Gesamtwertung8/10 |
Ach ja, damals, ich und mein Mega Drive… (seufz).
Ok, genug Nostalgie, hier und heute möchte SEGA von Euch reales, aktuell verdientes Geld für seine SEGA Mega Drive Ultimate Collection. Der Titel allein wirft verschiedene Fragen auf. Ist es wirklich eine „Ultimate“ Collection? Und das Mega Drive hatte seine Zeit und diese endete mehr oder weniger offiziell vor beinahe 15 Jahren. Lohnt es sich heute noch, diese Games im Zeitalter moderner Technikboliden zu spielen?
Prinzipiell ja. Gutes Spieldesign stirbt nicht mit der Hardware und einiges aus der Ultimate Collection lohnt auch nach teilweise zwei Dekaden für ein paar Abende. Zumal es hier durchaus ansehnlich und kompetent aufbereitet wurde. Die Jungs von Backbone haben einige Erfahrung im Umgang mit Emulatoren, setzten sie doch bereits Sonic, Streets of Rage und Golden Axe für Xbox Live um. Und deren Käufer dürfen sich jetzt ärgern, finden sich doch genau diese Titel auch in der Sammlung - für einen Bruchteil des online gezahlten Preises.
Was lohnt sicher?
Sonic 1-3. Mal wieder. Immer wieder. Aber nur, sofern Ihr die ersten drei Abenteuer von des Igels nicht schon in irgendeiner der anderen gefühlten Millionen Reiterationen besitzt. Anderenfalls könnt Ihr genauso gut dort diese drei hervorragenden Hüpfgames genießen. Dazu kommt noch der Sonic & Knuckles Ergänzungsaufsatz als Abrundung der Historie. Und bis auf den besten Teil einer brillanten 16-Bit Reihe, Sonic CD, habt Ihr hier alles, was Ihr braucht.
Rollenspieler sollten sich für diese Sammlung ein paar freie Abende reservieren, locken doch Phantasy Star II und noch mehr IV, das wohl beste Rollenspiel dieser Konsole. Klassische Gruppen-Rundenkämpfe, epische Spieldauer, fiese Dungeons, das Herz des J-RPG Fans lacht.
Und habt Ihr Euch da durchgearbeitet, könnt Ihr mit Shining Force und seinem begnadeten Nachfolger gleich weitermachen. Diese beiden Fantasy-Strategie-Games sorgen dafür, dass die Serie heute noch einen klangvollen Namen hat. Und nach all dem Mist, der im Zusammenhang mit Shining veröffentlicht wurde, spricht das Bände.
Story of Thor erfreut Anhänger des gepflegten Action-Adventures mit einer der besten Grafiken, die je aus dem Mega Drive geholt wurden. Monster metzeln, Items sammeln, Rätselchen lösen und alles in hervorragender Spielbarkeit. Ebenfalls aus der Endzeit der Konsole stammen die beiden Hüpfer Vectorman und Vectorman 2. Beide glänzen durch Spielbarkeit, mitunter sehr schräge Optik und ein paar nette spielerische Ideen.
Keine Serie ließ die 80er in den 90ern so sehr aufleben wie Streets of Rage. Die ersten beiden leuchten im Neon-Schein des New Wave, und auch wenn das Double Dragon-Spielprinzip nun sicher nicht mehr besonders frisch wirkt, bleiben sie doch als Zeitzeugen eines Kunstgefühls weit jenseits des Geschmacks stehen. So ähnlich wie Fönfrisuren. Und in Teil drei verprügelt Ihr Peitschendominas mit einem Känguru. Das macht Ihr sicher nicht jeden Tag.
In die gleiche Kerbe prügeln die beiden ersten Golden Axe-Teile. Ein Zwerg und ein in passende Stringtangas gekleidete Barbarenpärchen vertrimmen Death Adders Horden im CoOp per elegant schlichtem Buttonsmashing.
Sollte SEGA nochmal eine Fortsetzung planen, dann müssen sie sich einfach nur diese Grundzutaten ansehen, um nicht wieder ganz so abzustürzen. Die Ecco-Serie mit dem Delphin beschränkt sich glücklicherweise auf die ersten beiden, gut spielbaren, spannenden und auch inhaltlich recht interessanten Teile. Das unsägliche Ecco Jr. lies man glücklicherweise weg.
Bei Shinobi 3 zeigt sich, dass es eine echte Emulation sein muss, schließlich funktionieren die alten Cheats noch. Das hammerharte, aber fantastisch spielbare Ninja-Abenteuer büßte natürlich irgendwann doch seinen Grafik-WOW-Effekt ein, dem Spaß tat dies aber keinen Abbruch. Comix Zones eigenwilliger optischer Stil hielt sich erstaunlich frisch, auch wenn das Spielprinzip des Comic-Buch noch nie so groß abwich, wie die Präsentation Euch weismachen möchte. Aber es ist ja auch nichts falsch daran, durch 2D-Level zu stapfen und Fieslinge umzuzimmern.
Was lohnt vielleicht?
Alex Kidd in the Enchanted Castle zeigt deutlich, dass es aus der absoluten Frühzeit stammt und mutet, wie auch Bonanza Bros, eher nach 8 Bit an. Columns leidet eher darunter, aus der Welle der Tetris-Klone zu stammen, die zwar auch Spaß machen, aber sehr wenig Eigenständigkeit besitzen. Sicher, es war eines der ersten „Sortiert drei farbige Steine-Games“. Aber seitdem gab es da einfach weit Besseres. Puzzle Fighter zum Beispiel.
E-SWAT ist der Vertreter der Runde, der zeigt, dass Spiele früher schwerer waren. Ohne Auswendiglernen der Level kommt Ihr hier nicht allzu weit. Kid Chameleon und Decap Attack sind eigentlich gar nicht so hart, leiden aber unter einer sehr eigenwilligen Steuerung. Solltet Ihr sie meistern, bekommt Ihr hier zwei recht brauchbare Hüpfer mit witzigen Ideen.
Sonic hatte schon während der 16-Bit Tage seine schwachen Phasen und weder der Flipper Sonic Spinball noch der Columns-Tetris-Klon Dr. Robotnik's Mean Bean Machine überzeugen wirklich. Kann man spielen, muss man nicht. Ristar und Dynamite Headdy sagten mir persönlich gar nichts und weder der extrem bunte und technisch versierte Hüpfer Ristar noch das ebenso hochwertige aber emotionslose Dynamite Headdy überzeugten am Ende.
Überraschung: Das erste Shining-Spiel war kein Taktiker sondern ein Rollenspieler. Einer mit einem endlosen Dungeon ohne Automapping, dünner Story und mühsamen Sammeleien. Damals war das in Ordnung, schließlich war die Auswahl begrenzt und man hatte zu Schulzeiten ja noch Zeit. Heute kann man wohl kaum erwarten, dass sich jemand mit einem Karoblock zum Kartographieren vor die Konsole setzt. Fatal Labyrinth können sich harte Rogue-Fans vormerken. Endlose Dungeons, zugweises Kämpfen und nichts, was dieses Spiel von seinen Originalen abheben würde.
Was solltet Ihr meiden?
Oh mein Gott, ist Super Thunder Blade in die Jahre gekommen. Hier macht nichts mehr Spaß. Und ich bin mir völlig bewusst, dass Altered Beast irgendwie Kult ist und man einem Zombie in die angegammelten Weichteile treten kann. Aber ganz ehrlich: Es ist ein furchtbares, furchtbares Spiel
Damals schon, und die Jahre machten das nicht besser. Alien Storm legt ein ähnliches Kunststück hin. Dieses Machwerk schafft es Euch zu langweilen, während Ihr mit einem Flammenwerfer Aliens röstet. Und Ihr dachtet, das würde immer Spaß machen.
Gain Ground war für mich der WTF-Moment der Kompilation. Ich hatte noch nie davon gehört und auch nach einer Stunde Spielzeit weiß ich nicht genau, warum jemals jemand dachte, dass der Release dieses üblen Gauntlet-Verschnitts sinnvoll sein könnte. Flicky kommt zwar nicht ganz so furchterregend daher, aber auch hier seid Ihr mit Lode Runner, dem offensichtlichen Vorbild, weit besser bedient. Golden Axe 3 und Phantasy Star 3 verbindet nicht nur die Nummer, sondern auch, dass sie die unrühmlichen Tiefpunkte Ihrer Serien darstellen. Genauso wie Sonic 3D. Es ist weder 3D, noch ist es Sonic. Lediglich ein schlecht spielbares Iso-Hüpfgame.
Was gibt’s jenseits der Games?
Natürlich noch mehr Games. Als Bonus findet Ihr Arcade-Versionen von Alien Syndrome, Fantasy Zone, Congo Bongo, Space Harrier, Shinobi und Zaxxon sowie die Master System Rollis Phantasy Star und Golden Axe Warrior. Wie auch die Achievements sind diese Spiele zusammen mit ein paar eher langweiligen und uninformativen Interviews ziemlich leicht freischaltbar.
Als echte Mogelpackung entpuppte sich erwartungsgemäß der HD-Spruch. Prinzipiell läuft das Spiel natürlich in 720p. Es ist das Signal, das die Xbox an den Fernseher ausgibt. Was aber nicht bedeutet, dass SEGA hier eine optische Politur an den einzelnen Games vornahm. Die erstrahlen nach wie vor in pixeliger Glorie, daran ändert ein kleiner Weichzeichenfilter auch nichts.
Angesichts des Sinns einer solchen Sammlung geht es in Ordnung. Es Euch als HD-Upgrade verkaufen zu wollen dagegen sicher nicht. Und der fehlende Online-Multiplayer verwundert bei Golden Axe oder Streets of Rage, wie auch das komplette Fehlen von Online-Leaderboards für eine erstaunt hochgezogene Augenbraue sorgt.
Vom HD-Etikettenschwindel abgesehen lässt sich wenig Schlechtes sagen. Backbone Entertainment emuliert sauber, solange es um das Mega Drive geht, lediglich die Arcade-Titel klingen ein wenig anders und nicht unbedingt besser als die Vorbilder. Space Harrier fällt dabei besonders negativ auf, aber auch Shinobi düdelt etwas schräger als sonst. Speichern dürft Ihr in jedem Spiel zu jeder Zeit, was den Schwierigkeitsgrad einiger Games deutlich mildert. Und solltet Ihr Euch historisch weiterbilden wollen, hilft Euch die Datenbank mit eingescannten Originalcovern und ein paar Infos zu jedem Spiel weiter.
SEGA hat schon mehr als einmal seine Altbestände zum Markt getragen und beinahe jeder Titel der Ultimate Collection tauchte schon in einer anderen Collection auf. Was der Sammlung wirklich fehlt sind die Überraschungstitel. Quackshot, Castle of Illusion oder OutRun, um ein paar zu nennen. Solltet Ihr also ein Mega Drive mit allen Hits herumstehen oder Euch in der letzten Konsolengeneration eingedeckt haben, dürft Ihr diese Runde wohl auslassen. In 720p sieht Sonic auch nicht anders aus, egal was die Packung behauptet.
Das mindert aber nicht die generell hohe Qualität der meisten Spiele auf der Disc. Etwa die Hälfte der 50 Titel lohnt auch heute noch ohne zu große Vorbehalte. Und nur der kleinste Teil fällt durch alle Raster. Die Aufarbeitung ist liebevoll genug, die Emulation sauber und der Preis von etwa 35 Euro verdeutlich geradezu brutal, dass es wohl auch preiswerter als auf der Virtual Console geht. Für SEGA-Fans und Historien-Freaks ist SEGAs Mega Drive Ultimate Collection sowieso eine sichere Sache. Angesichts der gelungenen Zusammenstellung und des günstigen Preises dürfen aber auch Retro-Neulinge gefahrlos hereinschnuppern.
Die SEGA Mega Drive Ultimate Collection ist bereits für Xbox 360 und PS3 erhältlich.
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SEGA Mega Drive Ultimate Collection im Test.
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