TNA iMPACT

Review
Plattform
XBOX 360
Genre
Andere
X360: TNA iMPACT!

Gesamtwertung

6/10

X360: TNA iMPACT!

Dass die Helden meiner frühen Pubertät in den letzten Jahren tief gefallen sind, zeigte mir MTV, als sie Hulk Hogan und seine Frau bei irgendeinem Scheidungskrieg live abfilmten. Wie kann das sein? Es ist der Hulk! Der kannte keine Schmerzen, geschweige denn Gefühle! Der Härteste der Harten! Und jetzt so was. Der Fall von der Spitze kann so tief sein.

Und der Aufstieg an sich passiert auch nicht über Nacht. In den letzten acht Jahren mauserte sich Smackdown vs. Raw vom Playstation One–Außenseiter zum Platzhirschen. Harte Arbeit, immer an sich gefeilt, Rückschläge eingesteckt, der aktuelle Champion. Und wie auch im Sportleben ist es sehr selten, dass die Rocky-Story gelebt wird und der Neuankömmling einfach in den Ring steigt und sich den Tag holt. Sehr, sehr selten.

TNA iMPACT! beginnt den Kampf zuversichtlich und schon die erste Runde, in die Ihr Euch sofort und ohne jegliche Vorkenntnisse stürzt, startet verheißungsvoll. Durch ein hoffnungslos übertriebenes, aber liebenswertes Video eingestimmt, durch ein paar stylische Menüs geleitet, erleben Eure Augen schließlich wahre optische Pracht.

Nach dem Erstkontakt mit der donnernden Präsentation beginnt das, was normalerweise harte Arbeit bedeutet: Die Einarbeitung in die Steuerung eines neuen Sportspiels. TNA macht es Euch dabei sehr einfach. Zugreifen und loslegen funktioniert nicht ganz so auf Anhieb, aber es kommt dem schon so nahe, wie es im Wrestling-Genre wird. Spontan erinnert es an alte N64 oder sogar Super Nintendo-Wrestler.

Ein Schlag, ein Tritt, ein Griff, auf Wunsch noch in harter Ausführung und über die gedrückte Richtung zu modifizieren. Jeder kann schon nach kürzester Zeit austeilen, selbst wenn aus einigen Perspektiven nicht immer ganz leicht einzuschätzen ist, ob der Kontrahent sich schon in Reichweite befindet. Viel einfacher als das lässt es sich kaum gestalten, was aber den Nachteil leichter Eintönigkeit mit sich bringt.

Jeder der ca. 25 TNA-Profis bedient sich aus dem gleichen Pool der Routine-Moves. Sicher, auch im Fernsehen hat jeder schon mal einen Piledriver, aber das praktisch jeder Move bei jedem der Kämpfer identisch wirkt, hinterlässt auf Dauer schon einen sehr faden Beigeschmack. Ob ich nun am Ende mit dem Shark Boy, AJ Styles oder Young in den Ring stieg, es wirkte, abgesehen von der wirklich hübsch gestellten Figur, nur bedingt wie ein anderer Mensch. Dass sich Midway die Mühe machte, Tausende Moves per Motion Capture einzufangen, merkt man TNA IMPACT! leider nur sehr bedingt an.

In die Kategorie „gut gedacht, nicht so toll gemacht“ fällt die Submission-Steuerung. Liegt der Feind am Boden, greift Ihr Euch je nach Position Kopf oder Gliedmaße und fangt an zu zerren. Für beide Kämpfer werden schnell zu drückende Buttonfolgen angezeigt und wer schneller drückt, gewinnt. Entweder Ihr quält den Unterlegenen noch etwas länger oder er kam Euch zuvor und kann sich befreien. Quicktime-Events in einem Sportspiel. Was die Welt noch brauchte.

Der Computer zeigt Euch spätestens ab der Mitte des Story-Modus, dass er viel schneller Knöpfe drücken kann als Ihr. Lässt er Euch bei der Befreiung noch nötige Millisekunden, windet er sich umgedreht praktisch sofort aus jedem Lock, bevor Ihr teilweise die Knöpfe erkennen könnt. Als Training empfehle ich Guitar Hero auf Hard mit dem Pad zu spielen. Wenn Ihr das hinbekommt, dürft Ihr Euch den Submissions zuwenden.

Die größten Schmerzen wird aber letztlich Euer rechter Analogstick erfahren. Um Benommenheit oder den Match-endenden Pin abzuschütteln, rüttelt Ihr, als wäre es 1984 und Track & Field auf dem Screen. Nur reicht es oft nicht. Seid Ihr erst einmal ein wenig angegriffen, sind drei Sekunden Anzählzeit viel zu kurz, um Euch aus einem Pin zu holen, den ein ebenso malträtierter Computergegner schon bei 1,5 gebrochen hat. Vielleicht liegt es an mir, aber bisher hatte ich einfach keinen Grund, den rechten Stick innerhalb von 3 Sekunden mehr als 30 Mal von links nach rechts und zurück zu bewegen.

Jetzt nehmt noch die teilweise zu einfach durchführbaren und vor allem von der KI viel zu häufig eingesetzten Counter und ein paar Aerial-Moves dazu, die sich aber eigentlich auch nur durch die Positionierung am Pfosten von der Ausführung unterscheiden, und Ihr habt Euren Wrestler im Griff. Einfach, aber weniger flexibel als die Konkurrenz, weniger Einarbeitung, dafür am Ende weniger Tiefgang. Will ich das verdammen? Loben? Ich bin mir nicht ganz sicher.

Nicht nur bei den Moves, auch bei den Optionen, in denen Ihr dieses etwas magere Repertoire anwenden dürft, sieht es mau aus. Einzelmatches, Tag Teams, Submission-Bouts, Two on One, Falls Count Anywhere, das alles zählt zum erwarteten Pflichtstandard und findet sich auch ganz brav in TNA. Der einzige Punkt, der Euch neu vorkommen dürfte, ist der Ultimate X – Modus. Und hier wartet eine Menge unkonventioneller Spaß.

An vier Ecken werden Pfosten aufgestellt und an diesen mit Seilen ein X über den Ring gespannt. An der Kreuzstelle genau in der Mitte und in einigen Metern Höhe hängt ein rotes X, das es zu erobern gilt. Klettert die Pfosten hoch, hangelt an den Seilen entlang und greift Euch das X. Klingt relativ simpel, aber nur solange, wie Euch andere schwitzende Kampfmaschinen nicht davon abhalten wollen. Sie springen Euch von unten an die Beine, reißen Euch runter, treten Euch am Seil hängend ins Kreuz und arbeiten sich selber vor, bis Ihr die Gefälligkeiten erwidert.

Hektischer, spaßiger und definitiv weniger technisch als die normalen Kämpfe macht Ultimate X Riesenlaune und leidet eigentlich nur daran, dass es nach einer Weile dank des zu kleinen Move-Repertoires dann doch etwas eintönig wird. Aber trotzdem bleibt ein witziger Modus, den Ihr immer mal wieder für eine oder zwei Runden vorkramen werdet.

Wie oft Ihr dagegen den Story-Modus durchleben werdet, steht auf einem ganz anderen Blatt. Sind Moves und Optionen bis hier schon nicht gerade vielfältig, reduziert es sich bei der Erschaffung des eigenen Kämpfers noch mal ein Gutes Stück und zwar in Richtung absolutes Minimum. Meinen Traum, mit El Nacho Libre in den Ring zu steigen, konnte ich mir bei der geringen Ausbeute an Skins und Klamotten nur sehr bedingt erfüllen.

Noch drastischer als die dürftigen visuellen Optionen gestalten sich die Einschränkungen bei der Auswahl der Moves. Midway Studios LA liebt es, Dinge nach und nach freizuschalten und hier trieb man es auf die Spitze. Ein einzelner Ring, alle Moves stehen auf Default. Und was genau Default oder auch alles andere sein könnte – außer Ihr wisst sofort, was ein Death Valley Driver bedeutet –, erfahrt Ihr auch erst beim Ausprobieren im Kampf statt durch eine Animation im Menü. Schlecht.

Habt Ihr es durch Mexiko bis in die TNA-Liga geschafft, kommen die ersten Tag-Matches und hier zeigt die KI eine sehr unschöne Seite ihrer selbst. Oft genug finden ich oder mein Opponent uns in ungünstiger Lage wieder und unsere Teams sehen trotz der drohenden Niederlage keinen Grund einzuschreiten. Ich erlag häufig dem Pin, während mein Partner weniger als einen Meter entfernt vor sich hin träumte. Es schadet dem Hirn wohl doch, wenn es regelmäßig mit einem Klappstuhl verdroschen wird.

Gegeneinander zeigen sich solche Probleme natürlich nicht, sei es Off- oder Online. Hier ist es lediglich bedauerlich, dass es keinen echten Turniermodus gibt. Und permanent irgendwelche Kids billige Treffer mit den nicht blockbaren Stühlen landen. Da es für solche Unfairness keine Strafe gibt, heißt es Zähne zusammenbeißen und hoffen, dass der nächste Euch einen interessanteren Kampf bietet. Dafür findet Ihr jede Menge Leaderboards, die Euer selbstgebauter Wrestler leider nie sehen wird. Nur die offiziellen TNA-Kämpfer haben Zutritt in die Online-Welt. Warum, weiß allein der Entwickler. Ich für meinen Teil hätte gerne der Welt den Red Rover präsentiert.

Sicher, wie die meisten Mängel und Haken von TNA IMPACT ist diese Beschwerde kleinlich. In der Summe finden sich aber doch zu viele dieser Kleinigkeiten, um das Gesamtbild noch unbeschmutzt zu lassen. Nach nur wenigen Stunden verfliegt der Reiz der phantastischen Optik ein wenig und Euch geht auf, dass Ihr eigentlich und trotz der Freischaltbarkeiten schon beinahe alles ergründet habt.

Midway legt mit TNA IMPACT ein solides Fundament für eine große Wrestlingserie. Eine Sechs mag keine besonders hohe Note sein, aber sie wird mit einem aufmunternden Schulterklopfen gereicht. Ein wenig an der Steuerung feilen, dazu mehr Umfang und Feinschliff, dann reicht es eines Tages für einen echten Titelkampf.

TNA iMPACT! ist ab sofort für Xbox 360, PS3, Wii und PS2 erhältlich.

 

 

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