Discs of Tron Live Arcade

Review
Plattform
XBOX 360
Vertrieb
Disney Interactive
Entwickler
Backbone Entertainment
Genre
Andere
X360: XBLA-Roundup

X360: XBLA-Roundup

Darf ich einen neuen Geheimbund vorstellen? „Der Orden der Anbeter schlechter Umsetzung uralter Automaten, die fast alle schon vergessen hatten“. Nie war es mir vergönnt, ihre Ordenshallen zu durchschreiten und nie musste ich den Eid ablegen: „Ich gelobe, alles Emulierte zu ehren, egal wie inkompetent umgesetzt es sein mag. Jede Steuerung werde ich durchleiden und jede Optik würdigen, egal wie sehr sie droht, mein Augenlicht zu schänden. So betreten wir das neue Zeitalter alter Spiele.“ So sprach der erste Amalgut des 5800ten Zirkels der Eklipse de CDianer.

Vielleicht darf ich ja beitreten, wenn ich lange genug den ersten der heutigen Titel aushalte. Oder ich spiele einfach einen der anderen Neuzugänge der letzten XBLA-Wochen und werde eine gute Zeit haben. Macht wohl mehr Sinn.

Discs of Tron

Entwickler: Disney Interactive Studios

Kostenfaktor: 400 Punkte (4,80 Euro)

Spielerzahl: 1 bis 2

USK: Ab 6 Jahren

Downloadgröße: 49 MB

Das sollte eigentlich eine sichere Nummer sein und 1983 war es das auch. In einem riesigen Arcadekabinett mit 80s-Neonröhren, Schwarzlicht und einer bedrohlichen Stimme direkt aus dem Tron-Film war ich als Kind komplett aus dem Häuschen. Zumal das Spiel, Air-Hockey ohne Tisch und mit mehr Hin- und Herlaufen, todsicher war und nur eine Grundvoraussetzung mit sich brachte: Eine perfekte, präzise Steuerung.

Und genau hier scheitert wieder mal der Port zum Analogstick des Xbox-Pads. Ist es denn nicht möglich, einen Trackball mit einem kleinen Daumenstick zu emulieren? Falls doch, solltet Ihr die Entwickler anrufen und ihnen das Geheimnis verraten, bevor sie auf diese Weise noch einen ihrer Klassiker in den Sand setzen. Schon das XBLA-Tron, erschienen vor ein paar Wochen, scheiterte daran und die schwammigen Discs-Manöver ruinieren auch jetzt wieder das normalerweise grundsolide Gameplay.

Ein weiteres Rätsel gibt der Multiplayermodus auf: Wenn es in einem Spiel darum geht, dass genau zwei Kontrahenten gegeneinander antreten, dann sollte man sie eigentlich und normalerweise nicht getrennte Spiele spielen lassen. Genau das passiert hier aber und in keinem der vier Modi spielt Ihr wirklich gegeneinander. Seltsam. Statt dessen sammelt Ihr gemeinsam Punkte oder vergleicht Highscores von gerade getrennt gespielten Runden oder macht andere, noch uninteressante Dinge.

Außer dem Multiplayer gibt es, von einem leicht aufgehübschten Grafikmodus mal abgesehen, kaum Neuerungen in dem 25 Jahre alten Game und so bleibt es bei einer missratenen Steuerung und keine Gründe darüber hinwegzusehen sind in Sicht. Danke, der nächste bitte.

Wertung: 1 / 5

Chessmaster Live

Entwickler: Ubisoft

Kostenfaktor: 800 Punkte (9,60 Euro)

Spielerzahl: 1 bis 2

USK: Keine Altersbeschränkung

Downloadgröße: 75 MB

Ihr seid keine Schachspieler? Super, Ihr lest wahrscheinlich nicht einmal diese Zeile und seid schon einen Test weiter. Solltet Ihr dagegen immer noch hier sein: Offensichtlich kennt Ihr das Spiel der Könige und seine Regeln, gehen wird also gleich dazu über, was Chessmaster Live für Euch Pros so anzubieten hat.

Offensichtlich Live. Online könnt Ihr gegen Spieler aus der ganzen Welt antreten. Jippieh, das bietet seit der Erfindung des Internets fast jedes andere Schachprogramm auch. Die Möglichkeit, per Kamera Bilder des Kontrahenten zu sehen, reißt nicht viel, schließlich rekrutieren sich Schachspieler selten aus den Reihen der Supermodels.

Wo Chessmaster für den Profi wirklich zu glänzen vermag, sind sind zum einen die beachtliche Spielstärke, die auch Profis in Bedrängnis bringen kann, und die Auswahl aus einer Vielzahl von individuellen KI-Gegnern mit bestimmten Spielcharakteristika: Miguel wertet Bauern hoch, Kryceks Stärken liegen in der Eröffnung und im Endspiel, Laceys Spiel ist schnell und offen, Charles sucht die Gambits.

Mit meinen eher mittelprächtigen Schach-Fertigkeiten konnte ich zwar nicht immer auf die entsprechenden Situationen hinarbeiten, doch im Test mit Miguel und Lacey lies es sich schon feststellen, dass die Charakterisierungen zuzutreffen scheinen. Die Profis unter Euch werden aus dem Wissen um solche Schwächen und Stärken viel Gewinn ziehen können.

Und sollte Euch das alles nichts sagen, Ihr aber Euch schon immer mal für das Spiel interessieren, bringt Euch der Chessmaster Schach und seine Strategien bei. In einem Tutorial, das sich auf Lektionen verteilt über Stunden hinzieht und wohl weder Fragen zu Spiel noch Strategie offen lässt. Ein gelungenes, grundsolides Schachprogramm ohne Schwächen, aber auch ohne zu viele Extras, die Euch vor Begeisterung vom Sessel springen lassen.

Wertung: 4 / 5

Poker Smash

Entwickler: Void Star Creations

Kostenfaktor: 800 Punkte (9,60 Euro)

Spielerzahl: 1 bis 4, Off- und Online

USK: Keine Altersbeschränkung

Downloadgröße: 100 MB

Karten gibt es in Void Stars Poker Smash auch, aber sie rutschen von unten nach oben über den rechteckigen Tisch und verwandeln sich bei der richtigen Kombination in einen Regen aus wertvollen Casinochips – oder vielmehr Punkten, denn das hier ist allen Kartenspielanleihen zum Trotz ein Tetris-Ableger mit Highscore-Liste.

Absolut minimale Ahnung von den Regeln des traditionellen Pokers solltet Ihr aber schon haben – oder im Tutorial erlangen -, damit Ihr wisst, wie Dreier, Vierer, Flush oder Full House sich zusammensetzen. Die Interpretation dabei wurde aber frei gehalten und auch Kombis, für die man Euch im Saloon erschießen würde – fünf Asse auf der Hand hat man halt nicht –, sind bei Poker Smash erlaubt.

Sicher, Spiele dieser Art gibt es im Dutzend billiger, aber Poker Smash gehört auf jeden Fall zu gelungenen Vertreten. Hier gehen im Gegensatz zu beispielsweise Boogie Bunnies Eure Taktiken auf und Ihr könnt trotz des Zufallselements nie alles nur auf die Karten schieben. Die Möglichkeit, Karten zu tauschen, gelegentlich eine unpässliche wegzubomben oder die Zeit zu beschleunigen oder zu verlangsamen, räumen Euch alle Freiheiten ein, die Ihr für gute Blätter braucht. So lange Ihr nur schnell genug denkt und handelt.

Besonders spaßig, geradezu suchterzeugend, wird es im Onlinemodus oder zu zweit vor der Box. Beide Spieler starten mit einem Batzen Chips, die bei gelungenen Kombos von Kontos des Gegners noch aufgestockt werden. Ihr liegt dabei nie zu weit hinten, denn mit wenigen guten Kombos könnt Ihr Euch und Eure fast leere Kasse noch retten. Erst mit dem letzten Chip ist Schluss. Solltet Ihr Erholung von diesem Stress suchen, könnt Ihr Euch durch die 55 Puzzle-Level schlagen oder einfach Euren Score im Endlosspiel erhöhen.

Egal was davon, alles wird Euch immer wieder für eine Runde begeistern können. Auch wenn ich nicht geglaubt hätte, dass man aus dem Asbach-Steinzeit-Uralt-Konzept noch etwas wirklich Frisches und Gelungenes herauspressen konnte: Void Star hat es ohne Wenn und Aber geschafft. Ein echter Gegner für Super Puzzle Fighter!

Wertung: 5 / 5

Commanders: Attack

Entwickler: Southend / Sierra Online

Kostenfaktor: 800 Punkte (9,60 Euro)

Spielerzahl: 1 bis 4, Off- und Online

USK: Ab 12 Jahren

Downloadgröße: 92 MB

Der letzte Kandidat für heute kann auf einen weitreichenden Stammbaum zurückblicken: Bis in die Anfangstage der klassischen, rundenbasierten Light-Strategiegames. Die Vorfahren tragen so illustre Namen wie Nectaris und Battle Isle. Und Sierras Neuzugang Commanders: Attack kann sich da hinter seinem 50s–SciFi–Setting verstecken oder mit seiner 3D-Grafik protzen, so viel er will. Er ist und bleibt einer von ihnen.

Ihr zieht in Runde Eins Eure Truppen, schießt auf etwaige in Reichweite befindliche Feinde oder schraubt ein wenig am Nachschub, danach beginnt die Runde des Gegners und er wird ziemlich ähnliche Dinge tun. Gezogen wird auf Karofeldern - nur bei Bedarf in die hübsche, wenn auch unspektakuläre Landschaft eingeblendet –, jede der 15 Einheiten hat bestimmte Reichweiten und Schadenspunkte zum Einstecken und Austeilen. Sind alle Siegbedingungen wie die Besetzung einer Basis oder der Zerstöre-alle-Feinde-Klassiker erfüllt, habt Ihr gewonnen.

So weit, so unspektakulär ... aber verdammt erfolgreich! Klar, dass Spielprinzip ist mehr als nur ein wenig bekannt, und doch macht es einen Heidenspaß, mit den eigenen 50s Kampfrobotern, mobilen Basen und futuristischen Panzern sich durch die mit nur 15 Levels leider etwas sehr kurze Kampagne zu ballern. Das Terrain bietet genug Möglichkeiten für ein wenig Taktik- und Versteckspiel, Kommandoeinheiten geben lebenswichtige Boni und am Ende der Runde mit dem letzten verbleibendem Zug den letzten Tank des Feindes wegzupusten, verursacht immer auf Neue ein tiefes Gefühl der Zufriedenheit.

Leider ist das Vergnügen schnell vorbei. Nicht nur absolute Profis werden sich im Nu durchgearbeitet und die gelegentlich lahmende Story hinter sich gelassen haben. Anschließend locken für ein Weilchen noch die 10 Karten des Onlinemodus mit bis zu vier Spielern. Hier glänzt Commanders und bietet viel von Live-Arcades „Schnell mal eine Runde zwischendurch“-Anspruch.

Und so solltet Ihr Commanders wohl auch nehmen: Als kleinen und sehr sympathischen Taktiksnack für den gemütlichen Abend. Wer aber schon zum Frühstück Advance Wars durchspielt hat und danach sich seiner Lebensaufgabe in Form der Panzer General-Reihe widmet, hat hier nicht viel zu tun. Aber für solche Leute wurde weder die Live-Arcade noch Commanders gemacht.

Wertung: 4 / 5

N+

Entwickler: Slick Entertainment / Atari

Kostenfaktor: 800 Punkte (9,60 Euro)

Spielerzahl: 1 bis 4, Off- und Online

USK: Ab 12 Jahren

Downloadgröße: 73 MB

Manchmal ist weniger einfach doch mehr und nirgendwo enthält dieser Satz derzeit in der Konsolenwelt mehr Wahrheit als bei N+. Der Look des kleinen Ninjas in der kalten grauen Roboterwelt wird das Erste sein, was Euch zu dem Offbeat-Titel des kanadischen Entwicklers Slick Entertainment locken wird, aber keine Sorge: Ihr kommt für die Optik, aber Ihr bleibt für das Gameplay!

In mehr als 300 Levels kämpft der 1080i-Strichmännchen-Ninja gegen die böse High-Tech-Roboterwelt und in jedem der Areale gilt es härteste Aufgaben zu lösen. Und schnell sind die eines echten Ninjas definitiv würdig, denn der Schwierigkeitsgrad zieht gerade in der zweiten Hälfte des bis auf den Grund puristischen Jump´n´Runs dramatisch an.

Springen, Laufen, Sliden und gelegentlich auch mal schweben, das war es, was Ihr tun könnt, um einer Barrage an Laserwaffen, Bomben und tödlichen Robotern zu entgehen, immer auf der traditionellen Suche eines Ninja nach noch mehr Gold. Gold und Ninjas? Warum nicht, irgendetwas müsst Ihr ja einsammeln, sonst wäre es zu einfach und es gäbe keinen Highscore.

Und außerdem, was eignet sich besser als glitzerndes Metall, um den Geist des Gegeneinanders im Multiplayerteil zu beschwören. Wer sammelt schneller das Gold, ohne in einem Laserfeld zu landen, wer ist der bessere Ninja? Kooperative Geister im entsprechenden Modus arbeiten dagegen zusammen und opfern sich auch schon mal, um eine Bombe auszulösen und so den Weg für den anderen freizuräumen. Die Mehrspielervarianten funktionieren mindestens so gut und spielen sich genauso geschmeidig wie der Single-Player-Teil.

Geschmeidig heißt aber wie schon erwähnt nicht einfach. Das größte Gefahrenpotential geht vom Ninja selbst und den physikalischen Gesetzen der Beschleunigung und Masseträgheit aus, wenn Ihr verzweifelt versucht, die auf den Pixel genaue Steuerung auch bei aberwitzigen Sprungfolgen zu meistern. Das wird häufig genug nicht gleich gelingen und der Tod ist auch bei diesem Ninja ein ständiger Begleiter.

Lasst Euch trotzdem nicht abschrecken. N+ ist eine mehr als würdige Erweiterung des inzwischen gratis zu bekommenden Flashspiels N (harveycartel.org)für PC, Mac und Linux. Der Charme des Minimalen, gepaart mit einem simplen und doch unglaublich reichhaltigen Spieldesign, katapultiert N+ aus der Ecke des Underdog-Geheimtips zu den Must-Haves der XBLA-Welt.

Wertung: 5 / 5

Randnotiz der Woche: Die Erfindung des Pokerspiel kann man als multikulturelles Gemeinschaftsprojekt bezeichnen: Es hat Einflüsse des ägyptischen Ganijfa (ca. 14. Jhd.), des persischen As Nas (ca. 14. Jhd.) und des spanischen Primero (ca. 15. Jhd.), aus dem sich dann das französische Poque oder das deutsche Poch entwickelten. In England wurde dann aus dem „pochen“ das „poke“ und schon sind wir beim Poker.

 

 

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