ist ab dem 1. April hierzulande erhältlich.

 

 

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