Battlestations: Pacific

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Eidos
Entwickler
Eidos
Genre
Action
PC: Battlestations: Pacific

Gesamtwertung

8/10

PC: Battlestations: Pacific

Für mich war Battlestations: Midway seinerzeit ein echter Überraschungshit. Einerseits, weil es taktisch anspruchsvolle Kost lieferte und das Szenario "stimmig" war. Andererseits kam es mit einer Ruhe daher, die in diesem Genre eine willkommene Abwechslung bot. Ab und zu braucht man eben auch mal ein Spiel, in dem alles etwas gemächlicher abläuft - abseits der ganzen Daueraction-Beschallung. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Pacific ist auch kein schnelles Spiel. Während andere Titel pausenlos Gefecht an Gefecht reihen, nimmt sich Pacifc auch mal eine kleine Ruhepause zwischendurch. Man könnte fast sagen, es zelebriert das taktische Kriegsgeschehen der damaligen Zeit, das eben kein blindes nach vorne stürmen war.

Wie sein Vorgänger trifft Pacific genau die richtige Mischung aus Action und Strategie, lässt Euch dabei jedoch stets die Wahl. Nahezu alle Einheiten der eigenen Fraktion können während einer Schlacht selbst gelenkt werden. Egal ob Jagdflugzeug, Kreuzer oder U-Boot, man lässt Bomben punktgenau auf Schlachtschiffe regnen, wirft nahenden Fliegern dichtes Flakfeuer entgegen und pirscht sich heimlich an feindliche Verbände heran.

Wer lieber zuschaut, erteilt den virtuellen Kameraden einfach nur Befehle, lehnt sich gemütlich zurück und blickt gespannt dem Resultat entgegen. Das kann man auch wirklich entspannt tun, da die KI sehr gut und taktisch clever agiert. Aussetzer kommen nur selten vor, wenn man etwa den Weg eines Begleitschiffs kreuzt und es nicht abbremst. Die Kollegen folgen ihren Ordern bis zum bitteren Ende. Oder aber bis der Feind nur noch die Form eines rauchenden Wracks einnimmt. Die dritte Möglichkeit ist schließlich eine Mischung aus aktivem und passivem Vorgehen. Man schickt sein Schiff beispielsweise per Wegpunkt an einen bestimmten Ort der Karte.

Es schippert nun selbstständig den Weg entlang, wodurch man der Bewaffnung seine volle Aufmerksamkeit widmen und zu nahe kommende Widersacher unter Beschuss nehmen kann. Mit Betätigung des linken Triggers schaltet man dazu schnell zwischen Artillerie, Flak oder Torpedos um.

Ständig hin- und herwechseln muss man jedoch nicht, da die Flak beispielsweise von der KI gesteuert wird. Das sorgt für weniger Stress und zwingt einen nicht dazu, im Sekundentakt rotieren zu müssen. Man selbst richtet derweil in aller Ruhe die Artillerie gezielt aus und visiert etwa Treibstofflager, Maschinen oder Munitionskammer an. Mit etwas Glück landet man einen Volltreffer und schickt ein feindliches Boot im Nu gen Meeresboden. Die Befehlserteilung erfolgt erneut über eine Übersichtskarte. Blitzschnell setzt man per Tastendruck einen oder mehrere Wegpunkte, wählt einen anzugreifenden Feind aus oder legt Verbände zusammen, die sich dann fortan in Formation über das Schlachtfeld bewegen. Echte Kapitäne würden sich freuen, wenn das alles so simpel und intuitiv wäre wie hier.

Wer mag, passt sogar die Positionen aller Einheiten innerhalb der Formationen individuell an. Eine nette Spielerei zwar, aber nicht zwingend notwenig. Es sei denn, die anfälligen, schwachen Schiffe würden an der Spitze fahren. Das wäre strategisch ziemlich unklug. Im Normalfall ordnen sich die Truppen aber sinnvoll um den gewählten Kahn an. Zumindest eines seiner Versprechen hat Eidos Hungary damit schon mal gehalten. Die Bedienung der Karte geht wesentlich flotter von der Hand als noch im Vorgänger, neue Order sind dementsprechend flink erteilt. Alles in allem verbringt man deutlich weniger Zeit damit und wird nicht ständig aus dem Geschehen hinausgerissen.

Deutlich komfortabler läuft auch die Reparatur der Schiffe ab. Musste man in Midway noch umständlich über ein bildschirmfüllendes, eigenes Menü die Crew dem zu reparierenden Bereich zuteilen, drückt und hält man nun lediglich den linken Stick, zieht ihn in eine der vier Himmelsrichtungen (unter anderem für Feuer, Bewaffnung oder Wassereinbruch) und lässt ihn wieder los. Zwischenzeitlich tobt im Hintergrund des kleinen Radialmenüs die Schlacht weiter.

Man behält so einen viel besseren Überblick und kann schneller reagieren, wenn zum Beispiel ein Torpedo im Anmarsch ist. Im ersten Teil hätte man den in einer ähnlichen Situation vermutlich erst zu spät entdeckt. Weiter braucht man sich um die Reparatur auch nicht zu kümmern. Demzufolge weniger Ablenkung und mehr Mittendrin im Gefecht. Nettes Detail am Rande: Im Nachfolger laufen beziehungsweise marschieren nun auch Soldaten über das Deck oder sitzen an Flakgeschützen. Sinkt ein Schiff, treiben sogar einige mit ihren Rettungswesten im Wasser umher.

Neu hinzugekommen sind in Pacific die Landungsoperationen. Bevor das eigene Fußvolk in kleinen Booten die Reise in Richtung Küste antritt, sollte man tunlichst die dortigen Stellungen des Feindes unter Beschuss nehmen – insbesondere wichtige Gebäude wie Befehlsstände oder Hauptquartiere. Sobald die Jungs an Land gehen, kümmern sie sich automatisch um die Einnahme der jeweiligen Position. Und das tun sie äußerst zuverlässig. Nach der Ankunft am Strand wuseln die Gruppen zielstrebig in Richtung Basis und kämpfen gegen feindliche Soldaten.

Der Stütztpunkt wechselt indes Battlefield-like über einen Balken den Besitzer, der durch die eigene Anwesenheit vor Ort langsam aber sicher gefüllt wird. Mehr als die Beobachterrolle nimmt man jedoch leider nicht ein. Vielleicht ja irgendwann in einem etwaigen Nachfolger, eine Bereicherung wären aktiv steuerbare Landscharmützel aber allemal. Nach der Eroberung steht der Stützpunkt mitsamt Bewaffnung zur Verfügung, gelegentlich bekommt man somit auch Nachschub. Einfach über die linke Schultertaste den Support Manager aufrufen, gewünschte Einheit auswählen und in die Luft oder aufs Wasser befördern. Unkomplizierter und schneller geht’s kaum.

Wer den ersten Teil relativ schnell durchgespielt hat, wird sich in Pacific über zwei umfangreiche Kampagnen mit jeweils 14 Missionen freuen. Der obligatorische US-Feldzug darf selbstverständlich nicht fehlen. Alternativ ändert man mit den Japanern den Geschichtsverlauf und erobert nach dem Angriff auf Pearl Harbor den gesamten Pazifik. Die verschiedenen Missionen laufen natürlich meist auf Kämpfe hinaus, schließlich ist Pacific ein Kriegsspiel. Eine Story im eigentlichen Sinne ist nicht vorhanden, vor jedem Ausflug gibt's eine kleine Beschreibung der Vorgeschichte und der zu erledigenden Ziele.

Mal muss ein feindlicher Träger versenkt, mal eine Insel gegen eine amerikanische Invasion verteidigt, mal eine Schiffsgruppe auf offener See bombardiert werden. Besonders atmosphärisch sind die Gefechte im Sturm, während Blitze den Horizont mitsamt der düsteren Wolken erhellen und ins Wasser einschlagen, hohe Wellen an die Schiffe klatschen und der heftige Regen niederprasselt. Das macht es nicht gerade einfacher, den Feind gezielt ins Visier zu nehmen.

Im Laufe der japanischen Kampagne schleicht man sich unter anderem bei Nacht und hellem Mondschein in den Hafen der australischen Metropole Sydney, um einen Munitionsfrachter in die Luft zu jagen. Aber erst, nachdem zuvor mehrere Transportschiffe identifiziert wurden. Hier gilt es, sich geschickt an einfahrende Schiffe zu hängen und unentdeckt zu bleiben sowie Fangnetzen oder Minen auszuweichen.

Während man so in den nächtlichen Stunden durch die enge Hafeneinfahrt dahin pirscht, kommt zuweilen ein wenig „Das Boot“-Feeling auf. Selbst vor idyllischen Flecken macht der Krieg nicht halt. In einer Bucht, in der man glatt am Strand liegen und Urlaub machen könnte, geht es heftigst zur Sache.

Selten schlägt das Spiel jedoch mal etwas zu sehr über die Stränge, macht es einem nicht einfach. Der Großteil der Einsätze ist folglich ohne größere Probleme im ersten Anlauf schaffbar. Dann wiederum gibt es Aufträge, die einem wirlich alles abverlangen. Vor der Küste Afrikas soll man sich beispielsweise mit einem deutschen U-Boot treffen. Dummerweise tauchen erst ein alliierter Konvoi und später noch eine Gruppe U-Boot-Jäger auf. Mit zwei Unterseefahrzeugen soll man es nun mit fünf Zerstörern und einem Flugzeugträger aufnehmen. Keine einfache Sache, da unter der Meeresoberfläche irgendwann die Luft ausgeht und man von oben mit Wasserbomben eingedeckt wird.

Battlestations: Pacific schafft es dabei immer, ein echtes Mittendringefühl zu erzeugen. Einen wesentlichen Beitrag dazu leistet die Soundkulisse. Kanonensalven hämmern im Sekundentakt aus den Boxen, Zerstörer geben den typischen Sonarping von sich und vom Himmel fallende Bomben kündigen sich mit einem nicht zu überhörenden Pfeifton an, bevor sie mit einem gewaltigen Feuerball einschlagen oder das Schiff um Haaresbreite verfehlen.

Speziell Beobachter kommen hier auf ihre Kosten. Schnell in die Cockpit-Perspektive des nächsten Fliegers gewechselt und zuschauen, wie die agilen Flugmaschinen unter heftigem Feindfeuer zum Sturzflug ansetzen, zwischen Flottenverbänden umher schwirren und nach zu starkem Beschuss auseinanderbrechen und in mehreren rauchenden, brennenden Trümmern zu Boden fallen.

Wenn man schließlich beide Kampagnen durchgezockt hat, kann man seine strategischen Qualitäten mit anderen Spielern messen. Bis zu acht Teilnehmer treten in fünf unterschiedlichen Varianten gegeneinander an. Entweder eskortiert beziehungsweise zerstört man wichtige Ziele, greift mit nur einer steuerbaren Einheit auf beiden Seiten in eine Inseleroberung ein, tritt wiederum nur mit einer Einheit gemeinsam gegen eine KI-Flotte an und muss von allen die meisten Punkte erzielen, fechtet in einem Duell den Sieger aus oder reißt sich diverse Inseln unter den Nagel, um zuerst das Punktelimit von 5.000 Zählern zu erreichen.

Auch hier kommt es natürlich auf die cleverste Taktik und die richtigen Einheitenkombinationen an. Je nach Spielerzahl und dem Verlauf der Schlacht dauern die Gefechte mindestens schon mal 30 Minuten, der Ausgang der Schlacht schwankt mitunter hin und her. Speziell wenn es um die Eroberung mehrerer Eilande geht, ist in einem 1on1 starkes Multitasking zwischen verschiedenen Verbänden gefragt. Ansonsten teilt man sich die Arbeit mit bis zu vier Kollegen.

Wenn Ihr mit etwas langsameren Spielen (und dem Zweiten Weltkrieg) nichts anfangen könnt, solltet Ihr Euch Battlestations: Pacific wirklich nicht näher anschauen. Gemächlichere Gemüter entdecken hier allerdings einen mehr als gelungen Action-Strategie-Mix für sich, der die Dynamik der früheren Gefechte einfach gut rüberbringt. Während man heutzutage nur ein Knöpfchen drückt und Raketen aus kilometerweiter Entfernung ins Ziel jagt, geht es in Battlestations. Pacific noch Auge in Auge zur Sache. Intensive Dogfights am Himmel, sich mit Artillerie eindeckende Flottenverbände und die hektische Suche nach einem U-Boot, das gerade noch auf der Karte zu sehen war, machen Pacific zu einem echten taktischen Vergnügen.

Obendrein ist der Nachfolger auch noch - wie von den Machern versprochen - wesentlich komfortabler und länger als Teil 1, bietet eine hübsche Optik mit detaillierten Modellen und einen gelungenen Multiplayer-Modus. Pacific ist in praktisch allen Belangen besser als Midway und lohnt sich somit definitiv auch für Besitzer des Vorgängers.

Battlestations: Pacific ist bereits für Xbox 360 und PC erhältlich.

 

 

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