Deadly Creatures

Review
Plattform
WII
Genre
Abenteuer
WII: Deadly Creatures

Gesamtwertung

6/10

WII: Deadly Creatures

Die wichtigste Frage ist nicht unbedingt das Wann oder Wo und auch nicht das Wer. Diese Fragen beantwortet Deadly Creatures im Laufe seiner extrem kurzen Spielzeit zumindest halbwegs befriedigend. Die wichtigste Frage, das Warum, bleibt dummerweise völlig offen.

Aus der Sicht einer Tarantel oder eines Skorpions ist die Welt recht einfach gestrickt. Wo gibt es Futter, wo finde ich den meisten Abstand zu meinen Fressfeinden und, wenn alle diese zum ersten Überleben notwendigen Voraussetzungen erfüllt sind, dann stellt sich natürlich noch die Fortpflanzung in den Vordergrund. Die animalische Bedürfnispyramide ist somit simpel.

Warum also bitte sollte die Tarantel freiwillig in das Nest der Tarantel-Hornissen klettern!? Sollte sie nicht den größtmöglichen Abstand halten? Die Biester ernähren sich von Spinnen! Die Antwort ist so einfach wie unbefriedigend: Weil Deadly Creatures es Euch vorgibt.

Das Spiel verstrickt zwei Handlungen parallel. Die eine erzählt es in kurzen Blicken aus einer ungewöhnlichen Perspektive und kaschiert damit, dass sie einfach und platt ist. Die markanten Stimmen von Dennis Hopper und Billy Bob Thornton, die die Rolle der beiden Goldsucher in der Wüste irgendwo in Amerika übernehmen, verbergen hochwertig und stimmlich kompetent einen Plot, der so dünn ist, dass ich Euch wirklich nichts verraten kann, ohne nicht einen guten Teil zu spoilern. Am Ende wird er Euch aber kaum erfüllt zurücklassen.

Die andere Handlung ist gar keine. Es ist die Geschichte eines Skorpions und einer Tarantel, die entgegen aller Instinkte durch eine Reihe von Örtlichkeiten gescheucht werden, die sie normalerweise meiden würden wie die Pest. Das Nest der Tarantel hassenden schwarzen Witwe. Eine Echsensiedlung, die sich bevorzugt von saftigen Skorpionen ernährt. Und viele Gefahren mehr müssen die beiden auf grausames Geheiß des Spiel überstehen.

Die Motivation des Spielers ist dabei klar. Wir wollen natürlich dem Rahmenplot um die beiden Männer folgen, egal wie dünn er ist. Er ist alles, was wir haben. Das erklärt aber nicht, warum die beiden eigentlichen Protagonisten da mitziehen und anstatt sie elegant und durch Ereignisse in diese Richtung zu manövrieren, heißt es: Passiert den Kaktus-Canyon. Na von mir aus, ich bin ja nur eine Tarantel, was weiß ich schon.

Der Weg selbst führt durch einen alles andere als beschaulichen, sehr stark herangezoomten und über weite Strecken tunnelförmigen Mikrokosmos, dessen Bewohner es leider nur bedingt mit der Animationsperfektion des steuerbaren Duos aufnehmen können. Diesen beiden merkt man den betriebenen Motion-Capture-Aufwand deutlich und mit jedem Schritt der vielen Beine an. So sehr, dass ich insgeheim froh bin, dass die Wii diese Pracht nicht noch höher auflöst. Vielleicht wäre es dann doch zu viel für meine latente Arachnophobie geworden.

Das Getier um die beiden herum bewohnt qualitativ im Gegenzug leider nur die visuelle Reichweite von meh bis bäh. Andere Spinnen und Skorpione ziehen wenig überraschend in der Eleganz gleich, wenn auch die Liebe zum Detail fehlt. Echsen und Ratten lassen dann zu Wünschen übrig. Plump, geradezu billig wirken die Animationen, die Bewegungen täuschen zu keinem Zeitpunkt. Alles, was die Designer beim Krabbelgetier richtig machten, vermittelt hier höchstens den Eindruck von Hintergrundanimationen, auf die Ihr nicht zu genau schauen solltet.

Genau das werdet Ihr aber, denn der Kampf auf dieser Zoomstufe der Welt läuft close´n´personal ab. In den ersten der zehn Stages schränkt man Euer Repertoire ziemlich ein, fast ein wenig zu sehr. Per Knopfdruck wird angegriffen, mit dem Stick des Chuck gelenkt. Nach und nach schaltet Ihr immer mehr Moves frei, bis sich Eure beiden Lieblinge in wahre Kampfmaschinen verwandeln. Besondere Angriffe, die die wirklichen Treffer erzielen, löst Ihr durch Mote-Bewegungen aus, die das Spiel ordentlich und ohne großen Frust erkennt. Nur dass es sich dabei häufig viel Zeit bei der Ausführung lässt.

Eine Animation schön zu gestalten, ist eine Sache, sie so in die Länge zu ziehen, dass es dem Feind regelmäßig ein bequemes Fenster zum Angriff lässt, eine andere. Eine, die Euch spätestens auf dem dritten und höchsten Schwierigkeitsgrad vor Frust und Zorn ob der Unfairness zittern lässt. Hier reagieren die Feinde schneller, landen ab der Hälfte des Spiels billige Treffer und solltet Ihr Euch nicht mit äußerster Vorsicht heranpirschen, werdet Ihr vielfach regelrecht in Stücke gerissen. Der auf den ersten beiden Härtegraden witzige und in Zügen auch taktische Prügelkampf ungewohnter Kombattanten gerät so häufig zur Prüfung purer Willenskraft, das Spiel nicht einfach zu beenden.

Genau dies könnte Euch auch komplett unverschuldet und unabhängig von der Wahl des Härtegrades widerfahren. Von einem Bug aus dem Rennen ums Überleben geworfen zu werden, dürfte der fieseste Tod sein und mir selbst widerfuhr er zwei mal im Laufe von zwei Durchgängen. Beide Male verschwand ein Standardfeind im Boden. Er war noch da und ein paar einzelne Pixel huschten noch umher, nur treffen konnte ich ihn nicht mehr. Damit wurde das nächste Ereignis nicht ausgelöst und es blieb nur noch die Möglichkeit, den Reset zu betätigen. In einem Spiel, das an anderen Stellen mit unglaublichen Production Values in Form prominenter Stimmen und teilweise wirklich beeindruckenden Umgebungen um sich wirft, überraschen solch drastische Unpässlichkeiten.

Ihr werdet auch auf eine ganze Reihe weit weniger dramatischer Fehlerchen stoßen. Die Kollisionsabfrage in den Kämpfen bleibt bis zum Schluss etwas diffus und eigentlich heißt es besser zu nah, als genau richtig postiert. Dann steigt die Chance zu treffen. Zudem tauchen Feinde gerne mal in die Umgebungspixel halb ein und die Kamera leistet zwar zu 80 Prozent gute Dienste, nur den Rest der Zeit lässt sie Euch rätseln, wo Ihr sein könntet und wo es vielleicht weiter geht.

Zum Glück für Deadly Creatures hält es genug Momente bereit, die Euch vergessen lassen, dass Ihr hier eigentlich nichts anderes als einen zu hundert Prozent linearen und sicher nicht zu hundert Prozent perfekten Action Adventure-Brawler spielt.

Die Moment, in denen Ihr in eine dunkle Spinnenhöhle krabbelt, die nur vom Schein eines fallen gelassenen, defekten Handys erleuchtet wird. Ein Puppenkopf riesenhaft und bedrohlich den Weg weist. Ihr von Kaktus zu Kaktus hüpft, die Weite des amerikanischen Mittelwesten im Hintergrund. Der phänomenale Kampf der Spinne gegen ihren Erzfeind, das David-gegen-Goliath-Spiel des Skorpions. Für jeden drögen Tunnel in Deadly Creatures hält man eine denkwürdige kleine Szene bereit, die Euch entschädigt. Wenn es denn nur insgesamt nicht so kurz wäre. Sechs, vielleicht sieben Stunden waren es bis zum Abspann auf Normal. Das ist heute vielleicht schon fast im Bereich des Gewohnten, aber eigentlich nur bei Ego-Shootern, die dann auch noch die Spielzeit mit einem Multiplayer strecken.

Selbiges findet Ihr in Deadly Creatures allerdings nicht. Was sehr enttäuscht. Wir hätten sicher jede Menge Spaß dabei gehabt, mit Tarantel und Skorpion festzustellen, wer denn nun mehr deadly ist. Als Ausgleich für den Mehrspieler hält eine durch sinnlose Sammelquesten freischaltbare Kollektion von Artworks her. Wobei es erstaunlich ist, wie niedrig die Messlatte für etwas mit einem so hehren Namen gelegt wurde. Sollte „Art“work nicht wenigstens irgendwie künstlerisch wertvoll oder ansprechend sein?

Kurz und konventionell sind die negativen Kernbegriffe. Sechs Stunden Laufen und Prügeln. Darum geht es hier, wenn Ihr außen vorlasst, mit wem und in welcher Umgebung es stattfindet. Das ist ziemlich wenig für die volle Wegstrecke an Barem, die man dafür von Euch verlangt. Sogar ein paar Programmfehler, um in diesem Spiel mal nicht das Wort Bug zu benutzen, warf man noch in diesen mageren Deal.

Und trotzdem möchte ich Deadly Creatures nicht verdammen. Dazu bietet es einfach zu viele Momente, die Euch kurz am Screen innehalten oder zusammenzucken lassen. Es wird durch die drastische Veränderung von Wer und Wo kein innovatives Spiel und ein besseres Warum hätte ich mir auch gewünscht, aber Spaß hat es trotz allem gemacht. Das will ich nicht leugnen. Lasst Euch nicht von den prominenten Stimmen und der „So was gab es noch nie!“-Werbetrommel umgarnen. Erwartet nicht die Endstufe des Wii-Gamedesigns. Dann seid Ihr nicht zu enttäuscht und erlebt unvoreingenommen ein latent ekliges, sehr bodennahes, aber durchaus spaßiges Abenteuer.

Deadly Creatures ist exklusiv für die Wii im Handel erhältlich.

 

 

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