Project Sylpheed

Review
Plattform
XBOX 360
Vertrieb
Microsoft
Entwickler
GameArts
Genre
Shooter

Gesamtwertung

8/10

X360: Project Sylpheed

Sternzeit 2632, Raumschiffträger Akropolis, White Griphons Squad: Mein Name ist Katana und ich bin einer der neuen Kadetten der Terranischen Abwehrkräfte. Gleich mein erster Trainingsflug im Glasner Areal mit einem nagelneuen Delta Saber Prototypen endete in einem Desaster. Die feigen Hunde von ADAN haben uns angegriffen. Diese Separatisten, die sich von unserer glorreichen Erd-Regierung losgesagten, fielen uns ohne Vorwarnung in den Rücken und töteten unseren Kameraden Brandon Shore. Nur mit viel Mühe gelang es uns, die Angreifer zu vernichten und seinen Tod zu rächen. Doch damit ist der Kampf nicht zu Ende, sondern er fängt gerade erst an. Kurze Zeit später erklärte uns ADAN den Krieg und wir wurden auf einen Schlag von Kadetten zu Kriegern. Dies ist kein Spiel mehr. Nun kämpfen wir ums Überleben und für die Freiheit. Terra lebe hoch!

Gleich der Einstieg ist gespickt mit recht klassischen Science-Fiction-Motiven und reißt Fans des Genres in einen Strudel voller Emotionen. Gerade noch einen schlichten Arcade-Shooter erwartet, überrascht SquareEnix ungewöhnliche Weltraum-Action mit einer epischen Story und einem großen Simulationspart. Während der Quasi-Vorgänger mit der anderen Schreibweise, Silpheed, nur seichte Railway-Baller-Passagen bot, folgt Project Sylpheed auf den Spuren von X-Wing, Wing Commander und Freespace. Gemixt mit einer guten Portion Japan-Style und vielen emotionalen Zwischensequenzen, ist der Shooter für mich die Überraschung des Sommers.

Willkommen an Bord der Akropolis

Dabei enttäuschen die ersten Zwischensequenzen mit einer viel zu niedrigen Auflösung. Es sieht nicht nach HD aus; das Bild wirkt unscharf und wird von den wenigen Ingame-Sequenzen locker geschlagen. Auch storytechnisch wartet hier keine Offenbarung auf Euch, sondern eine wunderschöne Patchwork-Decke aus dem gewaltigen Fundus des Science-Fiction-Genres. Erdregierung, Separatisten und ehemalige Freunde, die zu erbitterten Feinden werden, hat man schon mindestens ein Dutzend Mal gesehen. Und trotzdem: Es gelingt der epischen Handlung und dem „Mittendrin“-Gameplay, Fans des Genres sofort in ihren Bann zu ziehen.

Wie es Katana im Einstieg andeutete, ist man ein Kadett auf dem Raumschiffträger Akropolis, der mitten in den Krieg zwischen Terra und abtrünnigen Kolonien gezogen wird. Ihr seid ein Teil des Geschwaders White Griphon, das an der vordersten Verteidigungslinie bereit steht, um für die Erdallianz zu kämpfen. So steigt man 16 Missionen lang in einen Delta Saber-Raumgleiter und muss mit den spezialisierten Waffen verschiedene Missionsziele erfüllen. Schon vor dem eigentlichen Einsatz wird klar, dass dies kein simpler Arcade-Shooter ist. Er kommt zwar in einem farbenfrohen Kleidchen daher, doch darunter wartet eine dicke kugelsichere Weste.

Bevor Ihr Euch nämlich in den Weltraum wagt, müsst Ihr aus Dutzenden Waffen die richtige Wahl treffen. Euer Gleiter besitzt vier unterschiedliche Slots, die frei mit Raketen, Maschinengewehren, Bordkanonen und Torpedos bestückt werden können. Damit Ihr nicht vollkommen daneben langt und zum Beispiel bei einer Jagdmission nur mit einem lächerlichen Maschinengewehr auf gigantische Kreuzer schießt, ist eine detaillierte Studie des Briefings fast unerlässlich. Zu Beginn ist Eure Auswahl noch recht beschränkt, doch mit erspielten Punkten kann man langsam aber sicher ein gewaltiges Waffenarsenal frei schalten.

Auch im Weltraum offenbart sich die Tiefe und Komplexität von Project Sylpheed, die Genre-Neulingen viel abverlangt. Jeder Knopf des Pads ist belegt und erfüllt einen wichtigen Zweck. Um gerade in den höheren Schwierigkeitsgraden erfolgreich zu sein, muss man geschickt zwischen den verschiedenen Waffen hin und her schalten, die Spezialangriffe aus dem Eff-Eff beherrschen und zumindest fliegerische Grundkenntnisse besitzen. Der mit Symbolen und Entfernungsaufgaben überfüllte Bildschirm darf angehende Elite-Piloten nicht abschrecken. Gerade im Kampf mit gegnerischen Fliegern heißt es trotz Leuchtspurgeschossen, HUD-Anzeigen und Kondensstreifen den Überblick bewahren. Zum Glück gibt es im späteren Verlauf starke Raketensysteme, die bis zu 30 Flieger auf einmal aufs Korn nehmen können.

Ohne diese stünde man in den gewaltigen Schlachten mit über 100 Objekten auf verlorenem Posten. Wer dort keinen kühlen Kopf bewahrt und sich die richtigen Ziele auswählt, hat keine Chance. Aber spätestens wenn Ihr im Dogfight mit ein paar Jägern die eigene Flotte schützt oder per Sturzangriff selbst riesige Schlachtschiffe erledigt, vergisst man das ganze Chaos und Project Sylpheed verwandelt sich in eine gigantische Space Opera, wie man sie schon lange nicht mehr über den Bildschirm flimmern sah. Selbst die Abzieh-Charaktere wachsen einem nach den recht gut inszenierten Zwischensequenzen ans Herz und wenn es den ersten Kuss gibt, ist man den Tränen nahe.

Beeindruckende Gefechte, erstklassige Atmosphäre

Aber es ist nicht allein die bombastische Präsentation und die wirklich gewaltigen Schlachten, die punkten können. Selbst ein sinnvolles Squad-System wurde integriert, das bei einigen besonders heiklen Missionen wahre Wunder wirkt. Nachdem Ihr im Laufe der Story zum Team Leader ernannt wurdet, könnt Ihr Eure Kollegen zur Verteidigung oder zum Angriff herbei zitieren. Die Abschusszahlen Eures Elitefighters erreicht zwar keiner, doch wenn es eng wird, ist man froh, ein paar Kanonen an seiner Seite zu wissen.

Denn Project Sylpheed hat sich nicht nur positive Eigenschaften von der Weltraum-Konkurrenz abgeschaut. Wie schon beim seligen X-Wing spielen sich Escort-Missionen meist eine ganze Ecke schwieriger als schlichte Großangriffe. Mit so viel Schiffen in der Luft ist es nahezu unmöglich, die Schützlinge im Auge zu behalten. Eine Mission konnten wir auch nach zig Neustarts bis zum Ende des Tests nicht abschließen und nur die Gnade der Entwickler bewahrte uns vor einem Nervenzusammenbruch. Denn nach drei Fehlversuchen darf man eine Mission ohne Punkte zu ergattern einfach überspringen. Schlecht für den Gamescore und das Waffenarsenal, gut für die Nerven.

Frustriert ist man als erfahrener Weltraum-Cowboy von dem knackigen Schwierigkeitsgrad eher selten. Vielmehr erhöht er die Dramatik der einzelnen Missionen. Und wenn man in allerletzter Sekunde den letzten Jäger aus dem All bläst, kann man befriedigt im Sofa zurück sinken und sich selbst auf die Schulter klopfen. Ein weiterer Motivationsfaktor ist die enorme Steigerung der Feuerkraft. Während anfangs selbst die Vernichtung eines kleinen Zerstörers in harte Arbeit ausartet, erledigt Ihr, dank Gravitationskanone und Supertorpedos, am Ende im Handumdrehen sogar ein mächtiges Schlachtschiff. In diesen Momenten spielt der Titel seine ganze Stärke aus und lässt so manchen Mangel vergessen.

Apropos Mangel: Von der Technik darf man nicht allzu viel erwarten. Die meisten Modelle wären so auch auf der alten Konsolengeneration möglich gewesen. Nur die hohe Auflösung, die schicken Effekte und die schiere Masse an Einheiten machen den Titel Next Generation-würdig. In den späteren Missionen sorgen Kämpfe in der Atmosphäre und sogar in einem gewaltigen Sternenschiff für Abwechslung. Nur bei der Framerate bereitet der Titel in besonders heißen Gefechten etwas Probleme.

Außer dem eigenen Schiff, das man von hinten betrachtet, nimmt man die Gegner meist nur als kleine Punkte in der Zielerfassung wahr. Schön wäre es, wie bei der klassischen Konkurrenz, wenn man das aktuelle Ziel noch einmal in Nahaufnahme genießen könnte. So kann man nur die Großkampfschiffe in ihrer ganzen Pracht bestaunen, auch wenn sie nicht ganz so detailliert ausfallen, wie die Jäger.

Multiplayer gibt es leider keinen, was nicht nur unverständlich, sondern auch ziemlich dämlich ist. Es gibt wohl kaum ein Genre, das so von einer Mehrspieler-Funktionalität profitiert, wie die guten alten Flugsimulatoren. Da der Titel aber aus Japan kommt und dort der Multiplayer nicht so einen hohen Stellenwert besitzt, kann man hier wohl nur auf einen zweiten Teil hoffen.

Nach langen Jahren der Abstinenz konnte ich endlich wieder in die Rolle eines Elite-Piloten schlüpfen und gemeinsam mit meinem Team die Welt retten. Schon lange hab ich nicht mehr so viel Spaß gehabt und mich richtig auf die nächste Mission gefreut.

Deshalb meine Bitte: Gebt dem Titel ein Chance! Denn trotz der kleinen Mängel ist er eine einmalige Space Opera, die geradezu nach einer dicken Fortsetzung mit Multiplayer-Modus schreit. Wer das Genre liebt und trotzdem Zweifel hat, kann die Demo ausprobieren, die aber ohne Zwischensequenzen nicht ganz die Atmosphäre des Endprodukts wiedergeben kann. Wenn man erst einmal in die Story eingetaucht ist, wächst einem selbst der schwache Hauptcharakter Katana so richtig ans Herz und lässt einen stundenlang in dem Spiel versinken. Eines sollte jedoch klar sein, vor Innovationen sprüht Project Sylpheed nicht. Eigentlich hat man alles schon einmal gesehen. Es ist nur verdammt lange her. Und dadurch fällt das auch kaum ins Gewicht.

Ab dem 29. Juni kann man auf der Xbox 360 bei Project Sylpheed im Pilotensitz Platz nehmen.

 

 

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