Batman: Arkham Asylum

Review
Plattform
XBOX 360
Vertrieb
Eidos
Entwickler
Rocksteady Studios
Genre
Andere
X360: Batman: Arkham Asylum

Gesamtwertung

9/10

X360: Batman: Arkham Asylum

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich so langsam aber sicher doch noch zum Batman-Fan werde. Batman Begins war toll. The Dark Knight einfach großartig. Und nun Batman: Arkham Asylum, das sich vor den zuvor genannten nicht zu verstecken braucht. Was das vergleichsweise unbekannte Studio Rocksteady (Urban Chaos: Riot Response) hier aus dem Hut gezaubert hat, ist auf jeden Fall beachtlich – und das in nahezu sämtlichen Bereichen, von Story über Optik bis hin zum abwechslungsreichen Gameplay.

Superhelden gibt es ja wie Sand am Meer. Die meisten von ihnen sind aufgrund irgendwelcher Kräfte (nahezu) unverwundbar, sofern man sie nicht mit Kryptonit bewirft oder ähnliche Schwächen ausnutzt. Batman ist da anders. Im Grunde genommen ist er ein einfacher Mensch, der aber aufgrund seiner antrainierten Stärke, seiner überlegten Vorgehensweise und insbesondere der technischen Hilfmittelchen nicht wirklich Superkräfte benötigt. Das heißt aber auch, dass er verwundbarer ist als Superman und Co., daher agiert er meist im Schatten, schlägt blitzschnell zu und verschwindet dann wieder, ohne gesehen zu werden – zumindest im Normalfall.

Exakt dieses Element ist auch ein wesentlicher Bestandteil von Batman: Arkham Asylum. Zwar kann man sich als Dunkler Ritter auch immer mal wieder mitten hinein ins Getümmel stürzen, es mit mehr als einer Handvoll Gegner gleichzeitig aufnehmen, aber dann gibt es auch Situationen, in denen Taktik, sorgfältige Planung und Geduld gefragt sind. Insbesondere dann, wenn die von Joker - der mal wieder Stress macht, Arkham Island unter seine Kontrolle gebracht hat und Gotham City vernichten will – freigelassenen Insassen der Anstalt mit Schusswaffen durch die Gegend laufen. Und sofern sie ihr Blei in Richtung Batman auf den Weg schicken, sollte man schnellstens die Beine in die Hand nehmen und in der nächsten dunklen Ecke verschwinden, allzu viel hält man davon nämlich nicht aus.

Die Möglichkeiten, die der Fledermaus dabei zur Verfügung stehen, sind vielfältig. Er kann sich zum Beispiel per Greifhaken zu den in einigen Räumen vorhandenen Wasserspeiern in Deckennähe befördern und von dort aus dem Gleittritt ansetzen. Geradezu majestätisch gleitet die Fledermaus mit ausgebreiteten Flügeln Richtung Ziel und verpasst ihm einen beherzten Tritt. Oder man hängt sich lautlos und kopfüber nach unten, wartet bis ein Feind vorbeiläuft und hängt ihn am Wasserspeier auf. Natürlich nicht, um ihn zu strangulieren. Batman tötet seine Feinde nicht, er schlägt sie bewusstlos, damit das Gotham City Police Department sie später wieder bequem in ihre Zellen verfrachten kann.

Alternativ zielt und feuert er mit dem Batclaw auf sein Opfer und lässt es dann über ein Geländer nach stürzen, schleicht sich heimlich über Lüftungsschächte im Boden an, um dann im entscheidenden Augenblick nach oben zu klettern und den Feind lautlos auszuschalten, oder lockt seine Widersacher mit einem geschickt geworfenen Batarang zu einer instabilen Wand, an der man vorher Explosivgel angebracht hat. Auch in diesem Fall heißt es dann „Träum süß“.

Interessant ist hierbei auch die Verhaltensweise von Jokers Schergen. Hängt man einen von ihnen an einem Wasserspeier auf, schreit er lautstark um Hilfe und lockt so seine Kameraden an, die sich dann natürlich erstmal ängstlich umschauen. Und je mehr man von ihnen aus dem Weg räumt, desto nervöser werden sie. Sie geben sich gegenseitig Deckung, marschieren Rücken an Rücken durch das Areal oder drehen sich regelmäßig blitzschnell um, schließlich könnte sich ja Batman gerade von hinten anschleichen. Das führt sogar soweit, dass sie zuweilen regelrecht von Umgebungsgeräuschen erschreckt werden und in ihrer Panik einfach ein paar Schüsse ins Nichts abgeben.

Wie gesagt, die Möglichkeiten sind vielfältig. Damit man entsprechend verwendbare Stellen auch nicht verpasst, nutzt man den per Knopfdruck aktivierbaren Detektiv-Modus. Selbiger taucht die Umgebung in ein bläuliches Licht und hebt etwa Wasserspeier oder Lüftungsgitter orange hervor, während schwache Mauerstücke hellblau schimmern. Auch die Gefährlichkeit der Kontrahenten lässt sich so ohne Weiteres einschätzen. Unbewaffnete Gegner erkennt man bereits über weite Entfernung an ihrem grün leuchtenden Skelett. Tragen sie hingegen eine Waffe, leuchten sie rot. Und wir wissen ja alle, dass Rot in solchen Situationen nichts Gutes bedeutet.

Außerdem braucht man den Detektiv-Modus immer wieder, um bestimmte Rätsel zu lösen. Mehrfach folgt man beispielsweise Spuren einer bestimmten Person, nachdem man eine Flasche mit Alkohol oder Fingerabdrücke gescannt hat. Das nützliche Hilfsgerät zeigt dann eben jene Fingerabdrücke an Wänden, Türen oder Geländern an – oder eben die Alkoholspuren in der Luft. Dann muss man einfach nur noch diesen Hinweise nachgehen und gelangt dann irgendwann zum Ziel. Des Weiteren ist er nötig, um die insgesamt 240 „Riddler-Herausforderungen“ auf Arkham-Island zu lösen. Dabei handelt es sich um versteckte Riddler-Trophäen und diverse andere Objekte, die man entweder aufsammeln oder „fotografieren“ muss. Im Gegensatz zu den Flaggen in Assassin's Creed bekommt man hier aber auch etwas für seine Mühe. Einerseits werden neue Level für den Herausforderungs-Modus (mehr dazu später) freigeschaltet, andererseits erfährt man Hintergrundinfos zu verschiedenen bekannten Schurken, kann sich nette 3D-Modelle im Menü anschauen und erhält Erfahrungspunkte.

Letztere verdient man sich auch, indem man Gegner vermöbelt. Sie dienen gewissermaßen zum Levelaufstieg, wobei nicht wirklich irgendein Level angezeigt wird. Wann immer Batman genügend Erfahrungspunkte gesammelt hat, kann er sich ein Upgrade für seine Ausrüstung oder zusätzliche Manöver freischalten. Das „Umgekehrte Ausschalten“ - bei dem man, wie zu Anfang erwähnt, Fiesewichte an Wasserspeiern aufhängt - zählt zum Beispiel dazu. Ebenso kann man seine Panzerung verstärken, die Effizienz des Batarangs erhöhen und weitere nützliche Dinge verwenden. Eben alles, was den Verbrecherjäger-Alltag erleichtert.

Die Nahkampf-Auseinandersetzungen gehen dabei erstaunlich locker von Hand, dem Freeflow-Kampfsystem sei dank. Selbst der Kampf gegen zehn Schurken gleichzeitig wird damit mehr oder weniger zum Kinderspiel, sofern man denn aufmerksam ist. Über die X-Taste teilt Batman harte Schläge aus, die den Gegenüber meist nach drei Treffern erstmal auf den Boden befördern. Nun kann man ihn entweder gleich ganz ausschalten oder sich seinen Kollegen widmen. Und das nahtlos und ohne Pause. Die Feinde warten nicht etwa, bis man einen von ihnen fertiggemacht hat, bevor sie auf einen losgehen.

Man hat stets auch Kontrahenten im Rücken und muss darauf achten, wenn sie zum Angriff ansetzen. Praktischerweise informiert ein blaues Symbol darüber. In dem Fall sollte man schnell die Y-Taste betätigen, um den Konter einzuleiten. Ebenso hüpft die Fledermaus über die Angreifer drüber, betäubt sie, wirft Batarangs ins Getümmel oder zieht sie per Batclaw zu sich, um ihnen dann eine reinzuhauen. All das ohne Atempause, was die Prügeleien zu einem echten Erlebnis macht. Erst ein Schlag hier, dann hat der von hinten anstürmende Kollege im nächsten Augenblick den Ellenbogen im Gesicht, bevor der Dunkle Ritter zwei Sekunden später in Richtung des nächsten Schurken springt.

Dabei sollte man jedoch nicht außer Acht lassen, dass einige der Kontrahenten mit Messern oder Elektroschock-Stäben bewaffnet sind. Die blocken dann entweder Batmans Angriffe ab oder verpassen ihm dabei einen Stromschlag. Da hilft es dann nicht nur, wenn man einfach auf die X-Taste hämmert. Generell gilt: Je abwechslungsreicher man agiert, je mehr unterschiedliche Manöver man einsetzt, desto mehr Erfahrungspunkte wandern nach erfolgreichen Kombos – etwa 20 Treffer in Folge – auf das Konto.

Neben diesem gewöhnlichen Gesindel stellen sich Batman auch regelmäßig bekannte Fieslinge in den Weg, darunter Killer Croc, Bane oder sexy Poison Ivy. Die Vorgehensweise ist hier von Schurke zu Schurke unterschiedlich. Bane rennt einen gerne mal über den Haufen, was man mit einem Batarang gut kontern kann. Wirft man einen davon auf seinen Kopf und springt schnell zur Seite, kracht er einfach in die nächste Wand ist kurz benommen. Das ist natürlich die Chance, um zuzuschlagen. Gesagt, getan.

Zwar kann Batman beim ersten Angriff einen der Schläuche des Venom-Behälters auf seinem Rücken abtrennen, aber da sind schließlich noch zwei weitere. Und einfach macht er es einem nicht. Er wirft mit Mauerstücken auf Batman und bekommt Unterstützung von Schlägern, die man nebenbei noch verprügeln muss, während man beworfen und überrant wird. Multitasking ist also gefragt. Leider, leider beschränken sich die Bosskämpfe meistens darauf, eben dreimal eine bestimmte Aktion auszuführen, nur immer auf andere Art und Weise. Aber das ist wirklich Meckern auf hohem Niveau, da sie doch stets spannend und fordernd sind.

Was man dem Spiel indes durchaus noch ankreiden kann, ist die fehlende Beeinflussbarkeit der Umgebung. Arkham ist zwar wirklich liebevoll gestaltet worden und glänzt zuweilen mit tollen Details, aber alles bleibt nun mal so, wie es ist. Stühle, Tische oder Regale brechen nicht auseinander, wenn man draufschlägt oder Gegner auf sie wirft. Die Interaktivität beschränkt sich daher lediglich auf die vorgegebenen Punkte, also eben die Gitter der Lüftungsschächte oder die zerstörbaren Wände. Und das ist irgendwie schade, hier hätte man sich gerne eine Scheibe von Ghostbusters abschneiden können, in dem man das Mobilar Stück für Stück zerlegen kann.

Batman: Arkham Asylum stellt insgesamt eine Mischung aus engen Korridoren, größeren Räumen und weitläufigen Arealen dar. Um von einem Gebäude zum nächsten zu gelangen, bewegt sich der Held durch drei offene Bereiche von Arkham Island. Auch hier warten unzählige von Riddlers Geheimnissen auf ihre Entdeckung, aber ebenso stößt man regelmäßig auf Gegner. Gelegentlich lässt einem das Spiel dann auch mal eine kurze Atempause, in der man die Aussicht auf das entfernte Gotham City genießen kann, während der riesige Mond am Himmel erstrahlt.

Nach Absolvierung der Story lädt dann der Herausforderungs-Modus zu weiteren Aktivitäten ein. Die einzelnen Szenarios unterteilen sich in Freeflow- und Jäger-Herausforderungen. Bei ersteren geht es um simple Prügeleien, in denen man so viele Punkte wie möglich erzielen muss, letztere erfordern ein möglichst schnelles und lautloses Ausschalten der Ziele. Für die nötige Motivation sorgen Leaderboards für jede einzelne Karte, die sämtliche weltweit erzielten Ergebnisse auflisten.

Für mich zählt Batman: Arkham Asylum schon jetzt zu den Highlights des Jahres. Hat man einmal angefangen, lassen einen die filmreife Inszenierung, die hervorragende Synchronisation, die wunderbare Optik und das ansprechende, unkomplizierte Gameplay nicht mehr so schnell los. Man will einfach immer mehr, mehr, mehr. Nach den 12 bis 15 Stunden für die Story werden euch die Riddler-Rätsel sowie der Herausforderungs-Modus noch für ein paar weitere Stunden beschäftigen. Es gibt also viel zu sehen, viel zu erkunden. Anschließend bleibt euch jedoch nur die Wartezeit auf mehr, was hoffentlich nicht nur in Form von Download-Content folgt.

Arkham Asylum ist, und da stimme ich mit unseren englischen Kollegen überein, einfach das bislang beste Superhelden-Spiel. Für Batman-Fans und Action-Liebhaber gleichermaßen ein Muss.

Batman: Arkham Asylum erscheint am 28. August für Xbox 360 und PlayStation 3. Die PC-Version folgt erst am 18. September, bietet aber dank PhysX-Technologie ein paar hübschere Effekte. Kleiner Tipp am Rande: Lasst den Abspann des Spiels durchlaufen, es kommt anschließend noch etwas.

 

 

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