WII: My Life as King, World of Goo, LostWinds, Strong Bad
Xboxler machen es schon lange, PS3ler auch gelegentlich, nur Wii-Eigner hinken noch hinterher. So ungefähr 10-20 Jahre. Denn während man bei Microsoft und Sony schon seit geraumer Zeit kleine frische Spiele für wenig Geld anbietet, finden man im Nintendo-Shop-Channel eigentlich neben dem aus irgendeinem finsteren Grund käuflich zu erwerbenden Browser nur die entsprechend alten Virtual Console-Titel. Alte Ware für frisches Geld. Nicht schlecht für den Retro-Hunger zwischendurch, sicher nicht für jedermann bekömmlich. Aber seit dem 25.03.08 ist endlich alles anders, WiiWare ist da. Zumindest in Japan. Bevor Euphorie und Panik ausbrechen: WiiWare ist nichts anderes als Live-Arcade oder die kleinen Titel im Playstation-Store. Exklusiv für Wii programmierte Spiele, die einfach zu klein sind, als dass sie als Disc das Licht der Welt erblickt hätten. Taschengeldpreise, derzeit im Rahmen noch 800 – 1500 Punkten (8-15 Euro), winzige Downloads bis 40 MB. Direkt nach dem Start der WiiWare ist die Auswahl natürlich noch nicht so üppig wie bei der Konkurrenz, trotzdem erfreut die Palette, die mit nur wenigen Titeln wohl für jeden etwas dabei haben dürfte. Ok, Zombiesplatter fehlt noch, aber schließlich ist es immer noch Nintendo. Strong Bads Cool Game for Attractive People Entwickler: Telltale Games Ein erstes so richtiges Kuriosum befindet sich aber schon in Arbeit und es löste auch sofort Teenage Zombies–Invasion of the Alien Brain Thingys als meinen derzeit favorisierten Spielenamen ab: Strong Bads Cool Game for Attractive People. Schon dieser Titel spiegelt den surrealen Charme der Homestarrunner-Helden wieder, den man eigentlich kaum in Worte fassen kann. Erlebt ihn einfach (http://www.homestarrunner.com) ! Für die Wii werden dieses Jahr fünf Episoden im Monatsrhythmus erscheinen und all den kruden Charakteren einen ersten Auftritt außerhalb von Flash bieten. Telltale Games verlässt dabei aber ihr angestammtes Terrain nicht so weit. Die für Sam & Max bekannte Truppe schickt auch Strong Bad durch ein Point´n´Click Adventure bekannter Machart. Klickt etwas an und Strong Bad wird Euch einen spaßigen Spruch oder eine mehr oder weniger sinnvolle Aktion zum Lösen der Rätsel bieten. Oder gar nichts, weil Ihr was Sinnloses klicktet. Lasst den Fußboden in Ruhe, er tut wirklich nichts. Nach und nach schaltet Ihr neue Räume frei, findet ein paar Minispiele und andere Extras, die ein gewisses Erstaunen auslösen, was sich alles in maximal 43 MB unterbringen lässt. Ganz ohne technische Kompromisse kam Telltale bei der Größe aber wohl dann doch nicht aus. Einige Texturen wirken sehr billig, hier und da wird geruckelt statt gescrollt, aufwendigste 3D-Action solltet Ihr sowieso nicht erwarten. Aber dafür steht Homestarrunner ja auch nicht und den Geist der Flash-Geschichten hat man gut eingefangen. Solltet Ihr Euch zu den attraktiven Menschen zählen – denn an die richtet sich ja das Spiel für „Attractive People“ – ,dürft Ihr ab Juni loslegen. Zumindest erst mal in den USA. Star Soldier R Entwickler: Hudson Ah, ein persönlicher Favorit und hoffentlich einer, der nicht nur in Japan erscheint. Top Down-Shooter-Kunst der alten Schule in einem leicht aufgehübschtem Look. Die Shoot´em´Up-Profis von Hudson verpasstem ihrem PC-Engine Klassiker Super Star Soldier ein neues Gewand mit vielen 3D-Elementen, erweiterten das Extrawaffenangebot ein wenig und fertig ist Star Soldier R. Auch wenn Ihr in der Virtual Console Auswahl einige noch größere Namen des Genres findet, namentlich R-Type oder Lords of Thunder, macht keiner Super Star Soldier etwas vor, sobald von oben nach unten gescrollt wird. Hoffen wir, dass dies auch für R gilt und hier ein würdiges Remake eines der großen Ballerspiele auf uns zukommt. World of Goo Entwickler: 2D Boy Das hier ist der Independent-Hit, von dem sich jeder fragt, wie es denn immer wieder diese herzlosen Multimillionen-Dollar Produktionen schaffen, ihn auszustechen. Es ist so viel innovativer als alles, was wir kennen, es macht Spaß, es sieht witzig aus und es kosten nicht viel. Warum zur Hölle stehen diese Spiele so selten auf Platz eins der Charts? Ich weiß es, aber ich verrate es nicht. Und hoffe einfach, dass dieses wohl schräge, aber geniale Puzzle-Konzept zunächst einmal alles wird, was ich mir davon erhoffe und es dann auch mit dem Erfolg des Geldes belohnt wird. Denn ein Spiel, das so begnadet mit einem einfachen Konzept spielt, verdient es. Ihr müsst lediglich den Ausgang eines Levels erreichen und so viele Goo-Tropfen wie möglich retten. Dazu baut Ihr aus einzelnen Tropfen, die sich verbinden, bringt Ihr sie nah genug zusammen, Brücken, Türme und andere zum Weiterkommen nötige Konstrukte. Euer größter Feind ist dabei die Schwerkraft, wie Euch jeder Architekt verraten wird, der schon mal eine Brücke baute. In einem Level setzt Ihr beispielsweise Ballons ein, um die Konstruktion zu stützen, aber es ist eine heikle Balance. Zu viele Ballons und Eure Tropfen schweben auf Nimmerwiedersehen davon, zu wenige und sie stürzen in die Schlucht. An anderer Stelle ist Tempo gefragt, dann wieder mehr Überlegung. Ein wenig könnt Ihr es mit Lemmings vergleichen, das Suchtpotential könnte ebenso hoch liegen. Als besonderen Bonus lohnt es sich für Euch, in jedem Level so viele Tropfen wie nur irgendmöglich zu retten. Für einen guten Score in den weltweiten Leaderboards solltet Ihr das sowieso, aber Ihr könnt auch Eure gesammelten Goos nehmen und daraus in einem Extraspielchen einen riesigen Turm bauen. Die Türme anderer Spieler seht Ihr im Hintergrund und wisst sofort, wo Ihr mit Eurem Bauwerk liegt. World of Goo erscheint für so ziemlich alles, was Spiele abspielen kann. Ob Ihr aber Euren Wii-Goo-Turm mit einem PC-Pendant vergleichen dürft, ist noch nicht gesagt. So oder so, World of Goo dürfte einer der potentiellen Sleeper-Hits für 2008 sein. Es scheint klein, ungemein fein, innovativ und kreativ und dürfte wohl den Kürzeren gegen die großen Namen mit ihren Riesenbudgets und ihrer Herzlosigkeit ziehen. LostWinds Entwickler: Frontier Noch ein Titel, der eigentlich eine eigene Vorschau erfordert, denn was hier zu sehen ist, scheint allein das WiiWare–Konzept in seiner Existenz zu rechtfertigen. Es sieht besser aus, bietet mehr Bezug zu der Steuerung und verspricht mehr Freude am Neuen als einiges, was zum Vollpreis auf der Wii erscheint. In diesem etwas anderen Jump´n´Run steuert Ihr Toku zwar wie gewohnt mit dem Stick des Nunchuck durch die optisch ausgesprochen netten Level, könnt aber eigentlich nicht allzu viel machen. Zumindest nicht ohne die Mote, mit der Ihr den Wind in diesen Fantasylanden kontrolliert. Eine schnelle Bewegung und Toku wird von einer Windböe erfasst und nach oben getragen. Eine zweite Böe bietet dann das Äquivalent zum Doppelsprung, nach und nach kommen immer neue Möglichkeiten dazu, die auch dazu dienen, die zahlreichen kleinen Rätsel in der Umgebung zu lösen. Sehr viel versprechend, wir werden LostWinds ganz sicher im Auge behalten. Final Fantasy Crystal Chronicles: My Life as a King Entwickler: Square Enix Jeder von uns kennt das Gefühl, dass wir uns nicht gern von liebgewonnenen Szenarios, Charakteren und Geschichten trennen. Es gab sicher für jeden von Euch ein Spiel, einen Film oder ein Buch, wo Ihr Euch nach dem Ende gewünscht hättet, noch ein wenig zu verweilen. Einfach nur mal gucken, was danach noch passiert. Blieben sie wirklich glücklich bis an das Ende ihrer Tage? Ist wirklich jetzt alles gut im Königreich? Was wurde denn dann aus den Figuren, die Ihr vorher durch Dick und Dünn, 20 Spielstunden, 120 Filmminuten oder 1000 Seiten begleitet habt? Für die Final Fantasy Crystal Chronicles-Spieler der Gamecube-Ära bietet Square Enix jetzt einen relativ frischen Ansatz zur Erfahrungsverlängerung. Das offensichtliche Mittel der Wahl wäre natürlich ein direkter Nachfolger gewesen, nur hätte der dann ja wieder eine neue Geschichte erzählt. Also lässt man Euch nach den Ereignissen aus dem Jahr 2003 einfach mal machen und zwar in Final Fantasy Crystal Chronicles – My Life as a King. Und sogar gleich in der Rolle des Königs. Ich verrate hier nicht zu viel von der Story des Vorgängers, wenn ich sage, dass nach dem Ende des Spiels nicht wieder sofort alles im Lot läuft und ein wenig Arbeit der Exekutive nötig ist, um alles wieder zu richten. Nun geht ein echter König natürlich nicht selber los und besichtigt jede Baustelle, räuchert jedes Räubernest aus oder kümmert sich selbsthändig um ein paar banale Waldschrantzen, die ein kleines Dorf belästigen. Dafür habt Ihr Eure Untertanen. Bauern, Handwerker, Soldaten und natürlich auch ein paar Helden. Aber nicht gleich vom Start weg. Beginnen muss auch ein König von klein auf und so müssen erst mal ein paar Häuser her, um Untertanen anzulocken. Diese bringen nicht nur ein wenig Leben in das Dorf, sie zahlen vor allem Steuern, etwas, ohne das kein Königreich auskommt. Aber auch Spirit-Kraft ist gefragt, eine Art Magiepotential, das Ihr für den Bau Eures Reiches benötigt. Diese Energie liegt nicht auf der Straße frei verfügbar herum, sondern natürlich und wie so oft in unzugänglichen, dunklen Dungeonhöhlen. Und hier kommt jetzt ein echtes Novum für die Welt von Final Fantasy: Ihr rüstet die Soldaten und Helden aus, die in das Dungeon sollen. Ihr gebt Ihnen ein paar warme Worte mit auf den Weg. Und dann ziehen sie ganz ohne Euch los, um den Auftrag auszuführen. Ihr bleibt zu hause, baut weiter, haltet einen freundlichen, volksnahen Schnack von König zu Bauer oder wandert einfach nur ein wenig herum. Und hofft, dass Eure Jungs in der Ferne Euch keine Schande machen. Als gut informierter König werdet Ihr natürlich mittels des königlichen Reports auf dem Laufenden gehalten. Die Berichte der Ausgesandten flattern Euch zu allen wichtigen Ereignissen ins Haus und schon im Voraus wisst Ihr, ob Ihr einen geschlagenen Trupp am Tor empfangen oder eine Siegesparade erwarten dürft. Und damit letztere häufiger vorkommen als erstere, ist es Eure Pflicht, gute Ausrüstung zur Verfügung zu stellen. Und hierfür müsst Ihr wieder bauen, mehr Steuern und damit natürlich auch Steuerzahler an Land ziehen, Schmieden errichten und verbessern, all die Dinge, die man aus Spielen wie Siedler und Co. schon gut kennt. Ohne allerdings dessen Niveau an Komplexität zu erreichen oder dies auch nur zu wollen. Square Enix hält das Spiel aus zwei Gründen bewusst so simpel wie es geht. Auf der einen Seite soll es die diffuse Gruppe der Casual-Gamer nicht verschrecken, auf der anderen hat man als Grenze für die Größe des Downloads 40 MB gesetzt. Das ist weniger als viele der Xbox Live-Spiele mitbringen und so könnt Ihr schon von vornherein aufwändige CG-Sequenzen streichen. Die generelle Optik macht trotzdem einen ansprechenden Eindruck, den man getrost als schnuffig, aber keineswegs schäbig bezeichnen kann. Hübsche, knallige Farben, witzige Charakterdesigns, nette Häuschen. Und sollte alles nach des Entwicklers Vorstellungen laufen, dürft Ihr auch noch später ein paar Punkte extra lassen. Dafür gibt es dann neue Kostüme, Bauten und mal sehen, was man sich bei Square noch so ausdenkt. Mit FF CC – My Life as King scheint Square Enix einen kleinen Traumstart in die Wii-Welt des Download-Contents hinzulegen. Recht günstig, mit 10 Stunden umfangreich genug und als Konzept des Königsdaseins sogar mit einem kleinen Innovationsbonus, zumindest Serienintern, gerüstet. Sicher ist dies kein Hardcore-Strategical, aber das will es auch nicht sein. Spaß machen will es, Euch die Zeit bis zum nächsten FF angenehm verkürzen und Euch ein freudiges Wiedersehen mit alten Bekannten aus dem Zeitalter des Gamecube verschaffen. Und in all diesen Kategorien überzeugt My Life as a King schon in der für die meisten von uns eher unzugänglichen Japanversion. In Japan läuft WiiWare seit letzten Monat, in den USA ab nächsten und bei uns… hoffentlich auch bald. Gemunkelt wird Juni, hoffen wir das Beste.







