Ratchet & Clank: Tools of Destruction

Review
Plattform
PS3
Vertrieb
Sony Computer Entertainment Europe
Entwickler
Insomniac Games
Genre
Andere
PS3: Ratchet & Clank Future: Tools of Destruction

Gesamtwertung

8/10

PS3: Ratchet & Clank Future: Tools of Destruction

Also was genau ist denn jetzt NextGen-Gaming eigentlich? Wofür habt Ihr hunderte von Euro in teure Hardware gesteckt und was erwartet Ihr von einem echten NextGen-Spiel? Wenn es ein komplett neuer Denkansatz im Design sein sollte, eine Revolution in der Art wie Ihr Spiele bisher definiertet: Weitergehen, bitte gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen. Habt Ihr allerdings weniger hehre Zielen, beispielsweise vertrauten Mechaniken in einer berauschenden Optik und mehr Umfang als je zuvor: Wunderbar, willkommen zu Ratchet & Clank Future – Tools of Destruction.

Sony und Insomniac Games waren sicher gut beraten, die Erfolgsformel Ihres Vorzeigelombax nicht auf den Kopf zu stellen. Schließlich war bisher jeder der Teil, vom Original über Going Commando bis Deadlocked ein Erfolg in jeder Richtung. Kritiker lieben ihn, Frauen wollen ihn, Männer wollen er sein und so weicht die neueste Episode um Lombax Ratchet und seinen Roboterbegleiter nur wenig von den bisherigen Eskapaden ab.

Diese fallen diesmal allerdings ein wenig ernster aus. Schließlich geht es wieder einmal um seinen Pelz und der aktuelle Diktator des Universums, Imperator Percival Tachyon, möchte sich genau diesen an die Wand nageln. Der Grad der Aggression gegen die eher possierlichen und pelzigen Lombaxe wird verständlich, als sich schon nach wenigen Minuten klärt, dass diese seinerzeit die imperiale Herrschaft einfach so beendeten und die Galaxis mit einer Zeit der Freiheit und des Friedens beglückten.

Nun, die Zeiten haben sich wieder einmal geändert und Ratchet muss das Geheimnis seiner Herkunft, dem Verbleib der anderen Lombaxe und noch eine ganze Menge mehr lüften, bevor der Vorhang nach einem etwas zu offenen Happy End fällt.

Das klingt sicher nicht nach der SciFi-Tiefe, die ein Mass Effect Euch bieten kann, für die Ratchet-Serie stellt es aber schon fast ein monumentales Drehbuch dar. Solltet Ihr jetzt befürchten, dass Ratchets Humor unter dem Gewicht seiner Aufgabe gelitten hat, dann dürft Ihr erleichtert aufatmen. Slapstick, Situationskomik, One-Liners aus allen Richtungen und ein zu Hochform auflaufender Captain Qwark sorgen dafür, dass Ihr aus dem Schmunzeln trotz aller Tragweite und Action nicht herauskommen werdet.

Man muss es Insomniac auch hoch anrechnen, dass Ratchet & Clank Future: Tools of Destruction – im weiteren Ratchet ToD – zu der raren Gruppe von Spielen gehört, die nichts dem Zufall überlassen. Wo andere Welten sich zum größten Teil aus eher willkürlichen Ansammlungen von Grafikelementen – dort ein Baum und da ein Berg – zusammensetzen, überließ man hier nichts dem Zufallsgenerator.

Ihr werdet über zahlreiche Hommagen an die Vorgänger stolpern, auf der Piratenwelt Versatzstücke zu bekannten Piratenfilmscores heraushören und auf fast 20 Planeten der Illusion einer runden, in sich geschlossenen Spielwelt erliegen.

20 Planeten klingt jetzt nach fast schon mehr als Mass Effect, davon solltet Ihr Euch aber nicht täuschen lassen. Planet steht hier als Synonym für Level und einige dieser fielen eher kurz, wenn auch furios aus. Diese Adjektive beschreiben ganz gut die Spielerfahrung als solche. Wenn Ihr es eilig habt, weil Eure Freundin (Freund) Euch zu einer Spielzeit von einer Stunde pro Tag verdonnerte, wird Euch Ratchet ToD schon nach einer Woche mit dem Abspann wieder entlassen.

Die „Schuld“ dafür trifft in erster Linie den kaum vorhandenen Schwierigkeitsgrad. Sofern Ihr nicht zu den allergrößten Sprung-Legasthenikern gehört, werdet Ihr nur selten Gebrauch von dem ausgesprochen großzügigem Rücksetz-System machen müssen. Dieses lässt Euch zwar große Teile des Levels erneut durchstreifen, dafür behaltet Ihr aber alle Erfahrung, Items und auch die böseren Feinde werden Euch nicht noch einmal den Weg versperren.

Eine größere Herausforderung bekommt Ihr erst nach dem ersten Durchspielen geboten. Dann wird etwas freigeschaltet, was andere Spiele als „normal“ bezeichnet hätten und hier „hart“ heißt.

Zwei Sachen werden Euch zum Ausgleich für den etwas zu einfachen Spaziergang geboten. Zum einen sind die Levels nicht nur riesengroß ausgefallen, sie wurden auch ausgesprochen clever verschachtelt und mit mehr Verstecken ausgestattet als ein Lombax Haare hat. Solltet Ihr zu diesen Leuten gehören, die fast zwanghaft jede einzelne Schraube und jeden Winkel entdecken müssen, werden Euch einige der Welten schon fast solange beschäftigen, wie andere Spieler zum Durchspielen brauchen. Um alles aufzuspüren, müsst Ihr Euch auf ein wenig Reisetätigkeit einstellen. Viele setzen nämlich den richtigen Einsatz der im Spiel verteilten Gadgets voraus.

Und diese sind dann auch der zweite Punkt, an dem das Spiel hell strahlt und Euch eine Menge Würze in der Kürze bietet. Schon die Vorgänger setzten auf ein surreales Arsenal von Hightech-Waffen aus Lombax-Produktion und auch Ratchet ToD enttäuscht in keiner Weise. Über 30 verschiedene Wege bekommt Ihr im Laufe des Spiels geboten, um die Feinde der Galaxis in Ihre Bestandteile zu zerlegen und auf einige davon wäre selbst Grimtooth persönlich neidisch.

Die Traditionalisten werden sich an den, in fünf Stufen durch Benutzung verbessernden Klassikern wie Blaster, Raketenwerfer oder einer Art Flechette-Gewehr erfreuen. Sollte diese Auswahl Euren Bedarf an Kaboom nicht so richtig decken, dürft Ihr in den zahlreichen Waffenshops mittels eines Upgrade-Hexrasters mehr Munitionskapazität, Reichweite oder sogar einen zweiten Feuermodus erstehen. Die kreativeren unter Euch werden diese konventionellen Waffen allerdings nur als grobes Mittel für den Zweck betrachten.

Die wahren Gadgets sind weit schräger und dürften den Kennern der Serie auch teilweise vertraut sein. Solltet die Pinguinjagd genau Euer Ding sein, werdet Ihr viel mit dem Transmorpher arbeiten. Eben noch ein tödlicher Killbot, im nächsten Moment ein harmloser Pinguin. Oder seid Ihr eher groovy? Dann lasst mit dem Groovitron Euer Herz lachen und Eure Feinde im Angesicht einer 70s-Discokugel vor Verzückung erstarren. Und ein wahrer Freund in allen Lagen wird Euch mit Mr. Zurkon an die Seite gestellt. Der kleine Roboter überzeugt jeden mit größenwahnsinnigen Sprüchen und seiner veritablen Feuerkraft. Leider nur kurz, dann sind die Batterien alle.

Aus irgendeinem Grund scheint Insomniac Games immer noch zu befürchten, dass die Mischung aus Sprungeinlagen zu zwei Teilen und Ballern mit einem solch wahnwitzigem Arsenal zu drei Teilen nicht ausreicht. Mindestens einmal pro Welt werdet Ihr angenehm aus der Routine gerissen und schwingt Ratchets haarigen Lombax-Hintern auf eine Art SciFi-Kugelmoped, lasst ihn über die bekannten Schienensysteme grinden oder gleitet auf Schwingen per ausgesprochen gelungener Sixaxis-Steuerung durch kleine Parcours. An einigen Stellen muss sogar Clank solo losziehen und das ganz ohne den Waffenvorrat des Lombax.

Gerade wegen des fehlenden Ballerelements gerieten diese Abschnitte mit zum besten, was Euch an Auflockerung in Ratchet ToD passiert. Clank kann auf ein ganzes Sammelsurium eigener Fertigkeiten zurückgreifen, die er von kleinen, unsichtbaren Robotern, Zonis, spendiert bekommt.

Statt alle Diskussionen mit dem Blaster zu beenden, verlangsamt Ihr die Zeit, um eine schwierige Passage zu meistern, könnt kurzfristig über Eure Sorgen hinwegschweben oder einfach die seltsamen Zonis das Problem lösen lassen.

Weniger überzeugen konnte dagegen das Codeknackersystem an einigen Türen. Wie bei Rub-A-Duck müsst Ihr mit dem Sixaxis ein Panel neigen und mittels einer darauf herumkullernden Murmel Kontakte verbinden. Im Ergebnis bietet dies allerdings kein spaßiges Minigame, sondern eine nervige Bürde. Die Programmierer sahen das wohl letztendlich auch so und erlauben Euch nach einigen Fehlversuchen, einfach den Ball mit dem Analogstick zu steuern.

Ein weiteres Ärgernis stellen die Flugsequenzen zwischen einigen der Planetenbesuche dar. Das Spiel mit einer kleinen Hommage an StarFox aufzulockern kann nett sein, wenn man es denn richtig macht. Ihr steuert Zielkreuz und Schiff getrennt voneinander und beides bietet alles andere als Präzision.

Wildes Herumrudern, ein wenig aufpassen und nicht jeden Asteroiden mitzunehmen, reicht in den ziemlich einfachen Sequenzen glücklicherweise völlig aus, um anschließend schnell wieder zum spaßigen Teil überzugehen.

Wenig spaßig präsentiert sich auch die offensichtlich kaum vorhandene Liebe Sonys zu seinem Playstation-Network. Zwar betont man stets, dass man in Kürze auf Augenhöhe mit Xbox Live sein wird, nur kann ich mir nicht vorstellen, das Microsoft einen solch wichtigen Titel ohne jede Art von Multiplayer losgeschickt hätte. Nachdem Up Your Arsenal sogar auf der PS2 einen funktionierenden und unterhaltsamen Onlinemodus bot, macht Ratchet ToD einen ganz großen Sprung zurück und entsendet Euch ausschließlich solo auf die Reise. Schade.

Trotzdem ist es eine Reise, auf der Ihr Eure Kamera nicht vergessen solltet. Schon der erste Level bietet eine perfekte Demonstration, was in der PS3 so drinsteckt. Auch wenn das hohe Niveau nicht durchgehend gehalten werden kann: Nur „gut“ sieht Ratchet ToD selten aus. Leider erhält aber die Kameraführung genau dieses Urteil. Sie lässt Euch die meiste Zeit nicht im Regen stehen. Nur an ein paar Stellen und zwar wenn es darauf ankommt. Vielleicht hoffte Insomniac den Schwierigkeitsgrad noch ein bisschen zu heben, wenn man Ratchet häufig von seinen Sorgen weggucken lässt, eine Steigerung der Motivation bietet es aber kaum.

Reichen ein paar weniger gelungene Minispiele oder eine nie ganz perfekte Kamera, um den schieren Spaß zu schmälern, den der neueste Trip des Duo Infernale mit sich bringt? Auf gar keinen Fall! Wenn man Insomniac etwas vorwerfen kann, dann die nicht zu leugnende Tatsache, dass sie ihre Vorzeigeserie auf einem sehr hohen Niveau stagnieren und beim Multiplayer sogar zurücklaufen lassen.

Sollte NextGen-Gaming also wirklich für revolutionäres Umdenken im Spielablauf stehen, dann bietet Ratchet ToD wohl LastGen in absoluter Höchstform und einen auf Hochglanz polierten HD-Look. Hier weiß man, was man bekommt: Keine Experimente, aber dafür jede Menge Spaß.

Ratchet & Clank Future: Tools of Destruction ist exklusiv für PlayStation 3 erhältlich.

 

 

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