Frontlines: Fuel of War

Review
Plattform
XBOX 360
Vertrieb
THQ
Entwickler
Kaos Studios
Genre
Shooter
X360: Frontlines: Fuel of War

X360: Frontlines: Fuel of War

Genau so habe ich mir einen gelungenen Battlefield-Einzelspieler immer vorgestellt: Packende, Adrenalin-schwangere Missionen in einer relativ offenen Welt, nette Zwischensequenzen, eine einigermaßen brauchbare Story und eine breite, abwechslungsreiche Waffenpalette sorgen trotz Multiplayer-Mechanik für spannende Kämpfe und Motivation bis zum Schluss. Während ein ähnliches Konzept für die Battlefield-Konsolen-Version kräftig in die Hose ging, ist es den Kaos Studios wirklich gelungen, die Mehrspieler-Faszination auch Offline erlebbar zu machen.

Besonders ärgerlich für die Battlefield-Entwickler von DICE: Das Entwicklerteam arbeitete schon an Battlefield 2 und hat die Firma nach der Fertigstellung wegen einiger Probleme recht unglücklich verlassen. Unter der Flagge der Kaos Studio, bewaffnet mit der Unreal Engine und THQ im Rücken, haben sie nun ein Konkurrenzprodukt auf die Beine gestellt, das sich anschickt, den ehemaligen Kollegen den Spaß zu verderben.

Zeitlich irgendwo zwischen den letzten beiden Battlefield-Teilen angesiedelt, bedient sich Frontlines bei der aktuellen Weltlage und dreht das Rad einfach ein paar Jahre nach vorne.

In sieben Stunden Kampagne, mit allen möglichen Drehungen und Wendungen, wird das Ende der Öl-Ära skizziert. Angesichts des drohenden Untergangs haben sich wieder die alten Blöcke gebildet und China macht mit Russland gemeinsame Sache.

Der Westen möchte die letzten Ölfelder sichern, als es zu einem offenen Konflikt und damit zum dritten Weltkrieg kommt. Mittendrin Eure Einheit, die Stray Dogs, die gemeinsam mit einem Embedded Journalist die brutalen Kämpfe, das Ende der Zivilisation und den Angriff auf Moskau erlebt.

Die Kampagne beginnt aber recht zaghaft mit kleinen Grenzstreitigkeiten und Scharmützeln. In Zwischensequenzen wird Euch statt der Soldaten der Reporter näher gebracht. Ihr selbst seid austauschbar. Kanonenfutter, das an der Front verheizt wird und damit Euren Wiedereinstieg nach dem Ableben ermöglicht. Gemeinsam mit Euren namenlosen Kameraden stürmt Ihr auf die Frontlinie zu, die meistens hart umkämpft ist.

Um diese zu Euren Gunsten zu verschieben, müsst Ihr unterschiedliche Ziele erreichen, die an verschiedenen Stellen der Karte platziert wurden. Habt Ihr genug Raketenanlagen zerstört, geheime Daten heruntergeladen oder schlicht eine Stellung eingenommen, beginnt das ganze Spiel ein paar Hundert Meter weiter von vorne.

Bei geschätzten 100 Aufgaben bleiben Wiederholungen nicht aus. Ihr sprengt, hackt und sichert Euch durch die ehemalige Sowjetunion, müsst ganz selten auch eine Stellung verteidigen und langweilt Euch trotzdem nicht. Denn neben den technologisch nicht gerade bahnbrechenden, aber gut inszenierten Zwischensequenzen gibt es auch in der Mission immer wieder beeindruckende geskriptete Ereignisse.

Dort zünden im Hintergrund Atombomben und jagen gewaltige Windböen über Euren Panzer, hier werden Satellitenschüsseln in Grund und Boden gebombt und markige Propagandasprüche über Euren Truppen ausgeschüttet. Die dramaturgische Brillanz eines Call of Duty 4 wird zwar selten erreicht, doch im Gegenzug bekommt Ihr jede Menge Freiheit und einen wirklich erfrischenden Spielmodus.

Natürlich gibt es in dieser ungewöhnlichen Mischung aus Einzelspieler-Kampagne und Mehrspieler-Mechanik einige Probleme, die auch die Kaos Studios nicht gelöst haben. Ohne fest definierte Laufwege hat es die KI enorm schwer, wirklich intelligent zu agieren. So sind die Gegner zum größten Teil schlichtes Kanonenfutter, das nur in Ausnahmefällen eine Herausforderung darstellt.

Außerdem muss ständig Material nachgeworfen werden, um eine Kriegsatmosphäre zu vermitteln. Eigentlich kein großes Problem, doch durch die offene Spielwelt gibt es nur wenige Stellen, an denen dies unbemerkt geschehen kann. Ihr müsst Euch also nicht wundern, wenn ab und an Truppenteile direkt vor Eurer Nase erscheinen.

Auch das Thema-Waffen- und Rüstungsdesign wurde ähnlich wie bei Battlefield 2112 nur mittelprächtig gelöst. So besitzt Ihr zwar mächtige Drohnen mit montierten Maschinenkanonen, eingebauten Raketenwerfern und EMP-Granaten, müsst im Gegenzug aber mit einem gewaltigen Rückstoß und wirklich vorsintflutlichen Fahrzeugen zurecht kommen.

Rein äußerlich sehen die gewaltigen Metallkolosse ja wie die nächste Generation aus, aber ohne Zielhilfen, Rohrstabilisation und vernünftigen Abwehrmaßnahmen hätten sie selbst im zweiten Weltkrieg keine Chance.

Einzige Überraschung: Die Metallbüchsen reparieren sich getreu Eurem Charakter nach einer Weile ohne Feindbeschuss ganz von selbst. Eine recht praktische Funktion, die im Mehrspielermodus das Reparieren aber wieder relativ unnötig macht. Auch das etwas seltsame Trefferverhalten in der Außenperspektive und die fehlende Anzeige der Turmdrehung verschafft beim Panzerfahren so einige Frustmomente.

Immerhin machen die Drohnen einen Heidenspaß und sorgen für eine dicke Portion Abwechslung. Gerade in Kombination mit Selbstschussanlagen und mächtigen Verteidigungsstellungen ergeben sich damit ganz andere Taktiken als bei der Konkurrenz. So könnt Ihr Euch einfach in eine dunkle Ecke verkriechen und per Drohne eine schwer bewachte Stellung ausheben. Mittels begrenzter Reichweite, eingeschränktem Munitionsvorrat und schwacher Panzerung werden die mechanischen Helfer aber nie zu mächtig. Außerdem hockt Euer Charakter während der gesamten Attacke hilflos in seiner Deckung und kann immer wieder von Feinden überrascht werden.

Deutlich weniger spektakulär sind da die restlichen Schießprügel. Man kann nur hoffen, dass es in der Zukunft etwas anderes gibt als Trommeln-Schrotflinten, Standard-Raketenwerfer und Sturmgewehre ohne jede Besonderheit. Ghost Recon Advanced Warfighters war da mit aufmontierten Kameraoptiken und digitaler Feinderkennung deutlich besser aufgestellt. Für das Mehrspieler-Balancing ist dieses sehr klassische Arsenal wahrscheinlich recht angenehm, im Single-Player kommt Ihr Euch trotzdem manchmal wie im zweiten Weltkrieg vor.

Auch bei der Präsentation erreicht Frontlines nicht ganz die Brillanz der äußerst starken Konkurrenz. Dank der Unreal Engine 3 könnt Ihr Euch zwar auf ansprechende Charaktere und eine zum Teil zerstörbare Umgebung freuen, müsst dafür aber mit schwachen Wüstenabschnitten leben. Unzerstörbare Gelände und Holzkisten verstärken diesen zweischneidigen Eindruck, werden durch die packende Soundkulisse aber wieder relativiert. Die mitreißende Musik treibt Euch förmlich durch die Level und erzeugt mit den voluminösen Soundeffekten für eine dichte, fast greifbare Atmosphäre.

Den kompletten Mehrspielermodus konnten wir leider noch nicht antesten. Einige ausführliche Partien mit der Multiplayer-Demo haben aber gezeigt, dass Kaos auch hier gute Arbeit abgeliefert hat. Das Frontlinien-System erinnert dabei an den Klassiker Joint Operations, das durch diesen Kniff ähnlich intensive Kämpfe realisierte.

Eine Ähnlichkeit mit dem 'Conquest'-Modus von Battlefield ist ebenfalls nicht von der Hand zu weisen, nur dass Ihr auf wenige einnehmbare Punkte auf einer Frontlinie beschränkt seid und dem Feind so nicht einfach in den Rücken fallen könnt. Die Niederlage ist aber für die gerade schwächere Seite nicht so unausweichlich wie zum Beispiel bei Enemy Territory, da Ihr bei Frontlines den Feind auch wieder zurück drängen und sogar das Ruder noch einmal herum reißen könnt.

Natürlich bauten auch die Kaos Studios eine Art Erfahrungspunktesystem ein, das aber im Gegensatz zu Battlefield 2 oder Call of Duty 4 nicht gespeichert wird. Neben Eurer Primärwaffe könnt Ihr Euch so für eine Rolle entscheiden, die verschiedene Spezialattacken und Ausrüstungsgegenstände ermöglicht.

Wer sich auf die Bodenunterstützung einschießt, kann zum Beispiel Munition verteilen und Fahrzeuge reparieren. Spezialisiert man sich hingegen auf die Drohnen, bekommt man dafür zu Beginn eine sprengbare Aufklärungsdrohne, mit steigendem Level eine fahrbare Maschinengewehrlafette und als krönenden Abschluss einen fernsteuerbaren Mörser.

Im fertigen Spiel wird es übrigens nur den Frontlines-Modus geben, was angesichts der Qualität nicht weiter tragisch ist. Lieber ein starker Modus mit gelungenen Gameplay und fairen Balancing, als das Hundertste Deathmatch, das am Ende doch niemand spielt. Frontlines bietet stattdessen ein sinnvolles Squad-System, das wie bei Battlefield 2 für ein gutes Teamplay sorgt.

Das Balancing in der Multiplayer-Beta war zwar noch nicht final, große Ausfälle gab es aber nicht zu vermelden. Durch die enorme Konzentration der Schlachten kann man sich auch in einem Panzer niemals sicher fühlen, denn irgendein Soldat mit Raketenwerfer rennt an den Hotspots immer herum.

Noch ein Wörtchen zu den Unterschieden zwischen Xbox 360- und PC-Version: Inhaltlich gleichen sich die Fassungen wie ein Ei dem anderen, Ihr müsst also keinerlei Abstriche bei der Anzahl der Missionen oder sonstigem hinnehmen. Solltet Ihr allerdings beide Systeme Euer Eigen nennen und Euer PC zählt nicht mehr zu den jüngsten seiner Art, ist es definitiv ratsamer, mit der Konsolenversion zu liebäugeln. Frontlines: Fuel of War läuft auf Heimrechnern mit allen Details nur auf einem schnellen Core 2 Duo mit einer 8800 GT. Darunter kann es im Eifer des Gefechts zu unschönen Rucklern kommen.

Das Experiment Einzelspieler ist für mich geglückt. Die Kampagne überzeugt trotz der recht offenen Spielfelder mit packenden Kämpfen und jeder Menge Abwechslung. Die Kaos Studios haben zumindest in diesem Punkt ihre ehemaligen Arbeitgeber geschlagen. Es fehlt zwar hier und da noch an besserer Technik und einer breiteren Missionspalette, für einen Erstling ist das Ergebnis aber überraschend gut. DICE muss dagegen mit Battlefield: Bad Company erst noch beweisen, dass sie diesen Kunstgriff hin bekommen, die Entschuldigung der letzten beiden Battlefield-Titel zieht nun nicht mehr.

Leider bietet Frontlines gerade im Multiplayer außer den Drohnen zu wenig Innovationen. Das Erfahrungspunktesystem gibt es bei der Konkurrenz schon deutlich besser und auch den Spielmodus hat man schon mal so ähnlich woanders gesehen. Es ist also fraglich, ob es den Kaos Studios gelingt, die Spielergemeinde dauerhaft an Frontlines zu binden. Ohne die Jagd nach Abzeichen, Leveln und Waffen wird der Titel wahrscheinlich nach einer Weile wieder in der Versenkung verschwinden. Frontlines liefert so nur ein überzeugendes Gesamtpaket ab, erreicht aber in keinem Segment die Genrespitze.

Frontlines: Fuel of War erscheint am 29. Februar für die Xbox 360 und den PC.

 

 

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