R.U.S.E.

Preview
Vertrieb
Ubisoft
Entwickler
Eugen Systems
Genre
Andere
PC: R.U.S.E.

PC: R.U.S.E.

Mitte Februar flatterte eine kleine Einladung von Publisher Ubisoft in unseren Posteingang. Call of Juarez: Bound in Blood sowie eine „brandneue Echtzeitstrategiemarke“ wolle man zeigen. Das machte natürlich neugierig... und nachdenklich. Was könnte es wohl sein? Da es eine komplett neue Marke sein sollte, fallen prominente Kandidaten wie die Siedler oder Tom Clancy schon im Vorfeld weg. Selbst den Namen des neuen Projekts - R.U.S.E. - erfuhr man erst auf der Veranstaltung. Und letztendlich muss ich sagen, dass ich mit einem solchen Spiel nicht gerechnet habe.

Der Begriff „ruse“ lässt sich aus dem Englischen mit „List“, „Trick“ oder „Kniff“ übersetzen. Und exakt das beschreibt R.U.S.E. recht zutreffend. Hinter dem Projekt steht das französische Entwicklerteam Eugen Systems, die vor einigen Jahren mit ihrem Strategiespiel Act of War einen Überraschungshit landeten. Für ihr neues Werk haben sie sich einiges vorgenommen.

Als Schauplatz des Geschehens dient einmal mehr der Zweite Weltkrieg in den Jahren 1942 bis 1945. In Nordafrika und Europa kämpft man auf „riesigen Karten“ mit „großen Armeen“, schließlich soll man sich dabei wie ein echter General fühlen und strategische Gefechte austragen. Gleichzeitig will Eugen R.U.S.E. so einsteigerfreundlich und zugänglich wie möglich halten, ohne jedoch den Tiefgang zu verlieren.

Was also macht R.U.S.E. im Vergleich zu den vielen, vielen anderen Strategiespielen so besonders? Nun, zum einen ist es die brandneue IRISZOOM-Engine, die einen nahtlosen Übergang zwischen strategischer Ansicht (Symbole auf einer Google Earth-ähnlichen Karte) und dem hautnahen Geschehen in der 3D-Perspektive ermöglicht.

Einfach reinzoomen und schon steckt man ohne Ladepausen mittendrin. Und um nochmal auf die „riesigen Karten“ zurückzukommen: Wo Konkurrenztitel die Operation Overlord nur durch den Strandabschnitt am Omaha Beach darstellen, wird man in R.U.S.E. gleich in der gesamten Normandie operieren können. Die Karte deckt also Hunderte von Kilometern in Echtzeit ab.

Aus der strategischen Sicht mag das Schlachtfeld erstmal klein erscheinen. Zoomt man aber hinein, eröffnet sich erst die wahre Größe. Eine Zentrale Rolle bei der Bekämpfung des Feindes nehmen die „Ruses“ ein, gewissermaßen Spezialfähigkeiten. R.U.S.E. dreht sich mehr um Taktik, Täuschung und überlegtes Vorgehen – kein Vergleich zu schnellen Titeln wie Command & Conquer oder StarCraft.

Zur Veranschaulichung führen die Macher eine Beispielmission vor. Die Alliierten sollen Flakgeschütze der deutschen Truppen rund um das Kloster Montecassino ausschalten, ohne die in der Nähe befindlichen Panzerverbände zu alarmieren. Dank des „Radio silencers“, den man immer nur für jeweils einen der in Sektoren aufgeteilten Karte aktivieren kann, werden die eigenen Truppen quasi unsichtbar für den Feind, solange sie nicht schießen. Insofern haben sie hier natürlich leichtes Spiel.

Die Möglichkeiten sind weitreichend – je nach Wahl zum Missionsstart. Zur Verwirrung des Gegenübers errichtet man beispielsweise falsche Armeen beziehungsweise falsche Fabriken, die zwar real anmuten, aber nur billige Attrappen sind. Der Feind erkennt das erst, wenn er praktisch direkt davor steht. Täuschen, bluffen, austricksen... die Entwickler vergleichen es mit einer Partie Poker.

Neben den offensichtlichen Fälschungen kann man natürlich auch echte Produktionsstätten errichten. Als einziger „Rohstoff“ dient dabei Geld, das via LKWs aus Nachschubdepots herangekarrt wird. Prinzipiell lässt sich das mit einer Goldmine vergleichen. Den herbeigeschafften Lohn investiert man von jedem Punkt der Karte aus in neue Einheiten (C&C lässt grüßen) oder erforscht brandneue Technologien, etwa Fahrzeuge wie den Maus-Panzer der Deutschen, von dem bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges lediglich zwei Prototypen angefertigt wurden. Gleich von Beginn an erhält man Zugriff auf sämtliche verfügbaren Einheiten, muss also nicht erst mehrere Missionen warten, um das komplette Arsenal in den Kampf schicken zu können.

Straßen erleichtern nicht nur die Fortbewegung, ihnen fällt auch eine wichtige strategische Bedeutung zu. Trucks benötigen selbige, um das Geld zur Basis zu bringen. Und auch viele andere Truppen sind darauf angewiesen. Panzer eher weniger, die walzen einfach alles platt, was ihnen im Weg steht. Wälder und Städte dienen zudem als echte Deckung, wodurch sich der eine oder andere fiese Hinterhalt vorbereiten lässt. Eine Fahrzeugkolonne wird es zum Beispiel sehr schwer haben, wenn sie inmitten einer Stadt von Soldaten mit Haftbomben oder einer Bazooka beharkt wird.

Um das Mikromanagement muss man sich währenddessen am wenigsten Sorgen machen. Reparaturen sind schlicht einfach: Es gibt keine. Zumindest muss der Spieler sich nicht darum kümmern. Eugen verwendet ein System, das man aus Shootern wie Call of Duty 4 kennt. Zieht man Truppen aus dem Gefecht ab, „regenerieren“ sie sich mit der Zeit. Apropos Einheiten: Insgesamt verspricht man mehr als 200 verschiedene Vehikel, Soldaten und Gebäude. Spielen kann man unter anderem auf Seiten der Deutschen, Franzosen, Italiener, Sowjets oder der Alliierten.

Die Scharmützel laufen natürlich nicht ausschließlich am Boden ab, schließlich spielte die Luftwaffe während des Krieges eine große Rolle. Dementsprechend wird man ebenso Flugplätze errichten können, von denen aus wiederum Jagdflugzeuge und Bomber in den Himmel starten. Während eines Gefechts kann man mitunter schön beobachten, wie sich die flinken Maschinen harte Dogfights rund um gegnerische Bombergruppen liefern, die ihrerseits ihre tödliche Fracht gen Boden regnen lassen.

Nette Idee: Die Gefechtserfahrung einer Einheit erkennt man anhand ihrer Stimme. Reagieren die ausgewählten Soldaten in einer etwas höheren Tonlage, sind sie noch relativ grün hinter den Ohren. Alteingesessene Kameraden klingen da schon eher ruhiger, entspannter. Sie haben „eine Art professionellen Unterton“, sagen die Entwickler.

Die Steuerung erweckt auf den ersten Blick einen kinderleichten Eindruck. Während der Präsentation zeigte man die PC-Version des Spiels, spielte jedoch teilweise mit einem Controller der Xbox 360. Ein einfacher Tastendruck genügt, um Verbände auszuwählen, eine weitere Betätigung lässt sie angreifen oder vorrücken. Die beiden Sticks dienen indes zur Veränderung der Kameraposition beziehungsweise -perspektive. Eben alles sehr zugänglich und einfach, schließlich soll R.U.S.E. auch auf Xbox 360 und PlayStation 3 funktionieren.

Technisch macht R.U.S.E. aktuell einen soliden Eindruck. Die gezeigte Version ruckelte an einigen Stellen teilweise noch recht stark. Bis zum Release wird man das aber hoffentlich ausbügeln können. Abseits davon sollte man jetzt keinen optischen Knaller erwarten, der nur so vor Details strotzt. Das braucht das Spiel aber eigentlich auch gar nicht, schließlich wird man vermutlich nicht viel Zeit direkt am Boden verbringen, wo solche Feinheiten zur Geltung kommen könnten.

Neben der Singleplayer-Kampagne verspricht Eugen natürlich ebenso einen Multiplayer-Part. Durch die vielen möglichen Täuschungsmanöver dürften die Partien gegen menschliche Widersacher nochmal zusätzlich an Reiz gewinnen. Mit näheren Einzelheiten hierzu hielt man sich bislang jedoch zurück.

Alleine unter dem Namen R.U.S.E. kann man sich erstmal nicht allzu viel vorstellen. Und ich war wirklich überrascht und hätte nicht gedacht, dass Ubisoft ein Spiel dieser Art auf den Markt bringt. In Bezug auf das Gameplay wird es sich wahrscheinlich wohltuend von der üblichen Konkurrenz auf PC und Konsolen abheben können. Ich mache mir nur Sorgen darüber, ob man damit wirklich viele Spieler ansprechen kann. Die Partien werden sicherlich einiges an Zeit beanspruchen, was wiederum die Leute der Generation "Schnelle Action“ stören dürfte.

Des Weiteren stellt sich die Frage nach der Langzeitmotivation. Sind die Missionen abwechslungsreich genug, um langfristig zu begeistern? Fragen, die man zumindest aktuell noch nicht beantworten kann. Lob verdient Ubisoft jedoch dafür, dass man nicht einfach nur ein weiteres 08/15-Strategiespiel veröffentlicht.

R.U.S.E. Erscheint dieses Jahr für PC, Xbox 360 und PlayStation 3.

 

 

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