Gesamtwertung4/10 |
Im diesem heißen Frühwinter, wo jeden Tag elf Blockbuster gleichzeitig erscheinen, stößt vermutlich der eine oder andere von euch schnell bis zum Boden seines Geldbeutels vor. Aber die persönliche Finanzkrise kann und darf keine Ausrede sein. Gespielt werden muss trotzdem. Wie schon Heinz Erhardt wusste, "natürlich kann man ohne Videospiele leben, die Frage ist nur wie?"
Wo könnte man sich in dieser Situation besser hinbegeben, als in die warmen Arme eines free2play-MMOs, einer der großen Trends des Jahres 2009. Umsonst aus dem Internet geladen und gegen eine harmlose Registrierung (ihr bezahlt quasi mit eurem guten Namen) aktiviert. Geldausgeben kommt später und ist optional. Und damit ihr in dem Überangebots-Dschungel und zwischen Bannerwerbungen und Pop-Up-Verlockungen da draußen zumindest den Ansatz einer Orientierung bekommt, gibt es hier unser nächstes free2play-Roundup.
Dragonica mischt nicht nur die typischen Online-Rollenspiel-Inhalte mit einer süßen, quasi 2D-Grafik, es schmeißt auch noch retroinspirierte Actionspiel-Elemente in den Topf. Nichts beschreibt das Ergebnis passender, als die Aussage, dass man Dragonica am allerbesten mit einem Controller spielt.
Dabei arbeitet ihr euch Stufe für Stufe, Gegner für Gegner durch eine nicht immer ganz ernst gemeinte, asiatische Fantasy-Welt, die aus diversen offenen Ebenen, Unterebenen und Dungeons besteht. Trotz der nach und nach dazu erlangten Skills, bleibt die Anzahl der tatsächlich benutzten Fähigkeiten immer niedrig genug, um die Rollenspiel-Elemente angenehm weit im Hintergrund zu halten.
Das ergibt dann eine kreative Kombination aus Super Mario, Contra und ein bisschen World of WarCraft, die euch ziemlich schnell in den Bann ziehen kann. Schießen, springen, schlagen, schmeißen, aufsteigen, Gegenstände und so weiter. Vom Game Design ist Entwickler gPotato dabei voll am Puls der Zeit. Viele Belohnungen/Achievements lassen einen die Stunden zu Beginn erschreckend schnell vergessen. Die simple und übersichtliche Bedienung und das Interface verwirren niemanden. Und der schnelle, leicht chaotische Kampf fordert genug Mitdenken, ohne zu sehr zu verwirren.
So erfrischend der Kampf zu Beginn ist, so problematisch kann dann die Ermüdung sein. Und so verblasst die erste Begeisterung für die originelle Mischung aus Retro-Action und Arcade nach einiger Zeit, besonders, wenn man nur alleine unterwegs ist. Einen genaueren Blick ist es trotzdem wert. Denn Dragonica ist nicht nur ein gutes Beispiel dafür, wie man Dinge in dem Genre anders machen kann, sondern auch für schnelle, kurzweilige, moderne Unterhaltung.
Der Look sollte Warnung genug sein. Metin2 (ja, zusammen geschrieben), ein MMO aus Asien, das in einer asiatischen Welt spielt. Das wird ein harter Ritt. Hierzulande von Über-Firma Gameforge betrieben, zählt es zu einem der erfolgreichsten F2P-MMOs. Die Frage ist nur, warum?
Auch wenn man die extrem veraltete Grafik (kein Wunder, das Copyright im Ladebildschirm sagt 2004) mal aussen vor lässt, der heute gewohnte Grad an Benutzerfreundlichkeit, Interface und so weiter, ist fast kaum vorhanden. Es geht hart los und bleibt auch hart. Nach ein bisschen räumlicher Verwirrung, dank einer mikroskopisch kleinen Karte, hat man schnell die ersten Gegner gefunden. Und da kann man dann erst mal stehen bleiben beziehungsweise liegen. Am Anfang kann jeder Kampf töten, und Gegner greifen auch noch immer in Gruppen an. Erst nach ca. 50 besiegten Wildhunden ist langsam Besserung in Sicht.
Jeder Level ist in 4 Sub-Stufen unterteilt und hat man eine Stufe voll mit XP, darf man die Charakterwerte steigern und bekommt so ein paar HP mehr. Metin2 ist ein Asia-Grinder, wie es sich gehört. Nach den Wildhunden kommen Wölfe. Danach dann Blau-Wölfe.
Das ist genauso old school und gnadenlos, wie es sich anhört. Mit einer Ausnahme - und das ist das Kampfsystem. Hier geht es (zumindest zu Beginn) weniger um Skills (man hat gar keine) und deren Kombination, sondern um einen gewissen Action-Anteil. Per Space oder linker Maustaste schlägt euer Held wild um sich und verletzt alles was in Reichweite ist, egal ob ein Ziel ausgewählt ist oder nicht. Interessant, da es nicht den klassischen Autoangriff gibt und sich schon anders anfühlt. Damit geht es in den unzähligen Kämpfen weniger um Taktitk, als mehr um Positionen und Timing. Treff ich alle Hunde gleichzeitig, überlebe ich. Wenn nicht, dann nicht.
Natürlich bietet Metin2 alles, was man sonst noch so erwartet. PvP, diverse Quests, Reittiere, bunte Kostüme, eben ein normales Mid- und Endgame. Nur ist das alles etwas besser versteckt oder dünner gestreut, als man das eigentlich gewöhnt ist. Die gesamte Präsentation ist irgendwo zwischen lieblos und erschreckend simpel gefangen, die Quest-Informationen sind wenig unterhaltend und originell, dass man sie fast aus Prinzip nicht annehmen möchte. Am dramatischsten ist aber Leere und Lieblosigkeit der Welt, die die ohnehin schon öde Grafik noch presenter macht. Einziges Highlight, im wahrsten Sinne des Wortes, sind da die Charaktere der höheren Level, die wie fernöstliche Weihnachtsbäume in der Gegend rumstehen.
Kurz: Zu viele Anachronismen - nur für die ganze Harten.
Die Launcher zu Dragonica (de.dragonica.gpotato.eu)und Metin 2 Online (metin2.de)findet ihr auf deren offiziellen Homepages.
Auch MapleStory ist alt. Auch Maple Story ist aus dem Jahr 2004. Warum es sich neben den unzähligen Neuerscheinungen hier trotzdem einen Platz redlichst verdient hat, liegt zum einen daran, dass es ein echter Pionier ist. Denn mit seinem unfassbaren Erfolg in Asien hat es dem Bezahlmodell der Mikrotransaktionen vor Jahren zum Durchbruch verholfen.
Zum anderen ist MapleStory immer noch populär. Ähnlich wie Dragonica ist es eine zwei dimensionale Interpretation des MMO-Grundthemas: kämpfen, sammeln, leveln. Nur war es eben zuerst da und ist damit ein wichtiger neuer Schritt gewesen und gleichzeitig der Beweis, dass die Immersion der 3D-Grafik nicht essentieller Bestandteil eines Online-Rollenspiels sein muss.
Neben allen normalen Elementen gelingt es den Entwicklern von MapleStory vor allem eine Welt zu kreieren, die wirklich "fantastisch" ist. Eine Welt komplett für den Spieler, die von modernen Großstädten bis hin zu atmosphärischen Fantasy-Stränden mit zu dem abwechslungsreichsten gehört, was es so zu spielen gibt. Was immer man sucht, vermutlich findet man es. Dabei ist alles mit Zuckerguss überzogen und im 16-Bit-Megadrive-Look gehalten. Herauskommt ein Ort, an dem man sich einfach gerne aufhält.
Ein anderer Grund für das Phänomen MapleStory ist die schon früh verstandene zentrale Rolle der Belohnungsmechanik, die sich in dem beliebten/gefürchteten "Nur noch ein Quest"-Syndrom niederschlägt. Diese Balance hat Hersteller Wiznet so gut hinbekommen, dass man selbst im bloßen Vorbeigehen der Gefahr unterläuft, hineingezogen zu werden. Das Ziel scheint immer nah und greifbar, deutlich auf der Karte markiert. Die Übersichtlichkeit der 2D-Grafik unterstützt diesen Mechanismus noch zusätzlich.
Aber so sehr man den Ideenreichtum und die konstante Evolution würdigt, der Zahn der Zeit nagt doch hart an MapleStory. Grafik, Steuerung und das gesamte Handling bräuchten dringend ein Update, damit auch noch weitere Generationen die süße, grenzenlose Welt genießen können.
CrimeCrafts Versprechen ist genau so alt wie simpel: man kombiniert einen actionreichen Online-Shooter mit einem süchtig machendem MMO und herauskommen sollte ein tolles Spiel. Theoretisch.
Praktisch sieht das so aus: nach der Charakter-Erschaffung landet ihr in Sunrise City, einer Endzeit-artigen Großstadt. Hier wird der MMO-Teil bedient. Hier kauft man ein, bekommt Aufträge und trainiert Skills. Aber: kein Gegner weit und breit. Denn das eigentliche Spiel, der Shooter-Teil, findet woanders statt. Per Menü kann man sich jederzeit in diverse Arenen beamen, die sich in PvP- und PvE-Areale unterscheiden. Hier gilt es dann entweder alleine oder in der Gruppe die Quests einzulösen (töte zehn gegnerische Soldaten), oder sich eben mit menschlichen Gegnern zu messen.
Die PvP-Modi sind genau die vier, die man erwartet: Team Deathmatch, normales Deathmatch, Capture the Flag und Versorgungspunkte erobern. Während das Gegeneinander sogar eine zeitlang Spaß macht (vor allem die schwungvolle Judorolle ist immer wieder einen Tastendruck wert), ist das gemeinsame Kämpfen gegen NPCs eher ein ungeschickt versteckter Grind nach Kills und Ressourcen, der meistens das Schlechteste in den Spielern hervorbringt. Wem das Wort Ninjalooten was sagt, der weiß, was ihn erwartet.
Aber es sind konzeptionelle Probleme, die dem guten Ansatz von CrimeCraft wirklich das Genick brechen. Erstens wirkt das Rollenspiel/Level/Skillsystem aufgesetzt und man wird den Gedanken nicht los, dass die Konzentration auf einen reinen post-apokalyptyschen Gang-Shooter durchaus ein amtliches Ergebnis hätte bringen können. So aber hat der Teil, der Spaß macht, unnötiges, kompliziertes RPG-Gewicht am Bein. Zweitens ist CrimeCraft eines der so genannten freemium Games. Das bedeutet unüberraschender Weise eine Mischung aus Premium und Free. Das ist hier aber ziemlich unübersichtlich aufgezogen. Zwei unterschiedliche Abo-level mit dubiosen Boni plus zusätzlich Mikrotransaktionen.
Also ein gutes Beispiel dafür, wie man den Spieler (oder zumindest mich) unnötig verwirrt, so dass man dann lieber gar nicht spielt oder man sich die Einfachheit eines monatlichen Festpreises zurück wünscht. Da weiß ich zumindest, das ich Zugriff auf alles habe, was es gibt, immer!
Das alles hilft dem durchschnittlichen Shooter-Teil wenig. Und auch wenn man die zahlreichen Probleme ausblendet, gegen die starke Konkurrenz von Battlefield Heroes, Team Fortress 2 und Modern Warfare kommt Crime Craft auch an guten Tagen nicht wirklich an.
Wie zuvor: Download von MapleStory (en.maplestory.nexoneu.com)und CrimeCraft (crimecraft.com)per offiziellem Internetauftritt.
Bei XBlaster ist die Welt, wie wir sie kennen, Vergangen- heit. Als Mechpilot kämpfst Du zur Belustigung der Menge und monatlich 10.000 € zum Spiel...
Metin 2 im Test.
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