Heroes over Europe

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Ubisoft
Entwickler
Transmission Games
Genre
Kampf
PC: Heroes over Europe

Gesamtwertung

6/10

PC: Heroes over Europe

Majestätisch gleiten die grob geschätzt 20 B-17-Bomber über den strahlend weißen Wolken daher und ziehen lange Kondensstreifen hinter sich her. Durch die Wolkendecke kann man vereinzelt das Meer erblicken, während die Sonne vom blauen Himmel hinabscheint. Man könnte die Füße hochlegen und die Aussicht genießen, wenn da nicht diese deutschen Jäger wären, die im nächsten Augenblick wie ein wildes Raubtier aus ihrem Wolkenversteck hervorhechten und sich auf ihre Beute stürzen. MG-Salven durchlöchern die fliegenden Festungen, die aber weiter ihren Kurs halten und ihrerseits bleihaltige Geschenke verteilen.

Ohne Begleitschutz würden sich nicht sehr weit kommen. Also erstmal genug von der Landschaft und auf ins Gefecht. Es geht hoch und runter, immer wieder sind schnelle Richtungswechsel gefragt. Selbst zwischen den ruhig fliegenden Bombern toben heftige Dogfights, wobei man nur um Haaresbreite an ihnen vorbeirast. Die deutschen Angreifer behalten vornehmlich ihr eigentliches Ziel im Auge, wodurch man sie relativ leicht vom Himmel holen kann. Und das natürlich schnellstmöglich, bevor sie ihre Aufgabe erfüllen können.

Als hilfreich entpuppt sich in dem Fall das „Ace Kill“-Feature des Spiels, gewissermaßen vergleichbar mit einem Kopfschuss in Shootern. Behält man einen nahen Feind für knapp zwei bis drei Sekunden mehr oder weniger im Fadenkreuz, kann man diese Aktion auslösen. Die Zeit verlangsamt sich, der Kontrahent wird stark herangezoomt. Mit dem beweglichen Zielvisier kann man nun wichtige Elemente gezielt unter Beschuss nehmen, etwa Motoren oder das Cockpit. Verfehlt man selbige, muss man einen erneuten Anlauf wagen. Anfangs macht das auch Spaß, nutzt sich aber speziell in niedrigeren Schwierigkeitsstufen recht schnell ab, da man die Widersacher auch so schnell vom Himmel holen kann.

Zugegeben, Heroes over Europe hat seine Momente. Etwa eben jene Mission, in der man diese Bomberstaffel hoch oben in den Wolken verteidigen muss. Eine Vielzahl von Jägern schwirrt durch die Gegend, Kugeln sausen durch die Luft, durchlöchern ihr Ziel und lassen es in einem gleißenden Feuerball in tausend Einzelteile explodieren. Hier oben ist die Optik gelungen, belohnt mit wunderschönen und atmosphärischen Ausblicken, etwa wenn die Sonne schwach durch die Wolken schimmert und währenddessen der Regen nach unten peitscht. Je näher man aber dem Boden kommt, desto schneller will man wieder nach oben. So schön es am Himmel auch sein mag, umso matschiger zeigt sich der Grund.

Unscharfe Texturen hier, steril wirkende Landschaften da – auch ein paar Ruckler sind mit drin. Diese Qualitätseinbußen gelten freilich nicht für die Stars des Spiels: Die Flugzeuge sind wirklich gelungen gestaltet worden, glänzen mit netten Details, etwa sich bewegenden Geschützkanzeln oder Soldaten, die eben jene Kanonen bedienen. Aber auch das täuscht nicht darüber hinweg, dass Heroes over Europe insgesamt nicht wirklich Begeisterung auslöst.

Die Kampagne ist schnell vorbei, die Missionen konzentrieren sich auf wenige verschiedene Aufgabenstellungen. Begleite dies, zerstöre das. Nur in einigen wenigen Einsätzen kommt wirklich Spannung auf, zum Beispiel wenn man sich der deutschen Küste nähert und von heftigem Flakfeuer eingedeckt wird. Wer stur geradeaus fliegt, findet sich bald als brennendes Wrack auf dem Boden wider. Weiß-graue Wolken signalisieren, dass vor einem gleich ein paar Geschosse in der Luft explodieren werden, also schnell ausweichen. Und das rund zwei bis drei Minuten lang.

Davon abgesehen mangelt es vielen Aufträgen größtenteils an spannenden Augenblicken, sofern man nicht gerade unter Zeitdruck einen Jäger abfangen oder im Tiefflug aus Berlin entkommen muss. Es fehlt oftmals etwas, das einen wirklich mitreißt. Die Zwischensequenzen schaffen das jedenfalls nicht.

Einerseits bekommt man hier Filmchen ähnlich dem Wochenschau-Stil mit ein paar echten Aufnahmen serviert, andererseits etwas Comic-artige Szenen, in denen es um verschiedene Charaktere der insgesamt vier Geschwader geht, für die man kämpft. Durch weitere Gespräche innerhalb der Missionen versucht man zwar, eine Bindung zu den Piloten aufzubauen, aber im Großen und Ganzen bleiben sie im wahrsten Sinne des Wortes gesichtslos, da man sie so gut wie gar nicht zu sehen bekommt. Man fühlt nicht wirklich mit ihnen mit.

Ein wenig skurril erscheint dabei der Verlauf der Kampagne. Wie bereits erwähnt, fliegt man im Spiel für insgesamt vier Geschwader. Normalerweise würde man nun erwarten, dass jedes Geschwader für sich genommen eine eigene „Mini-Kampagne“ darstellt, doch stattdessen springt man munter von einem zum anderen. Hat man zwei Aufträge für das erste Geschwader erledigt, muss man plötzlich für Nummer 2 ran. Verbucht man hier drei Erfolge, geht es mit der nächsten Mission der ersten Staffel weiter. Nicht mal chronologisch passt das zusammen – erst September 1940, dann wieder August –, was ansonsten ja noch einigermaßen Sinn ergeben hätte.

Heroes over Europe steuert sich in den Auseinandersetzungen sehr arcadelastig, selbst in der Einstellung „Professionell“ fällt lediglich das Rollen über den zweiten Analog-Stick weg. Eine Simulation sollte man hier gar nicht erst erwarten, dafür steuern sich die Fluggeräte angenehm direkt und einfach. In Kombination mit den ersten beiden Schwierigkeitsgraden kann man also durchaus seinen kurzweiligen Spaß haben. Entscheidet man sich jedoch für die Stufe „Ass“, sollte man schon etwas frustresistent sein. Hier regeneriert sich die „Gesundheit“ des eigenen Jägers nicht mehr (in bis zu vier Stufen zu je knapp 25 Prozent). Man muss mit dem auskommen, was man hat.

Dementsprechend erfordert es auch ein Umdenken bei der Taktik. Auf niedrigeren Stufen kann man trotz starkem Beschuss aus den hinteren Kanonen der Bomber oder Stukas noch relativ bequem vom Himmel holen. Wer das auf „Ass“ versucht, explodiert schneller als ihm lieb ist. Speziell mit den „Bossgegnern“ bekommt man hier Probleme. Diese Asse sind wesentlich schlagfertiger und resistenter als die normalen Asse, die sich in vielen Gegnerformationen tummeln, und hängen wie eine Klette an einem. Nennen wir sie einfach mal Über-Asse. Sie sind zudem so flink unterwegs, dass es schwer fällt, sie per Ace Kill vom Himmel zu holen. Wahrlich kein großes Vergnügen.

Wer mit der Kampagne durch ist, kann sich dann noch im Multiplayer austoben. Der unterstützt maximal 16 Spieler und eignet sich für ein kleines, actionreiches Scharmützel zwischendurch, fällt insgesamt mit lediglich zwei Modi aber auch eher unspektakulär aus.

Ja, Heroes over Europe kann mitunter wirklich Spaß machen, obwohl die Qualität der einzelnen Missionen von „spannend“ bis „gähnend langweilig“ schwankt. Obendrein ist die Kampagne schnell vorbei (sieben bis acht Stunden) und motiviert trotz Freischaltung neuer Flugzeuge auch nicht zwangsweise zum erneuten Spielen. Es mangelt an begeisternden Höhepunkten, einer wirklich spannenden Geschichte und vielleicht einer Prise mehr Dramatik. So hat man das, was hier passiert, nach spätestens ein paar Tagen wieder vergessen.

Wer auf Action-Flugspiele steht, kann sich den Titel durchaus einmal anschauen. Einsteiger freuen sich zudem über die unkomplizierte, leicht zu handhabende Steuerung, doch ein Paradebeispiel für das, was in diesem Genre möglich ist beziehungsweise möglich wäre, ist Heroes over Europe nicht.

Heroes over Europe ist bereits für Xbox 360, PC und PlayStation 3 erhältlich.

 

 

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