Family Ski

Review
Plattform
WII
Vertrieb
Nintendo
Entwickler
Namco Bandai
Genre
Strategie
WII: Family Ski

Gesamtwertung

5/10

WII: Family Ski

Mein persönlicher Favorit beim Skifahren ist nicht unbedingt der möglichst schnelle Schuss Richtung Tal, sondern das eher gemächliche Parallele entlang des Hangs. Das Kratzen von Schnee und Eis bei Kurven, das Beschleunigen, eine neue Kurve mit einer leicht andren Ausrichtung, einfach mal gucken, wie es da drüben aussieht. Vor allem aber das Gefühl, mit dem Schnee unter den Kufen zu spielen und zu arbeiten. Nichts davon kann Family Ski von Namco vermitteln.

War aber auch nicht zu erwarten, also wie schlägt sich Family Ski – in den USA We Ski genannt, wer mag wohl die Rechte für Wii Ski besitzen? – im Rahmen der Möglichkeiten? Auf den ersten Blick gar nicht mal übel. Zumindest, solange Ihr mit dem inzwischen ja für die Wii stellvertretenden Superknuddel-Look der unausstehlich frohsinnigen Animepuppen klarkommt, die Eure ja kaum weniger knuffigen Miis umkreisen. Man kennt es ja. Shiny happy people holding hands. Sprichwörtlich.

Das Herz von Family Ski ist das umfangreiche Ski-Ressort des freien Modus, das von Hunderten, gar nicht mal so ähnlich aussehender Skifahrer aller Geschlechter, Rassen und Alterstufen bewohnt wird. Kindergruppen rauschen herum, Pistenrowdies verderben anderen den Spaß, Anfänger kullern vorbei, Pärchen fahren Händchen haltend. Alle grinsen grenzdebil, dazu spielt das James Last Happy Orchestra mit Piano voll auf Pep-Pills alte Namco Hits von Galaga bis Katamari. Wii halt.

Der wichtigste Darsteller, der Berg, kann dagegen bei der ersten Abfahrt „von ganz oben runter“ schon beeindrucken: Groß und mächtig ragt er auf, fast ein Dutzend einzelner, nach Tieren benannter Pisten haben auf ihm Platz. Oben angefangen vom Löwen bis ganz unten zur Schildkröte. Dazwischen immer wieder Lifte, Hütten, Restaurants und alles, was Ihr sonst so in einem echten Ressort erwarten dürft. Nur so beeindruckend es in den ersten Minuten auch scheint, nach ein paar Abfahrten wird Euch klar, wie klein am Ende das Ressort bei näherer Betrachtung geriet.

Ihr könnt vom Start weg alles anwählen, auf neue Pisten wartet Ihr vergeblich. Dafür sollt Ihr Euch an Hunderten von Kleidungsstücken und Skiausrüstungsgegenständen erfreuen, die eigentlich keine große Rolle spielen, solange Ihr nicht notorische Sammlernaturen seid. Mutig startet Ihr auf der Spitze, rauscht mehr schlecht als recht gen Tal, es gibt keine Unterbrechungen auf dem Weg zu den mittleren Pisten, und zum Schluss nehmt Ihr, weil es ja auf dem Weg liegt, noch die Schildkröte mit. Und schon habt Ihr in der ersten Abfahrt etwa ein Drittel des Berges erkundet. Noch zwei oder drei weitere Fahrten und Ihr rühmt Euch, nach ca. 20 Minuten jede der Abfahrten zumindest schon einmal gesehen zu haben.

Und dass Ihr mit den anderen Fahrern belanglosestes Blödsinns-Geschnatter austauschen könnt, dürfte wohl kaum den mal wieder fehlenden Online-Modus ersetzen. Wenn Ihr es zulasst, nimmt sich Ski viel zu viel Zeit, Euch mit „Wusstest Du schon, dass…“-Sprechblasen zu belästigen, ähnlich vertraut aus Nintendos eigenem Wii Fit oder Sports. Aber auch das gehört wohl zur Wii-Erfahrung mittlerweile dazu und hier könnt Ihr den Belehrungen meist aus dem Weg gehen.

Angesichts der trotz des guten Designs des Ressorts dünnen Auswahl an Pisten, liegt das Hauptaugenmerk darauf, richtig gut zu fahren. Und dafür wiederum ist natürlich die Steuerung die Essenz. Und welche Konsole sollte besser geeignet sein, um das Fahren irgendwie gefühlvoll und ein wenig „echt“ umzusetzen.

Die reine Mote/Chuck-Variante funktioniert prinzipiell sehr anständig, nur das sonst bei der Wii übliche „intuitiv“ könnt Ihr komplett vergessen. Ich stellte mich auf die Piste und hatte keine Ahnung, was ich tue. Wie im richtigen Leben, also auf in die, bis auf die gehirnschmelzende Musik nett gemachte Skischule. Ihr haltet die beiden Controller parallel und leicht geneigt vor Euch. Durch Drehungen der beiden in die gewünschte Richtung, bewegt Ihr Euren Fahrer in mehr oder weniger sanfte Kurven beim Parallelfahren. Dreht jetzt beide Sticks nach außen und der Fahrer geht in die Hocke, was deutlich mehr Tempo bringt, sich aber natürlich auch etwas weniger diffizil steuern lässt. Gewedelt wird mit Druck auf B und Z, essentiell, geradezu überlebenswichtig bei Buckelpisten.

In den Schneepflug geht Ihr per Stickbewegung nach außen, gebremst wird mit dem Analogstick des Chucks. Sobald Ihr Euch über eine Schanze in die Luft befördert, führt Eure Fahrer mittels Tasten und Analogstick eine Reihe von Tricks aus. Ambitionierte können sogar noch den seitlichen Anstieg meistern. Wozu man den hier braucht, wurde mir nicht klar und so hab ich schon wieder vergessen, auf welche nicht sofort ersichtliche Weise der funktioniert.

Alles gemerkt? Macht nichts, es dauerte eine Stunde, aber dann habt Ihr das intus. Und auch wenn es sicher alles andere als sofort selbsterklärend ist: Es funktioniert schlussendlich richtig gut, wäre da nicht das Anschieben mittels der Skistöcke. Dabei ist die Bewegung an sich absolut natürlich. Mit Mote und Chuck einfach ausholen und abstoßen, als wären es die Griffe von Skistöcken. Nur dass diese nicht mit einem Kabel verbunden sind, mit dessen Hilfe Ihr Euch blaue Oberschenkel peitscht.

Jeder Skilehrer verbietet als erstes – nun, vielleicht auch erst als fünftes oder sechstes – seinen Schülern, bei der Abfahrt mit den Stöcken Schwung zu holen, wenn es nicht gerade wirklich sanft bergab geht. Bei hohem Tempo behindert Ihr Euch damit mehr selbst als alles andere. Eigentlich sollt Ihr damit nur das Gleichgewicht halten und Euch aus misslichen Tiefschneestürzen befreien.

Family Ski reduzierte das Tempo allerdings so drastisch, dass Ihr permanent versucht seid, irgendwo wenigstens ein kleines bisschen Speed herzuholen, und zu allem Überfluss klappt das durch die dank Kabel eher nervige Bewegung sogar noch. Also peitscht Ihr Euch fröhlich und verflucht Nintendo, dass sie statt einen kabellosen Chuck zu veröffentlichen, lieber Firmen verklagen, die solche anbieten (next-gen.biz ). Eine einfache, alternative Handhabung, wie das Schwungholen mittels Knopfdruck, hätte vieles vereinfacht. Ihr sucht sie aber vergeblich.

Die zweite Enttäuschung ist sicher die recht halbherzige Implementierung des Balance Board in einen Titel, der wohl eigentlich schon vor dem Erscheinen des Boards fertig war. Ihr steuert mit dem Board die Links und Rechts-Balance. Mehr nicht. Das Gefühl der Gewichtsverlagerung wurde gut ausbalanciert und gefühlvolle Schwünge klappen nach kurzer Zeit genauso gut wie das brutale zur Seite in den Schnee stemmen. Nur warum zum Beispiel nicht das in die Hocke gehen gleich mit simuliert wird und Ihr stattdessen immer noch die Sticks drehen müsst, ist unklar und ein wirklicher Verlust für das Spielgefühl. Es hilft wenig, dass man als Skifahrer instinktiv sowieso in die Hocke geht. Würde es was bringen, wäre es netter.

Aber das Board funktioniert sowieso nur im Solospielerbetrieb. Seid Ihr dagegen mit Familie und Freunden auf der Piste, müssen alle zu den Sticks greifen. Und dann sollten sich erst mal drei weitere Personen mit der Steuerung vertraut machen, etwas, was spontan bei Partys schwierig ist. Und schließlich damit leben, dass ein Vier-Spieler-Splitscreen bei einer Auflösung von 480p nicht wahnsinnig viele Pixel für den Einzelnen übrig lässt. Gut erkennbar bleibt alles, aber von den im Gesamtscreen immerhin gelegentlichen schönen Impressionen einer nächtlichen Piste bleibt hier natürlich nicht viel.

Für den Multifun stehen diverse Rennen, Slalom und Einzelfahrten zur Verfügung, die Ihr auch Solo gegen den Computer bestreiten dürft. Einen echten und vor allem langfristig motivierenden Kampagne-, Turnier, oder Sonstwas-Modus sucht Ihr auch hier vergeblich. Selbst ein paar freischaltbare Rennen retten nicht viel. Und über 100 langweilige, generische Einzelmissionen – „findet ein Kind auf einer Piste“, „liefert Sushi ins Tal“ – sind nun wirklich kein Ersatz für ein echtes Spielziel.

Namcos Skireise krankt daran, dass der Veranstalter das Paket zu leicht geschnürt hat. Der Berg ruft gelegentlich, aber eigentlich seid Ihr am ersten Abend schon so gut, dass Ihr neue Herausforderungen mit der Lupe suchen dürft. Gegen den Computer in Einzelrennen anzutreten, macht auf Dauer auch nicht so viel Spaß. Bleibt eigentlich nur der Mehrspielerteil. Er allein rettet das Modul vor der kompletten Einmottung nach einem Wochenende. Da hilft es wenig, dass das Fahrgefühl nur nett und brauchbar, statt bahnbrechend umgesetzt wurde. Es ist kein echtes Skifahrgefühl, das allein als Motivation ausreichen würde.

Um am Ende ist es auch mal wieder ein wenig eine Frage des Preises. In den USA und Japan geht Family Ski als Budgettitel für 29,99 Dollar über die Ladentheke. Hierzulande verkauft sich ja bekanntlich alles wie geschnitten Brot, solange nur Wii draufsteht. Und es entspricht sicher der Geschäftslogik, es erst mal im Vollpreissegment zu versuchen. Für den halben Preis würde Family Ski zu den besseren Budget-Angeboten in der Wii-Ecke zählen, so aber gibt es hier einfach nicht genug Substanz.

Family Ski ist ab sofort für die Wii zu haben. Balance Board-Besitzer freuen sich über optionale Unterstützung der Hardware.

 

 

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